FOURNIER FLUGZEUGE
Die ersten Skizzen seines „Avion Planeur“ fertigte Rene Fournier am 26. Mai 1947 in Cahors an. Obwohl der Entwurf deutlich den Charakter eines motorisierten Segelflugzeugs trug, stand bei Fournier weniger der Entwurf des Segelflugzeugs im Vordergrund. Fournier wollte mit seinem Entwurf ein Flugzeug mit maximaler Effizienz gestalten, die aerodynamisch zunächst einmal in einem antriebslosen Segelflugzeug gegeben war. Im Vordergrund stand für Fournier aber der Reiseflug, der mit minimalen Anforderungen an einen Motor realisiert werden sollte. Hierin unterschied sich der Entwurf von den bereits in den 30er Jahren bekannt gewordenen Motorseglern, die ihren Motor nur zu Start und Landung oder allenfalls zur Überbrückung kurzer thermischer Lücken verwendeten. Fourniers Flugzeuge sollten Reise- und keine Segelflugzeuge sein. Diese frühe Grundidee sollte für alle Flugzeugentwürfe bestimmend bleiben, die Rene Fournier in den kommenden 50 Jahren schuf.
Bis Mitte der fünfziger Jahre schuf Rene Fournier unter der Bezeichnung „Avion Planeur“ den Entwurf eines leichten Sportflugzeugs. Da Rene Fournier über keine Metallwerkstatt verfügte, entschied er sich in dieser frühen Phase bereits für eine Ausführung in Holzbauweise, die weniger Anforderungen an die Werkstatt stellte und als preisgünstiger Werkstoff seiner Idee einer optimalen, aber günstigen Flugzeugkonstruktion am nächsten kam. Als Autodidakt verfügte Fournier über kein Konstrukteurswissen und musste sich dies während der Entwurfsarbeiten zum „Avion Planeur“ aus der Literatur aneignen. Fournier beschränkte sich dabei auf Fragen der Integrität der Konstruktion und auf die konstruktive Gestaltung flugmechanischer Eigenschaften. Bei der Auslegung des Flügels entschied sich Fournier aus Gründen der strukturellen Integrität für einen durchgängigen, einteiligen Flügel mit hoher Streckung, der optimale Segelflugeigenschaften versprach. Obwohl zu dieser Zeit bereits Laminarprofile verfügbar waren, entschied sich Fournier für ein konventionelles NACA-Profil. Dies bedingte eine notwendige weitergehende Streckung des Flügels verbunden mit einer Gewichtserhöhung des Flugzeugs. Fournier sah schließlich einen sinnvollen Kompromiss aus einer praktikablen Spannweite und optimalem Flugverhalten vor.
Fournier Flugzeug-Entwicklungen
Mit der RF-01 entstand bis 1960 der Prototyp des „Avion Planeur“. Die nachfolgenden RF-02, RF-3 und RF-4 waren bis 1966 direkte Ableitungen aus der RF-01. Auch die einsitzige RF-7 war Ende der 60er Jahre noch eine direkte Ableitung aus der RF-01 bzw. RF-4. Die RF-4 diente Fournier in den 70er Jahren dann als Ausgangsmuster für eine Reihe zweisitziger Flugzeugentwürfe. Der Tandemsitzer RF-5 und der in Ganzmetall ausgeführte Trainer RF-8 stellen vom Grundentwurf her prinzipiell nur eine um einen zusätzlichen Sitz verlängerte RF-4 dar und folgen damit noch den Auslegungskriterien des „Avion Planeur“ aus den 50er Jahren.
Obwohl auch die RF-6 laut Rene Fournier durch eine Rumpfverbreiterung aus der RF-4 abgeleitet wurde, entstand Anfang der 70er Jahre erstmals ein Fournier-Flugzeug, das mit seinem schweren Lycoming-Motor, Bugfahrwerk und den beiden nebeneinander angeordneten Sitzen nicht mehr wirklich den Grundzügen des Avion Planeur entsprach. Mit der RF-9 kehrte Fournier noch einmal zur Idee des Avions Planeur zurück und gab der klassischen RF-4 Holzkonstruktion ein modernes Gesicht der 80er Jahre, das mit der RF-10 schließlich in eine moderne Verbundkonstruktion überführt wurde. Das vorerst letzte Flugzeug von Rene Fournier griff die RF-4 und RF-7 Konstruktion des Avion Fournier nochmals auf und erhielt einen verbreiterten Rumpf für zwei Personen.
Weiterentwicklungen des „Avion Planeur“ gab es nicht nur durch Fournier sondern auch durch seine Lizenznehmer. Diese wichen meistens aber bereits in ihrer grundsätzlichen Zielgruppenorientierung von der Idee des „Avion Planeur“ als kostengünstiges, effizientes Reiseflugzeug ab. Die bei Sportavia entwickelten SFS31 und RF-5B waren von vorneherein als Motorsegler mit verbesserten Segelflugeigenschaften konzipiert. Bei ihnen stand der Reiseflug nicht im Vordergrund. Die Sportavia RS180 war ein viersitziges Motorreiseflugzeug in direkter Konkurrenz zu den marktüblichen Motorreiseflugzeugen. Die Slingsby T67 war ein leistungsstarkes Trainerflugzeug. Lediglich die Aeromot AMT „Ximango“ entsprach in ihrer Auslegung zunächst noch annähernd der Fournier-Auslegung, wobei bereits die von Fournier ausgelegte RF-10 weit von dem ursprünglichen Prinzip des „Avion Planeur“ entfernt war.
Der Grundgedanke des „Avion Planeur“ fand damit Anfang der 70er Jahre mit den Entwicklungen der RF-5 und RF-7 seinen Abschluss. Alle späteren Entwicklungen setzten zwar auf der Konstruktion des „Avion Planeur“ auf, hatten aber eine andere Zielgruppenorientierung, wie die RF-6B als Trainer oder bewegten sich aus ihrer Nischenstellung in das direkte Konkurrenzumfeld wie die Sportavia RS180 oder die RF-9. An die Erfolge des „Avion Planeur“ in Form der RF-3 und RF-4 konnten diese Entwicklungen nicht mehr anknüpfen. Lediglich die beiden in Verbundbauweise überführten Entwicklungen der Slingsby T67 für den militärischen Trainermarkt und die für den brasilianischen Luftsportmarkt optimierte Aeromot AMT „Ximango“ konnten über viele Jahre mit einer geringen Produktionsrate noch in einer größeren Stückzahl verkauft werden.
In den letzten Jahren gab es darüber hinaus einige Versuche, an die Erfolge des „Avion Planeur“ durch Ultralight-Nachbauten der RF-3 und RF-4 anzuknüpfen. Der französisch-tschechische RF-3 Nachbau Friendship FS3 ist ein solches Beispiel, das an den hohen Kosten zur Serienüberführung letztlich gescheitert ist. Keines dieser UL-Vorhaben hat bislang erfolgreich die Serienreife erreicht.
Abschließend noch der Hinweis auf den gelegentlich zu findenden Fournier Ultralight Hubschrauber, der sich heute in einem Luftfahrtmuseum in Toulouse befindet. Hierbei handelt es sich nicht um eine Entwicklung von Rene Fournier, sondern von Lucien Fournier, der bei Aerospatiale in der Helicopter Division in den 70er Jahren tätig war. Er wird im Rahmen dieses Buches nicht weiter verfolgt.
Fournier RF-01
Nach fast zehnjähriger Entwurfsarbeit, die Rene Fournier neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Keramikkünstler seit seinem Aufenthalt bei Etienne Barret de Nazaris in Cahors zur Entwicklung des „Avion Planeur“ geleistet hatte, begann der Bau eines Prototypen im Mai 1957. Da die Keramikwerkstatt von Rene Fournier für den Bau eines Flugzeugs zu klein war, stellte ihm Alfred Guillement einen Platz in dessen Schmiedewerkstatt zur Verfügung. Hier entstanden 1957 die ersten kleineren Baugruppen und das Leitwerk des „Avion Planeur“.
Als Rene Fournier aus gesundheitlichen Gründen seinen Wohnsitz im Oktober 1957 von Tours nach Cannes an der Cote d’Azur verlegen musste, richtete er in der stillgelegten Wäscherei des Waldorf Hotels in Cannes seine neue Werkstatt ein. Zahlreiche Teile ließ Fournier von Schreinerbetrieben in Cannes und Umgebung herstellen und montierte diese in seiner Werkstatt zu Baugruppen. In zweieinhalbjähriger Bauzeit entstanden in Cannes der einteilige Flügel und der Rumpf des „Avion Planeur“. Als Fahrwerk sah Fournier ein zentrales, einziehbares Rad unter dem Cockpit, sowie ein Spornrad vor. Auf jeder Flügelseite befand sich außerdem ein Drahtbügel mit dem Flugzeug am Boden seitenstabilisiert wurde.
Schwierig war die Auswahl eines geeigneten Motors. Der gesamte Entwurf war auf die Verwendung eines kleinen, preisgünstigen Motors ausgelegt. Solche Flugzeugmotore standen Mitte der 50er Jahre aber nicht zur Verfügung oder erwiesen sich als sehr störanfällig. Wie viele Amateurkonstrukteure entschied sich Rene Fournier daher für die Verwendung eines umgebauten KFZ-Motors. In Lyons hatte Lucien Miettaux einen 1131 ccm Volkswagen-Käfer-Motor für die Verwendung als Flugmotor umgebaut. Mit seinen 27 PS war dieser Motor für den einsitzigen „Avion Planeur“ ausreichend.
Anfang März 1960 transportierte Fournier die einzelnen Baugruppen per LKW zum Flugplatz in Cannes-Mandelieu. Die Endmontage des inzwischen als RF-01 bezeichneten Prototypen in Mandelieu erforderte weitere zwei Monate. Mitte Mai 1960 nahm ein Prüfer des Bureau Veritas die als Amateurflugzeug eingestufte Maschine ab und erteilte die Genehmigung zu einem ersten Testflug. Da Rene Fournier selbst über wenig Flugerfahrung verfügte und noch keinen Pilotenschein besaß, führte Charles Fauvel den Erstflug in Mandelieu durch. Fauvel unterhielt ein eigenes kleines Segelflugzeugwerk in Cannes und war ein erfahrener Einflieger. Am Abend des 30. Mai 1960 startete Fauvel zu einem ersten zwanzigminütigen Erstflug mit der RF-01.
Fournier RF-1 Erstflug im Mai 1960 (La Revue du Pilote Aviasport, Nov. 1960)
Da Rene Fournier bislang nur an eine Eigennutzung seines Flugzeugs dachte und die RF-01 ein Einzelstück bleiben sollte, war für seine Zulassung nur eine vereinfachte Nachweisführung erforderlich...