Schopenhauer in 60 Minuten
eBook - ePub

Schopenhauer in 60 Minuten

  1. 140 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Schopenhauer in 60 Minuten

Über dieses Buch

Schopenhauer gilt als der mit Abstand größte und brillanteste Pessimist unter den Philosophen. Er entdeckte als erster, dass unser individuelles Leben und der Lauf der Weltgeschichte nicht von Vernunft, Intellekt und sinnvoller Planung bestimmt sind, sondern von einem blinden und hungrigen Willen, der auch die Pflanzen und Tiere antreibt. Anstelle der Vernunft regiert, so Schopenhauer, als metaphysisches Grundprinzip einzig und allein der "blinde Wille, auftretend als Lebenstrieb, Lebenslust, Lebensmuth: es ist das Selbe, was die Pflanze wachsen macht." Denn jedes Wesen auf der Erde ist von diesem Lebenswillen erfüllt und muss sich, um zu leben, nach der Sonne strecken, andere Wesen abschatten, verdrängen, vertreiben, jagen, fressen und fürchten, selbst gefressen zu werden. Sogar der majestätisch wirkende Löwe steht auf einem Berg von Leichen, denen er sein Leben verdankt. Am schlimmsten aber sind laut Schopenhauer die Menschen, die sich untereinander sowie den Tieren und der ganzen Natur das größte Leid zufügen. Sie setzten ihr Bewusstsein für Täuschung und planvolle Ausbeutung ein, bauen Fabriken, sperren Tiere in Käfige und Ställe und führen Kriege um Länder und Rohstoffe.Ähnlich wie die Buddhisten kommt Schopenhauer daher zu dem Ergebnis, dass Leben automatisch Leiden bedeutet. Wörtlich sagt er: "so ist jede Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte." Und ganz ähnlich wie die Buddhisten zieht er daraus eine radikale Konsequenz. Wir müssen "Nein" sagen zum Leben und uns durch Kunst, Askese und Meditation der Ruhelosigkeit und Getriebenheit verweigern. Was heißt das aber konkret? Wie kann ich zum Leben "Nein" sagen? Wenn unser Leben nichts anderes ist als die Verwirklichung des blinden Willens, ein einziges Fressen und Gefressen werden, wie kann ich mich diesem dann noch entziehen? Und: Was nutzt uns Schopenhauers Pessimismus heute? Wird uns nicht gerade umgekehrt Optimismus und positives Denken empfohlen? Schopenhauer gibt uns auch heute noch faszinierende und kompromisslose Antworten.Sein Kerngedanke wird anhand von über hundert seiner besten Zitate dargestellt. Das Buch ist in der beliebten Reihe "Große Denker in 60 Minuten" erschienen.

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst.
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Weitere Informationen hier.
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Abodienst für Lehrbücher, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 1.000 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Weitere Informationen hier.
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Weitere Informationen hier.
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren.
Ja, du hast Zugang zu Schopenhauer in 60 Minuten von Walther Ziegler im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Philosophy & Philosophy History & Theory. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.

Information

Schopenhauers
Kerngedanke

Die Welt ist nur meine Vorstellung

Sein Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ beginnt mit einem kurzen und einfachen Satz:
Doch schon in dieser scheinbar simplen Feststellung steckt eine Provokation. Wenn nämlich die ganze Welt nur „meine Vorstellung“ ist, dann bedeutet das, dass ich die Welt vielleicht gar nicht so sehe, wie sie wirklich ist, sondern eben nur so, wie ich sie mir vorstelle. Und genau das ist der Sinn dieses Satzes. Alle Dinge, die wir für objektiv und real halten, verdanken wir nur unserer Vorstellung von diesen Dingen:
Die Welt besteht also zunächst einmal nur aus den Vorstellungen, die wir von ihr haben. So hat beispielsweise der Holzfäller, der einen großen Baum fällen muss, eine ganz andere Vorstellung von diesem Baum als die Kinder, die auf ihn hochklettern, und noch mal eine andere als das Liebespaar, das sich nachts unter dem Baum küsst. Ein und derselbe Baum und ein und dieselbe Welt werden sehr unterschiedlich wahrgenommen:
Deshalb reden wir auch so oft aneinander vorbei und sagen zum anderen: „Na, du hast vielleicht Vorstellungen“ oder auch: „In was für einer Welt lebst du denn?“ Schopenhauer zieht daraus nun eine erste Konsequenz:
Wie aber ist unser Bewusstsein beschaffen? Wie funktioniert es? Hinsichtlich seiner Erkenntnistheorie verweist Schopenhauer zunächst einmal auf Immanuel Kant, den er sehr schätzt. Kant hat bereits vor ihm nachgewiesen, dass wir Menschen die Welt nur als Vorstellung durch einen zweifachen Filter wahrnehmen können: erstens durch den Filter unserer räumlichen bzw. zeitlichen Anschauungsformen und zweitens durch den Filter unserer Denkkategorien. Wir ordnen nämlich alle Dinge, die wir sehen, immer schon in eine zeitliche Abfolge, eine räumliche Abstandsbestimmung und in eine logische Zuordnung ein, zum Beispiel in ein Ursache-Wirkungsgefüge. Wir sehen nämlich alles, ob wir wollen oder nicht, immer schon in einer zeitlichen Abfolge als etwas, das jetzt, später, vorher oder noch viel früher passiert ist. Und wir sehen alles dreidimensional räumlich als ein Nebeneinander, Hintereinander etc. Dann ordnen wir das Gesehene auch noch in logischen Dimensionen an, zum Beispiel als hölzernen, großen, schweren, grünen, umstürzenden Baum, der deshalb stürzt, weil der Holzfäller ihn zuvor mit der Axt an einer Stelle ausgedünnt hat. Aber das „Ding an sich“, also wie der „Baum an sich“ oder auch die „Welt an sich“ ohne unsere Wahrnehmungsfilter aussehen würde, können wir nach Kant nicht wissen. Das bleibt ein Geheimnis. Genau an dieser Stelle geht Schopenhauer über Kant hinaus:
So hat der Mensch nicht nur eine Vorstellung von der Welt um sich herum, sondern auch von sich selbst und seinem Leib. Und eben dieser Leib verrät uns, dass hinter allen bewussten Vorstellungen von der Welt letztlich ein universeller Wille steht – der Wille zum Leben. Wir können somit sehr wohl auch das innerste Wesen der Dinge und der Welt erkennen. Denn unser Leib, beziehungsweise unser Körper, entschlüsselt uns das Geheimnis der Welt an sich. Im Unterschied zu den sonstigen Dingen empfinden wir unseren Leib nämlich auf zweifache Weise:
Zum einen haben wir also von unserem Leib die übliche Vorstellung als einem „Objekt unter Objekten“. Wir sehen ihn genau wie zum Beispiel unseren Kleiderschrank als ein Objekt mit einer bestimmten Größe und einem bestimmten Gewicht. Doch darüber hinaus, so Schopenhauer, empfinden wir unsere Leiblichkeit im Gegensatz zum Schrank noch auf „eine zweite“, viel intensivere und „unmittelbarere Weise“: In Form von Hunger, Durst, Lust und Bedürfnissen aller Art erfahren wir uns in unserer Leiblichkeit als Triebwesen und Wille:
Wenn wir solchermaßen in einem ersten Schritt den Willen in uns selbst als individuelle Gewissheit entdeckt haben, dann können wir ihn in einem zweiten Schritt auch in der gesamten äußeren Natur wiedererkennen:
Indem wir also unsere unmittelbare Gewissheit des eigenen Willens auf die anderen Menschen, die Tiere und letztlich die ganze Umwelt übertragen, erkennen wir ihn in der Welt um uns herum als ein und dieselbe Kraft:
Die wahre Welt als blinder Wille
Hinter allen Erscheinungen der Welt – interessanterweise auch hinter allen Kräften und Bewegungen in der anorganischen Natur – steht nach Schopenhauer letztlich der universelle, unteilbarere und zeitlose metaphysische Wille. Jedem Menschen kann es gelingen
Die Welt mutet zwar wegen unserer vielen Vorstellungen, die wir von ihr haben, auf den ersten Blick sehr verschieden- und fremdartig an. Bei genauerer Betrachtung besteht sie aber immer nur aus dem dahinterstehenden Drang, den wir „unmittelbar“ in uns selbst spüren. In den physikalischen Prozessen kann man ihn bereits entdecken, deutlicher in den Pflanzen. Unübersehbar wird er in der Tierwelt:
Wir mögen zwar als aufrecht gehende Menschen eine andere Gestalt als die Tiere haben und uns auch untereinander hinsichtlich der Charaktere zum Teil deutlich unterscheiden, doch letztlich tickt in uns allen dasselbe Uhrwerk. Aus Schopenhauers Perspektive ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Danksagung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Schopenhauers große Entdeckung
  4. Schopenhauers Kerngedanke
  5. Was nutzt uns Schopenhauers Entdeckung heute?
  6. Zitatverzeichnis
  7. Weitere Informationen
  8. Der Autor
  9. Impressum