
Die Liebe der Erika Ewald: Ausgewählte Novellen
4 meisterhafte Novellen von Stefan Zweig: Die Liebe der Erika Ewald + Der Stern über dem Walde + Die Wanderung + Die Wunder des Lebens
- 190 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
Die Liebe der Erika Ewald: Ausgewählte Novellen
4 meisterhafte Novellen von Stefan Zweig: Die Liebe der Erika Ewald + Der Stern über dem Walde + Die Wanderung + Die Wunder des Lebens
Über dieses Buch
In 'Die Liebe der Erika Ewald: Ausgewählte Novellen' präsentiert Stefan Zweig eine Sammlung von preisgekrönten Novellen, die das Leben und die Leidenschaft verschiedener Charaktere einfangen. Mit seinem einfühlsamen und detailreichen Schreibstil beschreibt Zweig die Höhen und Tiefen menschlicher Emotionen in einer Weise, die den Leser fesselt und zum Nachdenken anregt. Diese ausgewählten Werke sind Meisterwerke der deutschsprachigen Literatur und zeigen Zweis sensiblen Umgang mit komplexen Themen wie Liebe, Leidenschaft und Verlust. Der Autor setzt Maßstäbe für psychologische Charakterstudien und eröffnet dem Leser eine Welt voller emotionaler Tiefe und literarischer Brillanz. Stefan Zweig, ein österreichischer Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, wird für seinen einfühlsamen Schreibstil und seine tiefgründigen Erzählungen über die menschliche Seele gelobt. Seine persönlichen Erfahrungen und sein Interesse an Psychologie und Philosophie spiegeln sich in seinen Werken wider, die sowohl von Kritikern als auch von Lesern gleichermaßen geschätzt werden. 'Die Liebe der Erika Ewald' ist ein weiteres Beispiel für Zweis meisterhafte Fähigkeit, komplexe Gefühle und Beziehungen in fesselnde Geschichten zu verwandeln. Mit 'Die Liebe der Erika Ewald: Ausgewählte Novellen' bietet Stefan Zweig ein Lesevergnügen für alle Liebhaber klassischer Literatur, die sich für die Analyse der menschlichen Natur und die Feinheiten menschlicher Emotionen interessieren. Diese Sammlung von Novellen ist ein zeitloses Meisterwerk, das den Leser in eine Welt voller Leidenschaft, Verlangen und Schmerz entführt und ihn dazu inspiriert, über die Grenzen der eigenen Emotionen nachzudenken.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Die Liebe der Erika Ewald
…… Aber das ist die Geschichte
aller jungen Mädchen, dieser sanften
Dulderinnen. Sie sagen nie, daß sie
leiden. Die Frauen sind zum Dulden
geschaffen. Es ist gewiß so ihr Schicksal,
sie erfahren es früh und sind darüber
so wenig erstaunt, daß sie noch immer
sagen, das Übel sei nicht da, wenn es
längst gekommen……
Barbey d’Aurévilly
Erika Ewald trat langsam ein, mit dem vorsichtig-leisen Gang einer Zuspätkommenden. Der Vater und die Schwester saßen schon beim Abendessen; beim Geräusch der Türe blickten sie auf, um der Eintretenden flüchtig zuzunicken, dann klang nur wieder das Klingen der Teller und das Klappern der Messer durch den matterhellten Raum. Gesprochen wurde selten, nur hie und da fiel ein Wort, und das flatterte wie ein aufgeworfenes Blatt haltlos in der Luft, um dann ermattet zu Boden zu sinken. Sie hatten sich alle wenig zu sagen. Die Schwester war unscheinbar und häßlich; eine jahrelange Erfahrung, stets überhört oder bespöttelt zu werden, hatte ihr jene altjüngferliche stumpfe Resignation gegeben, die jeden Tag mit einem Lächeln scheiden sieht. Den Vater hatte eine langjährige gleichfarbige Bureautätigkeit der Welt entfremdet, und insbesondere seit dem Tode seiner Frau umfing ihn jene harte Verstimmung und trotzige Schweigsamkeit, mit der alte Leute gerne ihre physischen Leiden verbergen.
Beim Erwachen fand sie eine Ansichtskarte auf dem Bette. Nur ein paar Worte waren darauf, mit fester energischer Schrift hingeworfen, Worte, wie man sie auch an Fremde verschenkt. Aber Erika empfand sie als Gabe und Glück, weil er sie geschrieben hatte; ihr war es gegeben, aus dem Geringfügigen und Unscheinbaren die Ahnungen der wirklichen Fülle sich zu erschließen. Und so sollte ihr diese Liebe nicht nur wie ein milder Glanz werden, der jedes Wesen umleuchtet und erhellt, sondern so tief sollte dieses verklärende Gefühl sich verlieren, daß es wie ein Schimmer wurde, der in innigem Durchglühen von innen emporzuwachsen schien aus allem Leblosen und Unbeseelten. Schon von früher Jugend auf hatte das dunkle Gefühl ihres Ängstlichseins und ihrer zurückhaltenden Einsamkeit sie gelehrt, die Dinge nicht als kalt und leblos zu betrachten, sondern als verschwiegene Freunde, die Geheimnisse und Zärtlichkeiten dem anvertrauen, der auf sie hört. Bücher und Bilder, Landschaften und Musikstücke sprachen zu ihr, der das dichterhafte Vermögen des Kindes geblieben war, in bemalten Körpern, unbeseelten Dingen frohbewegte bunte Wirklichkeit zu sehen. Und das waren ihre einsamen Feste und Seligkeiten, ehe die Liebe zu ihr gekommen war.
Es war noch nicht lange her, daß diese Liebe zu Erika Ewald gekommen war und den ersten Glanz in ihr blasses gleichgültiges Mädchenleben getragen hatte. Und ihre Geschichte war still und alltäglich.
Sie begegneten sich noch oft in diesem Winter. Zuerst war es ein günstiger Zufall, der aber bald Verabredung wurde. Ihn reizte dieses interessante Mädchen mit allen ihren Eigenarten und Seltsamkeiten, er bewunderte die vornehme Zurückhaltung ihrer Seele, die sich nur ihm offenbarte und sich zagend zu seinen Füßen warf wie ein erschrecktes Kind. Er liebte ihre tausendfachen Feinheiten, die schlichte Gewalt des Empfindens, die jeder Schönheit willenlos entgegenpulste und doch vor fremden Augen sich bergen wollte, um sich die reine Innigkeit des Genusses nicht zu stören. Aber diese zarten und innigen Empfindungen, die er so voll und hinreißend bei jemandem mitempfinden konnte, waren ihm selbst fremd. Schon von Jugend auf, noch ein halbes Kind, war er zu sehr von Frauen als Künstler verhätschelt und verführt worden, um in einer vergeistigten Liebe Befriedigung zu finden; er empfand zu wenig feminin, zu wenig jünglinghaft, weil die ganze unverständige wunschlose Süße der Gymnasiastenliebe sich nie in sein frühreifes Leben eingeschlichen hatte. Temperamentvoll und blasiert zugleich liebte er mit jenem schroffen Begehren, das der letzten sinnlichen Erfüllung zustrebt, um dort zu verbluten. Und er kannte sich selbst und verachtete sich wegen jeder Schwäche, die ihn überwältigte, er empfand jede dieser raschen Befriedigungen mit Ekel, ohne sich wehren zu können, denn Leidenschaftlichkeit und Sinnlichkeit durchbebten sein Leben wie seine Kunst. Auch die Meisterschaft seines Spieles wurzelte in dieser festen, temperamentvollen Männlichkeit; die letzten verhauchenden Nuancen, die wie leise Atemzüge einer schlummernden Melancholie sind, mußten seiner energischen und doch zigeunerhaft-süßen Bogenführung entgehen. Eine leise Furcht stand immer versteckt hinter der packenden Gewalt, mit der er zu überwältigen wußte.
Inhaltsverzeichnis
- Die Liebe der Erika Ewald: Ausgewählte Novellen
- Inhaltsverzeichnis
- Die Liebe der Erika Ewald
- Der Stern über dem Walde
- Die Wanderung
- Die Wunder des Lebens