Hermann Ritzel und die frühe Phänomenologie, seine möglichen Verbindungen - über Manchester, während des Forschungsaufenthaltes seines Bruders Albert Ritzel im Jahr 1908 - zur modernen Sprachphilosophie von Wittgenstein - und sein Rückbezug von Phänomenologie und Mathematik auf die Transzendentalphilosophie Immanuel Kants.

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- German
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Über dieses Buch
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Information
Fünftes Kapitel
Land ohne Berge
„How can one outwit death with death?“
Mahabarata?
Paul Virilo in seiner Ästhetik des Verschwindens erzählt, beschreibt, es ist ein beschreibendes Erzählen von seinem Kinderglauben, vom „Machen“ der Erinnerung – sag ich’s falsch? Vom Abphotographieren des Moments durch Blinzeln…durch LangsamesdenKopfverdrehen..Il n’a pas dit ca?
Seit über einem Jahr suche ich nach einem Bild einem Begriff, der mir die Brücke bildet zwischen „Ähnlichkeit“ und „Evidenz“, eine Brücke zwischen „Ähnlichkeit“ und „Reihe“, „Ähnlichkeit“ und „Zahl“. Was die Vielheit der Ähnlichkeiten betrifft, so meint man, ein Drüberhinweggleiten Hinwegsehen müsse erfassen, was sich dem Moment entzieht. Aber dieses Hinweggleiten über die Reihe ist nicht dasselbewie das leibhafte Abstrahieren - das abziehen Sichabwenden, das so bei Virilo konkret dargestellt wird. Meine Versuche, sinnlich-sensuale Bilder zu finden für eine „Übereinstimmung“: adaequatio zwischen Gedachtem und Seiendem Sachverhalten und der Rede drüber, basiert letzlich auf Klonen …die nichts als aneinandergereihte „personalities“ sind wie der Junge in Steven Spielbergs „AI“.
Die Reihe die hier sosehr ein Problem ist wie die Reihe der Identitäten, nichtssagend. Man könnte sagen: kein Wunder, dass Wolfgang Ritzel sich für Hans Driesch interessierte. Naturphilosoph dieser, der den ersten Klon erschuf.
Dabei dachte ich zuerst an Modelle des Sehens, weil hier so viel von Licht die Rede ist, von EINleuchten, weil das was Sehen gewesen ist, selbst ein negatives Gewordenes ist. An die Evidenz des lumen naturale, das vernünftige Einleuchten einer Wahrheit, die je einfacher desto eleganter, desto tiefsinniger dito umfassender geworden ist. Aber meine Ideen kommen zu keiner Deckung. Es deckt sich nicht mit der Realität.
„…..ein vielgestaltiger Horizont unerfüllter, aber erfüllungsbedürftiger Antizipationen gehört, also Gehalte bloßer Meinung, die auf entsprechende potentielle Evidenzen verweisen. Diese Unvollkommenheit der Evidenz vervollkommnet sich in den verwirklichenden synthetischen Übergängen von Evidenz zu Evidenz, aber notwendig so, dass keine erdenkliche Synthesis zu einer adäquaten Evidenz abgeschlossen ist…“ Evidenz bei Husserl S62 Dritte Meditation §28
Dieses gilt von der Welt – bei Husserl Welt als Korrelatidee. Auffallend (mir) das Verhältnis von unerfüllt und erfüllungsbedürftig, von Antizipation und potenzielle Evidenz. Man könnte meinen, die „Theorie“ sei bereits in den Grundzügen angelegt, eine Theorie, die sich in Erwartungen und Vorwegnahmen so präzise konkretisiert hat. „Ähnlichkeit“ als urteillogisches Verhältnis, wenn die Ähnlichkeit nichts als das statistische Mittel ist, das Übereinstimmung anzeigt – und darum ein Verhältnis, eine Proportion Proporz des Richtigseins somit auch ein Problem (mit) der Evidenz.
Eine fast adäquate Evidenz, eine die es fast trifft. Sie werden sagen, das ist eine polemische Verballhornung. Die Geschichte auf den Punkt bringt – ist für einen Journalisten ein Problem…ein Ziel, das man verfehlen kann. Nicht in der Philosophie. Hier beweist man. Die Darstellung verläuft stringent. Zumindest ist es das Ziel des philosophischen Schreibens.
„Es ist klar, dass Wahrheit bzw wahre Wirklichkeit von Gegenständen nur aus der Evidenz zu schöpfen ist“ Husserl Zur Evidenz Plus précisémentAdaequatio rei et intellectus. Das Gegenständliche genau als das, als welches es intendiert ist, wirklich „gegenwärtig“. Das alte„Wörterbuch der Logik“ des VEB BibliografischenInstitut sLeipzig, hatte unter dem Stichwort „Evidenz“: „Offensichtlichkeit; Wissen, dessen Wahrheit der mensch ‚unmittelbar mit den Sinnesor-ganen nachprüfen kann‘.‘Die Wahrheit des Urteils „Im Zimmer leuchtet die elektrische Lampe“ ist zB jedem im Zimmer anwesenden Menschen mit normalem Sehvermögen möglich. Zum Wahrheitsbeweis .... braucht man nicht zu logischen Ableitungen oder zu Experimenten zu greifen. Wie schon CICERO sagte „wird die Evidenz durch Beweis nur geschmälert“.
Mein Irrtum nun besteht darin, dass ich meinte, der Wirklichkeitssinn bei Hermann Ritzel habe etwas mit Evidenz zu tun. Ich hatte vermutlich das Loch gesucht, aus dem der Geist in die Welt hinauslief, damals, im Mai 1915.
Etwas Evidentmachen – das ist ein Ausdruck den Husserl gebraucht, S59 immer noch Dritte Meditation, und auch dieses ist steigerungsfähig: „eigene Potentialitäten des Evidentmachens“ Dazu zählt, „was wir öfters Klärung, zur Klarheit bringen nennen, es bezeichnet stets einen Modus des Evidentmachens, des Inszenierens eines synthetischen Weges von einer unklaren Meinung zu einer „vervorbildlichenden Anschauung“…
Ich gehe sicher nicht (ganz) falsch in der Annahme, dass „vervorbildlichen“ durchaus den Anspruch des Exemplarischen hat, allerdings nicht im Sinne des Vorwegnehmens, schliesslich lässt das, was unter meinen unerfahrenen Händen bloß „theorie“ heisst, noch die Möglichkeit des Eintreffens und Realisierens zu.
“Die vervorbildlichende Anschauung dieser bewährenden Erfüllung ergibt nicht verwirklichende Evidenz des Seins, wohl aber die Seinsmöglichkeit ….“ Husserl zur Quasi-Evidenz.
Nur eines Gottes Traum, könnte man vermuten, lässt Wirkliches sein…
„mit gebrochenen Augen angestarrt“ 157 WR
Bertrand Russel hatte in einer 1912 vorgelegten Abhandlung ge- schrieben: (Leider nur deutscher Text): „Es ist jedoch garnicht einfach, eine Form des Einan- der-Entsprechens aus ndig zu machen, gegen die es keine stichhaltigen Einwände gibt. Viele Philosophen sind teils...“ (in Wahrheitstheorien, Skirbekk... p65)
Daraus entsteht nun der Eindruck „Evidenz“ sei in meinen Augen “eine Form des Einander-Entsprechens“.
Dahinter steckt noch das „égale“- Problem (für jemanden wie mich). Wie man vielleicht an meinen französierenden Subtones Untertönen gemerkt haben wird, verwechsle ich oft „egal“ und „égale“, gleich und gleichviel, gerade unter Dingen, die einander gleich, gibt es vieles, das eben nicht „egal“ ist.
Billige Argumentation, wird der Leser sagen, aber, sehen Sie, das ist, nur spiegelverkehrt, dasselbe, was mich an der nichtexistenten Diskussion über Nichtexistierendes so ärgert. Sich zu fragen, ob „7+5=12“ dasselbe ist oder etwas Identisches, verschiebt das Problem von der Sparceh auf einen mathematischen Satz. Wieder muß ich - Stecknadeln - gedanken heran ziehen, die sich zur Negativität äußern, Sarte hier, mein Bezugspunkt
„Wessen Vergangenheit ist der vergangene Pierre ..?Die Beziehung auf eine universelle Gegenwart, die reine Behauptung des Seins wäre, ist nicht möglich; ......„Das Schreckliche am Tod ist“, wie Malraux sagt,“ daß er das Leben in Schicksal verwandelt.“ Darunter ist zu verstehen, daß er das „Für sich für andere“ auf ein bloßes „Für andere“ reduziert.“ JP.Sartre p169 (Sein und das Nichts übersetzt von Justus Streller)
Heisenberg in seinem Buch „Quantentheorie und Philosophie“ eine lieferte eine Rekapitulation eines Gesprächs mit Carl Friedrich von Weizsäcker und Grete Hermann: „Kant konnte nicht voraussehen, daß in Erfahrungsbereichen, die weit jenseits der täglichen Erfahrung liegen, eine Ordnung des Wahrgenommenen nach dem Modell des „Dingsansich“ oder, wenn Sie so wollen, des „Gegenstands“ nicht mehr durchgeführt werden kann, daß also, um es auf eine einfache Formel zu bringen, Atome keine Dinge oder Gegenstände mehr sind.“p72 „Wenn wir schon über die Schwierigkeiten des sprachlichen Ausdrucks reden“, habe dann Carl Friedrich von Weizsäcker eingeworfen.
Die Unterscheidung von Ähnlichkeit und Dinggebenheit, von Ähnlichkeit und negativem Gegenstand- ist für mich nicht sonderlich von Belang. Mein Job ist es, Diskrepanzen aufzuzeigen, die Bruchstellen. Es mag, vielleicht gerade hier, im Moment da Husserl von Synthesen spricht (ein Buch ist so oft zeitlos, wie es mir in meiner naiven Moral so oft scheinen möchte)
Von der „Synthese als Synthese dieser Form“ (IV.Meditation, §38 Aktive und passive Genesis, S79) ihre sich in ihr selbst bekundende „Geschichte“. Diese Geschichte – wird faßbar durch das Eindringen in den intentionalen Gehalt, durch die intentionalen Verweisungen, Phänomene als Nachgestalten in einem einanderumgreifenden Prozess von Synthesen Aktivitäten und…die Strukturformen, die auf altbekanntes auf Ursprüngliches zurückverweisen:
„Was wir unbekannt nennen, hat doch eine Strukturform der Bekanntheit, die Form Gegenstand, des näheren die Form Raumding, Kulturobjekt, Werkzeug usw“ Husserl CM IVMeditation p80.
Die Bruchstellen dieser Geschichte, die wie Bioy Casares nichts als Wiederholung ist und eigentlich keine Geschichte Ablauf in multiplen Kaskaden aber keine ruptures coupures epistemologiques kennt. Keine, die „das Leuchten„ benötigte, Aufleuchten, Aufblitzen.
Faschistisch mein Gedankengang. Plötzlich und unvermittelt.
„Es liegt an einer wesensmässigen Genesis, dass ich, das Ego, und schon im ersten Blick, ein Ding erfahren kann.“
„Wie kann man etwas wissen ohne es zu meinen?“ Damit begründet Hermann Ritzel eine gewisse Vorrangstellung des Meinens in dem Wissen um nicht vorgestellte Gegenstände fundiert seien.
„ Auch das Wissen um den nicht vorgestellten Gegenstand kann für uns nur in Akten des Meinens fundiert sein.“
Die décalage, die uns so offenkundig zwischen Hermann Ritzels „Meinen“ und Husserls „Evidenzen“ entgegenschlägt,
hit the bottom.
Schleiermacher „Der schlagende Beweis für (solche Divination ist das Sprachenlernen der Kinder. Sie müssen … „ursprünglich verstehen“ denn „sie haben die Sprachen noch nicht (also auch nicht irgendwelche anzuwendenden Regeln) und müssen sie erst suchen… Hermeneutik und Kritik, zitiert nach der Einleitung des Hrg M.Frank p51).
Sprache suchen müssen ist nun ein besonderes Procedere der Montessori Pädagogik und fast ist man versucht, eine innere Verbindung darin zu sehen, dass Hermann Ritzels Verlobte Carolina Tromp nach Hermanns Tod sich bei Maria Montessori bewarb und später zum inneren Mitarbeiterzirkel der AMI gehörte.
„...ist die Sprache ein Beispiel dafür. Das Kind erinnert sich nicht an die Laute, sondern inkarniert sie und spricht sie dann perfekt aus. Es beherrscht die Sprache mit allen seinen komplizierten Regeln und Ausnahmen nicht, weil es die Sprache gelernt hat, auch nicht aufgrund gewöhnlicher Gedächtnisübungen. Vielleicht behält sein Gedächtnis die Sprache nie bewußt...“ Maria Montessori, Das kreative Kind, p57
Das nicht vorgestellte nicht anschauliche Wissen. Als wäre es eine Der Bruchstellen der Transzendenz, an der auch mathematische Gegenstände sich noch brechen
„An anschaulichen Gegenständen kommt hier der Denkgegenstand gleichsam selbst zur „Anschauung“ – aber wenn sich sein Sinn so klärt, bleibt er doch dauernd geacht oder gemeint“ formuliert Hermann Ritzel
Dem Meinen übergeordneter intellektiver Akt (des Denkens). Dass Meinen also nicht ein Nichtwissen ist, nicht ein sokratisch platonisches noch ein denunziertes Doxa Meinen, vorgefasste Meinungen oder Scheinmeinungen von vermeintlich Wissenden die aus Formalen Schlüssen und sophistischen…Zitat Platondialog?
Sinnlose Stichworte, um die mein Denken kreist.
„Wagenschein“ - wäre der rechte Stichwortgeber. Ein Pädagoge, den Wolfgang Ritzel in seinem Buch „Philosophie und Pädagogik im 20. Jahrhundert“ nicht erwähnt.
Wagenschein, so hatte es ihm Bollnow in rügender Weise in Erinenrung gerufen (Brief im Privatbesitz) gehörte zu den Pädagogen, die besonders eindrücklich vor dem Gebrauch von „Metaphern“ im naturwissenschaftlichen Unterricht warnte.
Da stellt sich dann ein Schüler ein leeres Atom vor, schrieb er, und dann kan ein Lehrer den Irrtum kaum ausräumen, so unverrückbar fest sitzt das erste Bild im Kopf der Schüler.
Ich brauchs nicht auszuführen. ...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Danksagung
- Erstes Kapitel: „...darin waren alle Freundlichs Meister“
- Zweites Kapitel: Philosophiegeschichte und die Geschichte der Geometrie.
- Drittes Kapitel: Alexander Pfänders Notizen zu Mathematik
- Viertes Kapitel: Without belief
- Fünftes Kapitel: Land ohne Berge
- Sechstes Kapitel: Der bedeutungslose Eigenname
- Quellentexte: Briefe / Aufzeichnungen Hermann Ritzel
- Aufzeichnungen des Wilhelm Ritzel (Auszug)
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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