Manchmal frage ich mich, ob das Wort nicht doch schon längst gestorben ist? Ist es tot? Ist es am Ende? Ist es abgewetzt, verbraucht vielleicht? Aus so vielen ganz wichtigen Leuten fällt so viel ganz wichtige Unwissenheit heraus! Ist dies das wahre Wort vielleicht, wirklich? Aber dann spüre ich, dass die Menschen um mich herum mehr zu sagen haben, als diejenigen, die immerzu von wichtigen Dingen sprechen, doch nur, um ihr Ansehen noch zu steigern. Das ehrliche Wort finde ich bei meinen Nachbarn, bei meinen Einkäufen und irgendwo da draußen in der Menge. Es ist eine Melodie, ein Sound, der niemals enden will. Es ist das Lied der Menschen, der ganz normalen Leute. Es ist die Melodie der Arbeit und des Schaffens. Es ist der Sound des Lebens. Und plötzlich weiß ich es, fühle es ganz genau, ganz tief in mir: Das Wort lebt! Es zieht durch alle Generationen und nährt sich an den Menschen, an den alltäglichen Dingen. Und das ist es, was mich stark sein lässt, auch, wenn ich mich manchmal schwach fühlen mag. Ich bin nicht allein, denn um mich herum sind die Menschen, der Sound der Gesellschaft und der Hoffnung, immer.

- 208 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Information
Glogaulied
Breite Straßen, gutes Leben
Läden voller Frucht und Glück
Große Zeit und Gottes Segen
Du mein Glogau, du mein Leben
Bist wohl Schlesiens bestes Stück
An der Oder ewig liegen,
durch den Rosengarten ziehn
Weihnachtsbaum, die schönsten Blüten
Glogau, du mein Garten Eden
Ach, hier ist´s so wunderschön
Doch so sollt es nie mehr werden,
denn der Krieg nahm alles fort!
Glück und Garten fieln in Scherben!
Gott, warum nur dies Verderben?
Glogau ward zum schlimmen Ort!
Richtung Westen wir dann zogen,
aus der Heimat, die so fern!
Mussten weg, sind ausgeflogen!
Hoch der Oder Schicksalswogen!
Nein, wir flohen gar nicht gern!
Frierend, mit dem Leiterwagen,
ging´s nun über Stock und Stein!
Hungernd, ohne Hemd und Kragen,
schwiegen wir, ganz ohne Klagen!
Wollten endlich wieder heim!
Auf dem Weg und in den Gräben,
tief im Wald, da lagen sie:
Ostarbeiter! Nein, kein Segen!
Ließen die uns wohl am Leben?
Angst und Schmerzen – nachts und früh!
Irgendwann gab´s ein Schluck Wasser!
Und die Sonne brannte heiß!
Mein Gesicht ward blass und blasser!
Mutter sparte ein Schluck Wasser –
weiter ging die blutge Reis!
Wie die Front schon näher rückte,
kamen wir ins fremde Land!
Stählern mancher Alb da drückte!
Todesgleich sich Glogau bückte
unterm Bomben-Feuerbrand!
Nichts ward uns da noch geblieben,
tief nur die Erinnerung
Hat sich schwer ins Herz geschrieben,
sich ins Hirn, ins Mark getrieben
Wir sind alt nun, nicht mehr jung
Garnisonsstadt unter Bäumen
Glogau, einst so stolz und schön
Voller Frohsinn, reich an Träumen
Dort am Fluss, den Straßensäumen -
Wollt so gern dich wiedersehn!
Doch die Straßen liegen einsam
Meine Heimat gibt’s nicht mehr
Ja, wir flohen einst gemeinsam
Jene Heimat, fern und einsam
Und die Hoffnung wiegt so schwer
Ach, es weint mir Herz und Seele
Glogau fließt durch Kopf und Blut
Wenn ich dann die Tage zähle,
ich mich durch mein Leben quäle,
brodelt Schwermut und auch Wut
Dieser Krieg bracht so viel Wunden,
nahm die Heimat mir und dir!
Ach, wir weinen Stund um Stunden
Haben Neues zwar gefunden,
doch die Heimat niemals mehr!
Hör noch immer die Sirenen,
die uns trieben aus der Stadt
Soviel Trauer, soviel Tränen,
will dafür mich niemals schämen,
weil ich so viel Sehnsucht hab
Neue Menschen können´s richten!
Glogau lebt noch, ist nicht tot!
Dass die Dichter wieder dichten!
Lasst die Alten euch berichten,
wie der Heimat Morgenrot!
Heute fahrn wir Richtung Osten,
in die Heimat, Glogau, ach
Schon vorbei am Grenzen-Posten,
geht’s noch einmal Richtung Osten,
hin zum heimatlichen Dach
Doch die Häuser aller Kindheit
sind längst fort, sind ausgebrannt
Traurig noch und reich an Blindheit
such ich nach der fernen Kindheit
Nach dem schönen Schlesienland
Glogau aber fand ich nimmer,
nur die Oder fließt dahin
Ab und an warnt leis ein Trümmer
Ferner Rosengarten-Schimmer
Fern die Heimat, fern der Sinn
Träum vom heimatlichen Lachen
Träum von dem, was nicht mehr da
Streichle Bäume, alte Sachen
In der Heimat blieb mein Lachen
In der Welt, so, wie sie war
Leise zieht ein Wind von Osten
Kündet von der Heimat mir
Zwar sind fort die letzten Posten
Und die alten Panzer rosten
Doch der Krieg ist noch all hier
Sagt es drum den Kindeskindern:
Niemals wieder Hass und Krieg!
Wieder Weihnacht in den Wintern!
Heimat schlägt in Herz und Kindern!
Glogau bleibt mir ewig lieb
For Mom
Düsternis
Düster sind die Straßen heut
Feucht zieht Nebel durch dies Land
Nirgends Menschen, keine Leut
Wenig Hoffnung, keine Freud
Auf der Stirn mein´ kalte Hand
Leise schleich ich durch die Zeit,
durch die Welt, die mir so fremd
Nirgends Menschen, nirgends Leut
Und der Ta...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Sein Traum
- Intensivstation
- Kneipenschluss
- Diamant
- Nachts am Fluss
- Aufbruch
- Am Morgen
- Chronik
- Du willst
- Der Seemann
- Zwei Monde
- Glück
- Dein Leben
- Alpträume
- Mauern
- Ein Mann
- Aufstehen!
- Ohne Titel
- Betrachtung
- Der Traum
- Da draußen
- Heimwärts
- Mir träumte
- Hoffnung
- Gib nicht auf!
- Was ich bin
- Die Muschel
- Nachtflug
- Wimpernschlag
- Gezeiten
- In der Nacht
- Trauer
- Am Ziel
- Nebel
- Liegnitz
- Fort
- Nebel
- Angst
- Flut
- Fremd
- Gebet für einen Freund
- Roter Ball
- Morgenluft
- Bahnsteig 2
- Orange Drive
- Nach Hause
- Teufelsort
- Letzter Vers
- Der Stieglitz
- Fragen
- Fjord
- Alptraum
- Kraniche
- Schwarze Materie
- Die Tänzerin
- Nomade
- Die Mörderin
- Hollywood im Blut
- Chancen
- Am Berg
- Träume
- Spiegelbild
- Der Dumme
- An einen Soldaten
- Glogaulied
- Düsternis
- Gewitter
- Weg
- Singen
- Erinnerungen
- Alb
- Lied
- Was
- Sommer
- Gedanke
- Eines Tages
- Danach
- Spielplatz
- Abgesang
- Blizzard
- Letzte Reise
- Zeit der Störche
- Nachtmahr
- Drift
- Watt
- Was bleibt?
- Fern
- Ohne Titel
- Manchmal
- Endlich daheim
- Heimkehr
- Am Deich
- In der Bucht
- Weihnacht
- Am Hafen
- Der Elefant
- Weihnachtsengel
- Achttausender
- Am See
- Die Hafenbar
- Der Dicke
- Die Wahrsagerin
- Am Straßenrand
- Da fliegen sie nun hin
- Gedanken
- Die Herde
- Für meine Mama
- Impressum
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