Revolte RD
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Revolte RD

Fragmente

  1. 440 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Fragmente

Über dieses Buch

Die Revolte des eigenen Geistes gegen die Ketten einer verkommenen dystopischen Welt

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Information

Jahr
2014
ISBN drucken
9783735788986
eBook-ISBN:
9783735732316
Auflage
1
Thema
Poesie

Revolte RD

Fragment II: Dyplastoid

I.

Im dichtesten Nebelvorhang stampt Nelias zwischen Zedern und Orangenbäumen den schlammigen, laubgenährten Waldhang hoch, und er fragt sich, ob er in diesem brutalen Regen ertrinken wird. Wie ein Wasserfall strömt es schon sei Tagen durch die undichte, olivfarbne Baumdecke auf ihn herab, ohne je Anzeichen der Veränderug gemacht zu haben. Sein langes schwarzes Haar hängt in festen, nassen Klumpen seitlich an seinem Hals herab, und sein wärmendes Schafsfell, dass ihn vor jedem Regen trocken halten sollt, wärmt ihn längst nicht mehr, und seine Haut ist seit Tagen feucht. Einzig seine ihm angeborene Perseveranz, jenes hellglimmende Bündel Platin, dass alle vorhandene Energie aus dem Körper saugt und in die nötigen Kompartimente steckt, hält ihn noch bei Wachsamkeit und bei Kräften. Ohne diesem Durchhaltevermögen wäre er längst der Kälte, dem Regen, oder der gigantisch wirkenden Hoffnungslosigkeit zum Opfer gefallen. Er wäre schnell in der Feuchte aufgequollen, an Gasen aufgeblasen und dann explodiert von der Berührung eines Insektenstichs, und niemals hätte er erreicht zu hören, wonach er so lange schon verzweifelte lauschte:
Indes er nun, stampfend stetig vorsichtig Halt sucht, um auch ja nicht im moorigen Schlamm auszurutschen, röhrt plötzlich etwas in der Ferne, im Dunkel des Waldes. Ein dröhnendes Röhnen, gefährlich, und mächtig auf jeden Fall, doch für Nelias, der glücklichste Ton, als käme er vom Aufschwellen des Flügels der Tyche.
,,Hier kommt Ioanni“, murmelt Nelias und zückt seine lange Büchse aus der ledernen Schlote am Rücken. Er geht hinter einem mächtigen Orangenbaum in Deckung, lehnt seinen Kopf vorbei und späht vorsichtig in das Walddunkel, den Hirsch suchend. Es muss ihm Gelingen ihn zu schießen, denn nur so, so hat man ihm in Xiroplaz gesagt, wird man ihm die Rückkehr ins warme trockne Dorf - von Holzhütten umringtes, ständig glimmendes Lagerfeuer-, erlauben.
Und die Rückkehr ist Nelias’ einziges Begehren; in der kalten, regnerischen Natur des Orangenwaldes will er nicht länger verweilen; quellen ja schon seine Knochen auf von der Nässe.
Zwei Tage ists , die er bereits hirschspähend durch den laubichten Wald marschiert. Ohne zu schlafen, denn eine lange Rast ermöglicht der Regen nicht, oder zu speisen, denn außer Hirschen und wenig Früchten gibt es zu dieser Zeit im Walde nichts. Seine Kleider unterm dicken Schafsfell waren schon nach dem ersten Tage so durchnässt, dass er sich ihrer entledigte. Der unbeirrbare Wassergießer hat nicht ein einziges Mal Halt gemacht, stetig goss er seinen grimmen Inhalt aus dem hohen düstergrauen Wolkenmeer auf die Welt herab. Als wollt er Nelias quälen, hat der Wassergießerden prasselnden Regenschauer über ihn her fegen lassen, bei Tag und bei Nacht, so dass der laubgenährte Waldboden allmählich zu einem sumpfartigen Schlick aufquoll, in dem eine Fortbewegung nur mühsam und belastend möglich ist.
Dröhnendes Röhren.
Nelias geht in die Hocke. Er hat erhört woher der Hirschlaut kam. Aus der unsehbaren Ferne über ihm, den Waldhang hoch, wo zwei vom Regen geschaffene Bächlein einen Felsbrock entzwei fließen und weiter unten tiefeinschneidenen Furchen bilden, von da kommt das Röhren. Nelias wagt es nicht zu atmen. Er muss sich ganz still verhalten. Schon einmal war ihm ein Hirsch entlaufen. Damals hat er unbesonnen und ungeduldig gehandelt.
Vor zwei Tagen war es gewesen, da war er noch vom Lagerfeuer Xiroplaz‘ gewärmt und vom Holzkuchengebäck gestärkt, als ihm nicht unweit von der großen Lichtung ein vielendiger Hirsch über den Weg gelaufen ist. Da war Nelias noch in Gedanken bei der Meute, die ihn aus dem Dorfe verstieß. Er saß in einer schützenden Felssparte im Boden, als der prächtige Hirsch ganz nah an ihm vorbei lief - vermutlich erschreckt vom gerade erschallenden Blitzgedonnere der ewigen Gewitterwolken. Als dann der Hirsch nur wenige Bäume entfernt stehen blieb und verschnaufte, hat Nelias ohne zu denken seine lange Büchse gezogen, und entrang damit der erzumrandeten Scheide der Lederschlote ein aus dem Waldgesang deutlich herausstechendes metallenes Geräusch - da war der Hirsch auch schon verschwunden, wie ein Blitz ist er hinter die allwährende Baumwand geschnellt.
Nur kurz hat sich Nelias darüber geärgert, was solls, dachte er sich, dann kommt eben ein anderer. Doch es kam kein anderer. Nicht in der blitzdurchzuckten Nacht, noch in der nebligen Morgenfrühe, noch am Tag, noch in der Nacht darauf. Bis jetzt.
,,Na komm Ioanni Junge“, flüstert Nelias und legt sich ganz auf den Boden, drückt seinen durchnässten Fleischballen in den laubichten Schlamm, die lange Büchse in die Schulter gepresst, den Lauf den Waldhang hoch gezielt, wo in zwanzig Bäumen Entfernung zu beiden Seiten eines Eklogitaufschlusses Regenbäche steil hinabschiessen.
Wie es sich nunmal verhält, wenn der Mensch für eine gewisse Zeit an einem gewissen Ort ist, so passt sich die Wahrnehmung der Umgebung an, und was für einen frisch Ausgesetzten unsichtbar ist, das wird klar und deutlich erkennbar. So auch bei Nelias, der dem Röhren nach zuerst die Richtung ersann, und dann, still lauschend, durch das beständige Regenprasseln und Nebelbrodeln das scharrende Waten des hufichten schweren Tiers im matschigen Waldboden ausmachte.
Und den langsam lauter werdenden Kratzen des Felles an den toten Ästen nach zu urteilen, bewegt sich der Hirsch genau dort droben, zum Eklogitfels hinzu.
Während Nelias, Regenwasser überströmt, dem Hirsche lauert, da im laubichten Schlamm hinter dem Baum, singt er, kaum einen Laut von sich gebend, nur die Lippen bewegend, ein Lied:
Falkenauge lauert im moorigen Wald, weh dem Geweihtier, das erscheinet sehr bald, dünkt dem Jäger der sichere Fraß, im Nebelschwaden sein’ Fehlbarkeit er vergaß.
Kaum hat er fertig gesungen, da erscheint ein Hirsch riesenhaften Ausmaßes, genau da wo Nelias ihn erwartet, am Eklogitfels, wo ringsum zu beiden Seiten Bächlein den Waldhang hinunterfließen. Gewaltig ist der Hirsch, mit mächtigem Geweih und borstigem Fell, so einen hat er im Leben noch nicht gesehen.
Ehrfurchtsvoll zögert Nelias noch, den prächtigen Hirsch durch die Visierung der Büchse bestaunend, wie er gebietend vom Eklogitfelsen den Waldhang übersieht. Der Hirsch reckt seinen vom mächtigen Geweih beschwerten Kopf zur olivnen Baumdecke hoch, und wie die Wölfe es tun wenn sie den Mond anheulen, so röhrt der gewaltige Hirsch ehrfurchtgebietend, auf dass der ganze Orangenwald vor ihm erschaudert, und selbst die wildesten Bären in göttlicher Weite vor ihm auf die Knie sinken. Auf dass alle Tier im Wald ihn fürchten, und noch Generationen von bluthungrigen Berglöwen vor ihm erzittern. Sein Röhren schallt durch den ganzen Wald, so auch der Boden unter Nelias‘ Fleischballen vibriert.
Drück doch ab Nelias Junge, es ist doch der Ioanni, vertropfich eins, worauf wartest du, drück ab! Dann ists vorbei, dann hast dus geschafft, dann darfst du zurück nach Xiroplaz, in die warmen, trockenen Holzhütten, und ans Lagerfeuer, wo du doch so gerne jausnest! Drück ab!
Doch so sehr Nelias es auch wünscht den Finger zu knicken, und die lange Büchse lauter Röhren zu lassen als den Hirsch, er schafft es nicht. Zu groß ist die Achtung vor diesem gewaltigen Tier. Ihn zu töten wäre eine Sünde, ist er doch wahrlich ein Schauwerk dieses Waldes, an Stärke und Erhabenheit und Macht überirdischem Wesen gleich.
Drück Ab! Vertropfich noch eins, du hassts hier. Zwei Tag schon! Wie lange noch wenn dir Ioanni entwischt!
Drück ab Nelias Junge, Drück doch endlich ab! Noch steht er da, bald zieht er weiter. Siehste nicht wie der Dampf aus seinen Nüstern stiebt, der ahnt dass da was faul ist! Drück ab!
,,Kampf der Schulterwichte, vertropfich noch eins, machts euch doch aus, und lasst mich da raus!“, murmelte Nelias.
Vom geschwürbildenden Zwiespalt zitternd, den entscheidenden Impuls abwartend, bewegt er seine Lippen zu einem Lied:
König des Waldes den Hang hinabbrüllt,
mit Röhren vibrierend den Wald er erfüllt,
wo Falkaug’ ihm todsinnend im Moore er lauert,
und zwiespältig der Mordtat Ungeschehen andauert.
Sobald Nelias das letzte Wort des Verses gesungen, geschieht das Unvermeidliche, das was er befürchtet hat; Die schwarzen Augen des Hirsches, aus dessen Höhlen eines Schattenwesens Träume schwelen, blicken genau durch die Kerbe der Zinkvisierung seiner Büchse in die Seinen.
Ein Augenblick.
Nun gibt es kein Entrinnen.
Drück ab.
Drück ab oder stirb.
Und Nelias drückt ab.
Die lange Büchse drückt sich tief in seine Schultern.
Ohrentrommel zerreissend explodiert die Luft. Genau in dem Moment in dem durch das berstende Lauffeuer die Kugel herausschießt, wendet sich der Hirsch blitzschnell und springt vom Eklogitfelsen weg in die sichere Baumwand. Doch die blitzbesiegende Kugel ist immer schneller, und sie bohrt sich, als nur noch sein rechter Hinterlauf hervorschaut, unter rotsprühendem Blutausbruch durch sein borstiges Fell, tief in sein muskulöses Fleisch. Er wäre jedoch nicht so eine erhabene Erscheinung, wenn er es nicht verkraften würde, der gewaltige Hirsch, und so verschwindet er hinter der Baumwand.
Nelias springt vom laubichten Schlamm auf, steckt die Büchse in das Lederschlot, und sprintet schnell den Waldhang hoch, an Ästen und Bäumen sich haltend, zum Eklogitfelsen, wo ringsum zwei Regenbächlein hinunterfließen, nun zu seiner Freude rotgefärbt.
Da droben angekommen, wo sich der Waldhang zur Ebene neigt, sieht Nelias die blutigen dunkelroten Spuren im matschigen Waldboden, die sich in die Tiefe des ebnen Waldes ziehen. Er muss schnell sein, den Hirsch erreichen bevor der Regen die Spuren verwischt.
Wie ein jagender Bluthund rennt Nelias also durch den Orangenwald, der frischen Blutspur folgend, den Orangenbäumen und deren toten Ästen ausweichend.
Und während er jetzt dem zerplatzten Blutschlauch des
getroffenen Tiers nachrennt, während ihm ärgster
Regen gleich hart ins Gesicht peitscht wie manch
übersehener Ast, singt er ein Lied:
Hetzend der Falkaug’ am Zinnoberseile er zieht,
durch Ast, durch Blatt, nur das Blute er sieht,
Frevelnder Horror dem Fleischrausch ausweicht,
doch nicht wars ihm einfach, nicht wars ihm leicht.
Ächzend der Hirsch ins Dunkle er sprint’,
zinnoberseilspannend, schnell wie der Wind,
nicht ists ihm schmerzend, dem Geweihenen Tier,
o welch Art zu kämpfen; kriergerischster Manier,
,,Ohhh Ioanni und ich werds dir ablesen, ich werd deine letzten Kapitel schreiben!“, brüllt Nelias, der nun in einem lichteren Teil des Waldes angelangt ist.
Immer spärlicher stehen hier die Orangenbäume, was nicht nur weniger Aufschürfungen seiner Haut zur Folge hat, sondern vorallem einen weit sumpfigeren Boden der einem Moore gleicht, denn wegen einer fehlenden dichten Baumdecke ist hier nichts imstande den mächtigen Regenschauer des Wassergießers abzuhalten. Sehr langsam kommt Nelias hier voran, und ginge es noch lange durch diesen Moor, so würde er die Hoffnung aufgeben. Aber nicht weit sieht er den Ansatz einer dichten Baumkolonie – und damit verbunden festeren Boden- einen verändernden breiten Waldteil ankünden, und noch erspährt er die letzten Anzeichen der Blutspur, ehe sie vom ewig prasselnden Regen zerlöst werden.
,,Ioanni Ioanni Ioanni Junge, schlaf doch endlich Ioanni Junge, mein großer Fleischklumpen!“, murmelt Nelias in sich hinein, und schließlich steht er an, vor dem Ansatz der Baumkolonie.
Es handelt sich um eine wallende Baumgrenze.
Dahinter leuchtet eine runde Lichtung, ganz hell für ihn, da er doch seit Tagen nur im schattigen Dunkel des Waldes gewandert. In der Mitte der Lichtung, neben wilden Erdbeeren und bunten Pilzen, auf dem mit Eicheln und Reisig übersäten grünen Moospolster, vom Regenfeuerwerk benetzt, steht der borstige Hirsch.
Ehrerbietend, wie zuvor auf dem Eklogit, mit seinem monströsen Geweih, regungslos, im Regenschauer duschend. Von dem atemraubenden Sprinten und dem klopfenden Schmerzen betört bemerkt er seinen Jäger nicht.
Vorbei die Hetze, jetzt hab ich dich.
Nelias zieht die lange Büchse aus dem Lederschlot, diesesmal mehr als alles andere auf die erzumschirmte Scheide achtend, damit sie ihn ja nicht verrät wie ehmals, denn auf weiteres Rennen will er gerne verzichten. Und es gelingt ihm gut, kein verräterisches Geräusch enthaucht jetzt dem Schlot. Nelias setzt das Gewehr an, drückt es fest in die Schulter, und zielt dann genau auf des Hirsches druckvollschlagende Lebensader, die heftig unter dem rauhen, braunen Fell pocht.
,,Adissiats Ioanni Junge“, sagt Nelias und drückt ab.

II.

In der Deiche, im hohen schilfichten Grase, wandelt Sennheise, und sinnt, das purpurne Dämmerungsschauwerk erwartend, auf Durchhaltevermögen. Zehn Tage schon geht das Mädchen, das von fernher gewandert kam, durch das hoffnungsraubende Land, von der deichichten Plage gequält, ohne zu halten, ohne zu rasten, denn die Teufel erlaubens nicht. Doch bald ists geschafft, bald ist sie am Ziel. War es mal ein unwirklicher Schweif von einem Traum, den zu verwirklichen sie vor zwei Jahren alles hinter sich lassend aufbrach, so ists nunmehr ein klarer wirklicher Stern, der vor ihr liegt, eine Nacht entfernt, um genau zu sein.
Dyplastod, die unterirdische Stadt, ist dieser Stern, dieses Ziel all ihres Strebens und Leidens. Und ists zwar bei weitem nicht so lichtvoll und glänzend wie ein Stern, denn das dunkelste aller Gefild rühmt es sich gar, so ists doch das einzige Refugium, zumindest nachdem was sie gelesen. In den vielen Büchern, die sie Zeit ihres Aufwuchses verschlungen, und die sie von der Welt gelhrt haben, ward Dyplastod stets beschribeben als letzte Hochburg der Verständigkeit und Harmonie, als letzte Feste der guten Menschen.
Und Träumend von diesem hatte sie stets sich daher gesehnt. Aber erst als sie aus ihrem Dorfe verbannt wurde, wagte sie die weite Reise, und nicht hätte sie vor zwei Jahren geglaubt, als sie den Sternenozean ihrer heimischen Wüste schaute, dass sie es je schaffen würde, doch nun - Wie Sennheise da itzt im Deichgras geht, biegt sich allmählich die Sonne über die Konturen der bergichten Höhn des Westens, und wirft einen letzten Gruße ihr zu, ein rötliches Lebewohl, ehe sie vom Schleier der Nacht zugedeckt, hinter den Bergen sich schlafen legt.
Schon vermisst Sennheise die zenitbesiegende Himmelsblende; war sie ihr doch ein schützender Begleiter, ein herzwarmes Licht auf ihrer Reise am Fluss.
Sennheise legt nun einiges zu an Gang, und marschiert schneller, so schnell sie kann. Die scharfen Schilfhalmkanten schneiden ihre Hände und ihre Wangen, doch sie ignoriert den kurzen Schmerz, da doch die Nacht im Rücken sie hetzt w...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Prooemium
  3. Revolte RD - Fragment I: AIAS
  4. Revolte RD - Fragment II: Dyplastoid
  5. Revolte RD - Fragment III: Montes
  6. Impressum