Kriegerinnen und Ekstase-Krieger
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Kriegerinnen und Ekstase-Krieger

Die Götter der Germanen - Band 62

  1. 224 Seiten
  2. German
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Kriegerinnen und Ekstase-Krieger

Die Götter der Germanen - Band 62

Über dieses Buch

Die ReiheDie achtzigbändige Reihe "Die Götter der Germanen" stellt die Gottheiten und jeden Aspekt der Religion der Germanen anhand der schriftlichen Überlieferung und der archäologischen Funde detailliert dar.Dabei werden zu jeder Gottheit und zu jedem Thema außer den germanischen Quellen auch die Zusammenhänge zu den anderen indogermanischen Religionen dargestellt und, wenn möglich, deren Wurzeln in der Jungsteinzeit und Altsteinzeit.Daneben werden auch jeweils Möglichkeiten gezeigt, was eine solche alte Religion für die heutige Zeit bedeuten kann - schließlich ist eine Religion zu einem großen Teil stets der Versuch, die Welt und die Möglichkeiten der Menschen in ihr zu beschreiben.Das BuchDie Wolfskrieger ("Ulfhedinn") lassen sich bis zu den frühen Indogermanen um ungefähr 6000 v.Chr. zurückverfolgen. Die Bärenkrieger ("Berserker") sind hingegen deutlich jünger und reichen nur bis ca. 200 n.Chr. zurück. Die Tradition der Kriegerinnen hat bei den Indogermanen ein ähnliches Alter wie die Wolfskrieger.Das Thema des Kampfes hat auch heute noch eine große Bedeutung, auch wenn die Form des Kampfes zwischen Völkern inzwischen vollkommen anderes ist als zu der Zeit der Berserker - und angesichts der Atomwaffen auch sehr viel mehr auf dem Spiel steht.Letztlich wird ein "weitsichtiger Egoismus" gebraucht, der alle Folgen überschaut und langfristig sinnvolle Entscheidungen trifft - ein "Kämpfen" auf einer neuer Grundlage, die zu deutlich besseren Ergebnissen als der "kurzsichtige Egoismus" führt.Dabei ist es auch sehr hilfreich zu verstehen, wie die Berserker zu ihren erstaunlichen Fähigkeiten gekommen sind, die z.B. denen der Shaolin teilweise recht ähnlich sind.

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Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9783744814515
eBook-ISBN:
9783744881050

A Die Berserker

Die Berserker sind ein spezielles Element der germanischen Kultur gewesen, das sich in dieser Form nur bei ihnen findet.

I Die Berserker in der germanischen Überlieferung

Die Berserker, also die in ein Bärenfell gekleideten Ekstase-Kämpfer, sind eines der Elemente der germanischen Kultur, die auch heute noch sehr gut bekannt sind und sich als Name und Bild für einen rücksichtslosen, tobenden Menschen erhalten haben.
I 1. Wortschatz
hamast
  • eine andere „Haut“, d.h. eine andere Gestalt annehmen = ein Bärenfell anziehen = in Berserker-Wut geraten
berserker
  • Bärenhäuter, Bärenfell-Mann = Kampf-Ekstatiker
berserka-gangr
  • Berserker-Raserei, Berserker-Wut, Kampf-Ekstase
jötun-modr
  • Riesen-Wut (der Riese ist möglicherweise der ehemalige Kriegsgott und Sonnengott-Götterkönig Tyr)
as-megin
  • Asenkraft, insbesondere die des Thor
Die Berserker verwandelten sich symbolisch-magisch in einen Bären, um in ihre Kampf-Ekstase zu geraten.
Diese Kampf-Ekstase wurde vermutlich mit dem ehemaligen Göttervater Tyr und später nach dessen Absetzung um 500 n.Chr. mit Thor assoziiert.
I 2. Die Berserker-Ekstase
Um das Wesen der Berserker erfassen zu können, ist zunächst einmal notwendig, die Kampf-Ekstase selber zu verstehen.
Den Berserkern sind die Ulfhedinn nahe verwandt, die sich mit einem Wolf statt mit einem Bären verbanden.
2. a) Asmund Recken-Töter
Hildibrand Hunnen-Kappe hatte die Kräfte eines Berserkers und ihn überkam die Berserker-Wut. ... Hildibrand Hunnen-Kappe rückte gegen König Alfs Heer vor und es war übel, ihm im Weg zu stehen. Er schlug nach beiden Seiten hin aus und griff heulend des Königs Standarten-Träger an.
Die Berserker heulen (wie Bären? wie Wölfe?) beim Kampf.
2. b) Landnahme-Buch
Thorir hat das Priesteramt inne und wohnte in Unterberg und hatte manchmal die Berserker-Wut.
Die Berserker-Wut ist kein Dauerzustand, sondern tritt nur gelegentlich auf.
2. c) Die Saga über Fridthjof den Kühnen
Zusammen mit Atle waren sie zehn üble und umtriebige Männer, die oft in die Berserker-Wut gerieten.
Die Berserker-Wut tritt bei verschiedenen Berserkern verschieden häufig auf.
2. d) Die Saga über Asmund Recken-Töter
Als Hildibrand hörte, daß seine Recken getötet worden waren, kam die Berserker-Wut über ihn.
Die Berserker-Wut kann durch psychischen Schmerz und Rache-Gelüste ausgelöst werden.
2. e) Egil-Saga
Es wird erzählt, daß Kvedulf und auch einige seiner Gefährten da einen Gestaltwandler-Anfall hatten.
Mehrere Männer können gleichzeitig in die Berserker-Wut geraten.
2. f) Egil-Saga
Ljot war ein Mann von großer Statur und Stärke. Als er auf den Zweikampfplatz vortrat, packte ihn ein Berserkerwut-Anfall und er begann schrecklich zu heulen und biß in seinen Schild.
Die Berserker-Wut kann auch durch einen bevorstehenden Kampf ausgelöst werden.
Der Eintritt in die Berserker-Wut wird von Heulen und „in den Schildrand beißen“ begleitet. Möglicherweise hat der Berserker dabei das innere Bild, ein Bär zu sein und seine Feinde mit Bissen zu töten.
2. g) Die Saga über Hervor und König Heidrek den Weisen
Als die Brüder heimkamen, bereiteten sie sich für den Kampfplatz vor und ihr Vater begleitete sie zum Schiff und gab das Schwert Tyrfing dem Angantyr.
„Mir scheint,“ sagte er, „daß dort gute Waffen gebraucht werden.“
Er wünschte ihnen Lebewohl. Danach fuhren sie von dannen.
Als die Brüder nach Samsey kamen, sahen sie zwei Schiffe in der Bucht, die Munway genannt wird. Die Schiffe waren von der Art, die 'Eschen' genannt werden. Sie nahmen an, daß diese Schiffe dem Hjalmar und dem Odd gehören mußten. Da zogen Arngrims Söhne ihre Schwerter und bissen in ihre Schild-Ränder – da überkam sie der Berserker-Zustand. Da rannten je sechs von ihnen auf die beiden Eschen. An Bord von ihnen ihnen waren so gute Krieger, daß sie alle nach ihren Waffen griffen und niemand von seinem Posten floh und niemand einen Laut der Angst von sich gab. Die Berserker jedoch erstiegen das Schiff auf der einen Seite und rannten bis zu der anderen und töteten alle. Dann kehrten sie an Land zurück und brüllten.
Hjalmar und Odd waren auf die Insel gegangen, um zu sehen, ob die Berserker schon gekommen waren. Und als sie aus dem Wald heraus traten und zu ihren Schiffen gingen, kamen die Berserker mit blutigen Waffen von den Schiffen herab und der Berserker-Zustand verließ sie wieder. Da wurden sie schwächer als sonst – wie nach einer Art von Krankheit.
Die Berserker-Wut überkommt die Berserker vor Kämpfen möglicherweise spontan. Das „in den Schildrand Beißen“ scheint eine übliche Methode gewesen zu sein, um diesen Zustand hervorzurufen.
Nach der Berserker-Wut sind die Berserker erschöpft.
2. h) Tacitus
Tacitus beschreibt eine Art Schild-Gesang, den die Germanen vor der Schlacht anstimmen. Diese Gesänge scheinen keinen Text zu haben, sondern eher das Intonieren von Tönen oder ein Grollen oder Brüllen zu sein.
Sie haben auch die Überlieferung, daß Herkules (Thor) in ihrem Land gewesen sei und sie preisen ihn mehr als alle anderen Helden in ihren Liedern, wenn sie in die Schlacht ziehen.
Bei ihnen findet man jene Art von Liedern, durch deren Gesang, den sie 'Bardit' nennen, sie in sich den Kampfgeist erwecken und durch den sie sogar den Verlauf der bevorstehenden Schlacht erahnen können – entsprechend dem verschiedenen Klang dieses Lärmens des Heeres drängen sie kühn oder weichen ängstlich zurück.
Das, was sie dabei äußern, ist auch nicht so sehr Gesang als vielmehr die Stimme und der Ausdruck des Kampfmutes. Sie streben vor allem einen starken und klingenden Ton an, der aus einem unterbrochenen und ungleichmäßigen Brummen heraus entsteht, bei dem sie sich ihre Schilde vor den Mund halten, damit die Stimme durch den Widerhall an ihnen noch kräftiger anschwillt.
„Bardi“ bedeutet im Germanischen „Bart, Barte (des Wals), Streitaxt, Granne (der Getreideähre), Rand“. Auch im Altnordischen konnte eine Axt noch „Bart“ oder „Lang-Bart“ genannt werden.
Der Ursprung dieser Worte ist das indogermanische Substantiv „bhardha“ für „Bart“. Die Barten eines Wales sind zwar von ihrer Funktion her eigentlich eher Zähne, aber von ihrem Aussehen her gleichen sie einem Bart. Die Klinge an einer Axt ist sozusagen ein „Bart an einem Stiel“. Die Grannen an einer Getreideähre sind der „Bart der Getreidekörner“. Ein Rand ist vermutlich der „Bart der betreffenden Sache“, wobei mit dieser Sache in vielen Fällen ein Schild gemeint sein wird.
Es wäre also denkbar, daß das von Tacitus überlieferte Wort „Bardit“ die Bedeutung „Schild“ oder „Schildgesang“ hat.
Interessanterweise heißen die Sänger bei den Kelten „Barde“, was wörtlich „Sänger, Lobpreiser“ bedeutet.
Über den germanische Dichtergott Bragi wird berichtet, daß er einen besonders langen Bart gehabt hat. Auch bei ihm sind daher Bart und Gesang miteinander assoziiert.
Wenn es jedoch tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Barden/Skalden und dem Schild-Gesang bei der Kampf-Ekstase geben sollte,...

Inhaltsverzeichnis

  1. Bücher von Harry Eilenstein
  2. Die Themen der einzelnen Bände der Reihe „Die Götter der Germanen“
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. A. Die Berserker
  5. B. Die Ulfhedinn
  6. C. Die Kriegerinnen
  7. D. Krieger-Weisheit
  8. Themenverzeichnis
  9. Impressum

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