Kranichland ist unser Name für ein Land und eine Zeit, in dem und in der die Menschen so leben, dass Platz für alle ist, mit Respekt vor allen Tieren, Pflanzen und der Erde. Natürlich ist das nur ein schöner Traum und unser Paradies ist von Zerstörung bedroht. Aber wer die Kraniche beobachtet, gerät ins Schwärmen und träumt von diesem Land. Kraniche sind so wunderbare Vögel, dass sie uns die richtigen Namensgeber für dieses Fotobuch zu sein schienen. Natürlich müssen wir über unsere Namenspatrone auch berichten. Wenn Sie dieses Buch lesen und die Fotos betrachten, dann wissen Sie viel über die „Vögel des Glücks“.
Der Beiname „Vogel des Glücks“ stammt ursprünglich aus Schweden und bezieht sich darauf, dass im Frühjahr mit dem Kranich der Frühling ins Land zurückkehrt und mit ihm Sonne, Licht und Freude. Die Schönheit der Kraniche und ihre spektakulären Balztänze haben schon in früher Zeit die Menschen fasziniert.
In der griechischen Mythologie war der Kranich Apollon, Demeter und Hermes zugeordnet. Er galt als ein Symbol für Wachsamkeit und Klugheit.
In China stand er für ein langes Leben, Weisheit und das Alter. Auch in Japan ist der Kranich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. In der Heraldik stellt der Kranich Vorsicht und schlaflose Wachsamkeit dar und in der Dichtung steht er für das Erhabene in der Natur.
Das alles verwundert wenig, denn der Kranich (lateinisch: Grus) ist eines der kunstvollsten Geschöpfe der Fauna. Mit Eleganz schraubt er sich in die höchsten Lüfte und weitesten Weiten. Er ist ein wahrer Kosmopolit und am Boden führt er fortpflanzungsfreudige Springtänze auf, die eines Nijinskij würdig wären. Je nach Spezies aschgrau oder weiß, mit Flaschenputzerkrönchen oder signalrotem Stirnband, schreitet er, würdevoll und immer wachsam, durch pitschnasse Sümpfe, und wenn er frisst, dann schlingt er nicht wahllos die Brocken in sich hinein wie Gänse oder sonstiges Federvieh. Er pickt die Körner oder Würmchen bedächtig wie mit dem Silberbesteck oder Stäbchen auf. Wen wundert es, dass dieses hoheitsvolle Tier Ziervogel und Wappentier der Kaiser und Könige war, die es gleichwohl jagten und als Leckerbissen verzehrten. Seit dieser mehr als fünf Millionen Jahre alte, kultivierte Stelzvogel mit Homo sapiens in Berührung kam, wurde er gejagt und verehrt. Von den Indern als heiliger Bote Vishnus, im kaiserlichen China als Seelenführer der Verstorbenen, und die australischen Ureinwohner huldigten dem Kurruwurwur mit Liedern und Ritualtänzen wie die Indianer ihrem Ah-jii-jak.
Verehrung und Aberglauben sind immer noch ein guter Schutz, allerdings werden alle Tänze und symbolischen Verbeugungen etwa durch die Nobilitierung des Kranichs als „Nationaldenkmal“ heute in Japan ihn allein nicht retten. Auch der Schopfibis (oder Waldrapp) wurde im Orient als Seelenführer verehrt, aber er ist dann doch trotz hektischer Rettungsversuche vor Ende des vergangenen Jahrhunderts ausgestorben.
Gerade mal neun Paare wurden Anfang der 1970er Jahre noch in Schleswig-Holstein im Herzogtum Lauenburg gezählt. Herausforderung genug, dass sich Naturschutzpraktiker, Naturschutzbehörden, Förster und aufgeschlossene Grundeigentümer zu einer Projektgruppe Kranichschutz zusammenfanden. Die Gebiete wurden überwacht und erste Wiedervernässungsmaßnahmen zunächst mit einfachen Mitteln, später auch über Geländeaufkäufe und umfangreiche Feuchtgebietsrenaturierungen umgesetzt. Von der Verbesserung der Lebensräume für die Leitart Kranich profitierten aber auch viele andere Pflanzen- und Tierarten wie z.B. Wasserfeder, Sumpfdotterblumen, Waldwasserläufer, Moorfrösche und diverse ans Wasser gebundene Insektenarten.
In milden Wintern verbleiben sogar Einzelpaare oder kleine Gruppen im Lande. Der bisherige Brutbestandsanstieg des Kranichs erfolgte überwiegend im östlichen und mittleren Schleswig-Holstein, da hier vielfältige Bruchwälder auf engem Raum renaturiert werden konnten und der vergleichsweise gute Bruterfolg weitere Neuansiedelungen begünstigte. Über die Populationsreserven besteht nun eine Chance, dass bei ausreichenden Feuchtgebietsrenaturierungen diese eindrucksvolle Vogelart wieder in ganz Schleswig-Holstein heimisch wird. Mittlerweile hat sich aber nicht nur die Zahl der rastenden und in milden Wintern sogar überwinternden Kraniche in Schleswig-Holstein erhöht.
Auch die Zahl der Revier- und Brutpaare ist gestiegen. In Schleswig-Holstein lebten im Jahr 2018 ca. 450 Kranichpaare.
Unsere Kraniche leben in Bockhorst bei Hohenwestedt oder sollen wir besser schreiben lebten, denn sie wurden wissentlich und zielorientiert vertrieben. Es war unfassbar! Schon seit Jahren hatten sie in einer kleinen Sumpfsenke, die in einer gesetzlich geschützten Wiese des FFH-Gebietes „Haaler Au“ liegt, gebrütet und Junge zur Welt gebracht, da kam in diesem Jahr das abrupte Ende. Was war geschehen?
Der Eigentümer dieser Wiese hatte keinerlei Interesse an Kranichen, sie standen wohl eher seinen kommerziellen Zielen im Weg. Sein Plan: Kranichstörung – in massivster Form- um sie zu vertreiben. Das Auto wurde zur Waffe: Zielgerichtet wurde etliche Male auf die nahrungssuchenden Kraniche zugefahren, und das in einem FFH-Gebiet! Das Kranichgebiet wurde mit dem Quad umrundet, mit dem Trecker eingekreist, das Gebiet mit Hunden durchstreift. Männer mit Jagdflinten in der Hand durchkämmten die Wiese. Und das im sehr kalten Spätwinter. Die legendäre Standorttreue der Kraniche fand ihre Grenze. Die ohnehin schon fast aufgebrauchten Kraftreserven des Kranichpaares wurden durch unzählige Fluchtabflüge im kalten Winter gänzlich verbraucht. Es blieb ihnen nichts anderes übrig - sie mussten ihr altes Brutgebiet verlassen. Bis heute sind sie nicht zurückgekehrt.
unsere Kraniche im Winter
unsere Kraniche an ihrem Brutgebiet
Störung direkt am Brutgebiet
Unsere Kraniche waren im Winter in der Nähe geblieben. Die Ankunft der ziehenden Kraniche erfolgt witterungsbedingt zwischen der letzten Februarwoche und der letzten Märzwoche. Der Beginn der Balz der Kraniche ist von der Tageslänge abhängig. Daher balzen Kranichpaare bei früher Ankunft und bei anhaltenden Kältegraden noch nicht.
Am Morgen verlassen die Vögel das Brutrevier, um meist nach Sonnenuntergang aus dem Einstandgebiet zurückzukommen. In den Tagen von Mitte bis Ende März wird die Balz immer heftiger. Die erste Paarung findet gewöhnlich in der Morgendämmerung statt. Zahlreiche weitere sind danach am Balzplatz zu beobachten. Solche Balztänze kann man fragmentarisch an den Sammel- und Rastplätzen beobachten.
Der Neststandort befindet sich immer am Boden. Er muss von Wasser umgeben sein, durch das der Kran...