Das Werk "Master Humphrey's Wanduhr" ist ein 1840 veröffentlichter Kriminalroman von Edgar Wallace. Der Originaltitel lautet "The Old Curiosity Shop".Charles John Huffam Dickens, FRSA (als Pseudonym auch "Boz"; * 7. Februar 1812 in Landport bei Portsmouth, England; † 9. Juni 1870 auf Gad's Hill Place bei Rochester, England) war ein englischer Schriftsteller. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Oliver Twist", "David Copperfield", "Eine Geschichte aus zwei Städten", "Große Erwartungen" sowie "Eine Weihnachtsgeschichte".

- 480 Seiten
- German
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Historische RomaneDer Uhrkasten
Es ist meine Absicht, die Leser beständig von meinem Kaminwinkel aus anzureden, und ich möchte wohl hoffen, daß die Berichte, welche ich von unsern Geschichten und Verhandlungen, unsern ruhigen Spekulationen und unsern thätigeren Abenteuern gebe, nie unvollkommen wären. Um jedoch nicht gleich anfangs zu weitschweifig zu werden, indem ich zu lange bei unserer kleinen Gesellschaft verweile und die Begeisterung, womit ich diese erste Seligkeit meines Lebens betrachte, mit dem geringern Grade von Theilnahme verwechsle, welchen vielleicht Diejenigen, welche ich anrede, dafür fühlen werden, so habe ich es, wie man gesehen, für passend erachtet, damit abzubrechen.
Da ich jedoch innig an meiner alten Freundin hänge, und daher ganz natürlich den Wunsch hege, daß alle ihre Verdienste nach Würde bekannt werden, so fühle ich mich versucht (allerdings etwas unregelmäßig und gegen unsere Gesetze), den Kasten der Wanduhr zu öffnen. Die erste Papierrolle, welche mir zu Händen kömmt, ist ein Manuscript des tauben Herrn. Ich werde bei nächster Gelegenheit von ihm sprechen müssen, und wie kann ich mich besser für diese willkommene Aufgabe vorbereiten, als wenn ich sie durch eine Produktion seiner eigenen Feder bevorworte, welche er eigenhändig der Obhut meiner ehrlichen Wanduhr anvertraute?
Der Titel des Manuscripts lautet also:
Einleitung in die Riesenchronik
Es war einmal zu einer Zeit, das heißt, in unseren Tagen, –, Jahr, Monat und Tag sind nicht wesentlich – in der City von London ein vermögentlicher Bürger, der in seiner einzelnen Person die Würden eines Fruchthändlers en gros, eines Rathsherrn, eines Gerichtsbeisitzers und eines Mitglieds der achtbaren Gesellschaft der Ueberschuhmacher vereinigte. Nebst all' diesen außerordentlichen Ehren besaß er auch die wichtige Stelle und den Titel eines Sheriffs, und endlich, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, stand er als der Erste auf der nächsten Wahlliste für das hohe und ehrenvolle Amt eines Lord-Mayor.
Er war in der That ein sehr gewichtiger Bürger. Sein Gesicht glich einem umnebelten Vollmond, in den man zwei Löcher für die Augen gestoßen, eine sehr reife Birne statt der Nase vorgesteckt und einen weiten Spalt statt des Mundes eingeschnitten hat. Das Maß seiner Weste hing, mit seinem Namen versehen, als außerordentliche Merkwürdigkeit in dem Laden seines Schneiders. Sein Athmen war ein schweres Schnarchen, und seine Stimme tönte so dick, als wäre sie von einem Haufen Federbetten unterdrückt und erstickt. Er trat auf, wie ein Elephant, und aß und trank, wie – wie nur ein Ratsherr, der er auch war, essen und trinken kann.
Dieser würdige Bürger hatte sich aus ganz geringen Glücksverhältnissen zu seiner hohen Bedeutsamkeit emporgeschwungen. Er war ehedem ein sehr magerer, schwindsüchtiger, kleiner Knabe gewesen, der sich's nicht träumen ließ, einmal eine solche Wucht von Fleisch an seinen Knochen, oder so viel Geld in seinen Taschen zu tragen, indem er froh genug war, wenn er sein Mittagessen an der Thüre eines Bäckers, oder seinen Thee am Brunnen holen konnte. All' das hatte er jedoch längst vergessen, wie es sich für einen Fruchthändler en gros, einen Rathsherrn, einen Gerichtsbeisitzer, ein Mitglied der achtbaren Ueberschuhmachergesellschaft, einen gewesenen Seriff, vor allem aber für einen Lord-Major in spe geziemt; nie in seinem ganzen Leben vergaß er es übrigens mehr, als am achten November im Jahr seiner Erwählung für den großen, goldenen Bürgerstuhl, dem Tage vor seinem großen Gastmahl in Guildhall.
Desselbigen Abends saß er zufällig ganz allein in seinem Comptoir, überblickte den Speiszettel für den folgenden Tag und verzeichnet sich für sein Privatvergnügen die fetten Kapaunen nach Fünfzigen und die Schildkröten nach hundert Quarten, als er in dieser einsamen aber vergnüglichen Beschäftigung durch einen Mann gestört wurde, der hereintrat und nach seinem Befinden fragte, indem er beifügte:
»Wenn ich nur halb so verändert bin, wie Sie, Sir, so werden Sie sich meiner kaum mehr entsinnen können.«
Der Fremde war nicht am besten gekleidet, und sah in keinem Sinne des Wortes wohlgenährt oder reich aus; doch sprach er mit einer Art bescheidener Zuversicht, und zeigte dabei ein ungezwungenes gentlemanartiges Benehmen, worauf doch eigentlich Niemand als ein reicher Mann gesetzlichen Anspruch machen kann. Außerdem unterbrach er aber den guten Bürger in demselben Augenblick, als er eben dreihundert und zweiundsiebenzig fette Kapaunen zusammengezählt hatte, und gerade die Summe auf die nächste Kolonne übertragen wollte, und um die Sünde zu erschweren, hatte der gelehrte Syndikus der Stadt London, welcher nur fünf Minuten vorher durch dieselbe Thüre hinausgegangen war, sich, ehe er das Zimmer verließ, noch einmal umgedreht und gesagt: »Gute Nacht, Mylord.« Ja, er hatte wirklich »Mylord« gesagt; – er, ein Mann von Geburt und Erziehung, ein Mitglied der achtbaren Gesellschaft von Middle Temple, ein Rechtsgelehrter, der einen Onkel im Hause der Gemeinen und eine Tante fast (aber nicht ganz) im Hause des Lords hatte – denn sie war die Gattin eines schwachen Pairs und ließ ihn ganz nach ihrem Gutdünken stimmen; ein solcher Mann – dieser gelehrte Syndikus hatte »Mylord« gesagt.
»Ich will nicht bis morgen warten, um Ihnen Ihren Titel zu geben, Lordmayor,« sagte er, indem er sich lächelnd verbeugte; »Sie sind Lordmayor de facto, wenn auch nicht de jure. Gute Nacht, Mylord!«
Der neuerwählte Lordmayor dachte eben an dieses, wandte sich dem Fremden zu und befahl ihm streng, »sein Privatcomptoir zu verlassen,« worauf er die dreihundert und zweiundsiebenzig Kapaunen niederschrieb und in seiner Berechnung fortfuhr.
»Erinnern Sie sich nicht« – sagte der Andere, indem er vorwärts trat – »erinnern Sie sich nicht des kleinen Joe Toddyhigh?«
Der Portwein floh für einen Augenblick von des Fruchthändlers Nase, als er murmelte:
»Joe Toddyhigh? Was ist's mit Joe Toddyhigh?«
»Ich bin Joe Toddyhigh!« rief der Besuch. »Sehen Sie mich an; sehen Sie mich genau an: – besser, besser. Sie kennen mich jetzt? Sie kennen den kleinen Joe wieder? Welch eine Freude ist es für uns Beide, uns gerade an dem Abend vor deiner Erhebung wieder zu sehen! Gib mir deine Hand, Jack – beide Hände – beide, um alter Zeiten willen.«
»Sie kneipen mich, Sir. Sie thun mir weh,« sagte der neugemählte Lordmayor verdrießlich: »doch lassen Sie das – wenn Jemand käme, Herr Toddyhigh.«
»Herr Toddyhigh?« erwiederte der Andere mit einem kläglichen Gesichte.
»Ach, seien Sie nicht albern,« erwiederte der neugewählte Lordmayor, indem er sich im Kopf kratzte. »Herr Jemine! Ei, ich glaubte. Sie wären todt. Was Sie doch für ein wunderlicher Mensch sind!«
Der Stand der Dinge war in der That allerliebst und wohl des Tones von Verdruß und Unmuth würdig, in welchem der Lordmayor sprach. Joe Toddyhigh war mit ihm als armer Knabe in Hull gewesen, und hatte oft seinen Penny mit ihm getheilt, oder seine letzte Brodkruste an ihn abgetreten, um seinem Mangel abzuhelfen; denn obgleich Joe damals selbst nur ein blutarmer Junge gewesen, so war er doch ein so treuer und anhänglicher Freund, als man nur je unter Männern von Mitteln einen finden kann. Sie trennten sich eines Tages, um in verschiedenen Richtungen ihrem Glücke nachzujagen. Joe ging auf die See, und der nun reiche Bürger bettelte sich nach London. Sie schieden unter vielen Thränen, wie es läppische Jungen von ihrem Alter zu machen pflegen, versprachen sich ewige Freundschaft, und wollten, wenn sie am Leben blieben, bald gegenseitig von sich hören lassen.
So lange der Bürger noch ein Laufbursche war, und selbst in der ersten Zeit seiner Lehrjahre, trabte er oft und vielmal nach dem Postbureau, um zu fragen, ob kein Brief von dem armen kleinen Joe da sei, und ging mit Thränen in dem Auge wieder nach Hause, wenn er fand, daß keine Nachrichten von seinem einzigen Freunde angekommen waren. Die Welt ist weit und es dauerte lange, bis endlich ein Brief ankam; aber als dieß geschah, war der Schreiber vergessen. Der Brief wurde von dem langen Liegen im Postbureau ganz gelb, weil Niemand kam, um ihn zu sich zu nehmen: in der Folge zerriß man ihn mit fünfhundert anderen und verkaufte ihn als Makulatur. Und endlich war in einem Augenblicke, wo man es am wenigsten erwartete, dieser Joe Toddyhigh wieder zum Vorschein gekommen, und machte seine Bekanntschaft mit einem großen öffentlichen Charakter geltend, der am nächsten Morgen mit dem Premierminister von England Witze machen, im Verlauf der nächsten zwölf Monate mit einem einzigen Worte die Tempelschranke schließen und die Durchfahrt selbst dem Könige verweigern konnte!
»Ich weiß in der That nicht, was ich sagen soll, Herr Toddyhigh,« meinte der neugewählte Lordmayor; »ich weiß es wirklich nicht. »Es kommt mir sehr ungelegen. Ich hätte lieber zwanzig Pfund geben wollen – in der That sehr ungelegen.«
Ein Gedanke kämpfte in seinem Geiste, sein alter Freund könnte sich vielleicht zu einer Leidenschaftlichkeit hinreißen lassen, die ihm Anlaß geben dürfte, selbst aufzubrausen. Dieß geschah jedoch nicht. Joe sah ihn fest, aber mit vieler Milde an, ohne die Lippen zu öffnen.
»Ich werde Ihnen natürlich bezahlen, was ich Ihnen schuldig bin,« sagte der neugebackene Lordmayor, in seinem Stuhl hin und her rückend. »Sie haben mir etwas geliehen – ich glaube, es war ein Shilling oder sonst eine kleine Münze – als wir uns trennten, und diesen werde ich Ihnen natürlich mit guten Interessen zurückerstatten. Ich kann Jedermann bezahlen und habe es immer gethan. Wenn Sie übermorgen – etwas nach der Dämmerung – ankehren und nach meinem Privatsekretär fragen wollen, so werden Sie eine Anweisung für Sie vorfinden. Ich habe jetzt keine Zeit, mich weiter darüber auszulassen, wenn Sie nicht –« er zögerte, denn mit dem begierigen Wunsche, einmal in seiner ganzen Glorie in den Augen seines früheren Gefährten zu glänzen, paarte sich die Besorgniß, das Aeußere desselben möchte vielleicht noch schäbiger sein, als er bei dem schwachen Lichte zu unterscheiden vermochte – »wenn Sie nicht belieben sollten, zu dem morgigen Diner zu kommen; ich mache mir nichts daraus. Ihnen dieses Billet anzubieten, wenn es Ihnen beliebt, es anzunehmen. Viele würden ihre Ohren darum geben, kann ich Ihnen sagen.«
Der alte Freund nahm die Karte, ohne ein Wort zu sprechen, und entfernte sich auf der Stelle. Sein sonnverbranntes Gesicht und sein graues Haar schwebte dem Geiste des Bürgers noch einen Augenblick vor; sobald derselbe aber bei dem dreihundert und einundachtzigsten fetten Kapaunen angelangt war, hatte er ihn ganz und gar vergessen.
Joe Toddyhigh war nie zuvor in Englands Hauptstadt gewesen, und er wandelte in jener Nacht die Straßen auf und ab, erstaunt über die Menge von Kirchen und anderen öffentlichen Gebäuden, über die Pracht der Kaufläden, über die Reichthümer, die allenthalben aufgehäuft waren, über das blendende Licht, in welchem sie zur Schau standen, und über das Menschengewühl, welches, augenscheinlich gleichgültig über alle die Wunder, welche es umgaben, hin und her wogte. Aber in allen diesen langen Straßen und breiten Squaren traf er bloß auf Fremde; es gereichte ihm sogar zur Beruhigung, in eine Nebengasse einzubiegen, wo er seine eigenen Fußtritte auf dem Pflaster hören konnte. Er ging nach seinem Gasthause zurück, dachte unterwegs, London sei ein trauriger, öder Ort, und fühlte sich geeignet, das Vorhandensein auch nur eines einzigen treuherzigen Mannes in der ganzen achtbaren Ueberschuhemacher-Gesellschaft zu bezweifeln. Endlich legte er sich zu Bette und träumte, er und der neugewählte Lordmayor wären wieder Knaben.
Des andern Tages ging er zu dem Diner, und als in einem Wirbel von Musik und Lichtstrahlen und in Mitte der glänzendsten Verzierungen, von einer festlich geschmückten Gesellschaft umringt, sein früherer Freund, begrüßt von lautem Jubel und Freudenruf, oben in der Halle erschien, da schrie und jubelte er mit den Lautesten, und für den Augenblick hätte er weinen mögen. Im nächsten aber verwünschte er seine Schwäche gegen einen so ganz veränderten und selbstsüchtigen Mann, und er haßte sogar einen jovial aussehenden Gentleman, der ihm gegenüber saß, und sich im Stolze seines Herzens gleichfalls für einen Ueberschuhemacher erklärte.
Im Verlaufe des Bankets nahm er die Unfreundlichkeit des reichen Bürgers immer mehr zu Herzen, nicht etwa aus Neid, sondern weil er fühlte, daß ein Mann von seiner Stellung und seinen Glücksgütern um so mehr einen alten Freund anerkennen konnte, wenn dieser auch arm und unbekannt war. Je mehr er darüber nachdachte, desto einsamer und betrübter wurde seine Seele. Als sich die Gesellschaft zerstreute und nach dem Ballsaale zog, schritt er allein durch die Hallen und Gänge, und sann wehmüthig über die Täuschung nach, die er erfahren hatte.
Während er in dieser schwermüthigen Stimmung umherschlenderte, traf er auf eine dunkle, steile und schmale Treppe, welche er gedankenlos hinanstieg, und so kam er auf eine kleine leere Orchestergallerie. Von diesem hohen Standpunkte aus, der die ganze Halle beherrschte, unterhielt er sich damit, daß er auf das Dienstpersonale hinuntersah, welches träge die Ueberbleibsel des Festmahles aufräumte, und mit sehr empfehlenswerther Beharrlichkeit alle Gläser und Flaschen austrank.
Seine Aufmerksamkeit erschlaffte allmählig, und er fiel in einen festen Schlaf.
Als er erwachte, glaubte er, es müsse mit seinen Augen etwas vorgegangen sein; er fand jedoch nach einigem Reiben bald, daß das Mondlicht wirklich durch das östliche Fenster strömte, daß die Lampen erloschen waren, und daß er sich allein befand. Er horchte – aber kein fernes Flüstern in den wiederhallenden Gängen, nicht einmal das Zuschlagen einer Thüre unterbrach die tiefe Stille; er tastete sich die Treppe hinunter und fand, daß die Thüre des Erdgeschosses von außen verschlossen war. Jetzt begann er zu begreifen, daß er lange geschlafen haben mußte, daß man ihn übersehen, und daß er die Nacht über hier in Gewahrsam zu verbleiben hatte.
Sein erstes Gefühl war wohl nicht das behaglichste, denn es war ein dunkler, kalter, dumpfigriechender Ort – auch etwas zu groß, als daß sich ein Mann in einer solchen Lage darin heimisch fühlen konnte. Als jedoch die Bestürzung der ersten Ueberraschung vorüber war, nahm er den Vorfall auf die leichte Achsel und entschloß sich, wieder die Treppe hinaufzutappen und sich's, so gut als thunlich, bis zum Morgen auf der Gallerie bequem zu machen. Als er sich anschickte, dieses Vorhaben auszufühen, hörte er die Uhren drei schlagen.
Jede Unterbrechung einer Todtenstille durch das Schlagen ferner Thurmuhren läßt dieselbe nur um so nachdrücklicher und lästiger erscheinen, wenn die Töne verhallt sind. Er horchte mit gespannter Aufmerksamkeit, hoffend, daß irgend eine Uhr, welche hinter ihren Gefährtinnen zurückgeblieben, noch schlagen würde, und sah dabei die ganze Zeit über in das tiefe Dunkel vor sich, bis es ihm wie ein schwarzes Gewebe erschien, in welchem sich die ringartigen Reflexe seiner eigenen Augen in hundertfacher Wiederholung abmalten. Aber die Glocken hatten für diesmal alle ihre Rufe entsandt, und der Windstoß, der durch den Platz seufzte, schien noch kalt und schwer von ihrem eisernen Athem zu sein.
Zeit und Umstände waren dem Nachdenken günstig. Er versuchte es, seine Gedanken in demselben Gange zu erhalten, welchen sie, so wenig angenehm es auch sein mochte, den ganzen Tag über genommen hatten, und Betrachtungen darüber anzustellen, wie romantisch er sich's gedacht, dem alten Freunde noch einmal die Hand zu drücken, und wie grausam seine lange und sehnlich gehegte Hoffnung getäuscht worden. Doch hatte ihn sein plötzliches Erwachen an einem so einsamen Orte in Verwirrung gebracht, und er konnte es nicht hindern, daß sein Geist bei manchen wunderlichen Geschichten verweilte, in welchen Leute von unzweifelhaftem Muthe, die zu nächtlicher Stunde in Gewölben, Kirchen oder anderen schauerlichen Orten eingeschlossen wurden, große Höhen erkletterten, um hinauszukommen und vor dem öden Schweigen zu fliehen, obgleich sie nie zuvor einer wirklichen Gefahr den Rücken zugekehrt hatten. Solche Gedanken weckte in ihm das durch das Fenster strömende Mondlicht, und er kroch die gewundene Treppe wieder hinauf – aber ganz verstohlen, als fürchte er, gehört zu werden.
Er war nicht wenig erstaunt, als er sich der Gallerie wieder näherte, Licht in dem Gebäude zu erblicken, noch mehr aber, als er bei seinem hastigen Vortreten und Umherschauen durchaus nicht gewahren konnte, woher es kam. Aber man denke sich seine Verblüffung bei dem Anblicke, welche ihm dieses Licht entschleierte.
Die Statuen der beiden Riesen, Gog und Magog, jede über vierzehn Fuß hoch, welche nach dem großen Brand in London die Nachfolger noch viel älterer und barbarischer Figuren geworden waren, und bis auf den heutigen Tag noch in Guildhall stehen, zeigten Leben und Bewegung. Diese Schutzgeister der City hatten ihre Postamente verlassen und saßen nachlässig auf der Böschung des großen Fensters mit den gefärbten Glasscheiben. Zwischen ihnen befand sich ein altes Faß, das mit Wein gefüllt zu sein schien, denn der jüngere Riese hatte es mit seiner ungeheuern Hand gefaßt, unterstützte es mit seinem mächtigen Beine und brach in ein jubelndes Gelächter aus, das wie das Rollen des Donners durch die Halle tönte.
Joe Toddyhigh bückte sich instinktartig und fühlte, mehr todt als lebendig, seine Haare zu Berge stehen, während seine Kniee zusammenschlugen und kalte Tropfen auf seiner Stirne perlten. Aber sogar in diesem beängstigenden Augenblicke gewann die Neugierde die Oberhand über jedes andere Gefühl, und etwas beruhigt durch die gute Laune der Riesen und den Umstand, daß sie seine Anwesenheit nicht zu ahnen schienen, kroch er in einen Winkel der Gallerie, drückte sich möglichst zusammen, blickte durch die Geländerstube und beobachtete die nächtlichen Gesellen auf's Genaueste.
In diesem Moment erhob der ältere Riese, der einen niederwallenden grauen Bart besaß, die gedankenvollen Blicke zu dem Gesichte seines Gefährten und redete ihn mit ernster und feierlicher Stimme also an:
Erste Nacht der Riesenchronik.
Gegen seinen Gefährten gewandt, begann der ältere Riese in ernstem majestätischem Tone folgendermaßen:
»Magog, ziemt diese lärmende Lustigkeit dem Riesenwächter dieser alten Stadt? Ist es ein anständiges Benehmen für einen wachsamen Geist, über dessen körperloses Haupt so viele Jahre dahingeschwunden, so viele Wechsel wie leere Luft hinweg gegangen sind – dessen unantastbare Nüstern der Dunst von Blut, Verbrechen, Pest, Grausamk...
Inhaltsverzeichnis
- Master Humphrey's Wanduhr – Master Humphrey von der Wanduhrseite seines Kaminwinkels.
- Der Uhrkasten
- Der Uhrkasten – Ein Bekenntniß aus der Zeit Karls II., in einem Gefängniß aufgefunden.
- Master Humphrey's persönliche Abenteuer – Das Raritätenkabinett.
- Ein Besuch bei Master Humphrey
- Herrn Pickwick's Erzählung. Erstes Kapitel
- Herrn Pickwicks Erzählung. Zweites Kapitel
- Weitere Nachrichten über Master Humphrey's Besuch
- Der Raritätenladen. Zweites Kapitel
- Der Raritätenladen. Drittes Kapitel
- Der Raritätenladen. Viertes Kapitel
- Herrn Weller's Taschenuhr
- Der Raritätenladen. Fünftes Kapitel
- Der Raritätenladen. Sechstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Siebentes Kapitel
- Der Raritätenladen. Achtes Kapitel
- Master Humphrey von der Wanduhrseite seines Kaminwinkels
- Der Raritätenladen. Neuntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Zehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Elftes Kapitel
- Der Raritätenladen. Zwölftes Kapitel
- Der Raritätenladen. Dreizehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Vierzehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Fünfzehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Sechzehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Siebzehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Achtzehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Neunzehntes Kapitel
- Der Raritätenladen. Zwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Einundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Zweiundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Dreiundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Vierundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Fünfundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Sechsundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Siebenundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Achtundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Neunundzwanzigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Dreißigstes Kapitel
- Der Raritätenladen. Einunddreißigstes Kapitel
- Fußnoten
- Impressum
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