Der Glaube kommt vom Hören
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Der Glaube kommt vom Hören

Ökumenische Fundamentaltheologie

  1. 432 Seiten
  2. German
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Der Glaube kommt vom Hören

Ökumenische Fundamentaltheologie

Über dieses Buch

Fundamentaltheologie fragt: Worum geht es beim Glauben im Grunde. Und wie verhalten sich Vernunft und Glauben zueinander?Die christliche Botschaft beansprucht, "Wort Gottes" zu sein. Dieser Anspruch ist alles andere als von vornherein selbstverständlich. Zunächst ist zu fragen, wie man überhaupt von "Gott" reden kann, wenn die Botschaft selbst sagt, er falle gar nicht unter Begriffe. Und wie kann man ihm gar zuschreiben, dass er selber "spreche"? Gerade gegenüber solchen Fragen öffnet sich die christliche Botschaft und macht ihren Anspruch durch ihren Inhalt verständlich. Sie erläutert das Wort "Gott" durch den Hinweis auf die Geschöpflichkeit der Welt: Gott ist "ohne wen nichts ist". Mit Hilfe einer "relationalen Ontologie" lässt sich Geschöpflichkeit beweisen. Man begreift dabei von Gott immer nur das von ihm Verschiedene, das auf ihn verweist. Der Glaube selbst ist das Anteilhaben am Verhältnis Jesu zu Gott. Aufgrund seines Wortes vertraut man darauf, in die Liebe Gottes zu ihm, die unbedingt und ewig ist, aufgenommen zu sein. Im Vertrauen darauf steht man nicht mehr unter der Macht der Angst um sich selbst. Alle einzelnen Glaubensaussagen lassen sich darauf zurückführen. Die Kirche ist das fortdauernde Geschehen der Weitergabe des Wortes Gottes, und dieser Glaube ist ein und derselbe für alle, die an Jesus Christus als den Sohn Gottes glauben.Dieser Glaube kommt von der gehörten Botschaft und lässt sich nicht auf bloße Vernunft zurückführen. Es kann jedoch nichts geglaubt werden, was einer ihre Autonomie wahrenden Vernunft widerspricht. Vernunfteinwände gegen den Glauben sind auf dem Feld der Vernunft selbst zu entkräften. Vernunft ist notwendig, um sich vor Aberglauben zu schützen.

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Information

Jahr
2015
ISBN drucken
9783738637168
eBook-ISBN:
9783739260952

ERSTER HAUPTTEIL:

DER INHALT DER CHRISTLICHEN BOTSCHAFT

Grundproblem des menschlichen Lebens und Zusammenlebens ist, dass Menschen immer wieder unmenschlich werden. Dieses den Menschen bedrohende Böse hat die Struktur von Mord und dessen Verschleierung durch Lüge und wiederum des Mordes, damit die Lüge nicht aufgedeckt wird (vgl. Joh 8,44). Die Wurzel egoistischen und verantwortungslosen Verhaltens, in dem man letztlich „über Leichen zu gehen“ bereit ist, ist diejenige Angst des Menschen um sich selbst, die in seiner Verwundbarkeit und Vergänglichkeit, in seiner Todesverfallenheit (vgl. Hebr 2,15) begründet ist.
Angst hat ursprünglich den positiven Sinn, dass man sich vor Gefahren schützt. Sobald aber die Angst des Menschen um sich selbst das letzte Wort hat, wird sie zur Wurzel seiner Unmenschlichkeit. Diese Angst gewinnt in der Weise Macht über ihn, dass er sich um jeden Preis abzusichern sucht.8 So gerät er in Rivalität zu anderen Menschen, gegen die er sich erst recht sichern muss.9 Dies geschieht in „direkter“ oder auch in „struktureller“ Gewaltanwendung.10 Strukturelle Gewalt besteht in institutionalisierten Zuständen, welche die einen auf Kosten der anderen einseitig privilegieren. Es handelt sich um Strukturen, welche die Distanz zwischen der an sich möglichen menschlichen Entfaltung und ihrer aktuellen Realisierung für einige Menschen vergrößern oder sich der Verringerung dieser Distanz entgegenstellen. Die Herrschaft der Gewalt wird gewöhnlich mit dem Mittel aufrechterhalten, dass die Mächtigen andere Menschen zu Werkzeugen ihrer Unmenschlichkeit machen, indem sie sie bei ihrer Angst um sich packen. Diktaturen sind Kettenreaktionen von Erpressung und Angt. Aus der Gewalt aller gegen alle scheint es im Rahmen dieser Gewalt nur den Ausweg zu geben, dass sich die Aggressionen aller auf irgendein zufälliges Opfer entladen, dem man dann alle Schlechtigkeit zuschreibt.11 Die Macht der Angst des Menschen um sich, welche die Wurzel aller Unmenschlichkeit ist, kann allerdings solange latent bleiben, als er sich nicht unmittelbar in dem bedroht fühlt, woraus er lebt: „Wer Geld und Gut hat, der weiß sich sicher, ist fröhlich und unerschrocken, als sitze er mitten im Paradies.“12
1. Der Anspruch der christlichen Botschaft
Die christliche Botschaft beansprucht demgegenüber, eine Gewissheit mitzuteilen, die stärker als alle Angst des Menschen um sich selbst ist. Sie will also den Menschen zu wahrer Menschlichkeit befreien. Dafür beruft sie sich darauf, „Wort Gottes“ zu sein. „Wort Gottes“ bedeutet nach der christlichen Botschaft das Angesprochenwerden des Menschen durch Gott in dem mitmenschlichen Wort der Weitergabe des Glaubens. Dieses Wort verkündet dem Menschen eine Leben und Sterben überdauernde Gemeinschaft mit Gott, und es will selbst bereits als die Verwirklichung dieser Gemeinschaft verstanden sein. Wer im Vertrauen auf dieses Wort lebt, lässt sich in seinem Verhalten letztlich nicht mehr von der Angst um sich selber leiten, sondern wird auf jede nur mögliche Weise dem Wohl der Menschen zu dienen suchen.
Doch wer ist „Gott“, wenn sein „Wort“ die Macht haben soll, die Angst des Menschen um sich selbst zu überwinden? Muss er dann nicht in schlechthin allem, was geschieht, mächtig sein, so dass keine andere Macht gegen ihn ankommt (vgl. 2 Makk 7,28–29)? Aber wenn von vornherein alles gänzlich von Gott abhängig sein soll, wie kann dann überhaupt noch sinnvoll von einem besonderen Handeln Gottes an der Welt und von einem „Wort Gottes“ die Rede sein?
Muss dann nicht „Wort Gottes“ im Unterschied zum Geschaffensein des von Gott Verschiedenen als göttliche Selbstmitteilung verstanden werden? Und wie wird dieses Wort Gottes als solches erkannt? Muss es nicht sein Kriterium daran finden, dass es als Selbstmitteilung Gottes allein einem Glauben zugänglich ist, der ebenfalls als Selbstmitteilung Gottes, nämlich als das Erfülltsein der Glaubenden vom Heiligen Geist, verstanden werden muss? Diese Fragen sollen uns im ersten Hauptteil unserer Untersuchung leiten.
Wir beginnen mit der ersten Frage nach der Bedeutung des Wortes „Gott“. Bereits hier ist davon auszugehen, dass, wer immer sich mit der christlichen Botschaft befasst, ihr faktisch bereits begegnet sein muss.13 Er hat sie weder selber entworfen, noch ist es wahrscheinlich, dass er ihr aus eigener Initiative begegnet ist. Für jeden, der sich überhaupt mit der christlichen Botschaft befasst, ist das Konfrontiertsein mit ihr bereits vorgegeben. Man muss sie nicht erst von weither suchen (vgl. Röm 10,6–8). Dies ist von großer methodischer Wichtigkeit für eine sachgemäße Theologie. Das Wort „Gott“ wird nicht ursprünglich aus irgendwelchen subjektiven Grunderfahrungen wie der Suche nach „Sinn“ gewonnen, sondern begegnet einem in seinem Gebrauch durch die christliche Botschaft. Unsere Fragestellung kommt überhaupt erst durch die Begegnung mit dieser Botschaft in Gang.
Wir fragen also nach der Bedeutung des Wortes „Gott“ erst im Zusammenhang der christlichen Botschaft, die von sich beansprucht, „Wort Gottes“ zu sein. Dass sie dies tatsächlich ist, bleibt an dieser Stelle noch offen. Noch unabhängig davon, ob diese Behauptung als wahr angenommen werden kann, fragen wir zunächst, was die christliche Botschaft unter „Gott“ verstanden wissen will.
Für sich allein genommen wird die Bedeutung des Wortes „Gott“ noch keineswegs wohltuend14 sein. Sie wird es erst, wenn es im „Wort Gottes“ um unsere Gemeinschaft mit Gott gehen wird. Zunächst aber wird die Bedeutung des Wortes „Gott“ sogar den schwerstwiegenden Einwand gegen die Rede von einem „Wort Gottes“ bilden.
Die folgenden Darlegungen zur Bedeutung des Wortes „Gott“ machen den wahrscheinlich schwierigsten Teil dieses Buches aus, weil viele vermeintliche Selbstverständlichkeiten unseres (frommen?) Denkens in Frage gestellt werden müssen. Es geht letztlich in der christlichen Botschaft um eine Bekehrung des Denkens, die auch das mitgebrachte Vorverständnis umfasst: Neuer Wein gehört in neue Schläuche (vgl. Mt 9,17)15. Das mitgebrachte Vorverständnis besteht gewöhnlich darin, alles nach dem Modell innerweltlicher Wechselwirkung zu denken, ohne sich dessen ausdrücklich bewusst zu sein. Nur wenn man bereit ist, auch das eigene Vorverständnis auf seine Sachgemäßheit hin befragen zu lassen, werden die Verstehensvoraussetzungen für alle Glaubensaussagen gewonnen. Insbesondere wird es darum gehen, mit Hilfe der Kategorien einer relationalen Theologie ein sachgemäßes Verständnis von Schöpfung zu gewinnen.
FRAGEN
  1. Auf welches Grundproblem des Menschseins beansprucht die christliche Botschaft, sich zu beziehen?
  2. Wodurch behauptet die christliche Botschaft, die Angst des Menschen um sich selbst entmachten zu können?
  3. Welcher Vorbegriff von „Gott“ ergibt sich, wenn Gemeinschaft mit ihm die Macht haben soll, die Angst des Menschen um sich selbst zu überwinden?
  4. Warum geht die vorliegende Fundamentaltheologie davon aus, dass man, um überhaupt christliche Theologie betreiben zu können, auf jeden Fall mit der christlichen Botschaft bereits in Berührung gekommen sein muss?
  5. Worin könnte eine notwendige Bekehrung des Vorverständnisses bestehen?
2. Die Bedeutung des Wortes „Gott“
Wer sich auf „Wort Gottes“ beruft, muss die Bedeutung des Wortes „Gott“ angeben können.16 Sie muss auch für den Nichtglaubenden verständlich sein und etwas mit seiner Erfahrung zu tun haben. Doch der ausdrückliche Gebrauch des Wortes „Gott“ ist erst im Zusammenhang mit der Rede von „Wort Gottes“ und damit um des Glaubens willen notwendig. Beim Gebrauch des Wortes „Gott“ will aber auch das Gebot bedacht sein: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.“ (Ex 20,7) Nach der Lehre des I. Vatikanums ist Gott
„der eine, wahre und lebendige Schöpfer und Herr des Himmels und der Erde, allmächtig, ewig, unermesslich, unbegreiflich, unendlich in Erkennen und Wollen und jeder Vollkommenheit. Weil er eine einzige, für sich bestehende, ganz und gar einfache und unveränderliche Geistwirklichkeit ist, ist von ihm auszusagen: Er ist wirklich und wesenhaft von der Welt verschieden, in sich und aus sich überaus selig und über alles unaussprechlich erhaben, was außer ihm ist und gedacht werden kann.“17
Wir geben diesen Text hier zunächst nur zur Kenntnis als katholische Lehre, ohne bereits seine Berechtigung und Wahrheit vorauszusetzen oder gar mit ihr argumentieren zu können. Es soll nur analysiert werden, was der Text behauptet und welche Verstehensprobleme sich dann stellen.
Der zitierte Text will einen Gottesbegriff bieten. Er erklärt jedoch gleichzeitig Gott als „unbegreiflich“18. Die Frage, die sich sofort stellt, ist: Wie lässt sich ein Gottesbegriff mit einer angeblichen Unbegreiflichkeit Gottes vereinbaren?19
Eine naheliegende Antwort wäre: Man kann Gott nur teilweise und unvollkommen begreifen. Die Behauptung seiner „Unbegreiflichkeit“ wäre also abzuschwächen. Aber diese Antwort widerspricht der anderen Behauptung, Gott sei ganz und gar einfach und habe keine Teile. Deshalb suchen wir die Antwort lieber in der umgekehrten Richtung, nicht abschwächend, sondern radikalisierend. Ist es möglich, einen unüberbietbar richtigen Gottesbegriff mit der Aussage einer unüberbietbaren Unbegreiflichkeit Gottes zu verbinden?
Der zitierte Text des kirchlichen Lehramts bietet selber diese Möglichkeit an. Die Bedeutung des Wortes „Gott“ wird in ihm durch den Vergleich mit allem, „was außer Gott ist und gedacht werden kann“, erläutert. Alle von Gott verschiedene Wirklichkeit wird als geschöpflich verstanden. Unter Berufung auf Röm 1,20 erklärt das I. Vatikanum deshalb:
„Gott, der Ursprung und das Ziel aller Dinge, kann mit dem natürlichen Licht der menschlichen Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkannt werden.“20
Ein Gottesbegriff müsste nach dieser Lehre mit der Anerkennung unserer eigenen Geschöpflichkeit gegeben sein: Man begreift von Gott immer nur das von ihm Verschiedene, das auf ihn verweist. Gott selbst fällt dann unter keinen Begriff, sondern bleibt tatsächlich unbegreiflich. Man kann nur hinweisend über ihn reden. Aber gerade so würde es sich um vollkommen richtige Rede und um wahre Gotteserkenntnis handeln (man darf also nicht „Unbegreiflichkeit“ mit „Unerkennbarkeit“ verwechseln oder meinen, es sei nicht möglich, in Bezug auf Gott wahre Aussagen zu machen).
Es muss dabei auch gezeigt werden, wie es möglich ist, etwas als auf Gott hinweisend zu erkennen, ohne zuvor einen Begriff von Gott selbst in seinem An-Sich zu haben. Denn jeder Begriff, unter den Gott selbst fiele, soll ja mit der Behauptung der „Unbegreiflichkeit“ Gottes gänzlich ausgeschlossen bleiben. Die Antwort lautet, dass Gott der Terminus eines „restlosen Bezogenseins auf ... / in restloser Verschiedenheit von ...“ ist. Die Pünktchen in diesem Ausdruck bedeuten, dass man nicht zuerst weiß, wer Gott ist, um dann zu sagen, dass er auch der Schöpfer der Welt ist, sondern dass sich die Bedeutung des Wortes „Gott“ von vornherein nur von daher angeben lässt, dass schlechthin alles in der Welt auf ihn verweist. Gott wird von der Welt her als der erkannt, ohne wen nichts anderes sein kann. Wir sagen bereits hier „ohne wen“ und nicht nur „ohne den“, weil uns ja das zu erläuternde Wort „Gott“ in dem Kontext begegnet ist, dass die christliche Botschaft beansprucht, „Wort Gottes“ zu sein. Der Urheber eines Wortes muss als sich selbst gegenwärtig verstanden werden; man muss fragen, „wer“ er ist.
Im Folgenden soll zunächst in einem ersten Schritt (I, 1.1) dargestellt werden, was in der christlichen Botschaft unter der mit der natürlichen Vernunft zu erkennenden „Geschöpflichkeit“ der Welt zu verstehen ist. Dieser Begriff stellt allerdings einen Kontrast zu einem umfassenderen und dann in seiner Wahrheit nur noch dem Glauben zugänglichen Geschöpflichkeitsverständnis dar, in dem es um unser „In Christus“-Geschaffensein geht und von dem erst später bei der Erläuterung von „Wort Gottes“ die Rede sein wird (I, 3.2.2).
Erst in einem zweiten Schritt (I, 1.2) untersuchen wir, ob jene „Geschöpflichkeit“ tatsächlich mit der natürlichen Vernunft erkannt und bewiesen werden kann. Das müsste der Fall sein, wenn „Geschöpflichkeit“ mit der Existenz der Welt i...

Inhaltsverzeichnis

  1. INHALTSVERZEICHNIS
  2. VORWORT
  3. EINLEITUNG: BEGRIFF, METHODE UND AUFBAU EINER ÖKUMENISCHEN FUNDAMENTALTHEOLOGIE
  4. ERSTER HAUPTTEIL: DER INHALT DER CHRISTLICHEN BOTSCHAFT
  5. ZWEITER HAUPTTEIL: DIE WEITERGABE DER CHRISTLICHEN BOTSCHAFT
  6. DRITTER HAUPTTEIL: DIE VERANTWORTBARKEIT DER GLAUBENSZUSTIMMUNG ZUR CHRISTLICHEN BOTSCHAFT
  7. ZUSAMMENFASSENDE THESEN
  8. Verzeichnis von Rezensionen und Stellungnahmen
  9. Indices
  10. Impressum

Häufig gestellte Fragen

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