Die Baronin von Rodenbach
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Die Baronin von Rodenbach

  1. 240 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Die Baronin von Rodenbach

Über dieses Buch

Nun liegt der dritte und letzte Band der Familiensaga vor. Die Geschichte handelt von der Tochter der Hexe und ihrer Familie in Rodenbach bei Hanau. Sie spielt in den Jahren 1650-1700.Spannend ist der Überlebenskampf von Margaretha und ihren Kindern in dieser kriegerischen Zeit erzählt. Auch das Dorf Rodenbach kämpft um ein Überleben. Viele Jahre sind von den Überfällen und Plünderungen gezeichnet. Durchmarschierende Soldatentruppen und Einquartierungen von ganzen Soldatenkompanien bringen das Dorf fast an den Ruin.Margaretha und ihr Sohn, zwei echte ausgebildete Krieger, verteidigen mit ihrer Bürgerwehr Rodenbach und retten es vor dem Untergang. Dafür werden sie reichlich belohnt.Dramatische Geschehnisse innerhalb der Familie erzählen vom harten und kargen Leben in Rodenbach im 17. Jahrhundert. Alle geschichtlichen Ereignisse entsprechen den Tatsachen.

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Information

Jahr
2018
ISBN drucken
9783752846799
eBook-ISBN:
9783748133728
Kapitel 1
Man schrieb das Jahr 1652. Es war Winter und das ganze Land lag unter einer weißen Schneedecke. Die Kälte drang durch alle Ritzen der alten Fachwerkhäuser und die Bewohner von Rodenbach im Kinzigtal hüllten sich in ihre wärmsten Kleider. Am Abend saß man zusammen um die große Feuerstelle, über der ein Topf mit kochendem Wasser für die Teezubereitung thronte. Auch Margaretha Rießel saß zusammen mit ihrem Mann Jacob und den Kindern um die Feuerstelle. Ihre Tochter Agnes war gerade fünf Jahre alt und schon sehr aufgeweckt und wissbegierig. Ihr Sohn Peter war erst drei Jahre und für sein Alter auch schon äußerst lebendig.
An einem solchen kalten Winterabend hingen die Erwachsenen ihren Gedanken nach und den Kindern war es meist langweilig. Margaretha ging zu den kleinen Fenstern, um die Holzläden zu schließen, dabei blickte sie verträumt auf den schneebedeckten Hof. Links sah sie den überdachten Pferch, wo ihre Schafe im Winter untergebracht waren. Diese standen dicht gedrängt beieinander, als ob sie sich gegenseitig wärmen wollten, dabei hatten sie doch ein dichtes Winterfell, dass sie eigentlich gar nicht frieren sollten.
Margarethas Blick ging auch nach rechts zum Hof ihres Onkels Paul und dessen Frau Margret. Auch ihre Großmutter Elisabeth lebte dort. Und es gab noch Conradt, den siebenjährigen Sohn von Paul und Margret. Diese hatten sich erst spät gefunden und Conradt war ihr großes spätes Glück.
Schon vor zwei Jahren hatten Margaretha und Paul ihre beiden Höfe zusammengelegt und gemeinsam bewirtschaftet. Sie hatten dadurch den größten Hof im Dorf und großen Erfolg.
Inzwischen war es in der großen Stube etwas wärmer geworden und die Kinder hatten sich von der Feuerstelle entfernt und spielten Verstecken, wobei der kleine Peter mit seinen drei Jahren keine Chance hatte, seine Schwester zu finden. Im Gegenzug fand Agnes ihn meist leicht, weil er sich verriet, indem er auf die Frage: „Wo bist du?“ einen Laut von sich gab, der sein Versteck preisgab. Margaretha lächelte still vor sich hin, während sie dem friedlichen Idyll zusah. Morgen wollte Jacob mit den Kindern einen Schneemann bauen, falls es nicht allzu kalt war. Mit Agnes hatte Margaretha schon im letzten Jahr ausgiebig im Schnee gespielt und auch einen Schneemann gebaut, der mit Knöpfen aus Steinen, Großvaters Hut und einem Besen in der Hand mindestens vier Wochen den Hof zierte. Für Peter musste das alles noch einmal gemacht werden.
In der Stube roch es nach Tee und das Feuer beleuchtete die wenigen Möbel in dem Zimmer. Es gab einen großen Tisch, an dem bis zu zwölf Personen Platz hatten, Stühle und Schränke. Überall hingen Töpfe und Pfannen sowie andere Kochutensilien an der Wand. Im Anschluss an die große Stube gab es eine kleine Kammer mit den Essensvorräten, neben Brot und Mehl auch Gemüse und in Gläser eingemachtes Obst sowie selbst gemachtes Sauerkraut in einem großen Tongefäß.
Bevor Margaretha die schweren Holzschläge schloss, sah sie den Lichtschein im Nebenhaus von Onkel Paul und ihrer Großmutter. Elisabeth war schon hoch betagt und Margaretha liebte ihre Großmutter sehr. Die alte Frau hatte schon vieles in ihrem Leben erleiden müssen. Ihr Mann Conradt war vor vielen Jahren von plündernden Soldaten ermordet worden. Ihr Sohn Georg starb in Hanau an der Pest, doch das Schlimmste war der Tod ihrer Tochter Agnes, der Mutter von Margaretha.
Agnes wurde 1628 in Crotzenburg nach einem Prozess unschuldig als Hexe verurteilt und verbrannt. Der Schmerz darüber hat Elisabeth nie verlassen. Nur die Liebe zu ihrer Enkelin Margaretha ließ sie ihren Kummer zuweilen vergessen.
Nachdem Margaretha ihre Kinder zu Bett gebracht hatte, setzte sie sich zu Jacob an das wärmende Feuer. Gemeinsam sahen sie in die kleiner werdenden Flammen und hingen friedvoll ihren Gedanken nach. Jacob legte seinen Arm um ihre Schultern und sah sie an: „Was denkst du?“
„Ach Jacob, ich mache mir Sorgen. Es gibt immer noch ständig Plünderungen im Dorf. Wir haben Glück, dass unser Hof bisher verschont geblieben ist.“
„Ich weiß“, sagte Jacob, „aber du übertreibst. Vor kleinen Gruppen habe ich keine Angst, die wirst du alleine in die Flucht schlagen, so wie du mit dem Schwert umgehen kannst.“
Jacob lächelte schelmisch. Er dachte an Margarethas Vergangenheit: Margaretha war die uneheliche Tochter des Barons Martin von Dragus. Sie lebte viele Jahre bei ihrem Vater auf dem großen Gut Dragus, wo sie von ihm in der Kampfkunst unterrichtet wurde. Unter seiner Anleitung wurde sie eine große Kämpferin und in allen Waffengattungen geschult. Mit dem Schwert war sie fast unbesiegbar. Sie hatte dies in vielen Kämpfen um das Gut oft unter Beweis gestellt. Allerdings war das Gut vor einigen Jahren von durchziehenden schwedischen Soldaten völlig zerstört worden. Nach einem heroischen Kampf mit vielen Toten mussten Margaretha und ihr Vater sowie dessen Schwester Johanna fliehen. Sie zogen auf eines ihrer Güter, das Gut Hüttelngesäß im Freigericht in der Nähe von Niedersteinbach. Margaretha zog nach Rodenbach und kaufte den Hof neben ihrer Großmutter. Die Höfe wurden bald zusammengelegt zu einem großen Hof. Baron Martin und seine Schwester Johanna blieben auf dem Gut Hüttelngesäß.
Nach einer Weile fuhr Margaretha fort: „Nimm das nicht so leicht Jacob, wenn die Soldaten einmal in größerer Zahl kommen, dann habe auch ich keine Chance mehr. Ich werde jedenfalls weiter mit meinem Schwert üben, damit ich nichts verlerne.“
„Wenn es dich beruhigt, dann mach das, Margaretha.“
„Ja, das werde ich.“
„Lass uns lieber über das kommende Jahr reden, Margaretha. Unsere Bücher zeigen mir, dass uns die Haltung der Ochsen und Schafe Erfolg und Geld gebracht hat. Was können wir also noch tun?“
„Du hast Recht, ich mache mir zu viele Sorgen. Lass uns also über den Hof reden. Was können wir noch tun, Jacob? Ich möchte unseren Hof weiter vergrößern. Ich bin durch Gut Dragus anderes gewohnt.“
„Ja, das bist du, Margaretha. Unsere Felder liefern das Futter für unsere Tiere und vor allem für die Ochsenmast. Wenn wir noch mehr Ochsen und Schafe anschaffen wollen, brauchen wir noch mehr Felder und Wiesen. Auch haben wir auf unserem gemeinsamen Hof keinen Platz mehr für weitere Tiere. Felder und Wiesen könnten wir vielleicht vom Grafen in Hanau pachten, aber wohin mit den Tieren?“
„Du hast Recht, Jacob. Innerhalb der Mauern von Rodenbach haben wir zu wenig Platz, es sei denn …“
„Es sei denn was?“
„Viele Höfe im Dorf stehen leer, weil die Bauern von Soldaten oder Plünderern getötet wurden und ihre Familien einfach aufgegeben haben. Wir könnten also einen weiteren Hof kaufen. Mein Onkel Paul ist ja im Kirchenrat, er könnte uns dabei helfen. Die Gemeinde sucht doch dringend Bauern, die einen Hof übernehmen wollen.“
„Das stimmt, Margaretha, das könnten wir machen.“
Margaretha bekam glänzende Augen und drückte ihren Mann fest an sich: „Weißt du, Jacob, seit Vater unser zerstörtes Gut an den Grafen von Hanau zurückgegeben hat, glaube ich nicht mehr daran, dass wir jemals wieder auf das Gut zurückkehren werden. Ich träume aber manchmal von einem eigenen großen Gut. Der Kauf eines weiteren Hofes ließe mich meinem Traum etwas näher kommen. Ich freue mich, dass du nichts dagegen hast. Ich werde gleich morgen mit Paul, Margret und Elisabeth reden. Ich lasse mich nicht aufhalten!“
„Wenn das klappt, Margaretha, haben wir aber noch mehr Arbeit und wir brauchen dann tatsächlich noch mehr Felder und Wiesen.“
„Ja, wenn wir einen weiteren Hof kaufen, müssen wir mit dem Schultheiß Christian Haupt reden. Der muss uns beim Grafen neue Pachtrechte verschaffen… oder warte… ich habe eine bessere Idee! Mein Vater muss mit dem Grafen Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg reden. Als Baron kann er dort sicherlich mehr erreichen.“
„Gute Idee, Margaretha. Sprich mit deinem Vater.“
„Ja, das werde ich tun. Ich muss ihn ohnehin wieder einmal auf Gut Hüttelngesäß besuchen. Auch Johanna, meine liebe Tante, vermisse ich sehr. Ich werde gleich morgen reiten. Ich bleibe aber nur einen Tag, wir müssen noch so viel besprechen, wenn wir hier etwas Neues aufbauen wollen. Auch Vater wird das sicher gefallen. Vielleicht kann er uns hier und da einen Rat geben.“
„Das kann er bestimmt, Margaretha, er hat ja lange genug ein großes Gut geleitet, da dürfte ihm das nicht schwer fallen.“
„Irgendwie freue ich mich auf diese Aufgabe, Jacob.“
„Ich auch, ich auch.“
Mit glänzenden Augen sahen sich beide an. Die Vorfreude war in ihren Gesichtern zu sehen. Dann wurde Margaretha wieder ernst und sie sagte: „Wenn wir einen weiteren Hof haben, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass einer überfallen und geplündert wird. Ich mache mir immer noch Sorgen. Wir müssen etwas unternehmen!“
„Ja, aber was?“
„Wir können uns nicht alleine schützen. Ich muss mit Onkel Paul reden. Wir müssen die Wehrtürme wieder mit Schützen besetzen. Wir müssen aber zuerst welche ausbilden. Wir müssen unsere Hofeinfahrten mit stärkeren Toren und Mauern versehen. Und… und wir müssen uns selbst verteidigen können.“
„Das wäre sicher richtig, aber wie?“
„Ich weiß es noch nicht. Ich selbst kann es ja mit einigen Gegnern aufnehmen, aber was ist mit dir und mit Paul?
Ich kann ja nicht überall sein, schon gar nicht auf einem weiteren Hof. Vielleicht kann uns der Kirchenrat helfen. Ich muss auch hierüber mit Onkel Paul reden. Man könnte im Dorf eine Gruppe zusammenstellen aus Schützen und starken Bauern, eine Art… Bürgerwehr, dann wäre Rodenbach nicht ganz ohne Schutz.“
„Kein schlechter Gedanke, Margaretha. Spreche darüber mit Paul.“
„Das werde ich. Es wäre schön, wenn unsere Kinder etwas älter wären. Peter und auch Pauls Sohn Conradt könnten das Kämpfen lernen. Entweder bei mir… oder woanders.“
„Du willst doch aus den Kindern keine Krieger machen, oder?“
„So wie du das sagst nicht, Jacob. Aber stelle dir vor, außer mir könnten irgendwann auch Peter und Conradt kämpfen. Wenn ich dann noch dich und Paul dazuzähle, dann könnten wir uns ganz gut verteidigen.“
„Das mag stimmen. Aber bis es soweit ist, vergeht noch einige Zeit, Margaretha.“
„Ja, aber ich werde diesen Plan im Kopf behalten, schließlich… schließlich… sehe ich die Gefahr auf uns zukommen!“
„Du… du siehst sie?“
„Ja ich sehe sie… und ich spüre sie. Ich werde also wachsam sein.“
„Oh mein Gott, du siehst wieder in die Zukunft? Ich weiß, dass du das kannst, aber trifft das auch immer ein?
Jetzt mache ich mir auch Sorgen.“
„Das hilft im Moment auch nicht, lass uns lieber an unsere Pläne denken.“
„Gut Margaretha, du reitest also morgen zu deinem Vater und du sprichst vorher noch mit deinem Onkel Paul. So weit ich weiß, gibt es drei Höfe, die leer stehen und die mir gefallen würden. Einen in der Kirchstraße, einen in der Bachstraße und sogar einen hier in der Hauptstraße, ganz vorne an der unteren Pforte.“
„Nein, den nicht“, antwortete Margaretha, „der Hof am Eingang zum Dorf wurde bisher zuallererst zerstört. Lieber den in der Bachstraße, der liegt etwas abseits, das scheint mir sicherer zu sein.“
„Du hast wieder einmal Recht. Warten wir ab, was Paul und der Kirchenrat dazu sagen.“
„Gut Jacob, so soll es sein.“
Das Feuer in der Stube war nun fast niedergebrannt. Die beiden zündeten sich eine Kerze an und löschten dann das Feuer. Sie stiegen dann die knarrende Holztreppe zu ihrem Schlafzimmer hinauf. Mit einem glücklichen Gefühl schliefen sie recht schnell ein.
Am nächsten Tag sprach Margaretha mit ihrem Onkel Paul. Sie saßen in der großen Stube von Pauls Haus zusammen. Paul, Margret, Elisabeth und der kleine Conradt. Margaretha begann: „Paul, wir schmieden große Pläne für das kommende Jahr. Jacob und ich wollen etwas Neues unternehmen.“
„Was wollt ihr noch unternehmen? Es ist doch alles gut so wie es ist.“
„Wir möchten uns weiter vergrößern. Ich bin das vom Gut Dragus so gewöhnt.“
„Vergrößern? Wie soll das gehen? Hier im Dorf ist kein Platz mehr hinter den Wehrmauern. Wie sollen wir uns da noch vergrößern?“
„Wir haben gestern Abend schon darüber nachgedacht. Wir könnten einen der verwaisten Höfe im Dorf kaufen.“ „Oh Gott, Margaretha. Noch einen Hof! Denke doch an die viele Arbeit“, warf Margret ein. Aber Großmutter Elisabeth schmunzelte. Das war ihre Enkelin! Paul dagegen war nicht begeistert: „Noch einen Hof? Wie sollen wir das alles schaffen?“
„Das werden wir schon. Wir könnten weitere Knechte einstellen und vielleicht auch einen Verwalter.“
Paul seufzte: „Aber was willst du mit dem Hof anfangen? Und überhaupt, welcher Hof?“
„Wir dachten an den Hof in der Bachstraße, er liegt etwas abseits und wird nicht so schnell von Plünderern entdeckt.“
„Ich kenne den Hof“, antwortete Paul, „er gehörte früher den Ludwigs. Er ist nicht sehr groß und es gehören nur wenige Felder zum Hof. Was willst du denn daraus machen?“
Margaretha zögerte nicht lange: „Jacob und ich haben schon darüber nachgedacht. Wir könnten vom Grafen in Hanau weitere Felder pachten. Mein Vater könnte das sicher in Hanau erreichen. Wir könnten dann dort Futter anbauen für unsere Ochsenmast. Wir würden weitere Ochsen kaufen und auf dem neuen Hof nur die Ochsenmast betreiben. Das ist im Augenblick unser bestes Geschäft. Wir könnten im Jahr darauf alle Ochsen von unseren Höfen in Frankfurt auf den Markt bringen. Ein großer Gewinn wäre uns sicher.“
Paul sagte: „Oh je Margaretha, ihr habt offensichtlich schon an alles gedacht. Für was braucht ihr mich dann eigentlich noch?“
„Wir gehören doch zusammen, Paul. Wir sind eine Familie und wir haben Kinder. Es lohnt sich, auch an deren Zukunft zu denken.“
Paul zögerte, auch Margret schwieg, nur Großmutter Elisabeth schmunzelte immer noch und sie nickte ihrer Enkelin aufmunternd zu.
Paul antwortete nach einer Weile: „Deine Idee ist sicher gut, Margaretha, aber… aber ich möchte da nicht mitmachen. Ich bin alt, ich bin schon im dreiundsechzigsten Lebensjahr und ich möchte nichts Neues mehr beginnen. Du und Jacob, ihr könnt es doch alleine durchziehen. Ich verspreche dir, ich helfe dir so gut ich kann. Ich… ich habe keinen Mut für etwas Neues… so wie du.“
Margaretha war enttäuscht, fing sich aber schnell: „Ich werde es noch einmal mit Jacob besprechen und dann mit meinem Vater, auch er wird mir sicher mit Rat und Tat zur Seite stehen. Trotzdem Paul, denke bitte nochmals über meinen Vorschlag nach und kläre doch bitte für mich im Kirchenrat, ob ich den Hof in der Bachstraße kaufen kann. Das Geld dafür haben wir und das Dorf könnte es nach den Kriegskosten sicher gut gebrauchen.“
„Gut Margaretha, ich werde nochmals darüber nachdenken und ich werde natürlich gerne mit dem Kirchenrat sprechen. Wir würden sicher froh sein, wenn der Hof in der Bachstraße bald wieder bewirtschaftet würde. ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Hinweise
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Kapitel 1
  4. Kapitel 2
  5. Kapitel 3
  6. Kapitel 4
  7. Kapitel 5
  8. Kapitel 6
  9. Kapitel 7
  10. Kapitel 8
  11. Kapitel 9
  12. Kapitel 10
  13. Kapitel 11
  14. Kapitel 12
  15. Kapitel 13
  16. Kapitel 14
  17. Kapitel 15
  18. Kapitel 16
  19. Kapitel 17
  20. Kapitel 18
  21. Kapitel 19
  22. Kapitel 20
  23. Kapitel 21
  24. Kapitel 22
  25. Kapitel 23
  26. Kapitel 24
  27. Weitere Informationen
  28. Der Autor
  29. Ignatz Basile
  30. Impressum