Herman Bang Romane und Novellen Band 3
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Herman Bang Romane und Novellen Band 3

Tine - Ludvigsbakke - aus dem dänischen von Dieter Faßnacht

  1. 596 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Herman Bang Romane und Novellen Band 3

Tine - Ludvigsbakke - aus dem dänischen von Dieter Faßnacht

Über dieses Buch

Die Werke Herman Bangs (1857-1912) gehören zu den bedeutendsten der dänischen Literatur, teils wegen ihres tiefen Einblicks in die menschliche Seele, teils wegen ihres impressionistischen, filmischen Stils, der die Prosa seiner Zeit veränderte und noch immer die Literatur der Neuzeit prägt. Die auf zehn Bände angelegte Neuübersetzung der Romane und Novellen fußt auf der großen historisch-kritischen Gesamtausgabe der "Danske Sprog- og Litteraturselskab", Kopenhagen 2008–2010.

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Information

Jahr
2016
ISBN drucken
9783741220050
eBook-ISBN:
9783741243158

Ludvigsbakke

Roman

In dankbarer Erinnerung an Emil Bjerring
»Mich dünkt es zuweilen, als hätte ein anderer die Zahlen zusammengefügt.«

I

Der Wärter war gekommen, um die drei Patienten, die im Keller arbeiten sollten, zu holen, und er ging hin und rief die Nummer zwei, den Mann mit der Leibbinde, der auf und ab wanderte, auf und ab, der Wand des Kachelofens entlang; er rief laut, unmittelbar in sein Gesicht:
„Wir müssen los!“
„Ja!“ Der Patient Nummer zwei blieb stehen und blickte den Wärter an. „Ja“, sagte er wieder mit einem Kopfnicken und drehte sich verwirrt um sich selbst wie ein Hund, der sich hinlegen will. Er tat dies immer, bevor er sich auch nur die geringste Kleinigkeit vornahm.
Dann zog er auch den Schlafrock an wie die anderen, und die drei gingen. Man hörte durch den Gang die Schlüssel des Wärters rasseln, während er abschloß – erst hier oben, dann dort unten.
Fräulein Brandt stellte die abgewaschenen Tassen in einer Ecke auf dem kleinen Küchentisch zusammen und ging in den Saal, um zu „lauschen“. Aber die beiden Alten drinnen schliefen, mit tiefen Atemzügen.
Und drinnen auf „A“ war es ganz still …
Fräulein Brandt stieg auf den Stuhl im Vorraum – sie mußte das, um das Fenster zu erreichen – und rückte die Blumen etwas auf die Seite, so daß es Platz gab, und setzte sich auf den Sims.
„Brandt ist verrückt“, sagte Fräulein Brun „bei den Frauen“: „Sie flattert hoch wie die Hühner.“
Ida Brandt lehnte den Kopf an die Wand – sie war immer etwas müde, wenn es auf den Abend zuging, am ersten Tag, an dem sie Tagschicht hatte – und sie blickte durch das große Fenster: Wie ruhig „die Seen“1 dalagen, ein einziges loderndes Rot, jetzt, da die Sonne unterging.
Ida Brandt holte einen Brief hervor, blieb aber lange mit ihm in der Hand sitzen, während das Rot des Sees draußen sachte entschwand und verblich – bevor sie zu lesen begann:
Horsens2, den ersten Oktober
Meine Liebe!
Du bekommst diesen Brief fünf Posttage zu spät. Ich weiß das gut. Aber Du hast auch nicht fünf gräßliche Lümmel, von denen zwei in der letzten Woche das vordere Bein des Schreibtisches abbrachen. Sie wollten nur „Schiff“ mit ihm spielen, Liebes, während des Putzens. Aber nun ist das Bein geleimt, und heute morgen hängte ich die letzten Wintergardinen auf, sodaß Du nun den Glückwunsch bekommst: Gott segne Dich, mein Mädchen, Du weißt, das wünschen wir Dir alle aus der „Villa“.
So bist Du nun wirklich achtundzwanzig geworden. Ja, tatsächlich, Du, wie die Zeit vergeht, und wenn ich am Fensterspiegel in der Nørregade vorbeikomme, scheint es mir oft, es wäre nicht länger her als gestern, daß ich Dich drinnen hinter dem Fenster sitzen sähe, aufrecht im Mahagonistuhl und artig beobachtend – alles an Dir, Ida, ist schon immer brav gewesen, die Augen, das Haar, wie schön Du mit Deinen beiden Rattenschwänzchen gekämmt warst, und alles andere – uns leichtsinnige Sprößlinge Fräulein Jørgensens, wenn wir mit den Taschen durch die Straße gerannt kamen und an den Hauseingängen „Fangen“ spielten, bis auch die letzte Falte in unseren Röcken hinüberwar.
Du kamst schließlich auf die Außentreppe hinaus und hieltst Dich so vorsichtig am Geländer fest, als hättest Du Angst davor, ins Wasser zu fallen – bis Deine Mutter kam und Dich mit einem „I-da!“ hereinrief und Du mit starren Rattenschwänchzen hineingingst (Du hattest den Gang eines ältlichen Fräuleins, Ida, als Kind) und deine Mutter die Eingangstür schloß.
Wir schlichen uns davon. Es war immer etwas an deiner Mutter, das gleichsam dämpfte.
Ich verschnaufte gerne etwas drüben in unserem Eingang. Ich wußte ja, daß Mutter in den Fensterspiegel3 blickte: „So – bist du da?“ (ich hatte mich durch die Tür hinein gedrückt) … „Kann ich Dich mal anschauen?“ Und ich mußte mich drehen.
„Olivia, die Finger aus dem Mund!
Na, ja, das habe ich gesagt, es ist das letzte Mal, daß Du einen Pelzbesatz auf den Mantel bekommst …“ Ich maulte, es gab ja immer den einen oder anderen Fetzen, der los war und herumbaumelte; ich weiß nicht, wie es war, aber ich und Regine, wir waren immer zerzaust.
„Ja, dann kannst Du gehen.“
Ich stieß mit der Tasche gegen den Türrahmen.
„Ob dieses Kind jemals lernt, auf seinen Beinen zu gehen“ – ich wußte doch, es würde vom Fenstertritt her so kommen –: „Und nur einen Riemen an der Tasche … ja, so kannst Du gehen…“
Ich war auf dem Weg.
„Aber wenn Karen zuerst“ – ertönte es immer noch vom Fenstertritt – „so freundlich wäre, dein Haar zu bürsten … es anzuschauen, ist ja eine Schande.“
Das Haar war das Schlimmste. Es endete immer damit, daß Karen vor Mama selbst mit den Bürsten erscheinen mußte. Sie bürstete und bürstete:
„Nein“, und Mama seufzte, „man kriegt das Haar nicht in den Griff. Nein, die kleine Ida Brandt, sie hält ihres ordentlich.“
Ich preßte den Mund zusammen, steif wie ein Stock, und Karen bürstete: Du warst ja immer der Tugendbold …
Und erinnerst Du Dich daran, als Mama bei Deiner Mutter mit mir zu Besuch war – sie hatten sich vorher eigentlich nicht getroffen – und wie sie in der Wohnstube saßen und sich unterhielten? Und wie wir auf Deinen beiden Stühlchen drinnen in der Schlafkammer zwischen dem Bett deiner Mutter und dem Fenster saßen, und wie wir einander anschauten und Fingernägel kauten – – wie ich Dich auf einmal an beiden Rattenschwänzen packte und Dich auf die Bettkante stieß, Dich weiter stieß, ohne ein Wort zu sagen?
Und Du wehrtest Dich überhaupt nicht und gabst keinen Muks von Dir, sondern begannst nur, leise zu weinen – ganz leise … Weißt Du was, Liebes: ich glaube, von diesem Augenblick an mochte ich Dich, weil Du so leise geweint hattest …“
Ida Brandt ließ den Brief der Freundin auf ihren Schoß sinken. Mit leerem Blick starrte sie über die Seen. Es war, als sähe sie alles zu Hause, das Haus und die Wohnstube, wo die Möbel nie ihren Platz geändert hatten, und die Schlafkammer mit ihren beiden kleinen Stühlen, wo sie selbst ihre Wäsche zusammenlegen mußte, Stück für Stück, bevor sie zu Bett sollte; und die Mutter, ruhig und breit mit den großen Locken im Haar und der Goldkette um den Hals …
Sie las weiter:
Wie ich an die Mittwoche denke, wenn ich bei Euch war und um fünf Uhr kam, um Dich zu holen. Wenn ich hineingekommen war, rief Deine Mutter, von ihrem Fensterplatz, in die Schlafkammer, wo Du Hausaufgaben machtest – Du sahst immer aus, als wolltest Du auf die Kommode kriechen, wenn Du Hausaufgaben machtest –:
„Ida! …“
„I-da!“ – Du last immer mit den Fingern in den Ohren, voller Eifer –: „Olivia Frank ist da!“
Während sie mit ihren großen Stricknadeln weiter strickte, sagte Deine Mutter und nickte:
„Setz Dich, mein Mädchen!“
Und ich setzte mich an die Tür – bei Euch setzte man sich immer mitten auf die Stühle – bis Du Dich ganz angezogen hattest, die Weste und die kleine Schürze und den Mantel und die große Schürze, und wir knicksten vor Deiner Mutter:
„Hat Ida ihr Taschentuch?“ sagte sie – ich griff immer in meine Tasche, um nachzusehen –: „Paßt nur schön auf…!“
Und wir gingen am Fenster vorbei, jeder auf seiner Fliese.
Wenn am Abend das Tuch vom Tisch genommen war – ich sehe, wie Deine Mutter die Lampe von einem Tisch auf den anderen stellte, sie tat dies immer selbst – legten wir zwei Spiele, während Deine Mutter mit den Fräulein (Gott, nun ist auch Erbelin verstorben, sie trug ihr schweres Doppelkinn bis zuletzt so steif), und ich trat Dir unter dem Tisch an die Beine, wenn die alte Bonnitz vor Freude über die Stiche lachte – sie lachte, als ob sie einen Schluckauf hätte – und um ½ 9, wenn ich heim mußte und Eure Sofie den Johannisbeerwein hereinbrachte, bekamen wir unsere beiden Äpfel, während meine Kleider in die Wärme hereingebracht wurden …
Mama sagte:
„Das hilft Olivia einen ganzen Tag, wenn sie bei Ida Brandt gewesen war.“
Aber sonntags warst Du vom Morgen an bei uns. Erinnerst Du Dich, Eure Sofie brachte Dich und „sollte von der gnädigen Frau grüßen“, während sie Dir die Kleider abnahm, ein Stück nach dem anderen, als wickelte sie ein Bündel auf. Niemand erschreckte Mama wie Eure Sofie:
„Ich weiß nicht“, sagte sie, „aber sie hat Augen, die jedes Staubkorn auf den Möbeln suchen.“
Mutter bekam bei fremden Mädchen einen heißen Kopf.
Mama sagte mit ihrer allerhöflichsten Stimme:
„Will Sofie nicht eine Tasse Kaffee trinken?“
Und Sofie genoß sie, aufrecht sitzend, auf dem Stuhl an dem schwarzen Bücherschrank, ohne ein Wort zu sagen …
Wir waren bereits draußen. Es war schön auf dem alten Hof (ich denke oft: Gott gebe, ich hätte solch einen Hof, in den ich meine Jungen schicken könnte); Houmanns5 Scheune mit unseren „Nestern“ im Heu und Dessaus6 Speicher, w...

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