Das Konzert (Komödie)
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Das Konzert (Komödie)

Bereicherte Ausgabe.

  1. 94 Seiten
  2. German
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Das Konzert (Komödie)

Bereicherte Ausgabe.

Über dieses Buch

Hermann Bahr's Komödie 'Das Konzert' bietet einen faszinierenden Einblick in das angespannte gesellschaftliche Gefüge des frühen 20. Jahrhunderts. Die Handlung dreht sich um die turbulenten Vorbereitungen zu einem Konzert, das eine Vielzahl von egoistischen Charakteren zusammenführt und Konflikte um Macht und Anerkennung entfacht. Bahrs Schreibstil zeichnet sich durch scharfsinnige Dialoge und sarkastischen Humor aus, der die Abgründe der menschlichen Natur bloßlegt. Als führender Vertreter des Wiener Fin de Siècle bringt Bahr in 'Das Konzert' Themen wie Eifersucht, Eitelkeit und gesellschaftliche Hierarchien auf humorvolle und kritische Weise zur Sprache. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.

Information

Jahr
2017
ISBN drucken
9788027263264
eBook-ISBN:
9788075834676
Thema
Drama

Erster Akt

Inhaltsverzeichnis
Salon bei Heink. In der linken Wand Türe zum Zimmer der Frau Marie, in der Mitte Türe zum Musikzimmer, in der rechten Wand Türe zum Vorzimmer. Bilder Gustav Heinks, eine Büste Gustav Heinks. Links Tisch mit Stühlen. An der Türe rechts ein Kamin, weiter nach vorn ein Wandsofa, vor diesem ein rundes Tischchen mit Stühlen. Überall Blumen in hohen schmalen Gläsern. Alles ist hell, behaglich und reich, von einer angenehmen ungesuchten Eleganz.
Auf dem Tische links: Sträuße von Tulpen, Narzissen und Flieder, eben hingelegt, dann ein Stoß von uneröffneten kleinen blaßblauen, gelben und rötlichen Briefen mit Monogrammen und ein Handkoffer in gelbem Leder, halb gepackt. Auf dem Tischchen rechts ein Stoß von uneröffneten kleinen Briefen.
Die Tür zum Musikzimmer steht auf; man erblickt einen großen schwarzen Steinway und an der Wand Lorbeerkränze mit großen Schleifen. Auch die Tür rechts steht auf.
HEINK [dreiundvierzig Jahre; groß, auffällig schlank, was er durch seine Kleidung noch hervorzuheben sucht, und sehr jugendlich in seinen eiligen Bewegungen; pechschwarzes Haar in langen glatten Strähnen bis auf die Schultern; das unruhige Gesicht rasiert, sehr gescheit, mit einem Zug ins Spöttische, der seinen Ausdruck banaler Liebenswürdigkeit stört; es wäre der Kopf eines durchtriebenen Weltmannes oder Diplomaten, ohne die langen Haare, die ihm etwas gewerbsmäßig Künstlerisches geben; er ist weibisch kokett, besonders wenn er im Gespräch die müden, ein wenig verschlafenen Augen plötzlich aufreißt und nun visionär ins Weite starrt; er spricht mit einer affektierten Herzlichkeit, seine zärtliche Stimme hat etwas Bittendes, Streichelndes, doch vergißt er sich leicht und wenn er ungeduldig wird, ist sie hart und schreit; er trägt einen Automobilmantel; er ist im Musikzimmer rechts, noch unsichtbar, und kann sich der andrängenden Damen kaum erwehren]: Glauben Sie mir, meine Damen! Ich bin untröstlich! Ein Versehen meines Sekretärs offenbar, das ich mir selbst noch gar nicht erklären kann, denn Sie können sich doch denken, meine verehrten Damen, daß ich – [immer noch unsichtbar, bricht er, da er etwas sucht und nicht findet, plötzlich ab und ruft ungeduldig nach dem Vorzimmer hin] Fräulein! [Und gleich wieder in seinem sanften Ton zu den Damen] Wie gesagt, ich bin untröstlich, ich konnte doch nicht denken, daß mein Sekretär – ich kann's auch noch gar nicht verstehen, er hatte den Auftrag, die Damen noch gestern sofort zu verständigen, und ich weiß gar nicht was – [wieder in dem andern Ton, nach dem Vorzimmer rufend, noch heftiger, indem er, einen Pyjama über den Arm, ein Täschchen in der Hand, zur Tür des Musikzimmers schießend, einen Augenblick sichtbar wird, von den Damen begleitet] Fräulein! [Gleich verschwindet er wieder im Musikzimmer nach rechts und fährt mit sanft klagender Stimme fort] Sie sehen mich untröstlich, meine Damen! In zwei Tagen bin ich ja freilich wieder zurück, aber Sie können sich denken, wie bang mir nach Ihnen sein wird, die zwei Tage! [Wieder in dem anderen Ton, indem er wütend schreit] Fräulein!
FRAU FANNY MELL [klein, aufgeregt, schusselig; rennt aus dem Musikzimmer in den Salon, nach dem Vorzimmer rufend]: Fräulein!
FRAU CLAIRE FLODERER [blond, dick, tragisch; tritt aus dem Musikzimmer in die Tür, lehnt sich an und seufzt, Tränen in den Augen]: O Gott! O Gott!
FRÄULEIN SELMA MEIER [enthusiastisch, atemlos; folgt stürmisch der Frau Mell, nach dem Vorzimmer rufend]: Fräulein!
FRAU FANNY MELL [vor der Tür rechts, ins Vorzimmer rufend]: Fräulein! [Sie will ins Vorzimmer und prallt mit der eintretenden Eva Gerndl zusammen; vor dem großen Blumenstrauß, den diese vorstreckt, zurückschreckend] Oh!
EVA [neunzehn Jahre; sehr schlank, phantastisch, auf Schlange stilisiert, Klimtaugen, Klimtfrisur, überhaupt ganz Klimt; versucht auf alle Weise nervös zu schillern; ist immer aufgeregt und hat immer Verdacht; unter ihrer Maske sieht, wenn sie sich zuweilen vergißt, ein argloses liebes Wiener Gesicht mit großen verwunderten Augen kindisch hervor; zuerst erscheint ein ungeheurer Strauß von gelben Tulpen, den sie trägt, dann folgt sie selbst, erschrickt vor Frau Fanny Mell und fragt gleich sehr mißtrauisch]: Was? Was ist denn? Was ist geschehen?
FRAU FANNY MELL [mit einem Blick ins Musikzimmer zurück und dem Ausdruck des höchsten Entsetzens]: Er verreist!
FRÄULEIN SELMA MEIER [tritt zu Frau Fanny Mell]: Er verreist!
FRAU CLAIRE FLODERER [tragisch mit tiefer Stimme]: Der Meister verreist! [Kommt langsam vor.]
EVA [an dem Worte würgend, das ihr im Hals stecken bleibt]: Ver – reist?
FRAU FANNY MELL [rasch]: Die Stunde fällt aus –
FRÄULEIN SELMA MEIER [einfallend]: Auch morgen und –
FRAU FANNY MELL [einfallend]: Er gibt ein Konzert –
FRÄULEIN SELMA MEIER [dazwischensprechend]: Der Sekretär hat uns abschreiben sollen –
FRAU FANNY MELL: Mir hat er nicht geschrieben –
FRÄULEIN SELMA MEIER: Mir auch nicht –
FRAU FANNY MELL [zu Eva]: Hat er Ihnen geschrieben?
EVA [noch ganz starr]: Mir? Mir?
FRAU CLAIRE FLODERER [zu den anderen vortretend; tragisch]: Der Meister verreist!
EVA [atemlos]: Kein Wort! Kein Wort! Aber da – da – [ringt nach Luft].
HEINK [im Musikzimmer, unsichtbar; ruft nach dem Vorzimmer]: Fräulein!
EVA: Da steckt ein Geheimnis! [Läßt mit einem kurzen Aufschrei den Strauß fallen, fährt mit der Hand ans Herz und sinkt auf das Wandsofa.]
FRAU DOKTOR KANN [kurz, stämmig, asthmatisch; mit einem Riesenhut und vielen Ringen; stürzt aus dem Musikzimmer vor]: Fräulein!
FRAU FANNY MELL [ins Vorzimmer rennend]: Fräulein! [Rechts ab.]
FRÄULEIN SELMA MEIER [der Frau Fanny Mell folgend]: Fräulein! [Rechts ab.]
FRAU CLAIRE FLODERER [wi...

Inhaltsverzeichnis

  1. Das Konzert (Komödie)
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Personen
  4. Erster Akt
  5. Zweiter Akt
  6. Dritter Akt

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