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Netz und verzerrte Signale– Abhängigkeit und Datenzentren –
Präsenz und Vergessenwerden – Eigenbild und Fremdbild –
Informationsverschmutzung und Datenflut. Wenn im Begleitprogramm
der digitalen Revolutionen Unternehmen, Institutionen u.a. zur
Clearingstellen persönlicher Identitäten werden heißt dieses, dass
Macht sich an zentralen Stellen konzentriert: Mächte also, die
transparent, regelbar und kontrollierbar sein müssen. Das Internet
ist u.a. mit dem Phänomen Google zu einem solchen Drehkreuz von
Informationen geworden, dass viele Unternehmen (und Personen ?)
ohne dieses Instrument überhaupt nicht existenzfähig wären. Wer in
solcher Weise vom Internet abhängig ist, muss zudem bizarre
Verrenkungen anstellen, um den Google-Algorithmen zu gefallen und
in den Ergebnislisten möglichst weit vorne wahrgenommen zu
werden
Entscheidend ist hierbei nicht etwa noch das hunderttausendste
Suchergebnis, sondern einzig und allein jenes, das auf den
vordersten eins bis zehn Plätzen der Ergebnisliste auftaucht. Fatal
nur, dass jene im Verborgenen wirkenden Algorithmen ihre
Beschaffenheit mit schöner Regelmäßigkeit ändern und es für die
Weltgemeinde der Internetnutzer immer wieder auf ein Neues heißt:
neues Spiel, neues Glück, Ihren Einsatz bitte. Alle Anstrengungen
und Investitionen in eine versuchte Suchmaschinenoptimierung also
vergebens: eine Gruppe anonymer kalifornischer Techniker,
Mathematiker u.a. entscheidet also darüber, wer wie in der
digitalen Welt sichtbar und damit vielleicht überhaupt erst
existent ist. Diametral entgegengesetzt zu diesem Streben nach
Internet-Präsenz steht nunmehr deutlicher artikuliert das Streben
danach, im Dunkeln des digitalen Vergessenwerdens zu verharren.
Hier dreht sich alles um den Kern, von jenen geheimen
Google-Algorithmen nicht erkannt oder besser überhaupt nicht erst
erfasst zu werden: Ziel ist die Unsichtbarkeit im Netz.
Diskussionen zwischen wirklichen oder manchmal auch nur
selbsternannten Netz-Spezialisten machen eines deutlich: die Welt
für Otto Normalverbraucher liegt realistischerweise irgendwo
zwischen diesen beiden Extrempunkten. Insofern ist die
Informationsqualität des Netzes an vielen Stellen auch eher
beschränkt: es gibt eine gewaltige Flut der
Informationsverschmutzung, die das Netz mit falschen Daten zumüllt.
Denn jedermann ist darauf bedacht, aufrichtige Informationen und
Meinungen zurückzuhalten, um von sich ein möglichst positives
Scheinbild zu erzeugen, dass auch noch Anerkennung bei fernen
Algorithmen-Technikern findet. Statt Informationen zu dem „so sind
wir“ gibt es mehr verzerrte Informationen zu dem „so wollen wir
sein“: alles wird dem Bild untergeordnet, dass man online abgeben
möchte.
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2 Transparenz
und Steuerbarkeit individueller Existenzen
Informationeller Totalitarismus – digitale Fußspuren von
jedermann – Strukturwandel digitalisierter Kommunikation –
informationelle Fremdbestimmung neu sortieren – Daten und
Verfügungsmacht. „Systemwechsel finden dann statt, wenn sich Macht-
und Vertrauensverhältnisse und die für selbstverständlich
gehaltenen Regeln des Alltagslebens verändern „(Vgl. FAZ, H.
Welzer). Immer deutlicher wird erkennbar, welche digitalen
Fußspuren jedermann hinterlässt, indem mehr oder weniger unbewusst
private Daten abgegriffen oder preisgegeben werden. Als Folgen der
allgegenwärtigen Datenerfassung verschieben sich lange Zeit für
unverrückbar gehaltene Grenzen zwischen privatem und öffentlichem
Raum.
Wenn es ein Gegenmittel gegen jene digitale Ernte gibt, die von
privaten und öffentlichen Akteuren ungehemmt eingefahren wird, so
ist es ein allgemein verbreitetes Verhalten, dass viele alles
anders machen, als man es von ihnen erwarten würde. Umso weniger
Verhalten transparent wird, umso weniger Möglichkeiten der
Manipulation und Steuerbarkeit gibt es. Nischen des Privaten und
der Intransparenz bieten gewissen Schutz vor den Folgen der
Digitalisierung. Es müssten aber grundsätzlich andere Formen der
Kommunikation gefunden und umgesetzt werden. Ein Strukturwandel der
digitalisierten Kommunikation könnte vielleicht die Verfügungsmacht
über eigene Daten zurückgewinnen und erhalten. Wenn für alles, was
man für wichtig hält, auf Internet und Telekommunikation verzichtet
würde, d.h. man auch bereit sein würde, sich aus normal gewordenen
Kommunikationsformen herauszuhalten, ließe sich die bisherige
informationelle Fremdbestimmung vielleicht neu sortieren und
orientieren.
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"Datability" - Chancen und Risiken
Welt der Daten –– Algorithmen und Transparenz – Wirkungsstärke
mathematisierter Korrelationen und Kausalitäten –
Datenproliferation mit starken Nebenwirkungen. In der Welt der
Daten ist nicht alles schlecht, aber vieles auch nicht eben gerade
gut. Gut möglich, dass das digitale Schiff, sprich Technologie der
Informationsgesellschaft, einen Kurs steuert, an dessen Ziel man
nicht hin wollte. Zu viele Risiken birgt noch der nachhaltige
Umgang mit digitalen Daten. Sowohl Gewinn als auch Kosten von „Big
Data“ gehören zur laufenden Kontrolle auf den Prüfstand. Neben
manchen Vorteilen dürfen Gefahren der Datenproliferation nicht aus
den Augen verloren werden.
Man darf es „nicht einer Mathematik überlassen, die systematisch
Kausalitäten und Korrelationen erzeugt, deren Effekte wir spüren,
aber deren Zustandekommen wir nicht nachvollziehen können „(Vgl.
FAZ, Frank Schirrmacher). Im digitalen Epochenwandel verwandeln
sich Daten in Dinge und Dinge in Daten. Die Reputation oder
Kreditbonität einer Person wird nicht mehr persönlich beurteilt und
vermessen, sondern von jenen für Außenstehende nicht
nachvollziehbaren, d.h. intransparenten Algorithmen berechnet. Ohne
Diskussion, Konsens, Vereinbarung oder Abstimmung der Beteiligten
werden ökonomische und gesellschaftliche Spielregeln neu bestimmt.
Der Möglichkeitsraum für Entscheidungen wird einseitig festgelegt
und abgegrenzt, Demokratie auch im Datenraum sieht wohl anders
aus
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4 Private und
fiskalische Bildungsrendite
Bildungsrendite – Kosten der Ausbildung und monetäre Erträge –
Individuelle und gesellschaftliche Sicht der Bildungsrendite ––
Bildungsinvestitionen und Erwerbseinkommen im Lebenszyklus –
Mincer-Gleichung – Kostenbeitrag und Abschöpfung des Staates.
Bildung ist zum großen Teil ein öffentliches Gut. Bildung generiert
sowohl individuelle Vorteile als auch gesellschaftliche Vorteile.
Zum einen bewirkt Bildung positive Effekte auf das Einkommen des
Bildungsempfängers (Change Knowledge into cash). Zum anderen
bewirkt Bildung für die Gesellschaft dadurch steigende
Steueraufkommen und geringere Sozialausgaben: besser Gebildete sind
im Durchschnitt weniger und kürzer arbeitslos.
Bildungsentscheidungen sind somit immer auch
Investitionsentscheidungen. Eine Bildungsrendite misst und drückt
aus, ob und in welchem Umfang sich eine Investition in Bildung
lohnt: die monetären Erträge von Bildung werden den Kosten der
Ausbildung gegenüber gestellt.
Vgl. u.a. Bildungsrendite
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.346684.de/10-5-1.pdf
Liegt bei Privatpersonen die Rendite einer Ausbildung über
derjenigen von alternative Investitionen (z.B. sichere
Staatsanaleihen), lohne es sich auch wirtschaftlich gesehen, in
Bildung zu investieren. Bei einer Life-Cycle-Betrachtung fallen
Kosten vor allem während der Ausbildung an, Erträge ergeben sich
hieraus während des gesamten verbleibenden Lebens.
Bildungsinvestitionen und Erwerbseinkommen sind somit mit dem
Lebenszyklus des Bildungsempfängers verbunden. Die Messung von
Bildungsrenditen ist eng mit dem Begriff der Mincer-Gleichung
verknüpft. In einem komplexen Verfahren wurde mit Hilfe dieser oder
ähnlicher Methoden private Bildungsrenditen von annähernd zehn
Prozent ermittelt: je nach Methode und Studienansatz weichen die
ermittelten Bildungsrenditen voneinander ab.
Vgl. u.a. Mincer-Gleichung
http://www.bmbf.de/pubRD/sdi_01-04_fibs-rendite.pdf
Sowohl die privaten als auch die fiskalischen Bildungsrenditen
liegen i.d.R. über der Verzinsung auf Investitionen in Realkapital.
Gleichzeitig entstehen sowohl soziale Kosten als auch soziale
Erträge: der Anteil der Kosten, den der Staat an der Ausbildung
trägt, sollte mindestens so hoch sein, wie der Anteil an den
Erträgen, den der Staat später wieder abschöpft. Gemäß FAZ
(„Vergesst die OECD-Bildungsrenditen“) gehört Deutschland zu den
Ländern , in denen der Staat in Erwerbsphase über Steuern und
Gebühren mehr aus Bildungserträgen abschöpft, als er in der
Bildungsphase beigesteuert hat. D.h. in Deutschland liegen die
fiskalischen Bildungsrenditen höher als die Finanzierungskosten des
Staates. Folgerung: Entweder sollte sich der Staat stärker an
Ausbildungskosten beteiligen oder die Ausbildungserträge geringer
besteuern.
Personalbilanz - Analyse von Potentialen: mit dem
Instrument einer Personalbilanz kann darüber hinaus nicht nur das
„Was-ist“, sondern auch das „Was-sein-könnte“ (Potenziale,
Perspektiven) verdeutlicht werden. Bei der vielfältigen Problematik
einer Beurteilung von Personen spielen „weiche“, oft als nicht
bewertbar beurteilte Personalfaktoren eine immer wichtigere Rolle.
Über die Personalbilanz können diese „Intangibles“ einer
transparent nachvollziehbaren und einheitlich durchgängigen
Bewertungssystematik zugeführt werden. In einem spezifischen
Cluster können alle Einflussfaktoren gebündelt werden, die
untrennbar mit der Person als solcher verbunden sind. Von Interesse
könnten insbesondere Potentiale und Gewichtungen sein. Nicht so
sehr die absoluten Werte, sondern die richtigen Relationen
zueinander stünden hierbei im Vordergrund. Dabei ist der Übergang
von sogenannten „harten“, d.h. messbaren Personalfaktoren zu den
sogenannten „weichen“, d.h. angeblich nicht evaluierbaren Faktoren
fließend. Wie auch immer ausgestaltete Personalbilanzen könnten
hierbei Hilfestellung leisten
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Modelltheoretische Bildungsprämien
Personalbilanz –– Unterschiede zwischen Geschlechtern – Je höher
das Bildungsniveau desto höher die Bildungsprämie der Männer im
Vergleich zu der von Frauen – Konkreter Einzelfall und
Modellrechnung – nicht alle durchgehend vollzeitbeschäftigt –
kritischer Übergang von der Uni in den Arbeitsmarkt – Auch
Hochschulabschluss mit Niedriglohnsektor. Die durchschnittliche
Bildungsprämie, d.h. die Differenz der kumulierten Entgelte im 65.
Lebensjahr beträgt für Personen mit Berufsausbildung gegenüber
Personen ohne Berufsausbildung und Abitur nach einer
modelltheoretischen Berechnung 243.000 Euro. Für die beiden
Bildungsgruppen, d.h. jeweils mit und ohne Berufsausbildung
betragen die kumulierten, durchschnittlichen Jahresentgelte:
Im 30. Lebensjahr 179.000 Euro versus 231.000 Euro
Im 40. Lebensjahr 404.000 Euro versus 512.000 Euro
Im 50. Lebensjahr 661.000 Euro versus 827.000 Euro
Im 65. Lebensjahr 1.083.000 Euro versus 1.325.000 Euro
Bei den Männern sind die Differenzen deutlicher ausgeprägt als
bei Frauen: Die Bildungsprämie über das ganze Erwerbsleben hinweg
beträgt bei Männern durchschnittlich 259.000 Euro, bei Frauen
177.000 Euro. Ein Hochschulabschluss ist bei Männern 1.398.000
Euro, bei Frauen 820.000 Euro wert, d.h. die männlich
Bildungsprämie ca. 1,7 mal höher
Vgl. u.a.
http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb0114.pdf
Wenn es sich bei den in der Studie angeführten Zahlen auch nur
um Modellrechnungen handelt, besteht an dem grundsätzlichen
Ergebnis, dass sich Bildung –wo oder von wem auch immer- kräftig
auszahlt, kein Zweifel. Trotzdem könnte natürlich so mancher
Einzelfall von solchen Durchschnittsberechnungen erheblich
abweichen. In der Praxis des heutigen Arbeitslebens dürfte auch die
in den Modellrechnungen unterlegte Annahme, dass Personen
immer durchgehend vollzeitbeschäftigt sind, kaum
wiederzufinden sein. Im Vergleich mit Akademikern dürfte deren
Bildungsprämie allerdings noch höher ausfallen, da diese
Bildungsgruppe der Tendenz nach ein geringeres Risiko der
Arbeitslosigkeit aufweist.
Die statistisch geringere Arbeitslosigkeit der Akademiker sagt
zudem nichts darüber aus, unter welchen Begleitumständen sich auch
manche Akademiker durch das Leben schlagen müssen: hierbei
besonders kritisch ist oft der Übergang von der Universität in den
Arbeitsmarkt. Nach Schätzungen von Arbeitsmarktexperten könnten
rund zwanzig Prozent der Akademiker in der ersten Phase ihres
Arbeitslebens nicht ausbildungsadäquat beschäftigt sein. Auch gäbe
es eine durchaus bemerkenswerte Zahl (ca. 700.000) von
Beschäftigten mit Hochschulabschluss, die auf längere Zeit
sogar nur dem Niedriglohnsektor zuzurechnen sei. Die
Schlussfolgerung hieraus: durchschnittliche Bildungsprämie hin oder
her, sie ist zwar keine Garantie, aber durchaus ein handfestes
Versprechen an alle, die in Bildung investieren.
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6 Ohne gestern gibt es kein heute und ohne heute kein morgen
Wer zumindest bemüht ist, das Heute zu verstehen, um wenigstens zu erahnen, was das Morgen sein könnte, wird nicht umhinkommen, auch das Gestern zu verstehen. Allerdings muss man dazu wissen, was das Gestern überhaupt war. Viele, die im Heute leben und aufwachsen, wird das Gestern vermutlich wenig interessieren. Egal, die schon im Gestern dabei waren, für die ist es nicht nur Erinnerung, sondern ein realer Anker ihrer Identität. Ohne diese...