ZUR ERKENNTNISTHEORIE
Synopsis
Die Probleme der Philosophie erscheinen erst mit dem Denken. Solange die Wirklichkeit nur existiert, ohne erkannt zu werden, besitzen die Dinge diese oder jene Eigenschaft, und es gibt nichts außer diesem fraglos 'wahren' So-Sein der Materie. Das wird uns am eindringlichsten auf gewissen Fotografien der NASA vorgeführt, mit einsamen Marslandschaften, die sich bis in die Unendlichkeit erstrecken.
Sobald die Wirklichkeit aber von einem Bewusstsein wahrgenommen wird, gehört diese Erscheinung nicht mehr allein zum reinen So-Sein der Materie (außer in dem Sinne, in dem das Bewusstsein zur Materie gehört). Noch die krudeste Wahrnehmung und selbst eine triviale Sinnestäuschung können zu tiefsinnigen Reflexionen Anlass geben, mehr noch: da die Materie ihre eigentliche Substanz und Wesenseigenschaften für uns hinter einer Fassade aus Erscheinungen verbirgt, ist der Zweifel an der Qualität unserer je aktuellen Wahrnehmung eine Voraussetzung für jedes philosophische und wissenschaftliche Fortkommen. Dies Fortkommen ist die Bewegung zur Wahrheit.
Ein emphatischer Wahrheitsbegriff ist eigentlich die wichtigste Grundlage fast aller Kategorien, vor allem natürlich der Erkenntnis, in der Wahrheit zuweilen (aber nicht immer) aufscheint und die sie erst wesentlich macht. Nach Wahrheit trachte man mehr als nach Wissen und Verstehen.
Oft scheint sie schwer zu finden, ja möglicherweise ist sie eine metaphysische Schimäre, fernes Versprechen und Fata Morgana des Verstandes, die uns einen imaginären Idealzustand des Geistes vorgaukelt. - Und doch: selbst in ihrer virtuellen Existenz bleibt sie eine unerlässliche Richtschnur unseres Denkens, wenn sich die Erkenntnis nicht in Beliebigkeit verlieren soll.
Die Wahrheit ist eine äußerst vielschichtige Qualität. Sie verbindet die Einsicht in sich selbst mit dem Guten und möglicherweise mit einem dritten, kosmischen Element. Auch das Wissen, d.h. die geronnene Erkenntnis, hat sein Gutes, aber hauptsächlich nur, insofern es zweckgenutzt werden kann, sonst ist es altbackenes Spiel. Die Lücke zwischen Zweck-Interesse-Egoismus und dem ethischen Antrieb wird eben von der (Suche nach der) Wahrheit geschlossen.
Übrigens ist sie ein ewiger Vorgang, da hinter der ersten Erkenntnis, so genau sie auch verifiziert worden ist, das zweite Warum steht, und hinter der zweiten Antwort das dritte Warum usw.
Wenn ein Ingenieur die Ursache eines Schadens gefunden hat, ihn behebt und seine Maschine wieder zum Laufen bringt, weiß er zuweilen nur ungefähr, woran es gelegen hat. Die tieferen Gründe werden ihm in vielen Fällen verborgen bleiben und ihn auch nicht interessieren, solange das System wieder funktioniert. Dazu müsste er über die Mechanik hinausgehen und weitergehende Untersuchungen über die innere Struktur der Materie anstellen. Er würde über die Chemie zur Elementarteilchenphysik und zu immer feineren Erkenntnissen gelangen, immer mehr Wissen anhäufen, und immer neue Fragen würden sich auftun. Die Gesamtheit dieses Vorganges ist die anscheinend unendliche Suche nach der Wahrheit.
So arbeiten Wissenschaft und Philosophie, und so ist es auch mit dem theoretischen Wissen der Mathematik. Die weit verbreitete Ansicht, diese nehme in vielen Teilbereichen keinen Bezug auf die reale Welt, ist allerdings falsch. Denn jede Mathematik rekurriert zuletzt auf Zahlen und Geometrie. Gewiss, diese sind Erfindungen des Geistes und in der realen Welt SO nicht zu finden, sind Idealkonstruktionen, die in den Köpfen der Mathematiker ein eigenes Leben führen. Doch ein Wesenszug der Realität und der menschlichen Intelligenz besteht darin, dass sich solche inneren Entitäten miteinander und mit äußeren Gegenständen verknüpfen lassen und dabei praktikable Handlungsschemata herauskommen können (welche zuletzt und zuerst der Arterhaltung dienen).
Begriffe, Ideen und Theorien sowie auch die zugehörigen daraus konstruierten Möglichkeitswelten existieren primär nur in unseren Hirnen. Dasselbe gilt für die Gesellschaft, die abgesehen von ihren materiellen Kulturgütern als ein allgegenwärtiger kollektiver Bewusstseinszustand betrachtet werden kann, der den Einzelnen und die Natur mit verschiedensten Mitteln zu lenken und zu beherrschen vermag. Wie Logiken, Meinungen, sozialen Empfindungen und Gefühlen kommt jener damit eine Wirklichkeit-für-uns jenseits der physikalischen Realität zu.
Man darf deshalb nicht so weit gehen, zu behaupten, nichts sei im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war. Der Verstand fügt, so notgedrungen wie ersprießlich, etwas Eigenes hinzu, das durch die Rede von seiner Abstraktionsfähigkeit nur unzureichend beschrieben wird. Gewiss ist das 'Existieren' eines gedanklichen Musters von anderer Art als das eines realen Objektes, da es nicht in der äußeren Wirklichkeit, sondern im Kopf entworfen wird. Und doch darf in beiden Fällen von Existenz die Rede sein - nicht nur weil unsere Gedanken auf denselben kleinsten Einheiten (Atome, Moleküle, Ströme) wie die realen Objekte fußen, sondern weil die Wahrheit der Materie für uns auch nur in Erscheinungen kodiert ist. - Dass Ideen und Aussagen wahr oder falsch (oder in einer mehrwertigen Logik auch ein drittes oder viertes) sein können, ist eine Eigenschaft, die ihnen anhaftet und zu ihnen gehört ... wie die Farbe der Rose.
Auch wenn die Welt der Universalien, der geistigen Wesenheiten, nur in unseren Köpfen existiert, haben doch die meisten Erkenntnisse, am Anfang und am Ende eine Beziehung zur Wirklichkeit. Wenn ich sage 'Hamburg liegt nördlich von München', ist der Begriff des Nordens eine Denkfigur des Kopfes, jedoch eine, die einem bestimmten Zusammenhang in der äußeren Wirklichkeit entspricht. Die Städte Hamburg und München mögen als Zusammenfassungen von Häusern und Siedlungen nur Interpretationen und geistige Gegenstände sein, doch sie entsprechen realen Zusammenhängen, zwischen denen die Eigenschaft 'nördlich von' eine wiederum reale Beziehung stiftet. So können wir indirekt, indem wir Begriffe und Entitäten unseres Bewusstseins benutzen, wahre oder falsche Relationen zwischen realen Dingen behaupten und damit unser Verständnis der Welt befördern.
Übrigens bildet das Denken beständig solche Muster - darin besteht geradezu sein Wesen - ... und es wendet sie auch auf sich selber an, indem es Metabegriffe formt, deren Sinngehalt sich nicht in der Anwendung auf äußere Objekte, sondern auf solche des Geistes erschließt.
Wahrnehmung
Die menschliche Wahrnehmung hat eine physikalisch-biologische und eine tiefen-psychologische Seite. Erstere besteht in der Aufnahme der Sinneseindrücke und der Weiterleitung der Signale in das menschliche Gehirn, während letztere als eine Kategorisierung, Beimischung von (Unter-) Bewusstseinsinhalten oder gar Imprägnierung der Wahrnehmung mit unbewussten Vorurteilen beschrieben werden kann.
Betrachten wir einmal die Situation, wo wir auf eine Wahrnehmung nicht reflexhaft reagieren, sondern sie bewusst verarbeiten. Selbst in diesem Fall wohnt unseren Erwägungen und einer anschließenden Entscheidungsfindung und Reaktion ein intuitives Moment inne, welches die Arbeit einer scheidenden, urteilenden und Bedeutung gebenden Vernunft ergänzt bzw ersetzen kann, so dass unser Zugang zur Welt seltener über Begriffe und verstandesmäßige Erkenntnis und viel häufiger über jene intuitiven 'Vorurteile' erfolgt, auf die - nach einem kurzen Moment des Zögerns - Verstand oder Instinkt zu jeder Zeit aufbauen können.
Zu bemerken bleibt, dass sich auch die von mir 'psychologisch' genannten Aspekte hirn-physikalisch verstehen lassen - indem die Wahrnehmungsimpulse auf ihrem Weg von den Sinnesorganen in jene Regionen, in denen vornehmlich das Bewusstsein sitzt, auch andere, größtenteils vorbewusste Hirnbereiche passieren, wo ihnen jene Vor-Strukturiertheit unterlegt bzw beigemischt wird, die sich teilweise einfach aus abgespeicherten früheren Wahrnehmungserlebnissen und gealterten Erfahrungen ergibt, derart, dass im Moment des Eintreffens im Bewusstsein dem Ich dieses ganze Arsenal sofort zur Verfügung steht, damit es die Vor- und Nachteile seiner möglichen Reaktionen erwägen kann. Vulgo: der Mensch ist als Kopf-Maschine BERECHNEND von Anfang an.
Der Vorgang, in dem unserem Hirn von den Sinnen das sinnlich Wahrgenommene der Dinge übermittelt und diesem noch eigene intuitive Interpretationen beigemischt werden, lässt sich mit einem Bildgebungsprozess vergleichen, bei dem sich an das eigentliche Fotografieren eine automatische Bildbearbeitung anschließt, inklusive Selektion, Hervorhebungen und Einordnen des Fotos in ein Ordnersystem. Es gibt genügend Computerprogramme, die Daten bereits beim Einlaufen selektieren und verändern können. Ähnliches leistet das Gehirn, das im Interesse unseres Überlebens darauf getrimmt ist, aus mangelhaften einlaufenden Wahrnehmungen möglichst rasch Schlussfolgerungen zu ziehen.
Sofern die auf dieser Grundlage vom Ich beschlossenen Reaktionen sprachlicher Natur sind, kontinuieren sie die Doppelbödigkeit des Bildes, da die Sprache nicht nur ein vernunftmäßiges Übertragungsmittel für Informationen darstellt, sondern eine meist unpräzise soziale Kunstfertigkeit ist, die instinktiv auf Nebeneffekte wie vorgegebene Hierarchien, individuelle Empfindlichkeiten usw Rücksicht nimmt, die für das Überleben in großen Gruppen von enormer Bedeutung sind.
Mit der Sinneswahrnehmung zusammen hängt der später zu besprechende Unterschied zwischen Wesen und Erscheinung. Unsere Wahrnehmungsorgane sind per se nur auf die Oberfläche der Dinge gerichtet; erst bei weitergehendem Interesse dringen wir - dann oft mit Hilfe von Werkzeugen - in ihre Tiefenstruktur vor, besser gesagt in dasjenige, was sich uns von der Tiefe offenbart, also in 'Oberflächen der Tiefe'. Diese werden mittels einer geschärften Wahrnehmung sichtbar, etwa mit Hilfe wissenschaftlicher Instrumente wie dem Mikroskop oder im Extremfall, wenn die Struktur für jedes Mikroskop zu klein ist, allein aufgrund der analytischen Schlussfertigkeiten unseres Geistes, der sich auf diese Weise als das auflösungsstärkste aller Mikroskope erweist - oder eben gar nicht. Um an der richtigen Stelle ansetzen zu können, ist im Bewusstsein oft bereits ein Modell gebildet worden, ein grobes oder auch feinkörniges Bild, das mit dem Instrument verifiziert werden soll. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen der Struktur selbst, also der Struktur-an-sich, die im Ding-an-sich ruht, und dem Modell, d.h. der begrifflichen Idee dieser Struktur. Ferner ist zu beachten, dass innerhalb des realen Kontinuums, also der Dinge an sich, die Wahrnehmungsoberfläche und die nicht direkt wahrnehmbare Tiefenstruktur untrennbar zusammengehören, und dass sich die Differenzierung erst aus dem Vorgehen und den beschränkten Möglichkeiten des erkennenden Bewusstseins ergibt.
Im Zuge dieser Überlegungen sind wir mitten in der erkenntnistheoretischen Debatte darüber gelandet, was denn den Stellenwert der Ideen im Verhältnis zur Materie ausmacht. Zunächst sollte man sich darüber klarwerden, dass die Dinge kein Wesen haben, welches nur gedacht und aber grundsätzlich nicht wahrgenommen werden könnte, sondern das menschliche Hirn kann gar nicht anders vorgehen, als mit den Informationen zu beginnen, die ihm aktuell zur Verfügung stehen und auf dieser Basis neue Begriffe zu erfinden, wenn es zu Schlüssen und Aussagen über die Dinge an sich kommen will.
Zum Beispiel nimmt das Auge keine Röntgenstrahlung wahr, und es hat abgesehen von der Farbe sichtbaren Lichtes auch wenig natürliche Fähigkeiten, die verschiedenen Strahlungsarten nach ihrer Natur zu sortieren. Dazu bedarf es physikalischer Messapparate und die Einführung theoretisch physikalischer Begrifflichkeiten und Zusammenhänge. Diese Begriffe und Modelle existieren nur in den Köpfen der Wissenschaftler, während die Strahlungen und das, was man abstrakt ihre Frequenzverteilung nennt, zu einem Kontinuum der materiellen Wirklichkeit gehören, an die wir mit diesen Konzepten beschreibend herankommen.
Nota bene, dass hier keiner naiven Abbildtheorie der Weg bereitet werden soll, und auch nicht dem empiristischen Vorurteil, wir seien durch die Abhängigkeit von der Wahrnehmung von jeder absoluten Wahrheit über das Ding-an-sich notwendigerweise abgeschnitten. Im Gegenteil kommen wir um so näher an die Wahrheit heran, je präziser wir die Dinge aus verschiedenen, u.U. rein theoretischen 'Blickwinkeln' analysieren.
Außerdem ist dem Verstand von dieser Seite offenkundig ein wesentlicher, eigenständiger Beitrag zur Erkenntnis zuzusprechen, weil er bildliche und - in seiner vorragenden Eigenschaft als Begriffsgenerator - vor allem auch begriffliche Zusammenhänge formt, die sich nicht direkt aus der Wahrnehmung oder aus den fundamentalen Eigenschaften der Dinge ergeben, sondern für welche eine über die Wahrnehmung hinausgehende Synthesisleistung zu vollbringen ist. Diese Folgerungen oder Vermutungen des Denkens müssen sich umgekehrt dann aber im weiteren Verlauf der Erkenntnis an erweiterten 'Wahrnehmungen' der Dinge messen lassen, also an nachweisbaren Eigenschaften, wenn etwa neue experimentelle Hinweise über sinnlich nicht direkt erfassbare Phänomene wie etwa die Dunkelmaterie bekannt werden. Unser Ich kann hierbei auf ein Jahrtausende lang an den Erscheinungen der Wirklichkeit geschultes Gehirn zurückgreifen, das ihm für jede neu auftretende Problemstellung gewöhnlich verschiedene Interpretationsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, siehe die Diskussion weiter unten.
Über Pointer
Wirklichkeit und Ideen stehen nicht in einem Gleichgewicht, sondern Ideen sind an sich etwas Sekundäres, für-uns jedoch außerordentlich Bedeutsames, das erst durch die Menschen in die Welt kommt. Allerdings können sich Ideen auf etwas den Vorstellungen Äußerliches BEZIEHEN, das heißt auf die Realität des vom Denken und Bewusstsein Unabhängigen, und dadurch in einem gewissen Sinn auch unabhängig vom menschlichen Sein und Bewusstsein Bedeutung erlangen. Wenn sie nicht ohnedies durch die Wirklichkeit induziert sind, so werden die Ideen zumindest von ihr geleitet, und können indirekt (durch menschliches Handeln) auf sie zurückwirken.
Wolkige Behauptungen des Idealismus wie die von Kant, wirklich sei, was mit den materialen Bedingungen der Erfahrung bzw unseren Wahrnehmungsempfindungen 'zusammenhänge', müssen allerdings zurückgewiesen werden, da sie der Mannigfaltigkeit des Wirklichen bei weitem nicht gerecht werden. Die Wirklichkeit ist mehr als das uns in Anschauung und Wahrnehmung Präsente, weil dieses nur einen geringen Teil von ihr ausmacht. Wirklichkeit ist zu einem großen Teil sozusagen andauernd unbeleuchtet, und für uns daher nie vollständig wahrnehmbar.
Begriffe und Ideen sowie auch Aussagen, die wir formulieren, fungieren als POINTER auf entsprechende Eigenschaften-an-sich oder Komponenten der Wirklichkeit. Pointer sind also Platzhalter bzw Referenzen im Kopf für diese Eigenschaften.
Um 'bepointet' zu werden, muss sich ein Etwas normalerweise in irgendeiner Form von seiner Umgebung abheben, zum Beispiel durch die vom Pointer referenzierten Eigenschaften. Dabei gehört das Abgrenzen der Eigenschaften zum Bewusstseinsprozess des Pointens dazu; die Sinnhaftigkeit des Abgrenzens aber, also von Materiesegmenten, -merkmalen und -eigenschaften, liegt außer in unserer Abstraktionsfähigkeit zum großen Teil in der Materie selbst und spiegelt sich in den Pointern insofern, als auch diese voneinander abgegrenzt sind.
Indem sich mehrere Pointer zu Feststellungen kombinieren lassen (die selbst wiederum Pointer sind), können sehr komplexe in der materiellen Welt bestehende Zusammenhänge sichtbar gemacht werden. Hierbei ist einerseits immer zu prüfen, ob sich diese Feststellungen experimentell verifizieren lassen. Andererseits geht man zum Beispiel in der theoretischen Physik so weit, dass mathematische Entitäten als Pointer fungieren und die Feststellungen durch algebraische Operationen zwischen den mathematischen Entitäten generiert werden.
Generell darf man nicht den Fehler begehen, eine zwingende Kausalbeziehung zwischen dem Wahrnehmungsgegenstand und einem inneren (Teil-) Zustand des Wahrnehmenden, also dem Pointer, zu unterstellen. Sondern das Verhältnis zwischen Pointer und Realitätsgegenstand ist zunächst ähnlich der Definition, die einen Bezeichner mit dem Bezeichneten (das Zeichen für einen Begriff mit dem Begriff) verbindet. Erst im Verlaufe des Erkenntnisfortschrittes, wenn sich viele Erkenntnisse zu einem geistigen Gewebe, einer Gesamtvorstellung über ein Ding zusammenfinden, können die tieferen Wirklichkeitsschichten wie auch die Wirklichkeitsumgebung des Dinges durch unseren Verstand begriffen und die Dinge-an-sich auf diese Weise quasi umzingelt werden.
Aber wie kann das sein? Wie können Ideen und Wirklichkeit, die doch auf ganz verschiedenen Ebenen existieren, zusammenfinden? Zunächst sei festgestellt, dass der Kausalitätsbegriff hier in jedem Fall völlig ungeeignet ist, da Kausalbeziehungen eine zeitliche Abfolge voraussetzen, während es hier um die Verbindung zwischen der Wirklichkeit und aus Pointern gebildeten Aussagen bzw 'Geweben' von Aussagen über dieselbe geht. Eine solche Verbindung ist möglich, insofern Vernunft und Bewusstsein aufgrund ihrer in die materielle Welt eingebetteten menschheitsgeschichtlichen Entwicklung gelernt haben, Pointer - d.h. Begriffe und Ideen - so zu formen, dass die Operationen, die sie im Gehirn mit ihnen vornehmen, reale Vorgänge in den Dingen-an-sich reflektieren, abbilden, parallelisieren können - oder wie immer man diese Entsprechung nennen will.
Dieses Verfahren kann naturgemäß auch schiefgehen und gibt dann Anlass für die häufigen Irrtümer des Denkens. Das betrifft insbesondere auch die theoretische Physik, die dem Publikum gern einen Anschein von Exaktheit vermittelt und darüber vergisst, dass in der Naturwissenschaft exaktes mathematisches Vorgehen auch nur als ein Analog anzusehen ist, welches Eigenschaften der Wirklichkeit lediglich reflektiert - und daher niemals exakter sein kann als die bildhaften Vorstellungen, die ihren Modellen gewöhnlich zugrundeliegen.
Darüberhinaus treten in den theoretischen Wissenschaften, je allgemeiner ihr Ansatz, in zunehmendem Maße schlecht abstrakte oder nicht verifizierbare Theorien an die Stelle gewöhnlicher Irrtümer. Man denke etwa an Superstringtheorien oder axiomatische Feldtheorien, die getrost als noch nicht einmal falsch eingestuft werden dürfen.
Ziel aller Fundamentalwissenschaften und ihrer Erkenntnisse sind die Dinge an sich. Ursprünglich war solche Erkenntnis kein Selbstzweck. Als eine Voraussetzung für die Erfindung neuer Werkzeuge diente sie vielmehr der Verbesserung der menschlichen Lebensumstände, letztlich um die Vermehrungs- und Verbreitungschancen der ganzen Gruppe zu vergrößern. Doch hat sich unser Erkenntnisinteresse schon seit vielen Generationen teilweise von praktischen Anforderungen gelöst und ist rein theore...