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Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn (Kommentiert)
Erweiterte Ausgabe. Illustrierte Ausgabe
- 712 Seiten
- German
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Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn (Kommentiert)
Erweiterte Ausgabe. Illustrierte Ausgabe
Über dieses Buch
Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn versammelt zwei zentrale Romane der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts, in denen Mark Twain Kindheit, Freiheit und moralische Selbstprüfung entlang des Mississippi entfaltet. Mit humorvoller Erzählkunst, genauer Milieubeobachtung und satirischer Schärfe verbindet Twain Schelmenroman, Bildungsroman und Sozialkritik. Tom Sawyers spielerische Welt der Streiche und Abenteuer geht in Huckleberry Finns radikalere Reise über, die Fragen von Sklaverei, Gewissen und gesellschaftlicher Heuchelei verhandelt. Mark Twain, 1835 als Samuel Langhorne Clemens in Missouri geboren, kannte die Flusslandschaften, Dialekte und sozialen Spannungen des amerikanischen Südens aus eigener Erfahrung. Seine Tätigkeit als Drucker, Journalist, Lotse auf dem Mississippi und Reisender prägte seine literarische Genauigkeit ebenso wie seinen skeptischen Blick auf Autorität, Religion und Fortschrittsglauben. Aus diesen Erfahrungen entstand eine Prosa, die volkstümliche Stimme und intellektuelle Kritik eindrucksvoll verbindet. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die klassische Abenteuerliteratur nicht nur als Unterhaltung, sondern als vielschichtige Analyse amerikanischer Identität verstehen möchten. Twains Figuren bleiben lebendig, weil sie kindliche Neugier, ethische Unsicherheit und gesellschaftlichen Widerstand verkörpern. Die Lektüre bietet Spannung, Witz und historische Einsicht zugleich.
Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern.
- Eine umfassende Einführung skizziert die verbindenden Merkmale, Themen oder stilistischen Entwicklungen dieser ausgewählten Werke.
- Die Autorenbiografie hebt persönliche Meilensteine und literarische Einflüsse hervor, die das gesamte Schaffen prägen.
- Ein Abschnitt zum historischen Kontext verortet die Werke in ihrer Epoche – soziale Strömungen, kulturelle Trends und Schlüsselerlebnisse, die ihrer Entstehung zugrunde liegen.
- Eine knappe Synopsis (Auswahl) gibt einen zugänglichen Überblick über die enthaltenen Texte und hilft dabei, Handlungsverläufe und Hauptideen zu erfassen, ohne wichtige Wendepunkte zu verraten.
- Eine vereinheitlichende Analyse untersucht wiederkehrende Motive und charakteristische Stilmittel in der Sammlung, verbindet die Erzählungen miteinander und beleuchtet zugleich die individuellen Stärken der einzelnen Werke.
- Reflexionsfragen regen zu einer tieferen Auseinandersetzung mit der übergreifenden Botschaft des Autors an und laden dazu ein, Bezüge zwischen den verschiedenen Texten herzustellen sowie sie in einen modernen Kontext zu setzen.
- Abschließend fassen unsere handverlesenen unvergesslichen Zitate zentrale Aussagen und Wendepunkte zusammen und verdeutlichen so die Kernthemen der gesamten Sammlung.
Die Abenteuer des Huckleberry Finn
Inhaltsverzeichnis

Inhalt
Erstes Kapitel
Zweites Kapitel
Drittes Kapitel
Viertes Kapitel
Fünftes Kapitel
Sechstes Kapitel
Siebentes Kapitel
Achtes Kapitel
Neuntes Kapitel
Zehntes Kapitel
Elftes Kapitel
Zwölftes Kapitel
Dreizehntes Kapitel
Vierzehntes Kapitel
Fünfzehntes Kapitel
Sechzehntes Kapitel
Siebzehntes Kapitel
Achtzehntes Kapitel
Neunzehntes Kapitel
Zwanzigstes Kapitel
Einundzwanzigstes Kapitel
Zweiundzwanzigstes Kapitel
Dreiundzwanzigstes Kapitel
Vierundzwanzigstes Kapitel
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Sechsundzwanzigstes Kapitel
Siebenundzwanzigstes Kapitel
Achtundzwanzigstes Kapitel
Neunundzwanzigstes Kapitel
Dreißigstes Kapitel
Einunddreißigstes Kapitel
Zweiunddreißigstes Kapitel
Dreiunddreißigstes Kapitel
Vierunddreißigstes Kapitel
Erstes Kapitel
Inhaltsverzeichnis
Huck soll »stevilisiert« werden – Moses in den »Schilfern« – Mik Watson – Tom Sawyer wartet. –
Kennen thut ihr mich wohl noch nicht, muß mich also selbst vorstellen und noch ganz geschwind erzählen, was ich bis jetzt alles erlebt habe. Viel ist's freilich nicht, das weiß ich selbst, aber da mein guter Freund Tom Sawyer viel dabei vorkommt und Tom ein solcher Held und Hauptkerl ist, auf den ich furchtbar stolz bin, so denke ich, will ich's doch einmal probieren. Also ich bin der Huckleberry Finn, eigentlich immer kurzweg Huck genannt. Meine Mutter, wenn ich je eine hatte, habe ich nie gekannt und mein Vater ist seines Zeichens der Trunkenbold der Stadt, der eben Gott sei Dank viel auswärts ist, aber immer ab und an einmal auftaucht, wobei dann stets mein Rücken sein blaues Wunder erlebt. Jetzt ist er schon seit geraumer Weile verschwunden, aber das Geld, fürcht' ich, wird ihn bald herlocken, wie der Honig die Wespen. Ja so, da sprech' ich von Geld und hab' doch noch gar nicht gesagt, wie ich zu Geld komme. Wir haben's nämlich den Räubern abgenommen, der Tom und ich, deren Höhle wir zufällig entdeckten, d.h. wir sahen aus sicherem Versteck zu, als sie's eingruben und machten uns hernach, als sie weg waren, dahinter und nahmen die Bescherung für uns. Die mögen schöne Gesichter gemacht haben, als sie das Nest leer fanden! Aber die Geschichte ist viel zu groß und zu lang um sie zu erzählen und so will ich nur sagen, daß wir also richtig das Geld erwischten und zwar einen ordentlichen Haufen, sechstausend Dollars für jeden von uns und der Bürgermeister nahm meinen Teil in Empfang und »legte ihn an«, wie er sagte und ich habe nun jeden Tag einen Dollar zu verzehren. Ich – einen Dollar! Na, lange wird mich der Alte nicht in ungestörtem Besitz der Herrlichkeit lassen, das spüre ich schon in allen Gliedern. Tom Sawyer, das ist nämlich mein bester Freund, der Stolz, die Blüte, das Haupt von allen Jungens der Stadt, der ist glücklich, der hat noch eine Tante Polly, eine gute alte Seele und einen Bruder Sid und eine Schwester Mary und der muß in die Schule und kriegt seine Kleider allemal schön geflickt, wenn er sie zerrissen hat und setzt's dabei auch manchmal Hiebe, so giebt's doch auch ganze Hosen. Meine Lumpen flickte keiner, die hielten freilich auch keinen Stich mehr aus, und doch weiß ich nicht, was mir lieber war: die schöne alte Lumpenzeit, die Zeit, da ich mich ungefragt in Wald und Feld umtrieb, sich keiner um mich kümmerte, ich mir mein Essen bei mitleidigen Seelen zusammenbettelte oder irgendwie verschaffte und schlief, wo mich eben gerade die Nacht überraschte – oder jetzt! – Ja so, da hab' ich ja noch nicht gesagt, daß ich jetzt auch eine Heimat habe und zwar ein ganz ordentliches, steinernes Haus mit vielen Zimmern, und ich hab' auch mein eigenes und da steht ein Bett drin, ein wirkliches, wahrhaftiges Bett und in dem soll ich alle Nacht schlafen, wird mir aber zuweilen herzlich sauer und dann lege ich mich auf die Diele davor und ruhe mich so ein wenig aus.

Das Haus gehört einer Witwe, die Douglas heißt und eine freundliche alte Frau ist und die probieren will, mich zu »sievilisieren«, wie sie sagt. Das schmeckt mir aber schlecht, kann ich euch sagen, das Leben wird mir furchtbar sauer in dem Hause mit der abscheulichen Regelmäßigkeit, wo immer um dieselbe Zeit gegessen und geschlafen werden soll, einen Tag wie den andern. Einmal bin ich auch schon durchgebrannt, bin in meine alten Lumpen gekrochen, und – hast du nicht gesehen, war ich draußen im Wald und in der Freiheit. Tom Sawyer aber, mein alter Freund Tom, trieb mich wieder auf, versprach, er wolle eine Räuberbande gründen und ich solle Mitglied werden, wenn ich's probiere und noch einmal zu der Witwe zurückkehre und mich weiter »sievilisieren« lasse. Da that ich's denn.
Die Witwe vergoß Thränen, als ich mich wieder einstellte, nannte mich ein armes, verirrtes Schaf und sonst noch allerlei, womit sie aber nichts Schlimmes meinte. Ich mußte auch wieder in die neuen ganzen Kleider kriechen und weiter schwitzen drin, und mich quälen und den Krampf in allen Gliedern haben: und nun ging's vorwärts im alten Trab. Wenn die Witwe die Glocke läutete, mußte man zum Essen kommen. Saß man dann glücklich am Tisch, so konnte man nicht flott drauf los an die Arbeit gehen, Gott bewahre, da mußte man abwarten bis die Witwe den Kopf zwischen die Schultern gezogen und ein bischen was vor sich hin gemurmelt hatte. Damit wollte sie aber nichts über die Speisen sagen, o nein, die waren ganz gut so weit, außer daß alles besonders gekocht war und nicht Fleisch und Gemüse und Suppe, alles durcheinander. Eigentlich mag ich das viel lieber, da kriegt man so einen tüchtigen Mund voll Brühe dabei und die hilft alles glatt hinunter spülen. Na, das ist Geschmacksache!
Nach dem Essen zog sie dann ein Buch heraus und las mir von Moses in den »Schilfern« vor und ich brannte drauf, alles von dem armen kleinen Kerl zu hören. Da mit einemmale sagt sie, der sei schon eine ganze Weile tot. Na, da war ich aber böse und wollte nichts weiter wissen, – was gehen mich tote und begrabene Leute an? Die interessieren mich nicht mehr! –

Dann hätt' ich gern einmal wieder geraucht und fragte die Witwe, ob ich's dürfe. Da kam ich aber gut an! Sie sagte, das gehöre sich nicht für mich und sei überhaupt »eine gemeine und unsaubere Gewohnheit«, an die ich nicht mehr denken dürfe. So sind nun die Menschen! Sprechen über etwas, das sie gar nicht verstehen! Quält mich die Frau mit dem Moses, der sie weiter gar nichts angeht, der nicht einmal verwandt mit ihr war und um den sich doch gewiß kein Mensch mehr kümmert da drunten unter der Erde und verbietet mir dabei das Rauchen, das doch gewiß mehr Wert für lebendige Menschen hat. Na und dabei schnupft sie, aber das ist natürlich ganz was andres und kein Fehler, weil sie's eben selbst thut.
Ihre Schwester, Miß Watson, eine ziemlich dürre, alte Jungfer, die gerade gekommen war, um bei ihr zu leben, machte nun einen Angriff auf mich, mit einem Lesebuch bewaffnet. Eine Stunde lang mußte ich ihr Stand halten und dann löste sie die Witwe mit ihrem Moses wieder ab und ich war nun sozusagen zwischen zwei Feuern. Lange konnte das nicht so weiter gehen und es trat denn auch glücklicherweise bald eine Ruhepause ein, in der ich erst aufatmete, bald drauf aber tot-langweilig und ziemlich unruhig wurde. Nun begann Miß Watson: »Halt' doch die Füße ruhig, Huckleberry,« oder »willst du keinen solchen Buckel machen, Huckleberry, sitz' doch gerade!« und dann wieder: »so recke dich doch nicht so, Huckleberry, und gähne nicht, als wolltest du die Welt verschlingen, wirst du denn nie Manieren lernen?« – bis ich ganz wild wurde. Nun fing sie an, mir von dem Ort zu erzählen, an den die bösen Menschen kommen und ich sagte, ich wünsche mich dahin. Da wurde sie böse und zeterte gewaltig, so schlimm hatte ich's aber gar nicht gemeint, ich wäre nur gern fort gewesen von ihr, irgendwo, der Ort war mir ganz einerlei, ich bin überhaupt nie sehr wählerisch. Sie aber lärmte weiter und sagte, ich sei ein böser Junge, wenn ich so etwas sagen könne, sie würde das nicht um die Welt über die Lippen bringen und ihr Leben solle so sein, daß sie dermaleinst mit Freuden in den Himmel fahre. Der Ort, mit ihr zusammen, schien mir nun gar nicht verlockend und ich beschloß bei mir, das meinige zu thun, um nicht mit ihr zusammenzutreffen. Sagen that ich aber nichts, das hätte nur alles viel schlimmer gemacht und doch nichts geholfen.

Sie war aber nun einmal am Himmel, dem »Ort der Glückseligen«, wie sie's nannte, angelangt und teilte mir alles mit, was sie drüber wußte. Sie sagte, alles was man dort zu thun habe, sei, den ganzen Tag lang mit einer Harfe herumzumarschieren und dazu zu singen immer und ewig. Das leuchtete mir nun gar nicht ein, ich schwieg aber und fragte nur, ob sie meine, mein Freund Tom Sawyer werde auch dort sein, was sie entschieden verneinte. Wie mich das freute! Tom muß zu mir kommen, der soll nicht wohin gehen, wo ich nicht sein kann, wir beide müssen zusammen sein!
Miß Watson predigte unterdessen immer weiter und mir war miserabel elend und einsam zu Mute. Dann kamen die Nigger herein, es wurde gebetet und jedermann ging zu Bett. Ich auch. Ich stieg mit meinem Stummel Kerze in mein Zimmer hinauf, stellte das Licht auf den Tisch, setzte mich davor und probierte, an etwas Fröhliches zu denken. Das nutzte aber wenig. Ich fühlte mich so allein, daß ich wünschte, ich wäre tot. Die Sterne glitzerten und blitzten und die Blätter rauschten im Walde. Ich hörte eine Eule von der Ferne, dazwischen heulte ein Hund so jämmerlich und der Wind ächzte und stöhnte und schien mir etwas klagen zu wollen, so daß mir bald vor lauter Angst der kalte Schweiß auf der Stirn stand. Die ganze Nacht draußen schien von lauter armen, unglücklichen Geistern belebt, die keine Ruhe in ihren Gräbern fanden und nun da draus herum heulten und jammerten und zähneklapperten. Mir wurde heiß und kalt und ich hätte alles drum gegeben, wenn ich nicht allein gewesen wäre. Da kroch mir auch noch eine Spinne über die linke Schulter, ich schnellte sie weg und geradewegs ins Licht, und ehe ich noch zuspringen konnte, war sie verbrannt. Daß das ein schlimmes Zeichen ist, weiß ja ein Kind, und mir schlotterten die Kniee, als ich nun begann, meine Kleider abzuwerfen. Ich drehte mich dreimal um mich selbst und schlug mich dabei jedesmal an die Brust, nahm dann einen Faden und band mir ein Büschel Haare zusammen, um die bösen Geister fern zu halten; viel Vertrauen aber hatte ich nicht zu diesen Mitteln, die nutzen wohl, wenn man ein gefundenes Hufeisen wieder verliert, anstatt es über der Thüre anzunageln oder bei dergleichen kleineren Fällen; wenn man aber eine Spinne getötet hat, da weiß ich nicht, was man thun kann, um das Unglück fernzuhalten.
So setzte ich mich zitternd auf meinen Bettrand und zündete mir zur Beruhigung mein Pfeifchen an. Das Haus war so still und die Witwe weit. So saß ich lange, lange. Da schlug die Uhr von der Ferne bum – bum – bum – bum, zwölfmal und wieder war alles still, stiller als vorher. Plötzlich höre ich etwas unten im Garten unter den Bäumen, ein Rascheln und Knacken, ich sitze still, halte den Atem an und lausche. Wieder hör' ich's und dabei leise wie ein Hauch, das schwächste »Miau« einer Katze. »Miau, miau« tönt's kläglich und langgezogen. Und »miau, miau« antworte ich ebenso kläglich, ebenso leise, schlüpfe rasch in meine Kleider, lösche das Licht und steige aus dem Fenster auf das Schuppendach davor. Dann lasse ich mich zu Boden gleiten, krieche auf allen Vieren nach dem Schatten der Bäume und da war richtig und leibhaftig Tom Sawyer, mein alter Tom und wartete auf mich.

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Zweites Kapitel
Inhaltsverzeichnis
Die Jungen entwischen. – Jim! – Tom Sawyers Räuberbande. – Finstre Pläne! –
Wir also vorwärts und auf den Fußspitzen weiter geschlichen, den kleinen Weg hinunter, der unter den Bäumen hin nach der Rückseite des Gartens führt, mußten aber den Kopf gewaltig bücken, daß uns die Zweige nicht kitzelten. Gerade als wir an der Küchenthüre vorüber wollen, muß ich natürlich über eine Wurzel stolpern und hinfallen, wodurch ein kleines Geräusch entsteht. Jetzt heißt's still liegen und den Atem anhalten! Miß Watsons Nigger Jim saß an der Thüre, wir konnten ihn ganz gut sehen, weil das Licht gerade hinter ihm stand. Er steht auf, streckt den Kopf heraus, horcht eine Minute lang und sagt dann:
»Wer's da?«
Dann horcht er wieder und da, – jetzt schleicht er sich auf den Zehenspitzen heraus und steht gerade zwischen uns, ich hätte ihn zwicken können, wenn ich gewollt hätte. Er steht und wir liegen still wie die Mäuse und so vergehen Minuten und Minuten. An meinem Fuß fängt's mich zu jucken an, kratzen kann ich nicht. Jetzt juckt's am Ohr, dann am Rücken, gerade zwischen den Schultern, es ist zum toll werden! Warum's einem nur immer juckt, wenn man nicht kratzen kann oder darf! Darüber hab' ich oft nachgedacht seitdem. Entweder wenn man bei feinen Leuten ist, oder bei einem Begräbnis, oder wenn einen der Lehrer was fragt, oder in der Kirche, oder wenn man im Bett liegt und will schlafen und kann nicht, kurz, wo man nicht kratzen kann und darf, da juckt's einem gerade erst recht an hundert verschiedenen Plätzen. Endlich sagt Jim:
»He da, wer's da? Ich mich lassen tot hauen, ich haben was gehört! Aber Jim sein nicht so dumm! Jim sitzen hier hin und warten!«

Und damit pflanzt er sich gerade zwischen mich und Tom auf den Boden, lehnt den Rücken an einen Baum und streckt die Beine aus, daß das eine mich beinahe berührt. Jetzt beginnt mein Juck-Elend von neuem. Erst die Nase, bis mir die Thränen in den Augen stehen, ich wage nicht zu kratzen, dann allmählich jeder Körperteil, bis ich nicht weiß, wie ich still halten soll. Fünf, sechs Minuten geht das Elend so weiter, mir scheinen's Stunden. Ich zähle schon elf verschiedene Orte, an denen mich's juckt. Gerade, als ich denke, nun kannst du's aber nicht mehr aushalten, höre ich Jim tief aufatmen, dann schnarchen und – ich bin...
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Autorenbiografie
- Historischer Kontext
- Synopsis (Auswahl)
- Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn
- Analyse
- Reflexion
- Unvergessliche Zitate
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