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Der Mondstein (Mystery-Krimi) (Kommentiert)
Erweiterte Ausgabe. Ein Wilkie Collins-Thriller
- 551 Seiten
- German
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- Über iOS und Android verfügbar
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Der Mondstein (Mystery-Krimi) (Kommentiert)
Erweiterte Ausgabe. Ein Wilkie Collins-Thriller
Über dieses Buch
Wilkie Collins' Der Mondstein gilt als ein Gründungswerk des modernen Mystery-Krimis und verbindet viktorianischen Gesellschaftsroman, Sensationsliteratur und kriminalistische Ermittlungskunst. Im Zentrum steht der Diebstahl eines indischen Diamanten, dessen koloniale Herkunft, familiäre Verstrickungen und wechselnde Zeugenaussagen ein vielschichtiges Netz aus Verdacht erzeugen. Collins' raffinierte Mehrstimmigkeit, dokumentarische Form und psychologische Genauigkeit machen die Wahrheitssuche zugleich spannend und erkenntniskritisch. Wilkie Collins, 1824 in London geboren und eng mit Charles Dickens befreundet, kannte die literarischen und sozialen Spannungen seiner Epoche aus nächster Nähe. Seine Erfahrung mit Recht, Medizin, Theater und populärer Presse prägte seine erzählerische Technik. Der Mondstein spiegelt zudem sein Interesse an Opium, Wahrnehmung, Klassenordnung und imperialer Aneignung wider, Themen, die im viktorianischen England besonders brisant waren. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die den Ursprung detektivischer Erzählmuster kennenlernen möchten, ohne auf literarische Tiefe zu verzichten. Der Mondstein bietet nicht nur Spannung, sondern auch eine kluge Analyse von Zeugenschaft, Schuld und Besitz. Wer Kriminalliteratur ernst nimmt, findet hier einen unverzichtbaren Klassiker.
Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern.
- Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes.
- Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten.
- Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben.
- Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text.
- Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen.
- Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen.
- Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor.
- Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
Information
Thema
LiteraturDritter Band
Inhaltsverzeichnis
Viertes Capitel
Fünftes Capitel
Sechstes Capitel
Siebentes Capitel
Achtes Capitel
Neuntes Capitel
Zehntes Capitel
Vierte Erzählung
Fünfte Erzählung Wiederaufnahme der Geschichte durch Franklin Blake
Sechste Erzählung von Sergeant Cuff
Siebente Erzählung in einem Brief des Herrn Candy
Achte Erzählung von Gabriel - Betteredge
Epilog Die Auffindung des Diamanten
Viertes Capitel
Inhaltsverzeichnis
Ich brauche über meine eigenen Empfindungen kein Wort zu verlieren.
Ich habe den Eindruck daß meine Erschütterung meine Fähigkeit zu denken und zu fühlen, völlig aufhob. Ich wußte nichts mehr von mir, als Betteredge zu mir trat, denn wie er mich versichert hat, lachte ich, als er mich fragte, wie es stehe, und forderte ihn, indem ich ihm das Nachthemd überreichte, auf, die Lösung des Räthsels selbst zu lesen.
Von dem was wir am Strande mit einander sprachen, habe ich nicht mehr die leiseste Erinnerung. Die erste Stelle, an welcher ich mich wieder deutlich sehe, ist die Tannenanpflanzung. Betteredge und ich gehen zusammen nach dem Hause zurück und Betteredge sagt mir, daß wir beide im Stande sein werden, der Sache gerade in’s Gesicht zu sehen, wenn wir ein Glas Grog getrunken haben werden.
Die Scene verwandelt sich aus der Tannenanpflanzung in Betteredge’s kleines Wohnzimmer. Mein Entschluß, Rachel’s Haus nicht zu betreten, ist vergessen. Ich empfinde dankbar die schattige Kühle und die Ruhe des Zimmers. Ich trinke den Grog, ——— einen zu dieser Tageszeit unbekannter Luxus für mich, ——— den mein guter alter Freund mit eiskaltem Quellwasser mischt. Unter anderen Umständen würde das Getränk mich einfach dumm gemacht haben. Unter den obwaltenden Umständen aber stählt es meine Nerven. Ich fange an, der Sache gerade in’s Gesicht zu sehen, wie Betteredge es vorausgesagt hat, und Betteredge seinerseits kommt gleichfalls wieder zur Besinnung.
Das Bild, welches ich hier von mir selbst entwerfe, muß, wie ich fürchte, gelinde gesagt, sonderbar erscheinen. Was ist mein erster Schritt in meiner Situation, die glaube ich, als ohne Gleichen bezeichnet werden kann? Schließe ich mich von jeder menschlichen Gesellschaft ab? Richte ich meine ganze Geistesthätigkeit darauf, die schauderhafte Unmöglichkeit zu analysiren, welche mir gleichwohl als eine unabweisliche Thatsache gegenüber steht? Eile ich mit dem ersten Zuge nach London zurück, um die ersten Autoritäten zu consultiren und auf der Stelle eine Untersuchung in’s Werk zu setzen? Nein. Ich nehme den Schutz eines Hauses an, durch dessen Betretung mich nie wieder herabzuwürdigen ich fest entschlossen war; und sitze da, in Gesellschaft eines alten Dieners, Morgens um zehn Uhr Cognac und Wasser schlürfend. Ist das das Benehmen, das man von einem Manne in meiner furchtbaren Situation erwarten durfte? Ich kann nur antworten, daß der Anblick der befreundeten Züge des alten Betteredge ein unaussprechlicher Trost für mich war und daß das Trinken des Grog’s des alten Betteredge’s mir in der vollständigen körperlichen und geistigen Abspannung in die ich verfallen war, half, wie mir wahrlich nichts anderes geholfen haben würde. Ich habe keine andere Entschuldigung für mich anzuführen und ich kann die nie versagende Beobachtung der eigenen Würde und die strenge Logik des Verhaltens, welche alle männlichen und weiblichen Leser dieser Zeilen in der Lage ihres Lebens auszeichnet, nur bewundern.
»Eines ist auf jeden Fall gewiß, Herr Franklin,« sagte der alte Betteredge, indem er das Nachthemd zwischen uns auf den Tisch warf und auf dasselbe hinwies, als ob es ein lebendes Wesen sei, das ihn hören könne, »vor allen Dingen, es lügt.«
Diese tröstliche Ansicht von der Sache vermochte ich nicht zu theilen.
»Ich bin mir,« sagte ich, »so wenig wie Sie bewußt, den Diamanten genommen zu haben. Aber dieser Zeuge spricht gegen mich! Der Farbenfleck auf dem Nachthemd und der Name auf dem Nachthemd sind Thatsachen.«
Betteredge nahm mein Glas und drückte es mir mit einer Bewegung des Zuredens in die Hand.
»Thatsachen?« wiederholte er. »Trinken Sie noch einen Schluck Grog, Herr Franklin, und Sie werden die Schwachheit, an Thatsachen zu glauben, überwinden! Dahinter steckt ein schlechter Streich, Herr Franklin,« fuhr er fort, die Stimme vertraulich senkend. »So erkläre ich mir das Räthsel. Ein schlechter Streich, und Sie und ich müssen herausfinden, wer Ihnen denselben gespielt hat. Haben Sie weiter nichts in der Zinnbüchse gefunden?«
Die Frage erinnerte mich sofort an den Brief in meiner Tasche. Ich zog ihn hervor und öffnete ihn. Es war ein seitenlanger, enggeschriebener Brief. Ich blickte ungeduldig nach der Unterschrift am Schluß: »Rosanna Spearman.«
Als ich den Namen las, fuhr mir plötzlich eine Erinnerung durch den Kopf und erleuchtete mich mit einem neuen Verdacht.
»Halt!« rief ich aus, »war nicht Rosanna Spearman aus einem Besserungshause zu meiner Tante gekommen? War nicht Rosanna Spearman früher eine Diebin gewesen?«
»Ohne Frage, Herr Franklin. Aber was folgt daraus, wenn ich fragen darf?«
»Was daraus folgt? Wie können wir wissen, ob sie nicht doch am Ende den Diamanten gestohlen? Ob sie nicht mein Nachthemd absichtlich mit dem Farbenfleck beschmiert hat?«
Betteredge legte seine Hand auf meinen Arm und hielt mich zurück, ehe ich ein Wort weiter sagen konnte.
»Sie werden sich ohne Zweifel von jedem Verdachte reinigen können, aber nicht auf diese Weise, wie ich hoffe. Sehen Sie zu, was in dem Brief steht. Im Namen der Gerechtigkeit für das Andenken des Mädchens! Sehen Sie zu, was in dem Brief steht.«
Ich empfand den Ernst seiner Worte fast wie einen Vorwurf gegen mich. »Sie sollen sich selbst auf Grund dieses Briefes Ihr Urtheil bilden,« sagte ich. »Ich will ihn Ihnen vorlesen.«
Ich fing an und las wie folgt:
»Mein Herr! Ich habe Ihnen etwas zu bekennen. Ein Bekenntniß tiefen Elends kann oft in wenigen Worten abgelegt werden. Mein Bekenntniß bedarf nur dreier Worte: Ich liebe Sie.«
Der Brief entsank meinen Händen. Ich blickte auf Betteredge »Ja des Himmels Namen,« sagte ich, »was soll das heißen?«
Er schien vor einer Beantwortung der Frage zurückzuschrecken.
»Sie sind diesen Morgen mit der hinkenden Lucy allein gewesen,« sagte er. »Hat sie Ihnen nichts über Rosanna Spearman gesagt?«
»Sie hat nicht einmal den Namen Rosanna’s genannt.«
»Bitte, lesen Sie weiter, Herr Franklin Ich gestehe Ihnen offen, ich kann es nicht über’s Herz bringen, Sie zu betrüben, nach dem, was Sie bereits haben ertragen müssen. Lassen Sie das Mädchen selbst reden und trinken Sie noch einmal! Um Ihrer» selbst willen trinken Sie noch einen Schluck Grog.«
Ich fuhr fort, den Brief zu lesen:
»Es würde mir schlecht anstehen, Ihnen dieses zu gestehen, wenn ich in dem Augenblick, wo Sie es lesen werden, noch am Leben wäre; aber ich werde nicht mehr sein, wenn Sie meinen Brief finden. Das giebt mir Muth. Nicht einmal die Stätte, wo ich begraben sein werde, wird von mir zeugen. Ich kann es wagen die Wahrheit zu sagen, denn der Zittersand wird mich in seinem Schoße bergen, wenn ich diese Worte geschrieben habe.
»Außerdem werden Sie in meinem Versteck Ihr Nachthemd mit dem Farbenfleck darauf finden; und Sie werden wissen wollen, wie ich dazu gekommen bin, dasselbe zu verstecken? und warum ich Ihnen bei meinen Lebzeiten nichts davon gesagt habe? Dafür habe ich nur einen Grund. Ich that diese sonderbaren Dinge, weil ich Sie liebte.
»Ich möchte Sie nicht mit langen Mittheilungen über mich selbst oder mein Leben, bevor ich in Mylady’s Haus kam, behelligen. Lady Verinder nahm mich aus einem Besserungshause zu sich. Vor dem Besserungshause war ich im Gefängniß gewesen. In’s Gefängniß kam ich weil ich eine Diebin war. Eine Diebin war ich, weil meine Mutter auf den Gassen umherzog, als ich noch ein ganz kleines Mädchen war. Meine Mutter zog auf den Gassen umher weil der Herr, der mein Vater war, sie verlassen hatte. Ich brauche eine so gewöhnliche Geschichte wie diese nicht ausführlicher zu erzählen. Sie ist oft genug in den Zeitungen zu lesen.
»Lady Verinder war sehr gut gegen mich und auch Herr Betteredge war sehr gut gegen mich. Diese Beiden und die Hausmutter im Besserungshause sind die einzigen guten Menschen denen ich in meinem ganzen Leben begegnet bin. Ich hätte es vielleicht in meiner Stelle aushalten können, ohne glücklich zu sein, aber doch aushalten können, wenn ——— Sie nicht gekommen wären. Ich tadle Sie nicht, mein Herr. Es ist meine Schuld ——— Alles meine Schuld!
»Erinnern Sie sich jenes Morgens, an welchem Sie über die Sandhügel, nach Herr Betteredge suchend, zu uns herunterkamen? Sie erschienen mir wie ein Prinz in einem Feenmärchen, wie ein Geliebter im Traum. Sie waren für mich das anbetungswürdigste menschliche Wesen, das ich je gesehen habe. In dem Augenblick wo ich meine Augen zu Ihnen aufschlug, leuchtete etwas in mir auf, das mich berührte wie das glückliche Leben, das ich noch nie gelebt hatte. Verlachen Sie mich nicht. O, wenn ich Ihnen nur begreiflich machen könnte, wie ernst ich es damit meine!
»Ich ging in’s Haus zurück und kritzelte Ihren und meinen Namen in meinen Arbeitskasten und malte ein flammendes Herz darunter. Dann flüsterte mir ein Teufel ——— nein, ich sollte sagen, ein guter Engel ——— zu: »Geh und betrachte Dich im Spiegel!« Der Spiegel sagte mir ——— gleichviel was. Ich war zu thöricht, dem Spiegel zu glauben. Immer stärker wurde meine Liebe zu Ihnen, grade als ob ich Ihres Gleichen und das reizendste Geschöpf gewesen wäre, das Sie je gesehen hätten. Ich bot Alles auf, o, was versuchte ich nicht, um Sie dahin zu bringen, mich anzusehen. Wenn Sie gewußt hätten, wie ich Nächtelang vor Schmerz und Unmuth darüber, daß Sie nicht die geringste Notiz von mir nahmen, Thränen vergoß, so hätten Sie vielleicht Mitleid mit mir gehabt und mir von Zeit zu Zeit einen Blick gegönnt, an dem ich hätte zehren können.
»Freilich wäre der Blick wohl kein sehr freundlicher gewesen, wenn Sie gewußt hätten, wie ich Fräulein Rachel haßte. Ich hatte es, glaube ich, schon herausgefunden, daß Sie sie liebten, noch ehe Sie selbst es wußten. Sie pflegte Ihnen Rosen zu geben, um sie ins Knopfloch zu tragen. Ach, Herr Franklin, öfter als Sie und Fräulein Rachel es ahnten, waren diese Rosen die Meinigen.
»Meinen einzigen Trost fand ich darin, im Geheimen meine Rose an die Stelle der Ihnen von Fräulein Rachel gegebenen in Ihr Glas Wasser zu setzen und jene wegzuwerfen.
»Wenn Sie wirklich so hübsch gewesen wäre, wie Sie sie fanden, so hätte ich die Sache vielleicht besser ertragen. Nein, ich glaube, ich würde sie noch mehr gehaßt haben. Denken Sie sich Fräulein Rachel ohne ihren Putz und in Dienstmädchenkleidern! Aber wozu schreibe ich das. Sie hatte doch gewiß einen schlechten Wuchs, sie war zu mager. Aber wer kann sagen, was Männern gefällt. Und junge Damen können sich ein Betragen erlauben, das einem Dienstmädchen seine Stelle kosten würde, doch das geht mich nichts an. Ich kann nicht erwarten, daß Sie diesen Brief zu Ende lesen, wenn ich solches Zeug schreibe. Aber es verdrießt Einen, Fräulein Rachel immer hübsch nennen zu hören, wenn man weiß, daß sie dieses Lob nur ihrer Toilette und ihrem Selbstvertrauen verdankt.
»Worauf es mir aber ankommt, daß Sie es wissen, ist Folgendes:
»Ich hatte kein schweres Leben, so lange ich eine Diebin war. Erst als sie mich in der Besserungs-Anstalt gelehrt hatten, mir meiner Selbsterniederung bewußt zu werden und an meiner Besserung zu arbeiten, wurden mir die Tage lang und mühselig. Jetzt fingen sich mir Gedanken an meine Zukunft aufzudrängen an.
»Ich fühlte den schrecklichen Vorwurf, der in dem bloßen Dasein rechtschaffener Menschen, selbst der gütigsten unter ihnen für mich lag. Ein herzbrechendes Gefühl der Vereinsamung verfolgte mich überall, bei jeder Beschäftigung, in der Gesellschaft aller Menschen. Ich wußte, daß es meine Pflicht sei, mit meinen Mitdienstboten freundlich zu verkehren, aber es wollte mir nicht gelingen; sie sahen mich an oder schienen mich wenigstens anzusehen, als kannten sie meine Vergangenheit. Ich bin weit davon entfernt, zu bereuen, daß ich gebessert worden bin, aber Gott weiß es, es war ein schweres Leben. In dieses Leben traten Sie plötzlich ein wie ein Sonnenstrahl; aber auch meine Hoffnung auf Sie erwies sich als eitel. Ich war unsinnig genug, Sie zu lieben und konnte nicht einmal Ihre Aufmerksamkeit auf mich lenken. Das war ein großer Jammer, wahrlich ein großer Jammer für mich.
»Jetzt komme ich aber zu dem, was ich Ihnen sagen wollte. In jenen traurigen Tagen ging ich zwei oder dreimal, wenn die Reihe auszugehen an mir war, nach meinem Lieblingsplatze, dem Strande bei dem Zittersand und sagte mir, ich hoffe hier wird es enden. Wenn ich es nicht länger aushalten kann, so wird es hier enden. Sie müssen wissen, Herr Franklin, daß der Platz schon ehe Sie herkamen eine Art von Zauber auf mich ausübte. Es war mir immer wie eine Ahnung gewesen, daß mir bei dem Zittersand etwas begegnen werde. Aber niemals war es mir in den Sinn gekommen, daß ich an dieser Stätte einmal meinen Leiden selbst ein Ende machen könnte, bis die Zeit kam, von der ich jetzt rede. Jetzt fing ich an zu denken, daß hier eine Stelle sei, die in einem Augenblick alle meine Leiden enden und mich für immer verborgen halten würde.
»Das ist Alles, was ich Ihnen für die Zeit von dem Morgen an, wo ich Sie zuerst sah, bis zu jenem Morgen, wo sich die Kunde im Hause verbreitete, daß der Diamant verloren sei, in Betreff meiner Person zu sagen habe.
»Ich war so aufgebracht über das thörichte Gerede unter den weiblichen Dienstboten, die sich Alle daraus spitzten, auf wen wohl der Verdacht zuerst fallen würde, und so zornig gegen Sie (weil ich es damals nicht besser verstand) wegen Ihrer Bemühungen, dem Diamanten nachzuspüren und die Polizei herbeizuholen, daß ich mich so viel wie möglich für mich allein hielt, bis im Laufe des Tages der Beamte von Frizinghall erschien.
»Herr Seegrave fing, wie Sie sich vielleicht erinnern, damit an, eine Wache vor die Schlafzimmer der weiblichen Dienstboten zu stellen und diese stürzten ihm Alle wüthend nach, um ihn zu fragen, was diese beleidigende Maßregel bedeuten solle. Ich ging mit den übrigen, weil, wenn ich das nicht gethan hätte, Herr Seegrave sofort gegen mich Verdacht geschöpft haben würde. Wir fanden Herrn Seegrave in Fräulein Rachel’s Zimmer. Er sagte, er wolle keine Weiber da haben und wies auf den Farbenfleck an der gemalten Thür und sagte, wir hätten das mit unsern ...
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Synopsis
- Historischer Kontext
- Autorenbiografie
- Der Mondstein (Mystery-Krimi)
- Analyse
- Reflexion
- Unvergessliche Zitate
- Notizen
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