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Die Memoiren des Sherlock Holmes
Bereicherte Ausgabe. Spannende Fälle in viktorianischem London: brillante Deduktion, Forensik und menschliche Abgründe
- 227 Seiten
- German
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Die Memoiren des Sherlock Holmes
Bereicherte Ausgabe. Spannende Fälle in viktorianischem London: brillante Deduktion, Forensik und menschliche Abgründe
Über dieses Buch
In den 'Memoiren des Sherlock Holmes' von Arthur Conan Doyle, tauchen die Leser in die faszinierende Welt des berühmten Detektivs ein. Die Geschichten sind in einem prägnanten und detailreichen Stil geschrieben, der die Spannung und den Einfallsreichtum der Fälle hervorhebt. Doyle schafft es, eine Vielzahl von Charakteren und Schauplätzen zu beschreiben, die die Leser in die viktorianische Ära zurückversetzen. Mit jedem Fall präsentiert Doyle neue Rätsel, die Holmes mit seiner brillanten Deduktion löst, und enthüllt dabei die Komplexität der menschlichen Natur. Die 'Memoiren des Sherlock Holmes' sind ein Meisterwerk des Detektivgenres und haben Doyle als einen der bedeutendsten Krimiautoren seiner Zeit etabliert. Arthur Conan Doyle's Hintergrund als Arzt und sein Interesse an forensischer Wissenschaft prägen deutlich die Genauigkeit und Realität seiner Geschichten. Seine Fähigkeit, komplexe Charaktere zu entwickeln und packende Handlungsstränge zu gestalten, macht ihn zu einem Meister des Krimiromans. Durch die Kombination von Spannung, Intelligenz und Humor wird 'Die Memoiren des Sherlock Holmes' zu einem unverzichtbaren Werk für Liebhaber des Detektivgenres und historischer Literatur. Dieses Buch lässt die Leser in eine Welt eintauchen, in der Logik und Einfallsreichtum alles sind, und zeigt die zeitlose Faszination für Holmes' brillante Deduktionskünste.
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen:
- Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke.
- Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen.
- Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen.
- Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten.
- Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke.
- Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen.
- Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
Information
Thema
LiteraturDer Marinevertrag
(The Naval Treaty - 1893)
Inhaltsverzeichnis
Zu meinen besten Kameraden während der Schulzeit gehörte ein Knabe Namens Percy Phelps; wir standen im gleichen Alter, doch war er mir um zwei Klassen voraus. Wegen seiner großen Begabung fielen ihm alljährlich die Preise zu, welche die Schule zu vergeben hatte, und noch beim Abgang verschaffte ihm sein vorzügliches Examen ein Stipendium, in dessen Besitz er seine Studien auf der Universität Cambridge mit Glanz fortsetzen konnte.
Ich erinnere mich, daß er vornehme Verwandte hatte; sein Oheim mütterlicherseits war Lord Holdhurst, der berühmte Abgeordnete der konservativen Partei. Das wußten wir schon als ganz kleine Knaben, doch brachte es Phelps in der Schule keinerlei Vorteil; es war für uns nur ein Grund mehr, ihn tüchtig auf dem Spielplatz herumzuhetzen oder ihm, wenn sich die Gelegenheit bot, den großen Ball ans Schienbein zu werfen.
Bei seinem Eintritt in die Welt wurde das natürlich anders. Ich hörte noch gerüchtweise, er habe auf Verwendung einflußreicher Personen eine gute Anstellung im Auswärtigen Amt erhalten, für die ihn seine Begabung befähigte; dann verlor ich ihn jahrelang ganz aus dem Gesicht, bis er sich mir eines Morgens durch den folgenden Brief wieder ins Gedächtnis zurückrief:
Brierbrae, Woking.
Mein lieber Watson!
Ohne Zweifel erinnerst Du Dich noch von der Schulzeit her an Phelps, genannt ›Kaulquappe‹, der in der fünften Klasse war, als Du die dritte besuchtest. Möglicherweise hast Du auch erfahren, daß mir mein Onkel eine Stelle im Auswärtigen Amte verschafft hat. Diesen ehrenvollen Vertrauensposten habe ich seither bekleidet, aber ein entsetzliches Mißgeschick hat mit einem Schlage meine ganze Zukunft vernichtet.
Es würde zu weit führen, wollte ich Dir mein Unglück schriftlich auseinandersetzen; falls Du auf meine Bitte eingehst, wirst Du ohnehin alle Einzelheiten aus meinem Munde hören müssen. Ich bin eben erst von einem Nervenfieber genesen, das mich neun Wochen lang ans Bett gefesselt hat, und ich fühle mich noch recht schwach. Könntest Du mich wohl besuchen und Deinen Freund Holmes veranlassen Dich zu begleiten? Ich möchte gerne seine Ansicht über den Fall hören, trotz der Versicherung der Polizei, daß sich nichts mehr thun läßt. Bitte, bringe ihn so bald wie möglich hierher; jede Minute wird mir zur Ewigkeit, solange ich noch in dieser entsetzlichen Spannung lebe. Sage ihm, daß es nicht ein Beweis von mangelndem Vertrauen ist, wenn ich ihn erst jetzt um Rat frage; ich war seit jenem Schicksalsschlag wie von Sinnen. Jetzt bin ich zwar wieder zu mir selbst gekommen, doch wage ich kaum an die Geschichte zu denken, weil ich einen Rückfall fürchte. Noch fühle ich mich nicht einmal stark genug, um selber zu schreiben, und muß diese Zeilen diktieren.
Nicht wahr, Du kommst zu Deinem Freunde,
zu Deinem alten Schulkameraden
Percy Phelps.
zu Deinem alten Schulkameraden
Percy Phelps.
Es lag etwas so Hilfloses und Rührendes in der Art, wie er mich wiederholt anflehte, Holmes zu ihm zu bringen, daß ich nichts unversucht gelassen hätte, um seinen Wunsch zu erfüllen. Doch kannte ich Holmes gut genug, um zu wissen, daß er jedem Klienten seine Dienste aufs bereitwilligste zur Verfügung stellte, wenn es galt, seine Kunst auszuüben. So beschloß ich denn, ihn ohne Zögern aufzusuchen, und betrat schon eine Stunde nach dem Frühstück meine frühere Wohnung in der Bakerstraße.
Sherlock Holmes saß im Schlafrock an einem Seitentisch und war eifrig mit einer chemischen Analyse beschäftigt. Ueber der bläulichen Flamme des Bunsenbrenners siedete und brodelte in der Retorte eine Flüssigkeit, deren destillierte Tropfen sich in einem Zweilitermaße sammelten. Als ich eintrat, hob mein Freund kaum den Blick; das Experiment, welches er vorhatte, mochte wohl sehr wichtig sein. Ich setzte mich in einen Lehnstuhl und wartete, während er seine Pipette bald in diese, bald in jene Flasche eintauchte. Endlich trat er mit der fertigen Lösung im Reagensglas vor mich hin, in der Rechten einen Streifen Lackmuspapier haltend.
»Du kommst gerade in einem kritischen Moment, Watson,« sagte er. »Behält dies Papier seine blaue Farbe, so ist alles gut; wird es rot, so kostet es ein Menschenleben.« Er tauchte es in das Glas, und sofort nahm es eine schmutzige feuerrote Färbung an. »Hm, ich dachte es mir wohl,« sagte er. »In einem Augenblick stehe ich dir zu Diensten, Watson. Nimm dir Tabak aus dem persischen Pantoffel.« Er setzte sich an das Pult, schrieb mehrere Depeschen und übergab sie seinem kleinen Diener. Dann warf er sich in den Stuhl, der mir gegenüber stand, schlug seine langen, dünnen Beine übereinander und faltete die Hände über dem Knie.
»Ein sehr alltäglicher kleiner Mord,« sagte er. »Vermutlich bringst du mir etwas Besseres. Du bist der Sturmvogel, der ein Verbrechen ankündigt, Watson. Was giebt’s denn?«
Ich reichte ihm den Brief, den er mit großer Aufmerksamkeit durchlas. »Sehr viel läßt sich nicht daraus entnehmen, wie mir scheint,« sagte er.
»So gut wie nichts.«
»Doch interessiert mich die Handschrift.«
»Es ist nicht seine eigene.«
»Eben darum. Eine Frau hat den Brief geschrieben.«
»Bewahre, es ist eine Männerhand,« rief ich.
»Nein, die Schrift einer Frau von seltener Charakterstärke. Es ist beim Beginn einer Untersuchung von Wichtigkeit zu wissen, daß der betreffende Klient in naher Beziehung zu einer Person steht, welche hervorragende Gaben besitzt, im guten oder bösen Sinne. Ich fange schon an, mich für den Fall zu interessieren. Wenn du nichts anderes vorhast, wollen wir gleich nach Woking fahren, um den Herrn Diplomaten aufzusuchen, der in solcher Klemme steckt, und uns die Dame anzusehen, der er seine Briefe diktiert.«
Wir hatten gerade noch Zeit, den Vormittagszug auf der Waterloo-Station zu erreichen; eine etwa einstündige Fahrt brachte uns nach den Fichtenwäldern und dem Heideland von Woking. Brierbrae erwies sich als der Name eines Hauses, das inmitten weitläufiger Anlagen in geringer Entfernung vom Bahnhof dalag. Als wir unsere Karten abgegeben hatten, wurden wir in ein vornehm ausgestattetes Empfangszimmer geführt, wo uns schon nach kürzester Frist ein etwas wohlbeleibter Mann aufs gastfreundlichste begrüßte. Er mochte eher vierzig als dreißig Jahre alt sein, aber seine roten Pausbacken und munteren Augen gaben ihm das Aussehen eines dicken, durchtriebenen Jungen.
»Wie froh bin ich, daß Sie da sind,« sagte er, uns die Hände schüttelnd. »Percy hat den ganzen Morgen über nur immer nach Ihnen gefragt. Der Aermste klammert sich an jeden Strohhalm. Ich soll Sie auch im Namen seiner Eltern willkommen heißen; schon die bloße Erwähnung der Angelegenheit ist ihnen äußerst peinlich.«
»Wir haben noch gar nichts Näheres darüber gehört,« versetzte Holmes. »Sie selbst sind offenbar kein Mitglied der Familie.«
Der Herr sah überrascht auf, dann erwiderte er lachend:
»Sie werden wohl das J. H. auf meinem Siegelring bemerkt haben. Ich wollte schon über Ihren Scharfsinn staunen. Mein Name ist Josef Harrison, und da Percy mit meiner Schwester Anna verlobt ist, zähle ich bald wenigstens zu den angeheirateten Verwandten. Sie werden meine Schwester bei ihm im Zimmer finden; sie pflegt ihn seit zwei Monaten ohne Rast und Ruhe. Gehen Sie lieber gleich zu ihm, ich weiß, mit welcher Ungeduld er auf Sie wartet.«
Das Gemach, in das man uns wies, lag im nämlichen Stockwerk und diente zugleich als Wohn-und Schlafzimmer; zierlich geordnete Blumen, die auf Gesimsen und hier und da in den Ecken standen, gaben ihm ein freundliches Aussehen. Auf einem Sofa am offenen Fenster, durch das die laue Sommerluft und die Wohlgerüche des Gartens hereinströmten, lag ein junger Mann mit bleichen, eingefallenen Wangen. Ein Mädchen, das neben ihm saß, stand auf, als wir eintraten.
»Soll ich fortgehen, Percy?« fragte sie.
Er hielt ihre Hand fest, so daß sie bleiben mußte, und begrüßte mich herzlich. »Wie geht’s dir, Watson?« fragte er. »Du hast dich sehr verändert, das macht der Bart. Mich hattest du wohl auch kaum wiedererkannt. Der Herr ist vermutlich dein berühmter Freund Sherlock Holmes?«
Ich stellte ihn mit kurzen Worten vor, und wir setzten uns beide. Der dicke junge Mann hatte sich entfernt, aber seine Schwester nahm neben dem Kranken Platz, der ihre Hand nicht losließ. Sie war eine ungewöhnliche Erscheinung mit den großen, dunkeln, italienischen Augen, der schönen Olivenfarbe des Gesichts und der reichen Fülle tiefschwarzen Haares, nur die Gestalt war etwas zu kurz und gedrungen. Ihre blühenden Farben machten die Blässe und Magerkeit des armen Phelps nur noch auffallender.
»Um so wenig wie möglich von Ihrer Zeit in Anspruch zu nehmen, will ich Ihnen die Sache ohne alle Umschweife vortragen,« sagte er, sich auf dem Sofa in die Höhe richtend. »Ich war ein lebensfroher, vom Glück begünstigter Mann und stand im Begriff, mich zu verheiraten, als ein unerwartetes furchtbares Mißgeschick plötzlich meine ganze Zukunft zerstörte.
»Watson hat Ihnen vielleicht mitgeteilt, daß ich eine Stelle im Auswärtigen Amt bekleidete. Durch Lord Holdhursts, meines Onkels, Einfluß war ich rasch auf einen verantwortlichen Posten gestellt worden. Als mein Onkel Minister des Aeußeren wurde, gab er mir verschiedene wichtige Aufträge, die ich stets so glücklich zum Abschluß brachte, daß er zuletzt ein unbegrenztes Vertrauen in meine Umsicht und Leistungsfähigkeit setzte.
»Vor etwa zehn Wochen – oder um ganz genau zu sein, am 23. Mai – rief er mich in sein Privatzimmer, lobte mich wegen der guten Dienste, die ich ihm bisher geleistet, und teilte mir mit, daß er mir wieder die Ausführung eines wichtigen Geschäfts anvertrauen wolle.
»›Dies hier,‹ sagte er und nahm eine graue Papierrolle aus seinem Schreibtisch, ›ist das Original eines geheimen Vertrages zwischen England und Italien. Zu meinem größten Bedauern sind schon Gerüchte über den Inhalt desselben durch die Presse an die Öffentlichkeit gedrungen, und es ist von ungeheurer Wichtigkeit, daß nichts Näheres bekannt wird. Die französische und russische Gesandtschaft würden gern große Summen bezahlen, um sich einen Einblick in diese Schrift zu verschaffen. Am liebsten behielte ich die Papiere ganz bei mir im Schreibtisch, wäre es nicht unumgänglich nötig, eine Kopie davon anfertigen zu lassen. Du hast doch ein Pult mit gutem Verschluß in deinem Bureau?‹
»›Jawohl.‹
»›Dann nimm den Vertrag und schließe ihn sorgfältig ein. Ich werde es einzurichten wissen, daß du nach Schluß der Geschäftsstunden allein zurückbleiben und die Abschrift ungestört machen kannst, ohne zu fürchten, daß man dich dabei beobachtet. Wenn du fertig bist, schließe Original und Kopie wieder in das Pult und händige mir beides morgen früh persönlich ein.‹
»Ich nahm die Papiere –«
»Bitte, einen Augenblick,« unterbrach ihn Holmes, »waren Sie beide allein während dieser Unterredung?«
»Ganz allein.«
»In einem großen Raum?«
»Das Zimmer mag etwa dreißig Fuß lang sein und ebenso breit.«
»Sie stand...
Inhaltsverzeichnis
- Die Memoiren des Sherlock Holmes
- Inhaltsverzeichnis
- Silberstrahl
- Das gelbe Gesicht
- Eine sonderbare Anstellung
- Holmes’ erstes Abenteuer
- Der Katechismus der Familie Musgrave
- Die Gutsherren von Reigate
- Der Krüppel
- Der Doktor und sein Patient
- Der griechische Dolmetscher
- Der Marinevertrag
- Das letzte Problem
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