
- 496 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
eBook - ePub
Über dieses Buch
Das Buch "Redgauntlet" von Walter Scott ist ein historischer Roman, der die politischen Intrigen und gesellschaftlichen Spannungen im Schottland des 18. Jahrhunderts darstellt. Mit seinem präzisen und detailreichen Schreibstil schafft Scott eine lebendige Darstellung der historischen Ereignisse und Charaktere. Der Roman zeigt Scotts Fähigkeit, historische Fakten mit fesselnder Fiktion zu verbinden und den Leser in die Welt von Redgauntlet einzutauchen. Der literarische Kontext von "Redgauntlet" zeigt Scotts einzigartige Fähigkeit, historische Romane mit politischen und gesellschaftlichen Themen zu verbinden, was ihn zu einem der bedeutendsten Autoren des 19. Jahrhunderts macht. Walter Scott, ein schottischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, wurde von der reichen Geschichte seines Heimatlandes inspiriert, was ihn dazu veranlasste, historische Romane wie "Redgauntlet" zu schreiben. Scotts Interesse an Politik und Gesellschaft spiegelt sich in seinem Werk wider, in dem er komplexe Charaktere und Handlungsstränge geschickt verwebt. Seine Werke haben einen bleibenden Eindruck in der Literaturgeschichte hinterlassen und seine Fähigkeit, historische Fakten mit fesselnder Fiktion zu kombinieren, wird auch in "Redgauntlet" deutlich. "Redgauntlet" ist ein fesselnder historischer Roman, der Fans von historischer Fiction und politischen Intrigen begeistern wird. Mit Scotts präzisem Schreibstil und seiner detaillierten Darstellung der Geschichte Schottlands bietet das Buch eine packende Lektüre, die den Leser in die Welt des 18. Jahrhunderts entführt. Für alle, die historische Romane mit faszinierenden Charakteren und politischen Machenschaften schätzen, ist "Redgauntlet" von Walter Scott ein absolutes Muss.
In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen:
- Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes.
- Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten.
- Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben.
- Eine Autorenbiografie beleuchtet wichtige Stationen im Leben des Autors und vermittelt die persönlichen Einsichten hinter dem Text.
- Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen.
- Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen.
- Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor.
- Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
Information
Thema
LiteraturThema
Historische RomaneZweiter Band
Inhaltsverzeichnis
Erstes Kapitel.
Inhaltsverzeichnis
Erzählung.
Der Vortheil, den es gewährt, wenn man dem Leser die Abenteuer, welche wir hätten erzählen müssen, in den Worten der handelnden Personen selbst vorlegt, hat bei anderen Werken die Briefform, so wie sie von mehreren großen Schriftstellern und auch von uns angewandt wurde, sehr in Aufnahme gebracht. Doch aber kann eine solche ächte Correspondenz (und Gott behüte, daß wir es auf irgend eine Weise mit eigenen Interpolationen ausschmücken sollten) nur sehr selten alles das Nöthige enthalten, das erforderlich ist, um den Leser vom ganzen Lauf der Geschichte zu unterrichten. Auch muß es oft vorkommen, daß Weitschweifigkeiten und Widerholungen im Wechsel der Briefe den Lauf der Erzählung hemmen. Um dieses Uebel zu vermeiden, haben einige Biographen die Briefe der betheiligten Personen oder Auszüge davon benutzt, um die besonderen Vorfälle oder die Gefühle, welche sie hegten, zu beschreiben; während sie diese gelegentlich so mit ihrer Erzählung verbanden, daß sie den Lauf der Geschichte beförderten.
So bewegt sich der muthige Reisende, der den Gipfel des Montblanc besteigt, jetzt langsam fort auf der tiefen, unebenen Schneematte, so daß man sein Fortschreiten kaum bemerkt, während er jetzt, mit Hülfe seines Alpenstockes, über den trennenden Bergstrom springt, die hindernde Kluft überschreitet und so seine Reise beschleunigt.
Oder, um ein näher liegendes Gleichniß zu wählen, gleicht der Lauf unserer Geschichtserzählung der ursprünglichen Bestimmung der Dragoner, die zu Pferd und zu Fuß dienen mußten, wie die Gelegenheit es erheischte. Nach dieser vorläufigen Erklärung wollen wir es versuchen, einige Umstände näher zu beleuchten, welche Allan Fairford seinem Freunde nicht schrieb und nicht schreiben konnte.
Wir glauben, unser Leser wird sich einen ziemlich genauen Begriff von den Hauptcharakteren der Personen gebildet haben, welche handelnd auftraten. Aber im Fall, daß unsere gute Meinung von seiner Geschicklichkeit etwas übertrieben wäre, und um denjenigen Genüge zu leisten, die sich der löblichen Gewohnheit des Blätterns (wozu wir selbst übrigens zuweilen große Neigung fühlen) ergeben haben, mögen die folgenden näheren Erklärungen vielleicht nicht überflüssig sein.
Mr. Saunders Fairford, wie man ihn gewöhnlich nannte, war ein Geschäftsmann aus der alten Schule, mäßig in seinen Forderungen, ökonomisch, selbst etwas genau in seinen Ausgaben, streng rechtlich in der Ausführung seiner eigenen Geschäfte und der seiner Clienten, aber durch eine lange Erfahrung belehrt, war er auch aufmerksam und mißtrauisch bei den Handlungen seiner Mitmenschen. Pünktlich, so wie die Glocke von Saint Giles neun Uhr schlug, sah man die runde, reinliche Gestalt des ehrenwerthen alten Herrn an der Schwelle der Gerichtshalle, oder doch mindestens am Fuße der schwarzen Treppe reinlich gekleidet, in einem vollkommenen Anzug von schnupftabaksbraunem Tuch, mit seidenen oder wollenen Strümpfen, wie das Wetter es erlaubte; mit einer Zopfperrücke und einem kleinen dreieckigen Hütchen, mit Schuhen, die so reinlich geputzt waren, als hätten Warren selbst sie geschwärzt, mit silbernen Schuhschnallen und einem Stock mit goldenem Knopfe. Ein Blumenstrauß im Sommer, ein Zweig von Immergrün im Winter vollendete seine wohlbekannte Kleidung und Gestalt. Seine Manieren stimmten mit seiner Kleidung überein; streng höflich und nicht wenig umständlich. Er war Kirchenältester und folglich bis auf’s Blutvergießen eifrig für König Georg und seine Regierung, was er auch gezeigt hatte, da er zu ihrer Vertheidigung die Waffen ergriffen hatte. Aber da er unter den Familien beider politischen Parteien Clienten und Geschäftsverbindungen hatte, so war er sehr sorgsam; alle Convenienz-Ausdrücke zu gebrauchen, welche die Höflichkeit seiner Zeit zum Sprachgebrauch zwischen beiden Parteien erfunden hatte. So sprach er wohl zuweilen vom Chevalier, nie aber vom Prinzen, womit er seine eigenen Grundsätze aufgeopfert, auch nicht vom Prätendenten, womit er die der Andern beleidigt hätte. Wiederum bezeichnete er die Rebellion mit der Geschichte im Jahre 1745, und sprach er von einer Person, welche darin verwickelt war, so war sie zu einer gewissen Periode im Feld. So war Mr. Fairford im Allgemeinen ein Mann, der von beiden Seiten wohlgelitten und geachtet war, so wie es auch seinen Freunden vielleicht keinen Kummer verursacht haben würde, wenn er öfter Gastmähler gegeben hätte, da sein Keller eine Auswahl alter Weine enthielt, mit denen er, jedoch nur bei seltenen Gelegenheiten, nicht geizte.
Das einzige Vergnügen, das der gutmüthige, altmodische Mann außer dem, welches ihm die pünktliche Besorgung seiner täglichen Beschäftigung gewährte, genoß, war die Hoffnung, daß sein Allan, die einzige Frucht einer Ehe, welche der Tod früh wieder auflöste, das erreichen möchte, was in den Augen seines Vaters die höchste Auszeichnung war – den Rang und den Ruhm eines praktischen Juristen.
Jeder Stand hat seine eigenen Begriffe von Ehre; so hatte auch der alte Fairford die Ansichten des seinigen so sehr eingesogen, daß er durchaus nichts Anderes in Werth hielt, als das Ziel, welches der Ehrgeiz seines eigenen Berufs ihm darbot. Er hätte geschaudert, wenn sich Allan den Ruhm des Helden, er hätte vor Zorn gelacht, wenn er sich den eben so unfruchtbaren Lorbeerkranz des Dichters errungen hätte; nur auf der Bahn der Jurisprudenz wollte er ihn hoch steigen sehen, und die Wahrscheinlichkeit seines glücklichen oder unglücklichen Erfolgs waren die Gedanken seines Vaters bei Tag, und Nachts sein Traum.
Allan Fairfords Anlagen und Talente mußten die Hoffnungen seines Vaters noch bedeutend erhöhen. Er besaß Schnelligkeit der Fassungskraft, verbunden mit der Gewohnheit eines anhaltenden, unermüdeten Studiums, die durch die strenge Zucht im Hause seines Vaters noch erhöht ward, der er sich im Allgemeinen mit dem besten Willen unterwarf; er fühlte keinen Wunsch häufigere und größere Freiheiten zu genießen, als solche, die mit seines Vaters ängstlicher Strenge wohl bestehen konnten. Wenn er aber hin und wieder einmal an jugendlichen Ausgelassenheiten Theil nahm, so war sein Vater so nachsichtig, den ganzen Tadel auf seinen lebenslustigeren Freund, Darsie Latimer, zu schieben.
Dieser Jüngling ward, wie der Leser schon weiß, als Hausgenosse in der Familie des alten Fairford zu einer Zeit aufgenommen, wo die schwächlichen Gesundheitsumstände, die das Leben seiner Gattin verkürzt hatten, auch bei dem Sohne hervorzutreten schienen, und wo der Vater natürlicher Weise sehr geneigt war, den geringsten Wünschen seines Sohnes zuvorzukommen. Daß der junge Engländer im Stande war, ein bedeutendes Kostgeld zu zahlen, war dem alten Fairford nicht sehr wichtig; wohl aber das, daß seine Gegenwart seinen Sohn fröhlich und glücklich zu machen schien. Er mußte eingestehen, »daß Darsie ein zwar ausgelassener, aber doch ein schöner Bursche sei,« und es würde ihm schwer gefallen sein, sich von ihm, und also auch von der Furcht vor den Folgen seiner Flatterhaftigkeit, zu trennen, hätte ihm nicht die freiwillige Ausflucht des Jünglings, welche zu dem vorhergehenden Briefwechsel Anlaß gab, eine gute Gelegenheit dazu dargeboten, über die sich Mr. Fairford im Geheim recht herzlich freute, weil auf diese Weise Allan wenigstens so lange von seinem muntern Gefährten getrennt ward, bis er die Pflichten seines trockenen, arbeitsamen Berufs übernommen und sich daran gewöhnt hätte.
Aber durch Darsie’s Abwesenheit ward der Zweck noch lange nicht erreicht, den der alte Herr Fairford erwartete und wünschte. Die jungen Leute waren durch die innigsten Bande einer vertrauten Freundschaft vereinigt, die um so fester waren, da Keiner von beiden einen Dritten im Bunde aufzunehmen wünschte. Allan Fairford liebte aus einem natürlichen Hange die großen Gesellschaften nicht, Darsie Latimer aber aus einem peinlichen Gefühl seiner unbekannten Herkunft, das um so viel drückender in einem Lande war, wo Vornehme und Geringe geborene Genealogen sind. Die jungen Männer waren sich daher Alles in Allem, und es ist also nicht zu verwundern, daß nicht allein ihre Trennung schmerzlich war, sondern daß auch ihre Wirkungen, verbunden mit der Angst, welche der Inhalt der Briefe seines Freundes hervorbrachte, auf Allan Fairford gerade den Eindruck vergrößerten, dem Mr. Saunders zuvorkommen wollte. Der junge Mann ging zwar seinen gewöhnlichen Pflichten, seinen Studien und den Prüfungen, denen er unterworfen ward, nach, aber keineswegs mit dem Fleiß und dem Eifer, den er bisher an den Tag gelegt hatte, so daß sein ängstlicher und aufmerksamer Vater bald nur zu deutlich sah, daß sein Herz bei seinem abwesenden Freunde verweile.
Ein Philosoph würde auf das Prinzip hin, daß ein Extrem sich selbst auflöst, und daß also ihre vertraute Freundschaft sich stufenweise von selbst vermindern würde, wenn man den Jünglingen erlaubte, eine Zeit lang zusammen zu leben, dem Strom seiner Gefühle Raum gegeben haben; Mr. Fairford aber sah nur den unmittelbaren Weg fernerer Beschränkungen, den er jedoch unter irgend einem annehmbaren Vorwande zu verschleiern suchen wollte. In der Angst, die er dabei empfand, unterredete er sich mit einem alten Bekannten, Peter Drudgeit, mit dem der Leser schon zum Theil bekannt ist. »Mit Allan,« sagte er, »werde es immer schlimmer; er erwarte jeden Augenblick, daß er dem Lappen Latimer wie eine wilde Gans nachflöge; Will Sampson, der Pferdeverleiher in der Lichterzieherstraße, hatte ihm einen Wink gegeben, daß Allan sich nach einem tüchtigen Pferde umgesehen habe, um auf wenige Tage auf’s Land zu gehen. Sich ihm aber geradezu zu widersetzen, wäre ihm unmöglich – es fiele ihm immer ein, wie schnell seine arme Mutter weggerafft worden wäre. – Wollte Gott, ich könnte ihn in irgend ein Geschäft verwickeln, es ist mir gleichviel, ob es gut oder schlecht bezahlt wird; nur eine Beschäftigung, die ihn zu Hause fest hielte, bis wenigstens die Gerichtssitzung aufgehoben würde, wäre es auch nur Anstands halber.«
Peter Drudgeit stimmte vollkommen mit ihm überein, denn er hatte einen Sohn, der, mit oder ohne Grund, durchaus die kurzen, barchenten Schreibärmel mit der blauen Jacke mit weißen Aufschlägen vertauschen wollte; er gab ihm also den Gedanken ein, unsern Freund Allan mit des armen Peter Peebles’ Prozeß zu beschäftigen, der gerade durch die Flucht des jungen Dumtoustie zu vergeben war, wobei man zu gleicher Zeit die Abwesenheit des Letztern entschuldigen könnte; damit würde man, wie Drutgeit sich ausdrückte, »zwei Mücken mit einem Schlag todtschlagen«.
Mit dieser Erklärung wird der Leser wohl einen Mann, der, wie der alte Fairford, mit Verstand und Erfahrung begabt war, von der gewagten, ungeduldigen Neugierde freisprechen, mit welcher ein Knabe einen jungen Hund in einen tiefen Brunnen wirft, blos um zu sehen, ob das Thier auch schwimmen kann. So viel Zutrauen er auch in die wirklich bedeutenden Talente seines Sohnes setzte, so würde er doch sehr geschwankt haben, ihm bei seinem ersten Erscheinen vor den Schranken die Pflicht aufzuerlegen, einen verwickelten und schwierigen Rechtsstreit zu vertheidigen, wenn es ihm nicht das wirksamste Mittel geschienen hätte, den jungen Mann von einem Schritt abzuhalten, der ihm beim ersten Eintritt seines Sohnes in’s Leben, nach seiner Denkart, als höchst verderblich scheinen mußte.
Unter den zwei Uebeln wählte Mr. Fairford das, welches er am wenigsten fürchtete; und wie ein tapferer Krieger schickte er seinen Sohn in die Schlacht, damit er lieber auf dem Felde der Ehre bleiben, als ehrlos seine Fahne verlassen möchte. Aber er überließ ihn auch keineswegs seiner eigenen Thatkraft, ohne weitere Beihilfe. So wie Alpheus dem Herkules voranging, bahnte er ihm selbst den Weg im Augiasstalle des Prozesses Peter Peebles. Es war ein Liebesdienst für den alten Mann, das wahre Verdienst der Sache in ein klares, ungetrübtes Licht zu setzen, da es durch die Nachlässigkeit und die Verstöße der früheren Advokaten in eine unermeßliche, chaotische Masse unverständlicher Kunstausdrücke verwirrt worden war. Seine Geschicklichkeit und sein Fleiß waren dabei so groß, daß er im Stande war, nach zwei oder drei Tagen, die er mit mühevoller, angestrengter Arbeit verbracht hatte, dem jungen Advokaten die Hauptfacta des Prozesses einfach und verständlich vorzutragen. Mit Hülfe eines so sorgfältigen und unermüdlichen Beistandes ward Allan Fairford in den Stand gesetzt, am bestimmten Tag in Begleitung seines ängstlichen, aber doch ermunternden Vaters, mit einem gewissen Selbstgefühl dem Gerichtshofe zuzuwandeln, da er sicher hoffen durfte, bei dieser wichtigen Gelegenheit keinen Ruhm zu verlieren.
Am Gerichtshofe begegnete ihnen der arme Peter Peebles mit seiner gewöhnlichen dicken Perrücke und seinem hervorragenden Hut. Er ergriff seinen jungen Vertheidiger wie ein Löwe seine Beute. »Wie steht’s, Mr. Allan, – wie steht’s, Freund? – Endlich ist der entscheidende Tag gekommen – ein Tag, dessen lange noch gedacht werden wird in diesem Hause. – Der arme Peter Peebles gegen Plainstanes – alle Prozesse zusammen in Plenum zu entscheiden – so heißt es im Verzeichniß. – Ich habe so viel daran gedacht, daß ich die ganze Woche kein Auge zuthat, und ich wette darauf, es ist dem Lord Präsidenten eben so gegangen – denn das ist ein Prozeß!! Aber neulich, Abends, verleitete mich Euer Vater, ein Gläschen über die Gebühr zu trinken; man soll den Branntwein nicht mit Geschäften vermischen, Mr. Fairford. Es wäre mir noch schlimmer gegangen, wenn ich so viel Branntwein getrunken hätte, wie Ihr es wolltet. Aber jedes Ding hat seine Zeit, und Ihr sollt mit mir zu Mittag essen, wenn die Sache plaidirt ist, oder was vielleicht noch besser sein mag, ich will mit Euch nach Hause gehen und dann habe ich nichts gegen ein Gläschen einzuwenden, wenn es nämlich mit Maß und Ziel getrunken wird.«
Der alte Fairford zuckte die Schultern, eilte bei seinem Clienten vorüber, sah seinen Sohn mit dem schwarzen Mantel bekleiden, der in seinen Augen ehrwürdiger war, als der Chorrock des Erzbischofs, und konnte sich nicht enthalten, ihm freundlich auf die Schulter zu klopfen, indem er ihm in’s Ohr flüsterte: »Fasse Muth und zeige, daß du würdig bist, ihn zu tragen.«
Sie gingen durch die äußeren Hallen des Gerichtshofs (wo einst die Versammlungen des alten schottischen Parlaments waren), das wie Westminster-Hall in England, zugleich zum Vorplatz des inneren Hauses, wie man ich ausdrückt, und zum Residenz-Sitze gewisser sitzender Personen dient, die man Richter nennt.
Den ersten Theil des Morgens benutzte der alte Fairford dazu, dem Allan seine Instruktionen zu wiederholen und von Einem zum Andern zu laufen, um wo möglich noch einige Aufklärungen über die Sache selbst oder über die damit zusammenhängenden Personen zu erhalten. Während dieser Zeit hielt sich der arme Peter Peebles, dessen ohnehin schwaches Gehirn nun ganz unfähig war, die Wichtigkeit des Moments zu ertragen, so nahe an seinen jungen Advokaten, wie der Schatten am Körper; bald schien er laut zu sprechen, bald ihm in’s Ohr zu flüstern, jetzt umzog ein hämisches Lächeln sein gespensterartiges Angesicht, im nächsten Augenblicke bedeckte es eine Wolke tiefer, ernster Wichtigkeit, die dann wieder einem zornigen, spöttischen Gelächter weichen mußte. Dabei war der Ausdruck seiner Gefühle von sonderbaren, übertriebenen, spöttisch-höhnenden Bewegungen begleitet, welche der streitsüchtige, zänkische Mann seinen Gesichtszügen angemessen hielt. Jetzt streckte er seinen Arm in die Höhe, jetzt ballte er die Faust, als wollte er seinen Gegner zu Boden werfen. In diesem Augenblicke legte er die Hand auf den Busen, und im nächsten schnellte er mit den Fingern in die Luft. Den jungen Müssiggängern in der Halle entgingen weder diese kräftigen Bewegungen, noch die sichtliche Scham und Verlegenheit Allan Fairford’s. Zwar näherten sie sich dem Peter nicht mit ihrer gewöhnlichen Vertraulichkeit, weil ein gewisses Gefühl der Achtung gegen Fairford sie zurückhielt, wenn ihn schon manche einer allzu großen Eitelkeit beschuldigten, so früh einen Prozeß zu übernehmen, der so viele Schwierigkeiten darbot, wie dieser. Doch fühlte es Allan sehr wohl, daß, ungeachtet aller Schonung gegen ihn, er sowohl als sein Gefährte die Zielscheibe der Witzworte und des Gelächters sei, welche in diesem Bezirk zu jeder Zeit erschallen.
Endlich ermüdete die Geduld des jungen Advokaten, denn er fürchtete mit Recht, außer Fassung zu kommen, und die nöthigen Facta zu vergessen. Allan sagte also seinem Vater geradezu, daß, wenn er nicht von der persönlichen Gegenwart und von den Einflüsterungen seines Clienten erlöst würde, er kurz ab sein müßte, und außer Stand sei, den Prozeß zu führen.
»Still, still, mein theurer Allan,« sagte der alte Gentleman, dem bei der ...
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Synopsis
- Historischer Kontext
- Autorenbiografie
- Redgauntlet
- Analyse
- Reflexion
- Unvergessliche Zitate
- Notizen
375,005 Studierende vertrauen auf uns
Zugang zu über 1,5 Millionen Titeln zu einem fairen monatlichen Preis.
Mit unseren Lerntools kannst du noch effizienter lernen.
Häufig gestellte Fragen
Ja, du kannst dein Abo jederzeit über den Tab Abo in deinen Kontoeinstellungen auf der Perlego-Website kündigen. Dein Abo bleibt bis zum Ende deines aktuellen Abrechnungszeitraums aktiv. Erfahre, wie du dein Abo kündigen kannst
Nein, Bücher können nicht als externe Dateien, z. B. PDFs, zur Verwendung außerhalb von Perlego heruntergeladen werden. Du kannst jedoch Bücher in der Perlego-App herunterladen, um sie offline auf deinem Smartphone oder Tablet zu lesen. Erfahre, wie du Bücher herunterladen kannst, um sie offline zu lesen
Perlego bietet zwei Pläne an: Essential und Complete
- Essential ist ideal für Lernende und Fachkräfte, die es genießen, eine Vielzahl von Themen zu erkunden. Greife auf die Essential Library mit über 800.000 vertrauenswürdigen Titeln und Bestsellern in den Bereichen Wirtschaft, persönliche Weiterentwicklung und Geisteswissenschaften zu. Enthält unbegrenzte Lesezeit und Standard-Vorlesestimme.
- Complete: Perfekt für fortgeschrittene Lernende und Forschende, die vollen, uneingeschränkten Zugriff benötigen. Entsperre über 1,5 Millionen Bücher zu Hunderten von Themen, einschließlich akademischen und spezialisierten Titeln. Der Complete-Plan enthält außerdem fortschrittliche Funktionen wie Premium Vorlesen und Forschungsassistent.
Wir sind ein Online-Lehrbuch-Abonnement-Service, bei dem du für weniger als den Preis eines einzelnen Buchs pro Monat Zugriff auf eine gesamte Online-Bibliothek erhältst. Bei über 1,5 Millionen Büchern zu mehr als 990 Themen bist du bestens versorgt! Erfahre mehr über unsere Mission
Achte auf das Symbol zum Vorlesen bei deinem nächsten Buch, um zu sehen, ob du es dir auch anhören kannst. Bei diesem Tool wird dir Text laut vorgelesen, wobei der Text beim Vorlesen auch grafisch hervorgehoben wird. Du kannst das Vorlesen jederzeit anhalten, beschleunigen und verlangsamen. Erfahre mehr über die Funktion „Vorlesen“
Ja! Du kannst die Perlego-App sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten nutzen, damit du jederzeit und überall lesen kannst – sogar offline. Perfekt für den Weg zur Arbeit oder wenn du unterwegs bist.
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Bitte beachte, dass wir Geräte, auf denen die Betriebssysteme iOS 13 und Android 7 oder noch ältere Versionen ausgeführt werden, nicht unterstützen können. Mehr über die Verwendung der App erfahren
Ja, du kannst auf Redgauntlet von Walter Scott im PDF- und/oder ePUB-Format sowie auf andere beliebte Bücher in Literatur & Historische Romane zugreifen. In unserem Katalog stehen über 1,5 Millionen Bücher zur Verfügung.