Komposition
Die Drittelregel
Führungslinien
Interessanter Vordergrund
Balance & visuelles Erscheinungsbild
Blickwinkel
Maßstab & Perspektive
Muster finden
Einrahmung
Den Bildausschnitt füllen
Minimalismus
Abstraktion
In Farbe denken
Schwarz & Weiß
Die Drittelregel
Aller guten Dinge sind drei
Fotografen verwenden häufig den Begriff der »Drittelregel«, wobei mancher sie für eine starre Regel hält, die bei Nichtbeachtung zu schrecklichen Bildern führt. Worum handelt es sich also bei der Drittelregel, warum sollten Sie sie anwenden – und ist sie wirklich notwendig?
Viele Fotografen haben Schwierigkeiten, ein eindrucksvolles Bild zu kreieren. Abhilfe kann die Drittelregel schaffen: Sie gibt Hinweise, wo Sie das Motiv im Bildausschnitt platzieren können. Sie ist einfach anzuwenden und führt oft zu einer aussagekräftigen Aufnahme. Wenn Sie nicht sicher sind, wie Sie ein bestimmtes Motiv in Szene setzen sollen, bietet die Drittelregel einen guten Anhaltspunkt.
Es geht darum, Ihr Bild anhand von imaginären, regelmäßig angeordneten Linien vertikal und horizontal in jeweils drei Zonen zu unterteilen. Wenn Ihr Bild vertikale oder horizontale Objekte enthält, etwa den Horizont oder einen einsamen Baum, dann versuchen Sie, diese auf einer der Linien zu platzieren, und prüfen Sie, wie sich dadurch Ihre Komposition verändert. Oft werden Sie merken, dass Ihr Bild ausgewogener und optisch ansprechender wirkt. Sie können auch probieren, einzelne Elemente (oder das Hauptmotiv) auf einem der Punkte zu platzieren, an denen sich die imaginären Linien treffen.
Auch wenn man von einer »Regel« spricht, handelt es sich eigentlich lediglich um eine Richtschnur. Sie müssen sie also nicht unbedingt immer anwenden. Sicherlich kann ein langweiliges, nichtssagendes Foto entstehen, wenn Sie das Motiv in der Bildmitte anordnen; aber manchmal erhalten Sie so auch einen kraftvollen Eindruck von Symmetrie. Entscheiden Sie also selbst!
Warum dieses Foto so gut wirkt:
STURMHIMMEL
In diesem Bild wollte ich die Kraft und Schönheit des Sturms, der sich am Himmel hinter dem Leuchtturm zusammenbraut, verdeutlichen. Durch die Platzierung des Leuchtturms auf der linken senkrechten Drittellinie ergab sich viel Raum für die Darstellung des Sturms. Den Horizont platzierte ich ebenfalls grob auf der unteren horizontalen Drittellinie, weil der Himmel das Bild dominieren sollte.
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Balance & visuelles Erscheinungsbild
Blickwinkel
Führungslinien
Den Blick des Betrachters lenken
Die Linien in einem Bild sind äußerst wirkungsvoll und können auf vielfältige Weise genutzt werden. Besonders wichtig ist, dass sie als »Führungslinien« wirken können, die den Blick des Betrachters auf verschiedene Bildelemente oder -bereiche lenken und einen Bewegungs- oder Richtungseindruck erzeugen können. Dem Betrachter ist dies oft nicht einmal bewusst, aber sein Blick folgt ganz von alleine der natürlichen Richtung der Linien.
Verschiedene Linientypen können Ihre Fotos auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Kurven und »S«-Formen schlängeln sich scheinbar und schicken das Auge des Betrachters auf eine sanfte Erkundungstour, während gerade Linien eine schnellere Augenbewegung hervorrufen. Horizontale Linien – etwa ein gerader Horizont – stehen für Ruhe und Gelassenheit, während vertikale Linien Kraft und Stabilität symbolisieren. Diagonale Linien sind besonders dynamisch und vermitteln dem Betrachter oft das stärkste Gefühl von Energie und Bewegung.
Linien können tatsächlich vorhanden und offensichtlich sein. Es kann sich aber auch um imaginäre Linien handeln. Diese werden vom Gehirn ebenfalls leicht erfasst. Auch wenn sie nicht so offensichtlich sind wie eine tatsächliche Linie, die im Bild von A nach B führt, kann die Position von Objekten eine unsichtbare Linie erzeugen, die die Augen zu interessanten Punkten führt. In Porträts ist die Blickrichtung des Fotografierten besonders wichtig, da wir automatisch Augenkontakt mit anderen Menschen aufnehmen und ihrem Blick folgen.
Das Zusammenspiel von Perspektive und Kamerawinkel kann Linien und ihre Position noch betonen. Denken Sie also darüber nach, wohin die Linien in der Szene Ihren Blick führen, und versuchen Sie, den Betrachter damit zu den Elementen zu führen, auf die er achten soll.
»Linien können tatsächlich vorhanden und offensichtlich sein. Es kann sich aber auch um imaginäre Linien handeln. Diese werden vom Gehirn ebenfalls leicht erfasst.«
Warum dieses Foto so gut wirkt:
DAS GERICHTSGEBÄUDE
Dieses Bild des Eingangs zu einem Gerichtsgebäude zeigt Linien, die in mehrere Richtungen verlaufen. Der Weg direkt vor der Kamera weist starke Diagonalen auf, wobei die Geländer und Betonblöcke in der Mitte zum Eingang führen. Die Linien im oberen Bildbereich führen ebenfalls nach unten zu diesem Mittelpunkt. Starke vertikale Linien in Form von Säulen rahmen die Bildränder ein und wiederholen sich in den imaginären Linien, die in die Ferne führen. Je länger Sie sich dieses Bild anschauen, desto mehr merken Sie, wie Ihr Blick durch die Linien geführt wird.
Mehr zu dem Thema finden Sie unter:
Einrahmung
Große Schärfentiefe
Interessanter Vordergrund
Aus der Nähe und persönlich
Zwar ist eine Fotografie eine zweidimensionale Darstellung des Gesehenen, trotzdem können Sie den Betrachter durch Tiefenwirkung richtig faszinieren und ein visuell ansprechendes Bild erschaffen. Versuchen Sie, die Szene in Vorder-, Mittel- und Hintergrund aufzuteilen. Denken Sie darüber nach, was in jedem dieser Bereiche zu sehen ist und wie sich alles zu einer dreidimensionalen Szene verbindet.
Ein interessantes Vordergrundelement ist ein guter Ausgangspunkt. Darauf fällt das Auge des Betrachters zuerst und dann wird der Blick tiefer in die Szene gelenkt. Es muss nicht unbedingt das Hauptmotiv der Komposition, sondern lediglich für die Aufnahme relevant sein – eine interessante Form, Struktur, eine Linie oder ein Objekt. Allerdings erzielen Sie oft die beste Wirkung, wenn es sich um ein interessantes Element direkt vor dem Hauptmotiv des Fotos handelt. Dieses fungiert als »Trittleiter«, den der Betrachter für seine Entdeckungsreise durch das Bild nutzen kann. Er hat es dann auch leichter, die relativen Abstände zwischen den Objekten der Szene zu erkennen.
Beachten Sie, dass der Vordergrund trotzdem den üblichen Kompositionsregeln unterliegt. Das Objekt sollte nicht einfach mitten im Vordergrund platziert werden, sondern kreativ genut...