Alzheimer, Das Tagebuch, Aus dem Leben einer Alzheimer-KrankenDas Tagebuch gibt einen tiefen Einblick in die Problematik im Zusammenleben mit der Alzheimer-Krankheit und den Anforderungen an einen Partner, an die Kinder, die Bekannten, die Nachbarn und an die Gesellschaft, in der die Betroffenen leben. Es zeigt die Schwierigkeit des Erkennens, vermischt mit dem nicht wahrnehmen wollen der schleichend kommenden Symptome. Langsam übersteigen die Anzeichen jedoch immer öfter alle Grenzen. Dann ist die Krankheit mit ihrer vollen Wucht da. Unkontrollierte, extreme Aggressionen und Tätlichkeiten der Kranken wechseln mit Liebe und Freude ab.Das Buch beschreibt das Leben des 80-jährigen Ehemannes mit seiner an Alzheimer erkrankten Ehefrau während ihrer letzten sieben Lebensjahre der 60jährigen Ehe. Der Ehepartner lebte total für seine Frau. Er findet die Pflege nicht nur ein Leiden sondern auch ein Ausdruck der Liebe das ihm ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit gibt.

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Alzheimer, Das Tagebuch
Aus dem Leben einer Alzheimer-Kranken
- 116 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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Information
Anhang 1
Alzheimer – ein neues Erleben
Alzheimer, eine neue Krankheit, ein neuer Name geht um die Welt. Millionen sind betroffen, allein in der Schweiz sollen es über 50.000 sein. Dabei kommen auf jeden Direktbetroffenen 2 Mitbetroffene. Sei es nun in der Familie, im Spital oder in einem Heim.
Heimtückisch ist sie und ihr Bild vielfältig. Jahre lang leidet der oder die Betroffene daran, bis endlich der Tod sie davon erlöst. Vielmals zerbricht eine allein betreuende Person noch eher an diesen tragischen Umständen, als der erkrankte Mensch selber.
Je nach Stadium heisst es 24 Stunden im Tag präsent zu sein. Meist kommt dann die Zeit, wo eine Alleinbetreuung nicht mehr möglich ist. Zu zweit muss dem Patienten Hilfestellung gegeben werden.
Zu der Betreuung selber kommt noch das Verhalten der lieben Mitmenschen!
Bald merkt man, dass der Freundeskreis kleiner und kleiner wird. Was übrig bleibt, sind leere Bewunderungen. Widerwärtig wird es mit der Zeit, immer das Gleiche zu hören wie „ich bewundere dich“, oder „das ist ja grossartig was du oder sie da leistet“. Aber die kleinste Hilfe bleibt ein Traum. Wenn Hilfe kommt, dann nur gegen bares Geld. Der alte Spruch „Ohne Geld keine Schweizer“ wird da traurige Wahrheit.
In diesen Zeilen liegt eine vielfältige Palette zugrunde, welche nicht in allen Details erwähnt werden kann. Im Nachstehenden möchte ich zum eigentlichen Kern dieser Abhandlung vorstossen, zum Verhältnis Betreuer-Patient. In diesem Falle handelt es sich um das Verhältnis zu meiner Lebensgefährtin. Sechs Jahre sind verflossen, seit die ersten Anzeichen einer damals noch verkannten Krankheit auftraten.
Wie es in einem solchen Fall ist, man konsultiert zuerst eine Psychologin. Resultat:
Ausser Spesen nichts gewesen. Dann einen Nervenarzt. Die lapidare Feststellung: Es ist das Alter. Eure Frau ist nicht mehr jung. Er verschrieb Mittel, die wir zum Schluss noch zum grossen Teil selbst bezahlen mussten. Erst als ich für die Krankenkasse ein Zeugnis haben musste, liess er die Katze aus dem Sack: Alzheimer-Krankheit.
Somit brach ich die Verbindung ab und betreute meine Frau mit Liebe und Geduld, dies fast zwei Jahre lang. Dann geschah ein Unfall: Schenkelhalsbruch – Spital.
Dort zeigte sich dann diese Krankheit in all ihren Facetten. Um meinem Mami das Leben noch lebenswert zu machen, betreute ich es 6 Wochen lang im Tag 6 Stunden. Natürlich gratis versteht sich. Was ich nach acht Wochen aus dem Spital zurück erhielt, war eine Ruine.
Nun kam für mich die strenge Zeit der Betreuung und der Aufbauarbeit. Mit Liebe, Geduld und Ausdauer brachte ich es soweit, dass Mami wieder ruhiger wurde. Es war fast so, als ob es das Vertrauen in seine Umwelt wieder gefunden hätte. Nach einem halben Jahr fand es wieder einen ruhigen Schlaf. Die aggressiven Anfälle liessen nach. Ein vertrauliches Verhältnis bahnte sich an. Zur gleichen Zeit fiel es in die totale Abhängigkeit. Gleichzeitig baute sich ein inniges Verhältnis auf. Bei ihm ist der Papi wohl alles, auch wenn es mal dreinschlägt, was aber mehr eine Abwehrreaktion ist als gegen den Betreuer gerichtet. Inzwischen ist es nun soweit gekommen, dass ich ohne eine Zweitperson nichts mehr machen kann. Aufstehen, waschen, laufen, wieder ins Bett legen, kurz einfach alles.
Und da bin ich beim Kernstück meiner Überschrift: Ein neues Erleben.
Für mich ist diese Zeit eine Art Krönung unserer Ehe. Ein Leben ganz für den Partner. Alles andere ist unwichtig. Ich sehe, wie schön ein Leben für den Nächsten ist. Am Morgen fängt es beim Erwachen an, küssen, streicheln, wie geht’s, gut geschlafen.
Meistens gibt es keine Antwort. Ich muss hier erwähnen, dass die Sprache zu 99% ein unverständliches Durcheinander ist. Dann kommt das Morgenessen. Da kann es halt mal vorkommen, dass der Schlaf stärker ist. Also warten bis die Heimpflegerin da ist. Zusammen aufstehen, wobei dann auch Mami wach wird und manchmal viel zu „erzählen“ weiss. Bald sind wir drei in ein lustiges Gespräch verwickelt. Dann wird es trocken gelegt, resp. zuerst gewaschen und wieder ins Bett gelegt.
Den Vormittag braucht Mami zum Schlafen, manchmal fast ohne zu erwachen. Wie schön ist es, ans Bett zu treten, ein glückliches Mami friedlich in den Kissen zu sehen, den Teddy im Arm. Erwähnenswert ist auf jeden Fall der Teddy im Leben von Mami!
Um zwölf kommt dann Frau Brunner, unsere treue Betreuerin in allen Belangen. Da kommt nun das herzige Mami so richtig in sein Element. Sein Lachen reisst uns beide mit. Wieder ein Moment der Liebe und Verbundenheit. Das Mittagessen nimmt bis ¾ Stunden in Anspruch. Da gibt es nur eines, Geduld.
Um 2.00Uhr machen wir uns bereit zum Laufen. Die Freude, die Mami zeigt, wenn es heisst „so Mami, jetz gömer ga laufe“!
Mit dem Herbst hat die Kraft für diese Aktionen abgenommen. Noch ca. 50% ist da von dem, was im Sommer drin lag. Dafür ist das Fahrstuhlfahren ein beliebtes Hobby. Was gibt es Schöneres als so ein Mami durch die schöne Landschaft zu führen. Und wenn es dann anfängt zu singen, natürlich auf seine Art.
Alles wird ihm erklärt, die Flugzeuge auf dem Flugplatz, für die hat es grosses Interesse. Die Kühe, die Autos die herum rasen. So um vier ist auch der Ausflug vorbei und Mami geht gerne wieder ins Bett.
Am Abend ist noch einmal die vollumfängliche Körperpflege dran und dann ins Bett, wo es auch das Nachtessen bekommt. Wie schön ist es, ihm das Essen einzugeben.
Ob es bald einschläft oder nicht ist verschieden. Aber ich kann sicher sein, dass es eine ruhige Nacht gibt. Wenn es mal erwacht und etwas plappert, so brauche ich nur ihr meine Nähe zu signalisieren und sage „Mameli dr Papi isch bi der“. Dann ist die Geborgenheit da und es schläft sofort wieder ein.
Das ist so ein Tagesablauf. Wie viele schöne Momente da drin liegen ist von Tag zu Tag verschieden. Aber eines ist sicher, das was mir Mami bietet, liegt weit über dem Rummel der Welt. Glück und Zufriedenheit lässt sich nicht kaufen. Würden mehr Kranke so betreut, unsere Gesellschaft würde gewinnen. Das menschliche Zusammenleben würde wieder aufgewertet.
Aber lassen wir das, das ist ein Traum, der wohl nie verwirklicht wird!
Otto Glanzmann
Anhang 2
Warum ?
Es ist gegen Mitternacht,
ich sitze am Sterbebett meines geliebten Mamis.
Sein Herz hat aufgehört zu schlagen,
seine Augen sind halb geschlossen.
Ich drücke sie ganz sanft zu,
es muss doch schlafen.
Schlafen für immer, es gibt kein Erwachen.
Ich verfalle in ein lautes Weinen
und auf einmal kommt das Wort
Warum ?
Warum musst Du sterben?
Warum dürfen wir niemals mehr zusammen Freud und Leid teilen?
Warum hat uns das Schicksal getrennt?
Das Wort Warum bleibt im Raum,
es gibt keine Antwort.
Dazu ist es das Selbstverständlichste der Natur.
Alles auf der Welt ist dem Grundsatz unterworfen:
Werden und Vergehen.
Der harte Granit am Berg,
das Sandkorn im Bach.
Der Elefant auf der Savanne,
der Wurm im Boden.
Der farbenprächtige Schmetterling
und die lästige Steckmücke.
Warum sollte der Mensch eine Ausnahme sein?
Ich weiss es und doch ist es schwer.
Die Stunde des Sterbens trifft jeden.
Das Gesetz der Natur macht keine Ausnahme.
Und doch bleibt die Frage: Warum?
Otti
Anhang 3
Gedanken zu meinem 79. Geburtstag
Heut vor 79 Jahren wurde ich geboren,
ohne Zahn und kurz geschoren.
Das Geburtshaus war kein Palast,
dafür war wohl Schmalhans oft zu Gast.
Das Häuschen steht noch heut‘ am Wegesrand,
dass es mein Geburtshaus ist, ist unbekannt.
Würd ich leben als Poet,
Künstler oder sonst Genie,
dann würd man lesen „de Glanzmann kommt vo hie“!
Gerne würde ich es noch einmal sehn,
mit ihm zusammen im Leben stehn.
Ich war das letzte und fünfte Kind,
wovon heut‘nur noch zwei am Leben sind.
Woran wir gelebt kann ich nicht sagen,
ich war noch zu jung um zu fragen.
Eines ist sicher, welch ein Hohn,
Dankeschön war des Taglöhners Lohn.
Ein eigenes Güetli sollte die Sorgen verringern.
Ob es so war kann ich mich nicht mehr erinnern.
Zum Leben zu wenig,
zum Sterben zu viel,
so führte der Weg wieder zum vorher gehabten Ziel.
Heute jammern die Bauern, es lohnt sich nicht.
Wie es früher war, von dem reden sie nicht.
Vater und Mutter kamen aus gutem Haus,
doch was da passierte ist mir noch heute ein Graus.
Die einen setzten sich an den gedeckten Tisch,
den andern warfen sie die Knochen hin, da friss!
So wurden beide ab...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Dank
- Das Tagebuch aus dem Leben einer Alzheimer-Kranken
- Anhang 1 Alzheimer – ein neues Erleben
- Anhang 2 Warum ?
- Anhang 3 Gedanken zu meinem 79. Geburtstag
- Alzheimer, das Tagebuch
- Impressum
Häufig gestellte Fragen
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