Als der deutsche Astronaut Alexander Gerst vom Orbit aus die Lichtblitze von Bomben und Raketen sah, kam ihm ein verstörender Gedanke: "Wenn einmal außerirdische Besucher unseren Planeten ansteuern würden, dann wäre das Erste, was sie von der menschlichen Zivilisation mitbekämen, dass wir uns gegenseitig bekriegen. Sie müssten uns für primitive Barbaren halten." Dieses Buch nimmt diese Außenperspektive stellvertretend ein und öffnet den Leserinnen und Lesern so einen weiträumigen Blick auf eine so komplexe wie zerbrechliche Welt. Auf einen Planeten, der Fieber hat - mitverursacht von einem Lebewesen, das sich für das Abbild seines Schöpfergottes hält und dabei doch stets nur einen Auftrag von ihm ernst nimmt: sich die Erde untertan zu machen. Und dabei der Natur, seinen Mitkreaturen und nicht zuletzt den eigene Artgenossen unsägliches Leid zufügt. In einem scharfzüngig formulierten Streifzug stellt Klaus Becker verschiedene Typen dieses Geschöpfs vor - den habgierigen, den kriegerischen oder den grausamen Menschen - und stellt zugleich die Frage, was das heute bedeuten könnte: ein guter Mensch zu sein. Nicht ein Idealbild des Menschen hat der Autor dabei im Auge, sondern den realen Menschen, so wie er lebt und handelt. In diesem Buch plädiert er für eine maßvolle anthropozentrische Weltsicht, eine Weltsicht also, die den Menschen und seine Interessen in den Mittelpunkt stellt. Richtig verstanden, wird dieser Ansatz zum Wohle des ganzen Planeten sein. Und während sich der Autor in der kirchen- und religionskritischen Tradition eines Karlheinz Deschner sieht, stellt er zugleich die Frage, wie etwa die Zehn Gebote in unserer Zeit sinnvoll gelesen und neu formuliert werden können.

eBook - ePub
Weltsicht
Über den Kosmos, die Natur und das Leben, über Tiere, Menschen und Götter
- 700 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
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Über dieses Buch
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Information
DIE NATÜRLICHE WELT
In diesem ersten Teil der Arbeit befassen wir uns mit Aspekten der natürlichen Welt, zunächst mit der unbelebten Natur, der Entstehung und Entwicklung des Universums und seiner aus Galaxien, Sternen und Planeten bestehenden Struktur. Die Wissenschaft hat im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte im Hinblick auf die Erforschung des Anfangs und der Entwicklung des Universums extrem große Fortschritte gemacht. Dessen ungeachtet sind noch unzählige Fragen nicht geklärt. Insbesondere ist die eigentliche Ursache seiner Entstehung vor geschätzt 13,8 Milliarden Jahren nach wie vor im „Urknall-Nebel“ verborgen. Das heißt, das Universum muss, wenn denn alles, was die Wissenschaft bis dato erarbeitet hat, richtig ist, vor 13,8 Milliarden Jahren begonnen haben zu existieren, sicher nicht mit einem Knall, aber doch so, dass es sich seither von unvorstellbar kleiner Gestalt zu unvorstellbar großer entwickelt hat. Wir müssen hinzufügen, ohne das Ganze an dieser Stelle komplizierter erscheinen zu lassen als notwendig, dass diese Aussage ausschließlich für das sichtbare Universum machen können, also nur für den Teil des Kosmos, den wir aus unserer wurmartigen3,15 Perspektive beobachten können. Genaugenommen steckt die Kosmologie noch in den Kinderschuhen. Und es ist schlicht falsch zu glauben, aber auch zu behaupten, sie wüsste schon um die letzten Geheimnisse des Universums. Sie glaubt zu wissen. Und jeder seriöse Kosmologe wird das so sehen. Unter diesem Aspekt halten wir den Slogan „Wissen statt Glauben“, wie er beispielsweise von der Giordano-Bruno-Stiftung verwendet wird, für nicht unbedingt sehr glücklich.
Zu guter Letzt wird klar, dass wir die Bedeutung unseres Heimatplaneten und damit die seiner Bewohner alleine angesichts der nicht vorstellbaren Größe des Universums eigentlich nicht genug unterbewerten können. Insbesondere glauben wir, dass unser Planet und wir selbst in diesem Universum keine außergewöhnliche Rolle spielen können, es sei denn, es hätte jemand mit diesem winzigen Etwas und der nicht sonderlich friedfertigen Spezies Mensch etwas Besonderes vorgehabt und vor. Genau dies ist Grundlage religiöser Weltanschauungen. Die Alternative ist, dass alles, was wir um uns herum wahrnehmen, zufällige Produkte der physikalisch/chemischen und biologischen Evolution sind. Wir werden sehen. Die Lehre, die wir daraus ziehen wollen, ist die Einsicht, dass dieser unser Planet extrem sensibel ist und eines pfleglichen Umgangs bedarf.
Im zweiten Kapitel widmen wir uns deshalb der Umwelt unseres Planten. Dabei verstehen wir Umwelt als unbelebte natürliche Umgebung – Luft, Boden, Wasser, Klima –, unter der sich Lebewesen und Pflanzen entwickeln und leben können, mit der sie aktiv wechselwirken und die sie beeinflussen und verändern können. Die Umwelt intakt zu halten, also lebenswert, als Lebensgrundlage für seine eigene Existenz, sollte dem Menschen eigentlich ein hohes Gut sein. Aufgeklärt und in Kenntnis der zugegebenermaßen nicht einfachen Zusammenhänge sollte es der Schöpfungskrone eigentlich möglich sein, für die richtigen Schritte zur Erhaltung seiner Lebensgrundlage vehement einzutreten. Dummerweise hindern ihn wirtschaftliche Interessen und Ideologien an dieser Einsicht. Davon soll in diesem Kapitel die Rede sein.
Im dritten Kapitel beschäftigen wir uns mit dem Leben, mit der Entstehung des Lebens auf unserem Planeten und mit der Frage nach Leben auf extraterrestrischen Himmelskörpern. Wenn wir die biologische Evolution als ein Lebensprinzip auffassen, dann sollte es mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wenigen der unvorstellbar vielen planetaren Körper – schon ihrer schieren Vielzahl wegen – möglich sein, Leben zu generieren, Leben, das als elektrochemisches System in der Lage ist, sich eine Zeit lang selbst zu erhalten, sich reproduzieren kann und eine Entwicklung (Evolution) ermöglicht. Die Alternative zu dem geschilderten Szenario wäre ausschließlich auf diesem unserem wunderbaren Planeten entstandenes Leben. Aufgrund eines einzigartigen, in Milliarden potenzieller Fälle nicht wiederholten lebensgenerierenden Prozesses? Oder, wie uns die Religionen verkünden, durch die „Hand“ eines Schöpfers, der mit dem Planeten und den erschaffenen Lebewesen einen göttlichen Plan verfolgt?
Das vierte Kapitel widmen wir unseren tierischen Mitbewohnern. Wir werden sehen, dass sich der Mensch und zumindest die höher entwickelten Tiere in allen Merkmalen nur graduell, nicht prinzipiell unterscheiden. Dass das für die körperlichen Merkmale, den Aufbau, die Lebens- und Reproduktionsmechanismen gilt, haben wir im Laufe der Zeit verstanden und hingenommen. Bei geistigen Merkmalen tun wir uns da schon schwerer. Aber es gilt als sicher, dass Tiere ein Bewusstsein haben und Gefühle zeigen wie Angst, Mitleid, Menschenaffen sogar „Humor“ besitzen und „kulturelle“ Errungenschaften vorweisen können. Es würde uns Menschen deshalb gut zu Gesicht stehen, wenn wir unsere tierischen Mitbewohner anständig behandeln würden. Dass wir es tatsächlich nicht tun, zeigen zahlreiche Beispiele aus der Nutztierhaltung. Damit wollen wir uns kurz beschäftigen. Schlussendlich sind es immer wieder die gleichen Gründe, die uns Menschen dazu verführen, uns nicht so zu verhalten, wie man es von der an der Spitze der Evolution angekommenen Kreatur eigentlich erwarten könnte, eigentlich erwarten müsste: Gedankenlosigkeit und Geldgier sind die treibenden Kräfte. Gegen Gedankenlosigkeit lässt sich in der Regel etwas tun, zum Beispiel durch Erziehung und Bildung, gegen Geldgier eher wenig, wenn nicht sogar nichts. Dies lehrt zumindest die Erfahrung.
Im fünften Kapitel beschäftigen wir uns mit der Kreatur, die nach rund vier Milliarden Jahren an der vorläufigen Spitze der Evolution angekommen ist bzw. wenn wir die andere Möglichkeit in Erwägung ziehen, von einem Schöpfer vor wie vielen Jahren auch immer, nach dessen Ebenbild erschaffen und auf diesen unseren Planeten losgelassen wurde, damit sie ihn sich untertan mache. Wir gehen kurz ein auf das Auftreten der ersten Menschen vor etwa 200.000 Jahren und betrachten ein paar wenige wichtige Entwicklungsschritte. Im Hauptteil des Kapitels beschäftigen wir uns, wie bereits im Vorwort angekündigt, mit dem „menschlichen“ Verhalten im Hier und Jetzt, also vorrangig in unserer westlichen Wertegesellschaft zu Beginn des dritten Jahrtausends und wundern uns an der einen und anderen Stelle. Wir sprechen über
- den kriegerischen Menschen,
- den habgierigen Menschen,
- den betrügerischen Menschen,
- den skrupellosen Menschen,
- den grausamen Menschen,
- den Kindesmisshandler,
- den Menschen als Menschenhändler,
- als Drogenhändler,
- Waffenhändler und
- Geldhändler,
- den flüchtigen Menschen,
- den Menschen als Terrorist,
- den lächerlichen Menschen,
- den Menschen als Experte,
- den Menschen als Künstler,
- Stars und Sternchen,
- den Menschen als Wissenschaftler,
- den Menschen als Genie.
- den Menschen als Politiker und
- den Menschen und seine Kultur.
Und wir vergessen nicht, uns auch mit dem „guten“ Menschen zu beschäftigen.
Der Kosmos
Mit diesem Kapitel wollen wir letztendlich die Einsicht vermitteln, dass wir auf einem hoch sensiblen Himmelskörper leben, den wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften schützen sollten. Jedenfalls sollten wir es versuchen. Dass dieses Vorhaben selbst unter dem Einsatz all unserer Mittel nicht notwendig zum Erfolg führen muss, werden wir noch sehen. Wir holen zugegebenermaßen sehr weit aus dabei. Alternativ könnten wir uns auch als Astronauten auf die ISS fliegen lassen, um die notwendigen Eindrücke zu gewinnen und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Wie wir wissen, ist das leider nicht jedem Erdenbürger möglich. Aber es genügt durchaus, wenn wir unsere Gehirne einschalten und ein wenig nachdenken. Im ersten Abschnitt gehen wir in der gebotenen Kürze auf die Theorie ein, die die Entstehung und Entwicklung des Universums beschreibt. Es ist die Theorie vom heißen Urknall. Als Begründer der Urknalltheorie gilt der belgische Theologe und Physiker (Georges Edouard Lemaître, *1894; †1966), der 1931 für den heißen Anfangszustand des Universums die Ausdrücke „primordiales Atom“ oder „Uratom“ verwendete. Die Bezeichnung Big Bang, also „Großer Knall“, wurde von Hoyle (Fred Hoyle, *1915; †2001, britischer Astronom und Mathematiker) in die Welt gesetzt. Hoyle war ein Verfechter der sogenannten Steady-State-Theorie. Nach dieser Theorie expandiert zwar das Universum, die Materiedichte bleibt aber unverändert. Dafür sollte eine fortlaufende Entstehung neuer Materie sorgen. Hoyle wollte mit der Bezeichnung Big Bang das Bild eines expandierenden Universums, das scheinbar aus dem Nichts entstanden ist, ins Lächerliche ziehen. Die Steady-State-Theorie verlor in den 1960er Jahren, nachdem die Urknalltheorie durch astronomische Beobachtungen zunehmend bestätigt wurde, ihre letzten Anhänger. Heute ist sie gewissermaßen bedeutungslos. Im zweiten Abschnitt des Kapitels beschäftigen wir uns mit den Materiestrukturen des Universums, die als kleinste gravitativ gebundene Einheiten unabhängig voneinander auf dem Hubble-Strom „treiben“, den Galaxien. Edwin Powell Hubble (*1889; †1953, US-amerikanischer Astronom) beobachtete Ende der 1920er Jahre, dass sich die Galaxien scheinbar von uns entfernen und zwar umso schneller, je weiter sie von uns weg sind. Er bestätigte damit die Expansion des Universums. Das Geschwindigkeits-Distanz-Gesetz, das die scheinbare Entweichgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Entfernung beschreibt, wurde nach ihm benannt. Die Konstante, die dabei die entscheidende Rolle spielt, heißt Hubble-Konstante. Sie ist Bestandteil beinahe jeder Gleichung, die das Universum modellieren. Nachdem wir uns das Prinzip der Expansion angeschaut haben, beschäftigen wir uns mit den Sternen, aus denen die Galaxien bestehen und mit den Planeten, die die Sterne umrunden und zu guter Letzt etwas eingehender mit unserem Heimatplanten Erde. Dabei stellen wir ein paar wenige Fakten über seine Geschichte zusammen und sprechen kurz über seine Bedeutung aus Sicht des Kosmos. Das Kapitel schließen wir ab mit Betrachtungen zur aktuellen bemannten Raumfahrt, die sich anschickt, einen neuen Anlauf zu nehmen, um diesen unseren Planeten in Richtung Mars zu verlassen.
Entstehung und Entwicklung des Universums
Die zurzeit von der Wissenschaft mehrheitlich anerkannte Theorie, die Entstehung und Entwicklung des Universums beschreibt, ist die Theorie vom heißen Urknall. Danach verhält sich das Universum so, als sei es vor endlicher Zeit aus einem extrem kleinen, dichten und heißen Anfangszustand hervorgegangen. Dieser Zeitpunkt gilt als der Beginn von Raum und Zeit und wird als Urknall bezeichnet. Die Theorie „weiß“ nichts über die Ursache des Urknalls und nichts über den Zustand von Raum und Zeit vor diesem. Ein für die Entwicklung des Universums entscheidender Vorgang war die primordiale Nukleosynthese, die in den ersten Minuten nach dem Urknall die ersten leichten Atomkerne, im Wesentlichen Heliumkerne, entstehen ließ. Alle schwereren Kerne wurden erst sehr viel später in den stellaren Hochöfen17 „gebacken“, die wir Sterne nennen. Ein zweiter wichtiger Entwicklungsschritt ereignete sich 400.000 Jahre später. Man muss sich das Universum dieser Zeit mit einem 3.000 Grad heißen Teilchengas ausgefüllt vorstellen. Die Wissenschaftler sprechen von einem Plasma. Es bestand aus freien Protonen, aus Atomkernen, im Wesentlichen aus Heliumkernen, freien Elektronen, Photonen, wie die Lichtteilchen heißen, und aus den Neutrinos genannten „Geisterteilchen“, die im „normalen“ Leben so gut wie keine Rolle spielen. Die freien Elektronen dockten immer wieder an die Atomkerne an, sodass elektrisch neutrale Wasserstoff- und Heliumatome entstanden. Die umherschwirrenden Photonen kollidierten aber mit den Atomen und brachen diese Verbindungen immer wieder auf. Das war deshalb möglich, weil Ihre Energie größer war als die Bindungsenergie, die die Elektronen an die Atomkerne bindet. Erst als die Temperatur des Teilchengases unter 3.000 Grad gesunken war, reichte die Photonenenergie nicht mehr aus, um den Prozess zu stören. Die Atome wurden stabil und die Photonen konnten ungehindert das Universum durchqueren. Das Universum wurde „durchsichtig“. Die Photonen bilden die berühmt gewordene Hintergrundstrahlung, die sich heute noch nachweisen lässt und aus der die Wissenschaftler eine Fülle von Informationen über die Situation im frühen Universum ablesen können. Wir werden darauf zurückkommen. Dass die Photonen der Urknallstrahlung Energie verloren hatten und auch heute noch Energie auf ihrem Weg durch das Universum verlieren, lag bzw. liegt daran, dass das Universum seit dem Urknall vor ca. 13,8 Milliarden Jahren expandiert. Das heißt, das Universum wird im Zuge der Expansion zunehmend größer und gleichzeitig nehmen seine Dichte und seine Temperatur und mit der Temperatur auch die Strahlungsenergie ab. Die Galaxien entfernen sich voneinander, jede von jeder anderen. Dies gilt allerdings erst für Entfernungen in einer Größenordnung von einigen 100 Millionen Lichtjahren. Bei kleineren Abständen ist die gravitative Anziehung in der Lage, die repulsive Kraft, die das Universum auseinander treibt, zu überwinden. So rasen beispielsweise die Milchstraße und die Andromeda-Galaxie, die größte Galaxie in unserer unmittelbaren kosmischen Nachbarschaft, aufeinander zu.
Die Expansion folgt dem Gesetz von Edwin Hubble. Es besagt, dass sich die Galaxien von uns entfernen, und zwar umso schneller, je weiter sie entfernt sind. Beobachtet man beispielsweise eine Galaxie in doppelter Entfernung, dann hat sie auch die doppelte Fluchtgeschwindigkeit. So nennt man die Geschwindigkeit, mit der sich die meisten Galaxien von uns weg bewegen. Die Proportionalitätskonstante trägt den Namen ihres Entdeckers und wird Hubble-Konstante genannt. Inzwischen weiß man, dass sich nicht die Galaxien bewegen, sondern sich der Raum zwischen den Galaxien vergrößert. Trotz dieser Erkenntnis spricht man weiterhin von der Fluchtgeschwindigkeit. Um Missverständnissen vorzubeugen, dieses Gesetz gilt an jedem Ort im Universum. Die Galaxien „flüchten“ also nicht nur vor uns. Zugegeben, man kann sich das nur schwer vorstellen. Helfen kann das Bild eines Ballons3, der aufgeblasen wird. Die Galaxien kann man sich dabei als auf die Oberfläche des Ballons aufgeklebte Papierschnitzel vorstellen. Das Universum entspricht in diesem Modell der Ballonoberfläche, ist also nur ein zweidimensionales Bild des Universums. Wenn nun der Ballon aufgeblasen wird, bewegen sich die Papierschnitzel nach dem Hubble-Gesetz. Jeder Papierschnitzel „flüchtet“ vor jedem anderen. Und je weiter sie auseinander sind, umso schneller vergrößern sich die Abstände zwischen ihnen. Auch ein aufgehender Rosinenteig wird häufig als Expansionsmodell verwendet. Der aufgehende Hefeteig repräsentiert dabei die Expansion und Rosinen die Galaxien. Aufgeklebte Papierschnitzel und Rosinen verändern ihre Größe im Zuge der Expansion nicht und bewegen sich auch nicht. Die Galaxien bleiben von der Expansion unbehelligt und werden nicht etwa auseinandergerissen. Wir können also einigermaßen beruhigt sein. Die Hubble-Konstante wird in der Regel in den Einheiten km/s pro Megaparsec angegeben. Megaparsec ist eine astronomische Längeneinheit und entspricht ca. 3,262 Millionen Lichtjahren. Die Hubble-Konstante hat nach neuesten Messungen den Wert H=67,4. Das bedeutet, dass sich der Abstand zwischen uns und einer Galaxie, die sich beispielsweise in einer Entfernung von 100 Millionen Lichtjahren befindet, pro Sekunde um mehr als 2.000 Kilometer vergrößert. Man sagt auch, dass das Universum zurzeit, das heißt, in der gegenwärtigen kosmischen Epoche mit der Expansionsrate H expandiert. Die Hubble-Konstante ist eine Ortskonstante. Sie ist an allen „Orten“ des Universums identisch, insofern ortskonstant. Sie ist aber keine Zeitkonstante. Sie ändert sich also im Zuge der kosmischen Entwicklung. Während man bis 1998 noch davon ausging, dass sich die Expansion infolge der Gravitation mit der Zeit verlangsamen und die Expansionsgeschwindigkeit letztendlich gegen null gehen würde, weiß man inzwischen aus Beobachtungsdaten weit entfernter Supernovae, dass sich die Expansion beschleunigt. Das heißt, die Expansionsgeschwindigkeit nimmt mit der Zeit zu. Der Wechsel von der anfänglich gebremsten zur beschleunigten Expansion passierte vor etwa 6 Milliarden Jahren3. Seit dem entfernen sich die Galaxien mit zunehmender Geschwindigkeit voneinander, jede von jeder anderen. Letztendlich wird das Universum infolge der zunehmenden Expansionsgeschwindigke...
Inhaltsverzeichnis
- Widmung
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Die natürliche Welt
- Die Übernatürliche und Ideenwelt
- Literaturverzeichnis
- Sonstige Quellen
- Abbildungen
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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