Die Geburt der Gestalttherapie aus dem Geiste der Psychoanalyse Sigmund Freuds
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Die Geburt der Gestalttherapie aus dem Geiste der Psychoanalyse Sigmund Freuds

  1. 124 Seiten
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Die Geburt der Gestalttherapie aus dem Geiste der Psychoanalyse Sigmund Freuds

Über dieses Buch

Ist die Psychoanalyse, in ihrer ursprünglichen Formulierung durch Sigmund Freud, überhaupt noch aktuell? Nicht längst überholt, sowohl durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse als auch durch gesellschaftliche Entwicklungen, die ihre Unzulänglichkeit erweisen? Ich werde zeigen, dass sie aktuell, mehr noch: brisant ist. Dies erweist sich in ihrer Fähigkeit, erschreckende Ereignisse der jüngsten Zeit zu erklären, das Versinken des vorderen Orients in Krieg und in Terror, die Wiederkunft des gewalttätigen religiösen Fanatismus, die Hilflosigkeit in der vielgerühmten »westlichen Welt« (gar das »Abendland« wird wieder bemüht), die Faszination der Gewalt. Freuds Aktualität, bezogen auf solch erschreckende Ereignisse, ist brisant, weil sie weder in einer einfachen Bestätigung der Richtigkeit westlicher Politik mündet, noch einen anderen einfachen politischen Populismus präsentiert.Die Gestalttherapie kommt ins Spiel, weil sie als gleichsam illegitimes Kind der Psychoanalyse etwas von der Ungezogenheit und Sperrigkeit gegenüber den wie selbstverständlich akzeptierten, krankmachenden Bedingungen einer überregulierten »organisierten Gesellschaft« bewahrt hat. Die Besinnung auf Freud und die Entwicklung der ursprünglichen Gestalttherapie ist keine historische Fingerübung. Er steht, wie die Bemerkungen am Anfang deutlich machen, im Dienst an der psychologischen Aufklärung gegenwärtiger sozialer Probleme.Der Text wird abgerundet mit Auszügen aus dem Traumtagebuch, das der Autor parallel zur Relektüre von Freuds »Traumdeutung« 2014-2016 geführt hat. Mit etwa 50 Träumen bietet es reichhaltiges Anschauungsmaterial.

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Information

Jahr
2016
ISBN drucken
9783739248356
eBook-ISBN:
9783741255168

AUS MEINEM TRAUMTAGEBUCH 1 STATT VORWORT

20. 12. 2015

Mitten im Satz beginnt der Traum: »… glaubst du etwa, die Indios seien nicht gewaltsam umgekommen1?« Szene: An einer Klippe hängen Menschen vor einem Geländer, Frauen, Kinder, Männer, junge, alte, die Gesichter schmerzverzerrt. Ab und zu fällt einer, der sich nicht mehr zu halten vermag. Manche schreien. Manche jammern. Mancher fällt still. Auf einer Balustrade sieht das Herrscherehepaar (¿Aussehen wie die Assads?) dem Treiben (sic!) zu und macht sich über die Schreienden lustig; beschwert sich über sie und deren Feigheit, deren Mangel an Disziplin. Da muss etwas geschehen, denkt die Person des Erzählers, die ich sein könnte. Wenn das Ehepaar stirbt, übernimmt ihr Sohn die Farm und der ist in Ordnung. Oder war es eine Verschwörung, mit mehreren Beteiligten? Der Erzähler müht sich, gleichsam aus dem Off, den Herrschern einen Tritt in den Hintern zu verabreichen. Beim ersten Mal klappt es nicht, doch ein zweiter Tritt erreicht sein Ziel, und sie stürzen über die Reling in den Tod. Der Sohn rettet die Überlebenden. Nicht bloß das, er verkündet auch das Ende der Sklaverei. Allerdings stößt (!) das bei den nicht versklavten Arbeitern auf eine tiefe Skepsis. Der Traum endet mit der Vorbereitung des Sohns zu einer Rede, die das Ende der Sklaverei begründet. Sie wird ihr Ziel sicherlich erreichen.
Im Halbschlaf Analyse des Traumes. Die Wunscherfüllung, die Freud einem jeden Traum zuschrieb,2 wo steckt3 sie? Ah, klaro, in der Omnipotenzfantasie. Die Gewalttätigkeit, die die Grausamkeit beendet, geschieht fast beiläufig [!] und ist moralisch nach jedem denkbaren Maßstab gerechtfertigt. Auf gerade dieser Ebene erfüllt der Traum auch noch einen weiteren Wunsch. Er kann unproblematisch veröffentlicht werden. Er ist nicht peinlich – weder für den Träumenden noch für jemand anderen. Ein (manifester) sexueller Inhalt ließe sich allenphalls in der Omnipotenzfantasie erkennen, der Stelle, wo der Traum im Dunklen verschwindet.4 Doch der Volksmund (!) hat die Omnipotenzfantasie erfolgreich von ihrem sexuellen Inhalt abgekoppelt. Also. Keine Gefahr nirgends.
Und dann noch ein Gedanke, der das Herrscherpaar betrifft. Widerlegung des jugendlichen Traumas, Frauen seien die besseren Menschen und der Brutalität nicht fähig.
Ein zweiter Traum spielt in einem großen Konferenzsaal,5 Tische in U-Form, viele Teilnehmer. Einer (V.?) sagt, es sei erwiesen, dass die Entscheidungen einer Bürokratie meist identisch ausfielen mit den Ergebnissen, die bei freiwilliger Interaktion entstünden, die Libertären sollten sich nicht so haben, da gäbe es keine Probleme. Ich will antworten. Nach einigem Hin und Her, weil jemandem Anderen zuerst das Wort erteilt wird, der jedoch verzichtet, soll ich sprechen. Aber die Teilnehmer quatschen untereinander; es ist zu laut, man hört mich nicht. Es wird beschlossen, eine kurze Pause einzulegen. In der Pause gehe ich über einen sonnigen Weg und mache mir Gedanken über die Antwort, ich berede sie mit jemandem; bald wird die Konferenz weitergehen und ich habe eine gute Antwort.
Freud sagt, alle Träume einer Nacht seien aus einem Stück, folgten dem gleichen Traumgedanken.6 Wo könnte dieser zweite, harmlose, mit dem brutalen, ersten, einen gemeinsamen Traumgedanken haben? Erfolg? Omnipotenzfantasie? Diese Träume müssen an den Anfang des Buches, sie sind für das Buch geträumt. Dann müssen es, natürlich (!), 6 Kapitel »aus meinem Traumtagebuch« werden. Idee mit der leeren Seite am Schluss.

1 Statt durchgestrichenem »gestorben«. | Die fast letzte Eintragung in mein Traumtagebuch, als das vorliegende »Dossier« bereits weit gediehen war. Darum diese (a)chronologische Zählung der Fußnoten; s. a. S. .
2 Siehe unten Seite f; fast auf S. , ¿welch ein Zufall!
3 Durchgestrichenes »ist« überschrieben.
4 Vgl. das Freud-Zitat unten auf S. (Fn. 067).
5 Szenen aus Konferenzen, Seminaren und Vorträgen sind wiederholte Motive in meinen Träumen, vgl. unten etwa S. f, f, , f.
6 Siehe unten S. f. ¿Das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile?

DIE GEBURT DER GESTALTTHERAPIE AUS DEM GEISTE DER PSYCHOANALYSE SIGMUND FREUDS

1

Ist die Psychoanalyse, in ihrer ursprünglichen Formulierung durch Sigmund Freud, überhaupt noch aktuell? Nicht längst überholt, sowohl durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse als auch durch gesellschaftliche Entwicklungen, die ihre Unzulänglichkeit erweisen? Ich werde zeigen, dass sie aktuell, mehr noch: brisant ist. Dies erweist sich in ihrer Fähigkeit, erschreckende Ereignisse der jüngsten Zeit zu erklären, das Versinken des vorderen Orients in Krieg und in Terror, die Wiederkunft des gewalttätigen religimösen Fanatismus, die Hilflosigkeit in der vielgerühmten »westlichen Welt«(gar das »Abendland« wird wieder bemüht), die Faszination der Gewalt. Freuds Aktualität bezogen auf solch erschreckende Ereignisse ist brisant, weil sie weder in einer einfachen Bestätigung der Richtigkeit westlicher Politik mündet, noch einen andren einfachen politischen Populismus präsentiert.

2

Die Gestalttherapie kommt ins Spiel, weil sie als gleichsam illegitimes Kind der Psychoanalyse was von der Ungezogenheit und Sperrigkeit gegenüber den wie selbstverständlich akzeptierten, krankmachenden Bedingungen einer überregulierten »organisierten Gesellschaft«7 bewahrt hat. Die Besinnung auf Freud & die Entwicklung der ursprünglichen Gestalttherapie ist keine historische Fingerübung. Er steht, wie die Bemerkungen am Anfang deutlich machen, im Dienst an der psychologischen Aufklärung gegenwärtiger sozialer Probleme. Aktuell bleibt insbesondere Freuds 1930 formulierte Theorie von einem »Unbehagen in der Kultur«. Die Triebversagung – Verweigerung der Befriedigung von Bedürfnissen –, welche die »organisierte Gesellschaft« anscheinend notwendig verlangt, führe zu einem Unbehagen, das sich in masochistischen – selbst-zerstörerischen – oder sadistischen – andere verletzenden – Akten Bahn bricht, sei es im Alltag, sei es auf der Bühne der Politik.

3

»Das Unbehagen in der Kultur«, den ersten Weltkrieg und die russische Oktoberrevolution mit den unvorstellbaren Grausamkeiten im Rücken, die Machtübergabe8 an die Nationalsozialisten und den zweiten Weltkrieg im Anzug, endet Freud mit der Feststellung: »Die Schicksalsfrage der Menschenart scheint mir zu sein, ob und in welchem Maße es ihrer Kulturentwicklung gelingen wird, der Störung des Zusammenlebens durch den menschlichen Aggressionsund Selbstvernichtungstrieb Herr zu werden.«9 Ich lese diese Zeilen mit Erschütterung und Gänsehaut. Klingen sie denn nicht, als seien sie eben im Hinblick auf die jüngsten Ereignisse geäußert worden? Gleichwohl haben jene Zeilen etwas Vertrautes und Beruhigendes. Sie setzen die »Kulturentwicklung« zum »Aggressions- und Selbstvernichtungstrieb« in einen klaren Gegensatz. Damit mögen wir uns bestätigt fühlen, dass »wir« kultiviert sind, die Gewalttäter dagegen kulturlose Barbaren. All ihren Mühen zum Trotz habe die »Kulturbestrebung« bisher nicht sehr viel erreicht, die »grausame Aggression« durch »Nächstenliebe« zu ersetzen, heißt es an anderer Stelle.10 Eine erste Beunruhigung will uns beschleichen angesichts der Aufzählung (oder der Gleichsetzung?) von dem »Aggressions-« mit dem »Selbstvernichtungstrieb«. Aggressiv sind die bösen Feinde, die sich nicht den Regeln der Kulturnationen unterwerfen; wer um Gottes Willen hat jedoch einen »Selbstvernichtungstrieb«? Wir etwa? Die Feinde etwa?

4

Noch beunruhigender tönt es einige Zeilen vor der soeben zitierten Passage aus Freuds »Unbehagen in der Kultur«: »Ich kann wenigstens ohne Entrüstung den Kritiker11 anhören, der meint, wenn man die Ziele der Kulturstrebung und die Mittel, deren sie sich bedient, ins Auge fasst, müsse man zu dem Schlusse kommen, die ganze Anstrengung sei nicht der Mühe wert und das Ergebnis könne nur ein Zustand sein, den der Einzelne unerträglich finden muss.«12 Hier ist nichts mehr zu finden von einer klaren Entgegensetzung zwischen Kultur und »Barbarei«.13 Die Kultur erheischt eine Kritik, weil sie zu einem für den Einzelnen unerträglichen Zustand führt. Diese Kritik fügt sich zu Freuds Einsicht, »in welchem Ausmaß die Kultur auf Triebverzicht aufgebaut ist«,14 darauf aufbaut, was Freud »diese Kulturversagung«15 nennt. Freud ist nicht einverstanden mit der Schlussfolgerung jenes ungenannten Kritikers, die Kulturstrebung über Bord zu werfen; die Grundlage seiner Kritik bezweifelt er nicht; er hat sie ihm geliefert.

5

Bei »Triebverzicht« denkt mann, gerade wenn es um Freud sich dreht, spontan an die Sexualität. Der Standardeinwand lautet, seit Freud haben sich die gesellschaftlichen Sitten und Werte gewandelt, das Problem heute sei nicht Unterdrückung der Sexualität, vielmehr eher zu große sexuelle Freizügigkeit. Keiner, der die Fallgeschichten von Freud und besonders von Wilhelm Reich liest, kann umhin, den Fortschritt der sexuellen Befreiung zu bewundern, den wir im Wesentlichen der Psychoanalyse zu verdanken haben. Dennoch haben sich die Versprechen nicht bewahrheitet, welche die Psychoanalys...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über den Autor
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Hinweise zur Text-Entstehung
  4. Aus meinem Traumtagebuch 1: Statt Vorwort
  5. Die Geburt der Gestalttherapie aus dem Geiste der Psychoanalyse Sigmund Freuds
  6. Aus meinem Traumtagebuch 2: 2 Notizen
  7. Freuds »Traumdeutung«, Königsweg zur Gestalttherapie
  8. Aus meinem Traumtagebuch 3: »Träume sind der Königsweg ins Unbewusste«
  9. »Traumdeutung«: Was zu beweisen wäre
  10. Aus meinem Traumtagebuch 4: Ein Traum von Theodor W. Adorno
  11. Wie barbarisch ist der Monotheismus? Freuds Mose-Studien
  12. Aus meinem Traumtagebuch 5: Einladung zu »wilder« Deutung
  13. Aus meinem Traumtagebuch 6: Statt Nachwort
  14. Personenregister
  15. Weitere Informationen
  16. Impressum

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