Keine Angst vor Industrie 4.0
eBook - ePub

Keine Angst vor Industrie 4.0

Digitalisierung als Chance für humane Arbeit

  1. 188 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub

Keine Angst vor Industrie 4.0

Digitalisierung als Chance für humane Arbeit

Über dieses Buch

Mensch oder Maschine? Wer gibt den Ton an in der Industrie 4.0?Dieses Sachbuch bietet eine Lösung an. Es soll nicht die große Sammlung theoretischer Erörterungen zu Digitalisierung und Industrie 4.0. um ein weiteres Exemplar aufblähen, sondern es behandelt die praktische Umsetzung einer innovativen Industrieproduktion. Wir dürfen aufhören, uns als Opfer der Digitalisierung zu sehen, denn wir sind ihr nicht hilflos ausgeliefert, wir können sie gestalten. Solange wir die Maßstäbe setzen und nicht eine anonyme Marktmacht, muss Arbeit nicht verschwinden. Aber besser kann sie werden. Voraussetzung ist eine ganzheitliche Betrachtung sowohl der technischen wie der sozialen Subsysteme einer Produktion bei Berücksichtigung wirtschaftlicher Kennzahlen. Dazu gehört auch die kritische Auseinandersetzung, ab wann und warum der Automatisierung Grenzen gesetzt werden sollten. Zunächst werden in diesem Buch die Rahmenbedingungen des Marktes und die Anforderungen an "gute" Arbeit geklärt, danach wird ein Matrix-Produktionssystem vorgestellt, das sich auf die intelligente Kombination von digitalen und komplexen menschlichen Fähigkeiten stützt und dadurch erhebliche Optimierungen realisiert.Das nach diesen Kriterien entwickelte neuartige Produktionssystem ist der Beweis dafür, dass sich betriebswirtschaftliche Erfordernisse, Wettbewerbsfähigkeit und die dringend nötige Flexibilität für dynamische Märkte mit dem weitgehenden Erhalt von Arbeitsplätzen vereinbaren lassen. Zusätzlich werden die Arbeitsbedingungen dabei erheblich humaner gestaltet. Die digital gestützte Matrix-Produktion wurde simulativ erprobt und validiert, es ergab sich ein deutlicher Nutzen sowohl für den Hersteller als auch für den arbeitenden Menschen. Damit wird die Doktrin einer digital-automatisierten Produktionsweise aufgebrochen, die den arbeitenden Menschen überflüssig machen will, obwohl sie gleichzeitig auf ihn als Konsumenten angewiesen ist.Das Buch richtet sich an Fachkräfte und Entscheider in Produktionsunternehmen, an Journalisten und Gewerkschaftler, sowie alle, die wissen wollen, wie die Schlagwörter Digitalisierung bzw. Industrie 4.0 mit Inhalt und menschlicher Perspektive gefüllt werden können.

375,005 Studierende vertrauen auf uns

Zugang zu über 1 Million Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.

Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.

Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783746030760
eBook-ISBN:
9783746085463

Alte Denkschienen verlassen – Innovation braucht neue Ideen

Sowohl das Schlagwort „digitale Revolution“ als auch der Begriff Industrie 4.0 bedeutet prinzipiell nichts anderes als die Vernetzung von Daten, also die schnelle Verbindung und Weiterverarbeitung von Informationen. Dass Anteilseigner oder Inhaber von Produktionsbetrieben sofort das Potenzial der digitalen Technik für Zeitersparnis erkannt haben und begeistert auf diese Möglichkeit wirtschaftlicher Effizienzsteigerung reagierten, war nur logisch in einem Marktsystem, das auf steigenden Konsum und Wachstum zwingend angewiesen ist und gleichzeitig unter hohem, globalen Konkurrenzdruck steht.
Bisher bewirkt Zeitersparnis in der industriellen Fertigung generell nur, dass mehr Produkte in der gleichen Zeit hergestellt werden können. So entsteht ein Mehrwert. Dieser könnte entweder zur Reduzierung des Warenpreises führen, anstatt Fabrikstandorte in Billiglohn-Länder zu verlegen, oder er könnte an die Beschäftigten des Betriebes als bezahlte Arbeitszeitverkürzung, also als "Zeit-Wohlstand" weitergegeben werden. Aber leider kann dieser Mehrwert auch genutzt werden, um Arbeitsplätze abzubauen, also für den Unternehmer Kosten zu sparen und Gewinne zu steigern. Diese letzte Option entspricht der Logik unseres kapitalistischen Wirtschaftssystems und sie setzt die Beschäftigten unter großen Druck.
Weil Waren bzw. Produkte am Markt aber immer ihre Konsumenten brauchen, wuchs zwangsläufig die Einsicht, dass die Verbraucher auch über entsprechende Geldmittel zum Kaufen der angebotenen Produkte verfügen müssen. Die große Masse der Menschen kann allerdings ausschließlich durch den Verkauf seiner Arbeitskraft das nötige Einkommen erzielen, um am Markt teilzunehmen. Wegfallende menschliche Arbeit, also Arbeitslosigkeit, ist letztlich kontraproduktiv, denn sie beschränkt mangels Kaufkraft den Konsum der Betroffenen auf das absolut Lebensnotwendige. Wenn der Binnenmarkt –und langfristig der gesamte globale Markt- für die Hersteller nicht wegbrechen soll, muss daher rechtzeitig gegengesteuert werden, das hat sogar der US-amerikanische Präsident Trump auf seine Weise erkannt. Allerdings gilt es, intelligente, langfristig tragende Konzepte zu entwickeln statt zweifelhafter Abschottungsmaßnahmen, die bei einer globalen Wirtschaftsvernetzung fehlschlagen müssen.
Die politischen Akteure sind in der Pflicht, der Unsicherheit ihrer Bürger entgegenzuwirken, die durch Globalisierung und Digitalisierung (nicht nur) von Produktion und Handel entstanden ist. Die Leute fühlen sich dem Wandel hilflos und ohne Gestaltungsmöglichkeit ausgeliefert. Sie haben den Eindruck, dass die Zukunft ihrer Kinder unsicher ist, während eine kleine Elite mit den Gewinnen aus der Digitalisierung vergleichsweise obszön ertragreiche Immobilien- oder Finanzgeschäfte betreibt.
Bestehende Wirtschaftsdoktrinen sind jedoch wandelbar, auch jene, die in europäischen Gesetzen festgeschrieben sind. Die Bürger können von ihrem Staat fordern, dass dieser für den Menschen und seine Lebensgrundlagen eintritt anstatt vorrangig für die Interessen der Finanzeliten. Dem zu beobachtenden Wandel des Menschenbildes entweder hin zu einem durchtrainierten Knecht der Wirtschaft oder andererseits zum sozial alimentierten Almosenempfänger kann entgegengetreten werden.
Es muss klar werden, dass die Digitalisierung unseres Lebens kein unveränderliches Naturgesetz ist, sondern gestaltet werden kann. Denn es ist mehr als eine Richtung denkbar bei der Ausgestaltung von digitalisierter Produktionsweise, nicht bloß jene, die Arbeitsplätze abbaut und damit Unternehmensgewinne steigert.
Es darf also nicht darum gehen, mit dem Konzept der Industrie 4.0 die Arbeit abzuschaffen und damit gleichzeitig die Absatzmärkte zu schrumpfen, sondern im Gegenteil: Die Potenziale der Verknüpfung digitaler Informationsflüsse bieten die große Chance, nicht nur die Produkte und deren Herstellung unter bloßen wirtschaftlichen Aspekten zu optimieren, sondern auch die Arbeit und ihre Entlohnung grundlegend zu verbessern und neue Arbeitsplätze zu erschließen. Erst dann macht Industrie 4.0 Sinn für alle. Als ein neues Ziel ist zu formulieren, dass die Bedingungen der Produktion so verändert werden, dass Arbeit human wird, dass die Maschine sich dem Menschen anpasst, nicht umgekehrt, ohne dabei die Interessenslagen der Wirtschaft zu ignorieren.
Die Möglichkeiten zu einer derart definierten Veränderung sind gegeben, wenn wir genügend Mut haben, die gewohnten, alten Denkschienen zu verlassen. Die Idee der vernetzten Industrie 4.0 bietet sich dafür an, einen Paradigmenwechsel der Fabrikproduktion in Angriff zu nehmen. Wie das technisch funktionieren kann, wird später noch am Beispiel der Montage in der Automobilfertigung konkret gezeigt.

Ist menschliche Arbeit obsolet?

Wenn aktuell (2017) Wirtschaftswissenschaftler und selbst einige konservative Politiker in Betracht ziehen, allen Bürgern des Landes ein bedingungsloses Grundeinkommen zuzugestehen, weil angeblich bald nicht mehr genug Arbeit für alle vorhanden sei, zeigt dies nur die Hilflosigkeit gegenüber einer technischen Entwicklung und den fehlenden Durchblick dieser „Experten“. Ihre Sichtweise scheint ausschließlich auf den Aspekt der Einsparung menschlicher Arbeit in einer Industrie 4.0. beschränkt zu sein. Solche „Experten“ folgen brav der alten Maxime, mehr Output erreichen zu wollen bei abnehmenden bzw. stagnierenden Lohnkosten. Diese Betrachtungsweise aus dem vergangenen Jahrhundert ist nicht geeignet für die Anforderungen der Zukunft. Sie wird gesellschaftliche Brüche mit Instabilität erzeugen, anstatt neue Arbeitsfelder zu erschließen.
Die Digitalisierung der Industrie wird leider reflexhaft mit dem Wegfall menschlicher Arbeit assoziiert. So berichtet das Hollerith-Forschungszentrum der Hochschule Reutlingen in seiner Studie (Juli 2017) von über 46% stark gefährdeter Arbeitsplätze mit einer Automatisierungswahrscheinlichkeit von 70-100% und weiterer 33% Arbeitsplätze mit einem Wegfallrisiko zwischen 30 und 70% bis zum Jahr 2030 aufgrund automatisierter Arbeitsabläufe in der Automobilbranche. Solche Annahmen werden allzu oft als Fakten betrachtet, die unabänderlich seien.
Die Forschungsarbeit des Autors Dr.-Ing. Greschke hingegen stellte bereits 2015 einen Gegenentwurf dar. Sie betrachtet digitale Transformationen als Potenzial für andere, bessere Arbeitsplätze in der Automobilproduktion. Die durchgeführten Simulationen der von ihm entwickelten Matrix-Montage ergaben hoch relevante Produktions-Optimierungen ohne Arbeitsplatzverluste in dem hohen Maße, wie sie immer wieder vorhergesagt werden.
Die alten Maximen einer Gewinnsteigerung durch ein "mehr" und "schneller" vernachlässigen auch die dringende Notwendigkeit, Schule und Ausbildung den Bedingungen der Zukunft anzupassen. Damit ist ausdrücklich nicht nur der Umgang mit Digitaltechnik gemeint zur Vorbereitung auf die digitale Berufswelt, sondern insbesondere auch die Förderung in Richtung Kreativität und Verantwortungsbereitschaft, diese Technik zugunsten des arbeitenden Menschen anzuwenden.
Soziale, kreative und sonstige komplexe Tätigkeiten werden übrigens nur wenig von Automatisierung betroffen sein, denn der Umgang mit Menschen verlangt Fähigkeiten, die sich nicht über Algorithmen abbilden lassen. Emotionen zu deuten, das Verhalten von Menschen in unterschiedlichen Zusammenhängen einzuordnen oder Mitarbeiter klug zu führen, lässt sich schwerlich von Automaten erledigen.
Eine rein wirtschaftliche Betrachtung des digitalen Potenzials mit der Analyse, ab wann beim umfangreichen Einsatz von "Robotern" im Vergleich zur menschlichen Arbeit in der Industrieproduktion der break-even-point erreicht ist, wird keine dauerhafte Lösung sein. Diese betriebswirtschaftlichen Rechnungen berücksichtigen weder das gesellschaftliche Umfeld, noch sind die meisten Betriebswirtschaftler imstande, Unwägbarkeiten und neue Trends in ihre Berechnungen einzubeziehen, weil fixe Zahlenwerte eben noch nicht verfügbar sind. Die Wirtschaft agiert nämlich in einer aus Menschen, nicht aus Robotern, bestehenden Gesellschaft und auch die internationalen Märkte sind letztendlich ein Gebilde aus menschlichen Käufern.
Im Übrigen wachsen die Märkte nicht unbegrenzt und für Konsum braucht es ein Mindestmaß an Wohlstand, der im Allgemeinen nur durch den Verkauf der eigenen Arbeit erlangt werden kann. Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung darf also nicht wegfallen, sondern muss sich verändern. Es ist Zeit, dass dies von den Wirtschaftsführern erkannt wird und sie ihre Entscheidungen danach ausrichten.
Weil Arbeit sich stets verändert hat in der Menschheitsgeschichte, gibt es wegen der aktuellen Umbrüche durch die Digitalisierung keinen Grund zur Panikmache, sofern die politischen und wirtschaftlichen Entscheider bereit sind, verantwortungsvoll in die Zukunft zu denken. Bei dem rasanten Tempo der Globalisierung, die nichts anderes als eine weltweite Vernetzung ist, und den technologischen Veränderungen ist es allerdings erforderlich, die Digitalisierung klug zu moderieren und immer der menschlichen Kompetenz und Kreativität unterzuordnen - nicht umgekehrt.
Bereits im letzten Jahrhundert wurde von kritischen Menschen das Risiko erkannt, dass die Entwickler von IT-Programmen nicht nur ihre eigene, sondern auch die Arbeit vieler anderer Menschen abschaffen würden und teilweise ist genau das schon passiert. Es ist höchste Zeit, dass Wissenschaftler und Ingenieure über ihren fachlichen Tellerrand hinausschauen und eine Wirtschafts- bzw. Arbeitsethik entwickeln, die dem Menschen einen angemessenen Platz einräumt. Sofern aber weiterhin von allen ausschließlich auf monetäre Konkurrenz durch Automatisierung gesetzt wird, sind die Aussichten düster und das System unserer Arbeitswelt kann kollabieren.
Die Teilnahme am Erwerbsleben in der Gesellschaft hat existenzielle Bedeutung für das Individuum, eine Abschaffung oder radikale Minimierung menschlicher Arbeitsplätze würde die Grundlagen sozialer Systeme zerstören. Dieser Verantwortung muss sich auch die Industrieproduktion stellen. Weil die Einführung innovativer Produktionssysteme eine Verminderung menschlicher Arbeitsplätze bewirkt, müssen solche Effekte aus gesellschaftlicher Verantwortung bei der Produktionsplanung betrachtet und bestmögliche Lösungen erarbeitet werden.
Anstatt der Logik eines Wirtschaftsliberalismus zu folgen, der die menschliche Arbeit aufgrund der angeblich unvermeidbaren Zwänge durch Globalisierung immer weiter deregulieren und reduzieren will, muss das allgemeine Bewusstsein dafür wachsen, dass stabile Gesellschaftssysteme auf entlohnte menschliche Arbeitsleistung angewiesen sind, weil Arbeit von den meisten als sinn- und identitätsstiftend erlebt wird.
Eine Studie des Hollerith-Forschungszentrums von 2017 fordert die lebenslange Weiterbildungsbereitschaft von Arbeitnehmern und die Aneignung eines "hervorragenden" digitalen Know-hows in angrenzenden Arbeitsgebieten, um sich der nachgefragten Arbeit ständig anzupassen. Da aber nicht alle Menschen über weitreichende Lernfähigkeiten verfügen, implizieren solche Modelle, dass weniger lernfähige Menschen unbrauchbar seien. Dies widerspricht der in Deutschland geltenden Gesetzeslage mit dem Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben.
Natürlich werden sich Arbeitsfelder verändern, -das haben sie immer getan-, doch wir müssen die Kontrolle darüber behalten und für ausreichende Chancen sorgen, damit die Menschen sich den Veränderungen anpassen können. Ein plötzlicher Zerfall aller Strukturen aufgrund eines heiß laufenden Wettbewerbs digitaler Anwendungen wird letztlich niemandem nützen.
Etwas Kapitalismuskritik ist hier durchaus angebracht. Es sind nämlich nicht die Algorithmen, die darüber entscheiden, wohin sich die Arbeitswelt entwickelt, sondern die Kapitaleigner sind es, die die Wirtschaft lenken. Und deren Interesse liegt nicht darin, die Menschen im Marx'schen Sinne von der Lohnarbeit zu befreien.
Für die meisten Menschen ist Arbeit mehr als nur Entgelt, ein Wegfall im großen Stil würde Gesellschaften zerstören. Den arbeitenden Menschen lediglich als entweder bedarfsbereite oder aber überflüssige Verfügungsmasse in der Produktion zu sehen, verschenkt die wertvollsten Potenziale einer digitalisierten Industrie, nämlich die Möglichkeiten zur Humanisierung von Arbeit.

Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist immer noch groß

Es wäre verantwortungslos und falsch, unter dem z.T. ideologisch getriebenen Druck auf Industriearbeitsplätze nun die Forderung nach humaner Arbeit aufzugeben. Die Ursachen und Wirkungen negativer Belastungen am Arbeitsplatz wie auch die abgeleiteten Anforderungen an Produktionssysteme sind längst bekannt, es fehlt jedoch die entsprechende Anpassung der Systeme an den Menschen.
Die tatsächlich realisierten Konzepte innovativer Produktion beschränken sich vor allem auf wettbewerbsgetriebene Rationalisierungen für Effizienzsteigerung und erzeugen Belastungen für Mitarbeiter, die jedoch insbesondere unter dem Aspekt eines längeren Berufslebens zu vermeiden sind. Hierzu werden von Experten als Auswirkungen moderner Produktionskonzepte der Wegfall von Schonarbeitsplätzen, Verdichtung anstrengender Arbeiten bei den jungen Mitarbeitern und schwindende Spielräume genannt. Vormals zwischen Gewerkschaften und Unternehmen ausgehandelte Standards von Arbeitsbedingungen werden zurückgefahren mit der Begründung von Unwirtschaftlichkeit.
Selbst der gewerkschaftliche Diskussionsstand zu Produktionssystemen akzeptiert weitgehend die Zielsetzung, Produktionssteigerungen mit Qualitätsverbesserung, hoher Liefergeschwindigkeit und zunehmenden Produktvarianten in Übereinstimmung zu bringen, aber es werden hier auch die Konflikte der unterschiedlichen Bewertung solcher Systeme diskutiert. Prognostiziert (und geglaubt) wurde, dass die Abkehr von der getakteten Fließmontage „noch lange nicht in Sicht“ sei. Inzwischen hat sich aber fast schon resignierend die Befürchtung in den Vordergrund geschoben, dass der arbeitende Mensch durch die neue industrielle Revolution in absehbarer Zukunft gänzlich überflüssig würde.
Noch sind die Maschinen aber nicht soweit, dass sie sich selber erfinden und den Menschen obsolet machen könnten, noch ist die Komplexität des menschlichen Gehirns den Chips, Platinen und Prozessoren eines Rechners überlegen, noch bedarf es der Entscheidung und Realisierung durch das menschliche Gehirn, welche Macht wir den Computern geben. Kritische Kreativität ist gefragt für die Gestaltung der Zukunft der Arbeit.
Die für den arbeitenden Menschen psychisch und somatisch bedeutsamen Realitäten in der Industriearbeit wurden bislang nicht hinreichend entsprechend den Erkenntnissen und Forderungen aus den Arbeitswissenschaften angepasst, stattdessen wurden die althergebrachten Produktionssysteme im Prinzip lediglich ein wenig adaptiert bzw. maximiert. Vorrang hatte (und hat) immer nur die sogenannte Wirtschaftlichkeit, also die Interessen der Shareholder (Anteilseigner der Unternehmen). Die Aspekte von Arbeitszufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiter fanden nur Beachtung im „Ambiente“ der Fabriken oder durch gewerkschaftlich erstrittene Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit und Entgelt. Eine kluge Umsetzung der Industrie 4.0 mit intelligenter Nutzung der Informationstechnologie erlaubt es jedoch, Produktionssysteme neu zu denken.
Es muss bei der neuen Fabrikarbeit darum gehen, nicht nur die Wünsche der Investoren (Shareholder), sondern auch die berechtigten Interessen aller anderen Stakeholder (u.a. Belegschaft und Kunden), insbesondere aber die Bedürfnisse der im Produktionssystem arbeitenden Menschen weitestgehend untereinander auszugleichen. Dieser Ausgleich ist durchaus möglich mit innovativen, flexiblen Produktionssystemen und Strukturen, wie sie die digitalgestützte Matrixproduktion bietet.

Wie ist der Stand und wo wollen wir hin in der Automobilindustrie?

Ein Blick auf die heterogenen Stakeholder zeigt, welchen unterschiedlichen Ansprüchen ein neues, flexibles Produktionssystem entsprechen muss. Als B...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Einführung
  3. Überlegungen zu den aktuellen Problemstellungen
  4. Alte Denkschienen verlassen – Innovation braucht neue Ideen
  5. Neue Herausforderungen brauchen neue Lösungen
  6. Antwort: Matrix-Produktion
  7. Menschliche Arbeit im Produktionsprozess
  8. Was ist die Matrix-Produktion?
  9. Bewertung der Matrix-Produktion
  10. Fazit
  11. Abkürzungen
  12. Verwendete Literatur
  13. Impressum

Häufig gestellte Fragen

Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Abopläne an: Elementar und Erweitert
  • Elementar ist ideal für Lernende und Profis, die sich mit einer Vielzahl von Themen beschäftigen möchten. Erhalte Zugang zur Basic-Bibliothek mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften. Enthält unbegrenzte Lesezeit und die Standardstimme für die Funktion „Vorlesen“.
  • Pro: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forscher, die einen vollständigen, uneingeschränkten Zugang benötigen. Schalte über 1,4 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen frei, darunter akademische und hochspezialisierte Titel. Das Pro-Abo umfasst auch erweiterte Funktionen wie Premium-Vorlesen und den Recherche-Assistenten.
Beide Abopläne sind mit monatlichen, halbjährlichen oder jährlichen Abrechnungszyklen verfügbar.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abo, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buches pro Monat Zugang zu einer ganzen Online-Bibliothek erhältst. Mit über 1 Million Büchern zu über 990 verschiedenen Themen haben wir bestimmt alles, was du brauchst! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du hast Zugang zu Keine Angst vor Industrie 4.0 von Peter Greschke,G. Greschke-Begemann im PDF- und/oder ePub-Format sowie zu anderen beliebten Büchern aus Technik & Maschinenbau & Maschinenbau Allgemein. Aus unserem Katalog stehen dir über 1 Million Bücher zur Verfügung.