Vom 18.05.2017 bis zum 20.05.2017 kamen Studierende aus Oldenburg, Darmstadt und vielen anderen Städten Deutschlands in Oldenburg zusammen, um über die Zukunft der Energiewirtschaft zu diskutieren und in Workshops gemeinsam an ganz konkreten Fragestellungen zu arbeiten. Neben interessanten Fachvorträgen und der Arbeit in den Workshops hielt das Programm auch den Besuch des Bremer Weserstadions und der dortigen Photovoltaikanlage sowie eines auf die Energiewirtschaft spezialisierten Start-Up-Zentrums bereit. Der vorliegende Bericht möchte einen Überblick über das Symposium und die dort diskutierten Themen geben.

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Die Workshopteilnehmer während der Abschlussveranstaltung am Samstagmorgen
GESCHÄFTSMODELLE FÜR DIE ENERGIEWENDE
Am zweiten Tag des Symposiums fand man sich bereits am Morgen in Gruppen in den Workshops ein, die am Abend vorher durch Eintragen in die jeweiligen Listen bestimmt wurden. Einer der zur Auswahl stehenden Workshops setzte sich mit dem Thema Smart Business auseinander und wurde von Claudia Wallschlag, Leiterin der Gruppe Konzernportfoliomanagement in der Konzernentwicklung der EWE AG sowie von Justin Müller geleitet.
Autor: Jöran Gertje
Bereits nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Workshopteilnehmer untereinander war klar, dass die Mischung kaum unterschiedlicher hätte sein können. Zwar bestand die Gruppe der Teilnehmer ausschließlich aus jungen Männern, diese brachten jedoch alle ein unterschiedliches Vorwissen mit und kamen aus unterschiedlichen Bereichen. Neben angehenden Energiewirten oder Maschinenbauingenieuren mischten sich auch angehende Wirtschaftsingenieure, Juristen und Betriebswirte sowie Studenten aus dem dualen System unter die Gruppe. Während somit einige Teilnehmer bereits eine profunde energiewirtschaftliche Expertise aufweisen konnten, beschränkten sich die Erfahrungen der anderen Teilnehmer größtenteils auf Praktika.
>>> Zentrale Aufgabenstellung des Workshops
Nachdem zunächst ganz alltägliche Probleme identifiziert wurden, mit denen viele Menschen konfrontiert werden, wurden im Anschluss daran Visionen für die Zukunft formuliert. Ausgehend von diesen Erkenntnissen bestand die zentrale Aufgabenstellung des Workshops darin, in Kleingruppen ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Eine anfängliche Idee wurde mittels verschiedenen Methoden hin zu einem Geschäftsmodell entwickelt, das im Idealfall auch in die Praxis umsetzbar ist.
Allgemeine Herausforderungen
In einem kurzen Impulsreferat über Innovation und Digitalisierung bei EWE wurde zunächst gezeigt, wie sich das Thema Smart Business im EWE-Konzern auswirkt. EWE hat sich das strategische Ziel gesetzt, der führende Energieversorger Norddeutschlands zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen soll verstärkt auf Daten und das digitale Geschäft zurückgegriffen werden. Während in der Vergangenheit innerhalb des Konzerns viel technische Grundlagenforschung betrieben wurde, wobei EWE zum Beispiel sein eigenes Elektroauto entwickelt hat, soll in der Zukunft mehr mit Daten gearbeitet werden. Es gilt dabei, weg von einem Geschäftsmodell mit einer „150prozentigen Sicherheit“ zu kommen und den Weg zu mehr Risiko einzuschlagen. Es sei wichtig dieses neue Modell auch in den Köpfen der Mitarbeiter zu verankern. Die Abteilung Konzernentwicklung soll diese Entwicklungspfade anstoßen und fungiert als eine Art Virus, der seine Ideen über den Konzern verbreitet. Zur Realisierung von Ideen zu neuen Geschäftsmodellen wurde ein fünfstufiger Pfad entwickelt.
Konkrete Fragestellung im Workshop Nach diesem kurzen Vortrag begann die erste Arbeitsphase für die Teilnehmer. Die konkrete Aufgabe bestand hier darin, ein Brainstorming zu insgesamt drei Leitfragen durchzuführen und alle Ideen auf Karten zu schreiben. Die Fragen lauteten:
- Welche Probleme haben Sie im Alltag?
- Wo sehen Sie konkreten Handlungsbedarf?
- Was stört Sie generell im Alltag bei Bestellungen?
Nach einem etwa fünfzehnminütigen Brainstorming wurden die Ideen gesammelt und schnell wurde deutlich, dass es doch viele Probleme im Alltag und somit auch sehr viel Verbesserungspotenzial – zumindest in der subjektiven Wahrnehmung der Workshopteilnehmer – gibt.
Einige der genannten Probleme waren unter anderem die in der Regel fehlende Multibedienfähigkeit, vor allem in Bezug auf Linkshänder. Obwohl man im Jahr 2017 teilweise extrem auf das Internet angewiesen ist, wurde auch eine oftmals schlechte WLAN-Verbindung, bzw. ein nicht vorhandenes einwandfreies Mobilfunknetz als Problem identifiziert. Vor allem im Bereich Mobilfunk wurden noch einige weitere Probleme identifiziert. Ein weiteres Beispiel hierfür ist das fehlende Angebot von grenzüberschreitenden Verträgen, die in erster Linie Berufspendlern, die täglich in die angrenzenden Staaten fahren oder Anwohner der Grenzgebiete dienen sollen. Bisher müssen die betroffenen Personen mehrere Verträge abschließen, um dieses Problem zu umgehen, was direkt zum nächsten identifizierten Problem führt: Nach Meinung vieler Teilnehmer ist die Standardlaufzeit eines Mobilfunkvertrages von 24 Monaten deutlich zu lang. Wünschenswert wäre es hier, wenn man mehr Flexibilität geboten bekommen würde.
„ Der Workshop war sehr lehrreich und spannend. Die Ideen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten war zudem sehr hilfreich. Diese Vorgehen kann man gut auf andere Ideen übertragen.
Felix Muth, Berlin
Nachdem ausreichend Probleme identifiziert und besprochen wurden, ging es auch direkt an die nächste Arbeitsphase. Erneut wurde ein Brainstorming betrieben und hierbei Karten eingesetzt, um die Ergebnisse festzuhalten. Dieses Mal jedoch wurden keine Probleme identifiziert, sondern es wurden Visionen dokumentiert, die jeder der Teilnehmer für die Zukunft hat. Hierbei wurde unter anderem die Vision vom papierlosen Büro genannt, die vorsieht, dass in Zukunft alle Vorgänge ausschließlich digital abgehandelt werden, sodass das Vorhandensein von Papier überflüssig wird. Auch das Thema Datensicherheit spielte eine große Rolle. Während viele Vorhaben immer wieder an mangelnder Datensicherheit scheitern, lebt die Vision von einer Zukunft mit einer absoluten Datensicherheit. Ebenfalls genannt wurde die Vision von flächendeckendem WLAN oder unbegrenztem Datenvolumen im Mobilfunksektor. Auch angeführt wurde eine bessere Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, vor allem für ländlichere Gebiete.
Nachdem auch diese Brainstorming-Runde beendet war, ging es an die eigentliche Aufgabe, die hinter dem Workshop steckte. Zunächst taten sich die Teilnehmer in insgesamt drei Gruppen zusammen. Anschließend sollte jede Gruppe für sich drei Mal jeweils eines der gemeinsam identifizierten Probleme mit einer der Visionen verbinden.
Als auch dies geschehen war, wurden innerhalb der Gruppen die gebildeten Paare ausführlich diskutiert, denn jede Gruppe musste sich für eins der von Ihnen gebildeten Paare entscheiden und daraus ein Geschäftsmodell entwickeln.
Methodik
Im ersten Schritt für die Entwicklung des Geschäftsmodells hat jede Gruppe ihre Idee in die Mitte eines Brown Papers geschrieben. Ohne miteinander zu kommunizieren hat im Anschluss daran jedes Gruppenmitglied seine weiterführenden Ideen, Konzepte, Anregungen und Kritiken ebenfalls auf das Paper geschrieben. Nach Ablauf einer vorher festgelegten Zeitspanne wurde das Papier gedreht, sodass jedes Gruppenmitglied neben der Idee auch das Feedback des jeweils vorherigen Gruppenmitgliedes lesen konnte. Ausgehend von dieser Basis wurde die Übung wiederholt, sodass auch Kommentare über das Feedback der anderen Gruppenmitglieder formuliert werden konnte. Diese Übung wurde solange wiederholt, bis sich das Blatt einmal im Kreis gedreht hatte. Zu jeder Anregung wurden somit weiterführende Kommentare, Kritiken und auch Anregungen verfasst.
Im Anschluss daran diskutierte noch einmal jede Gruppe ihre Idee auf Grundlage der zuvor verfassten Kommentare, sodass die ursprüngliche Idee bereits jetzt mit dem Zusatzideen einzelnen Gruppenmitglieder weiterentwickelt werden konnte und jeder nun eine konkretere Vorstellung der Umsetzung der jeweiligen Idee hatte.
Nachdem für die zweite Hälfte des Workshops der Standort gewechselt wurde und man mittlerweile im Bremer Weserstadion versuchte die Modelle weiterzuentwickeln, wurde die sogenannte Walt-Disney-Methodik eingesetzt. Die Walt-Disney-Methodik findet in drei Runden statt. In der ersten Runde befindet man sich dabei in der Funktion eines Träumers. Ganz wichtig ist hierbei, dass es kein „Aber“ gibt. Alle Dinge die einem zu der Idee in den Kopf kommen sind grundsätzlich erlaubt, es wird nichts in Frage gestellt, alle Träume sind zunächst einmal möglich. In der zweiten Runde der Methodik wechselt man in die Funktion des Pragmatikers. Hier werden erste Fragen zur Sinnhaftigkeit oder der geplanten Umsetzung der Idee gestellt. Außerdem werden hier erste kritische Anmerkungen gemacht. Der „Träumer“ aus der ersten Methodik wird sozusagen wieder auf den Boden der Tatsachen geholt und es wird geschaut welche Probleme die Idee mit sich bringt, die vor der Umsetzung noch gelöst werden müssen. In der dritten und letzten Runde wird die Rolle des Kritikers angenommen. In dieser Rolle wird rigoros alles kritisiert, was an der jeweiligen Idee kritisiert werden kann. Alles was unrealistisch, nicht machbar oder unbrauchbar erscheint, wird hier sachlich aber deutlich angesprochen. Am Ende dieser Methodik werden die Erkenntnisse aus allen drei Runden zusammengefasst und ausgehend von Träumerei, Pragmatismus und sachlicher Kritik wird das geplante Geschäftsmodell erneut weiterentwickelt, bzw. verändert oder angepasst.
„ Viele verschiedene Leute haben hier zusammen an einem Tisch gesessen und in kürzester Zeit Geschäftsmodelle erarbeitet. Für die limitierte Zeit wurde ein gutes Maß gefunden, die Menge an Input war genau richtig.
Heiko Müller, Darmstadt
Im Nachgang dieser Übung war es die Aufgabe jeder Gruppe ihre Ergebnisse zu dokumentieren. Ausgehend von der Idee, inklusive der Ergebnisse aus den diversen Feedbackrunden und Methoden, stellte jede Gruppe ihre Ergebnisse in einer Timeline dar, die auch ein Entwicklungskonzept beinhaltet. Relevante Punkte des Entwicklungskonzepts waren unter anderem die Anzahl der erreichten Kunden in den ersten Jahren sowie das benötigte Budget und die damit verbundene Mittelherkunft.
Ergebnisse des Workshops
Insgesamt wurden im Laufe des Workshops drei Geschäftsmodelle entwickelt.
Ausgehend von der sogenannten Fear-of-missing-out, also der Angst etwas zu verpassen, die gerade in jüngeren Generationen deutlich zunimmt, wurde von einer der drei Gruppen ein Entscheidungsfinder entworfen. Nachdem Interessierte dem Entscheidungsfinder die zur Auswahl stehenden Optionen mitgeteilt haben, wiegt er die Argumente die für und gegen jede mögliche Entscheidung sprechen gegeneinander ab und gibt daraufhin eine Empfehlung. Dem Nutzer wird somit die Last abgenommen, eine Entscheidung treffen zu müssen. Er kann sich währenddessen auf andere Dinge konzentrieren.
Eine weitere Gruppe entwickelte eine Vertragsmanager-App, in der alle Verträge des Nutzers angezeigt werden und auch verwaltet werden können. Nicht nur Strom-, Gas- oder Wasserverträge sind in dieser App kombiniert, sondern beispielsweise auch Mobilfunkverträge, Mitgliedschaftsverträge von Sportvereinen oder einem Fitnessstudio oder jede andere denkbare Form von Verträgen. Das besondere hierbei soll sein, dass alle Verträge extrem flexibel sind, sodass ein Vertrag ohne Probleme und jederzeit per App abgeschlossen oder gekündigt werden kann.
Die dritte Gruppe entwickelte ein Batteriespeichersystem für den Haushalt, dass es ermöglicht freie Kapazitäten anderen Haushalten zur Verfügung zu stellen, bzw. Strom anderer Haushalte zu spe...
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort des Herausgebers
- Inhaltsverzeichnis
- Hintergrund
- Impulse
- Workshops
- Networking & Energiewende vor Ort
- Abschluss & Résumé
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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