Die wichtigsten Werke von Nikolai Gogol
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Die wichtigsten Werke von Nikolai Gogol

Bereicherte Ausgabe.

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Die wichtigsten Werke von Nikolai Gogol

Bereicherte Ausgabe.

Über dieses Buch

Die wichtigsten Werke von Nikolai Gogol präsentieren eine Sammlung von einigen der bedeutendsten Werke des berühmten russischen Schriftstellers. In diesem Buch finden sich Meisterwerke wie 'Die Nase', 'Der Mantel' und 'Die Toten Seelen', die alle das absurde und satirische Element enthalten, das für Gogols Schreibstil typisch ist. Seine Werke sind bekannt für ihre tiefgreifende Darstellung der russischen Gesellschaft, ihre scharfe Kritik an Korruption und sozialen Missständen, und ihren einzigartigen Mix aus Realismus und Fantasie. Gogols Werke haben einen beträchtlichen Einfluss auf die russische Literatur ausgeübt und sind bis heute relevante Studienobjekte in der Literaturwissenschaft. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke. - Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen. - Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen. - Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten. - Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke. - Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen. - Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.

Information

Jahr
2017
eBook-ISBN:
9788027211494


Abende auf dem Vorwerke bei Dikanjka und andere Erzählungen:

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

»Was ist das für eine neue Sache: ›Abende auf dem Vorwerke bei Dikanjka‹? Was sind das für ›Abende‹? Und die hat irgendein Bienenzüchter in die Welt hinausgeschleudert! Gott sei Dank, man hat wohl noch zuwenig Gänse gerupft, um Federn zu bekommen, und zu wenig Lumpen für Papier verbraucht! Noch zu wenig Volk und Gesindel jedes Standes hat sich die Finger mit Tinte beschmutzt! Jetzt bekommt auch so ein Bienenzüchter Lust, es den anderen gleichzutun! Es gibt wirklich so viel bedrucktes Papier, daß man nicht mehr weiß, was man darin alles einwickeln soll.«
Mein ahnungsvolles Herz hat alle diese Reden schon vor einem Monat gehört! Das heißt, ich will sagen, daß, wenn unsereiner, ein Vorwerksbewohner, seine Nase aus seiner Einöde in die große Welt steckt – du lieber Himmel! –, es für ihn dasselbe ist, wie in die Gemächer eines großmächtigen Herrn zu treten: alle umringen ihn sofort und beginnen ihn zum Narren zu halten; es wäre noch nicht so schlimm, wenn es nur die höheren Lakaien täten; nein, aber irgendein abgerissener Junge, ein Lausejunge, der im Hinterhofe herumwühlt, auch der fällt über einen her; und sie fangen an, mit den Füßen zu stampfen und zu fragen: »Wohin? Wohin? Was suchst du hier? Geh, du Bauer, pascholl!…« Ich will euch sagen … Aber was soll ich überhaupt sagen! Es fällt mir leichter, zweimal im Jahr nach Mirgorod hinüberzufahren, wo mich seit fünf Jahren weder ein Kanzlist vom Landgericht noch der ehrwürdige Herr Priester gesehen hat, als mich in dieser großen Welt zu zeigen; wenn man sich da aber gezeigt hat, so muß man, ob man will oder nicht, Antwort stehen.
Bei uns, meine lieben Leser – nichts für ungut (ihr nehmt es vielleicht übel, daß ein Bienenzüchter zu euch so einfach spricht wie zu seinem Schwager oder Gevatter) –, bei uns auf den Vorwerken ist es von jeher Sitte: sobald die Feldarbeiten zu Ende sind, der Bauer sich für den ganzen Winter zur Ruhe hinter den Ofen verkrochen und unsereins seine Bienen in den dunklen Keller gesperrt hat; wenn man weder Kraniche am Himmel noch Birnen auf dem Baume zu sehen bekommt –, dann leuchtet, sobald es Abend wird, irgendwo am Ende einer Straße ganz sicher ein Licht auf, man hört aus der Ferne Lachen und Singen, eine Balalaika klimpert, manchmal tönt auch eine Geige, man redet und lärmt … Das sind unsere ländlichen »Abende«! Sie gleichen mit Verlaub eueren Bällen; aber man kann nicht sagen, daß sie ihnen vollkommen glichen. Wenn ihr auf so einen Ball geht, so doch nur, um die Beine zu rühren und in die hohle Hand zu gähnen; bei uns versammelt sich aber ein Haufen von Mädchen in einer Stube gar nicht für einen Ball: sie kommen mit Spinnrocken und Flachskämmen. Anfangs sieht es so aus, als ob sie arbeiteten: die Spindeln surren, die Lieder fließen dahin, und keine blickt zur Seite; kaum kommen aber die Burschen mit dem Geiger in die Stube, da erhebt sich ein Geschrei, da beginnt ein Toben, da fängt man zu tanzen an, und es kommt manchmal auch zu solchen Scherzen, daß man es gar nicht wiedererzählen kann.
Das Schönste aber ist, wenn alle sich zu einem Haufen zusammendrängen und anfangen, Rätsel aufzugeben oder einfach zu schwatzen. Du lieber Gott! Was bekommt man da nicht alles zu hören! Wo kramen sie nur so viel altes Zeug aus! Was für gruselige Sachen schleppen sie da zusammen! Aber nirgends wurde wohl so viel Wunderbares erzählt wie an den Abenden beim Bienenzüchter Panjko dem Roten. Warum mich die Leute Panjko der Rote nennen, weiß ich bei Gott nicht zu sagen. Auch sind meine Haare, glaube ich, mehr grau als rot. Bei uns ist es aber, nehmt es nicht übel, einmal Sitte: wenn die Leute einem einen Spitznamen anhängen, so bleibt er in alle Ewigkeit hängen. Manchmal versammelten sich am Vorabend eines Feiertages die guten Menschen in der Hütte des Bienenzüchters zu Besuch, setzen sich an den Tisch – und dann braucht man nur zuzuhören. Man muß auch sagen, daß es nicht ganz einfache Menschen waren, nicht etwa Bauern vom Vorwerke; ihr Besuch würde für manchen, der selbst mehr als ein Bienenzüchter ist, eine Ehre bedeuten. Kennt ihr zum Beispiel Foma Grigorjewitsch, den Küster an der Kirche von Dikanjka? Ist das ein Kopf! Was der für Geschichten aufzutischen versteht! Zwei von ihnen werdet ihr in diesem Buche finden. Niemals hat er einen Schlafrock aus hausgewebter Leinwand getragen, wie ihr ihn bei so vielen Küstern auf dem Lande findet; selbst wenn ihr ihn an einem Wochentage besucht, empfängt er euch in einem Rock aus feinem Tuch von der Farbe eines kalten Kartoffelbreis – für dieses Tuch hat er in Poltawa fast sechs Rubel für den Arschin bezahlt. Kein Mensch auf dem ganzen Vorwerke wird behaupten, daß seine Stiefel nach Tran riechen; es ist aber einem jeden bekannt, daß er sie mit dem besten Gänseschmalz schmiert, das, glaube ich, mancher Bauer mit Vergnügen in seinen Brei tun würde. Niemand wird auch sagen, daß er sich je mit dem Schoße seines Rockes die Nase gewischt hätte, wie es oft Leute seines Standes tun; er holt aber aus dem Busen ein sorgfältig gefaltetes weißes Tuch, das ringsherum mit rotem Garn bestickt ist, legt es, nachdem er das Nötige verrichtet hat, immer zwölfmal zusammen und steckt es wieder in den Busen. Und einer der Gäste… Nun, dieser war ein so vornehmer Herr, daß man ihn sofort zu einem Assessor oder Sekretär machen könnte. Der erhebt manchmal den Finger, blickt auf dessen Spitze und beginnt zu erzählen – so hübsch und kunstvoll, wie es in den gedruckten Büchern steht! Manchmal hört man ihm zu und wird ganz nachdenklich. Kein Wort kann man verstehen. Wo hat er nur solche Worte her? Foma Grigorjewitsch hat ihm einmal eine schöne Parabel erzählt: ein Scholar, der bei einem Diakon in der Lehre war, kam einmal zu seinem Vater als solcher Lateiner zurück, daß er sogar unsere Christensprache verlernt hatte – allen Worten hängte er ein »us« an: die Schaufel hieß bei ihm »Schaufelus« und das Weib – »Weibus«. Einmal traf es sich, daß er mit seinem Vater ins Feld ging. Als der Lateiner eine Harke sah, fragte er seinen Vater: »Wie nennt man das bei euch, Vater?« Und dabei trat er aus Zerstreutheit der Harke auf die Zähne. Der Vater hatte noch nicht Zeit gehabt, zu antworten, als der Griff der Harke in die Höhe fuhr und den Sohn mit einem Schwung auf die Stirn traf. »Verfluchte Harke!« schrie der Scholar, sich mit der Hand an den Kopf greifend und einen Arschin hoch in die Luft springend: »Wie sie so weh tun kann, der Teufel möchte ihren Vater von einer Brücke herunterstoßen!« So hatte er sich plötzlich erinnert, wie das Ding hieß! – Diese Parabel gefiel dem kunstvollen Erzähler gar nicht. Ohne ein Wort zu sagen, stand er von seinem Platze auf, stellte sich breitbeinig ins Zimmer, neigte den Kopf etwas nach vorn, steckte die Hand in die rückwärtige Tasche seines erbsfarbenen Rockes, holte seine runde, lackierte Schnupftabaksdose hervor, klopfte mit dem Finger auf die auf dem Deckel gemalte Fratze irgendeines heidnischen Generals, nahm eine gar nicht kleine Portion des mit Asche und Liebstöckelblättern zerriebenen Tabaks, führte sie im Schwunge an die Nase, sog mit der Nase den ganzen Haufen ein, ohne dabei selbst den Daumen zu berühren – und sprach noch immer kein Wort. Als er aber in die andere Tasche griff und ein blaukariertes baumwollenes Tuch hervorholte, dann erst murmelte er etwas vor sich hin, ich glaube gar das Sprichwort: »Man soll nicht Perlen vor die Säue werfen …« – Jetzt wird es einen Streit geben –, dachte ich mir, als ich sah, wie Foma Grigorjewitsch seine Finger zu einer Feige zusammenzulegen begann. Zum Glück war es meiner Alten eingefallen, einen heißen Kuchen mit Butter auf den Tisch zu bringen. Alle machten sich an die Arbeit. Die Hand Foma Grigorjewitschs griff, statt jenem eine Feige zu zeigen, nach dem Kuchen, und alle fingen wie üblich an, die Kunst der Hausfrau zu rühmen. Wir hatten auch noch einen anderen Erzähler; aber dieser (eigentlich hätte ich ihn nicht zur Nacht erwähnen sollen!) pflegte so schreckliche Geschichten aufzutischen, daß die Haare zu Berge standen. Diese Geschichten habe ich hier absichtlich nicht aufgenommen: so könnte ich den guten Leuten solche Angst machen, daß sie den Bienenzüchter, Gott verzeihe mir, mehr als den Teufel fürchten würden. Wenn ich, so Gott will, das neue Jahr erlebe und ein neues Buch herausbringe, dann erst will ich die Leser mit den Gästen aus dem Jenseits und den Wundermären, die sich in alten Zeiten in unserem rechtgläubigen Lande zugetragen haben, erschrecken. Unter ihnen findet ihr vielleicht auch einige Geschichten vom Bienenzüchter selbst, die er seinen Enkeln erzählt hat. Wenn ihr bloß zuhören und lesen wollt: ich könnte, wenn ich nicht so faul wäre, um herumzukramen, auch noch zehn solche Bücher zusammenbringen.
Die Hauptsache hätte ich beinahe vergessen: wenn ihr, meine Herren, zu mir kommen wollt, so nehmt die gerade Landstraße nach Dikanjka. Ich habe diesen Ort mit Absicht auf dem Titelblatt genannt, damit ihr schneller auf unser Vorwerk kommt. Von Dikanjka habt ihr wohl schon genug gehört. Ich muß auch sagen, das Haus ist dort viel schöner als eine gewöhnliche Bienenzüchterhütte. Vom Garten spreche ich schon gar nicht: in eurem Petersburg werdet ihr einen solchen sicher nicht finden. Und wenn ihr nach Dikanjka kommt, so fragt den ersten besten Jungen, der in einem schmutzigen Hemde die Gänse hütet: »Wo wohnt hier der Bienenzüchter Panjko der Rote?« – »Hier!« wird er sagen und mit dem Finger zeigen; und wenn ihr wollt, wird er euch auch zum Vorwerk führen. Aber ich bitte euch, die Hände nicht ruhig auf den Rücken zu legen und nicht zu stolz zu tun, denn die Straßen, die zu uns führen, sind nicht so glatt wie die vor euren Palästen. Selbst Foma Grigorjewitsch war einmal, als er vor zwei Jahren aus Dikanjka fuhr, mit seinem Wägelchen und mit der braunen Stute in einen Graben geraten, obwohl er selbst das Pferd lenkte und zu seinen eigenen Augen zuweilen auch gekaufte aufsetzte.
Wenn ihr aber zu Gast kommt, so werdet ihr solche Melonen bekommen, wie ihr sie vielleicht noch nie gegessen habt; was aber den Honig betrifft, so schwöre ich euch, daß ihr auf keinem Vorwerk einen besseren bekommen habt: denkt euch nur, wenn man eine Wabe ins Zimmer bringt, so geht ein Duft durchs ganze Zimmer, man kann sich gar nicht vorstellen, wie schön er ist: rein wie eine Träne oder wie teures Kristall, das man in den Ohrringen trägt. Und was für Pasteten wird euch meine Alte vorsetzen! Wenn ihr nur wüßtet, was es für Pasteten sind: wie Zucker, wie der reinste Zucker! Und die Butter läuft über die Lippen, wenn man sie nur in den Mund nimmt. Was für Meisterinnen sind doch die Weiber! Habt ihr schon mal Birnenkwaß mit Schlehdornbeeren getrunken, meine Herren, oder einen Obstschnaps mit Rosinen und Pflaumen? Oder habt ihr mal Gelegenheit gehabt, eine Milchsuppe mit Graupen zu essen? Mein Gott, was für Speisen gibt es nicht alles in der Welt! Wenn man zu essen anfängt, kann man sich gar nicht satt essen: die Süße ist unbeschreiblich! Im vergangenen Jahr … Aber was bin ich so ins Schwatzen gekommen? … Kommt doch zu mir, kommt recht bald; wir werden euch aber so bewirten, daß ihr es einem jeden erzählen werdet.
Bienenzüchter Panjko der Rote


Der Jahrmarkt zu Ssorotschinzy

Inhaltsverzeichnis

I
Will zu Hause nicht versauern,
Führe mich doch aus dem Haus,
In die Welt, wo Lärm und Braus,
Wo die Mädchen Lieder singen,
Wo die Burschen lustig springen.

(Aus einer alten Legende)
Wie erquickend, wie herrlich ist so ein Sommertag in Kleinrußland. Wie ermattend heiß sind die Stunden, wenn der Mittag in Stille und Glut strahlt und der blaue, unermeßliche Ozean, der wie eine Kuppel von Wollust über der Erde schwebt, ganz versunken in Wonne, zu schlafen scheint, die Schöne mit seinen luftigen Armen umfangend und erdrückend! Keine Wolke steht auf ihm; kein Wort erschallt im Felde. Alles ist wie gestorben; nur oben in der Himmelstiefe zittert der Lerchensang, und die silbernen Lieder fliegen die luftigen Stufen zur verliebten Erde herab; nur ab und zu hört man den Schrei einer Möwe oder die helle Stimme einer Wachtel, die in der Steppe widerhallt. Träge und gedankenlos, wie Wandelnde ohne Ziel, stehen die in die Wolken ragenden Eichen, und die blendenden Blitze der Sonnenstrahlen entzünden auf einmal ganze Massen des malerischen Laubes und werfen auf andere einen Schatten so schwarz wie die Nacht, in dem nur bei starkem Winde goldene Funken aufleuchten. Smaragde, Topase und Saphire der ätherischen Insekten schwirren über den bunten, von stolzen Sonnenblumen überragten Gemüsegärten. Graue Heuschober und goldene Korngarben lagern wie ein Kriegsheer auf dem Felde, wie Nomaden auf seinem unermeßlichen Räume. Die unter der Last der Früchte sich beugenden breiten Äste der Kirsch-, Pflaumen-, Apfel-und Birnbäume, der Himmel und sein klarer Spiegel, der Fluß in seinem grünen, stolz erhobenen Rahmen … wie voll Wollust und Wonne ist der kleinrussische Sommer!
In solchem Prunk glänzte einer der heißen Augusttage des Jahres achtzehnhundert … achtzehnhundert … ja, es werden wohl dreißig Jahre her sein, als die Straße schon zehn Werst vor dem Flecken Ssorotschinzy vom Volke wimmelte, das von allen nahen und fernen Vorwerken zum Jahrmarkt eilte. Schon seit dem frühen Morgen zogen sich in endloser Reihe die Ochsenkarren mit Salz und Fischen hin. Ganze Berge von in Heu verpackten Töpfen bewegten sich langsam und schienen sich in ihrem dunklen Kerker zu langweilen; nur hie und da guckte eine grellbemalte Schüssel oder ein Mohntopf prahlerisch aus dem hoch über den Wagen gespannten Flechtwerk hervor und zog die gerührten Blicke der Freunde von Luxus auf sich. Viele der Vorübergehenden blickten neidisch den hochgewachsenen Töpfer an, den Besitzer dieser Schätze, der seinen Waren mit langsamen Schritten folgte und seine tönernen Gecken und Koketten sorgfältig in das ihnen so verhaßte Heu einwickelte.
Abseits schleppte sich ein einsamer, von müden Ochsen gezogener, mit Säcken, Hanf, Leinwand und allerlei Hausrat beladener Wagen, dem sein Besitzer in reinem Leinenhemd und schmutziger Leinenhose folgte. Mit träger Hand wischte er sich den Schweiß ab, der in Strömen von seinem braunen Gesicht lief und sogar von seinem langen Schnurrbart tropfte, der von jenem unerbittlichen Friseur gepudert war, der ungerufen zu jeder Schönen und zu jedem Krüppel kommt und schon seit einigen Jahrtausenden das ganze menschliche Geschlecht gewaltsam pudert. Neben ihm schritt eine an den Wagen gebundene Stute, deren demütiges Ausseh...

Inhaltsverzeichnis

  1. Die wichtigsten Werke von Nikolai Gogol
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Taraß Bulba
  4. Abende auf dem Vorwerke bei Dikanjka und andere Erzählungen:
  5. Die toten Seelen oder Die Abenteuer Tschitschikows (Übersetzung von Alexander Eliasberg)
  6. Die Geschichte vom großen Krakeel zwischen Iwan Iwanowitsch und Iwan Nikiforowitsch (Übersetzung von Korfiz Holm)
  7. Furchtbare Rache: Eine wahre Geschichte aus der alten Zeit (Übersetzung von Korfiz Holm)
  8. Der Newskij Prospekt (Übersetzung von Korfiz Holm)
  9. Das Porträt (Übersetzung von Korfiz Holm)
  10. Der Mantel (Übersetzung von Korfiz Holm)
  11. Tote Seelen (Übersetzung von Korfiz Holm)
  12. Gogol: Biografie (Alexander Eliasberg)

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