Die Schwangerschaft
Die Schwangerschaft teilt sich so in etwa in drei Teile auf. Der beste Teil findet sich in der Mitte. Teil 1 beginnt mit der Nachricht, dass die Frau schwanger ist und nun muss sie und ihr Körper sich daran gewöhnen. Ist das geschehen und die Hormone haben sich in ihrem Körper etwas eingepegelt, dann beginnt der – für Sie als Mann – gute Teil der Schwangerschaft. Ich könnte auch (deutlicher) einfach sagen, dass das die Zeit ist, in der ihre Frau gerne nochmal schwanger würde, wenn das ginge. Diese Zeit sollten Sie nutzen, denn gleich danach beginnt die Vorhölle. Die letzte Zeit vor dem Ende der Schwangerschaft hofft man einfach nur noch, dass es endlich bald vorbei ist. Aber dann geht’s ja eigentlich erst richtig los…
Die ersten 3 Monate
Wir sind sehenden Auges in die Nachricht gerannt, dass meine Frau schwanger ist. Das hätten wir schon früher merken können. Vielleicht schon, als sie anfing, Milch zu trinken, spätestens jedoch, als sie sich nach einer durchzechten Nacht übergeben musste.
Frauen werden schwanger. Männer nicht.
Sobald eine Frau schwanger ist reagiert ihr Körper. Es beginnt mit Übelkeit oder Kopfschmerzen. Bis dahin weiß sie vielleicht gar nicht, dass sie schwanger ist. Wir hatten in dieser Zeit einen sehr schönen, sehr Ouzohaltigen Urlaub in Griechenland. Schon daran erkennen Sie, dass unsere Jungs ziemlich hartnäckige Embryos waren.
So richtig los geht’s bei Ihrer Frau aber erst, wenn sie dann auch weiß, dass sie schwanger ist. Dann spielt auch das Gehirn mit, soll heißen: Die Hormone übernehmen die Kontrolle im Körper Ihrer Frau. Der Körper des Mannes reagiert nicht. Er ist ja auch nicht schwanger. Und damit gibt’s das erste Problem. Bei uns war es jedenfalls so.
Wir wollten nie Kinder. Dann aber wurde meine Frau schwanger (zugegeben: Ich war da wohl nicht ganz unbeteiligt).
Jedenfalls fanden die weiblichen Hormone sofort den direkten Weg zum „Mutter-Kind-Zentrum“ im Kopf meiner Frau. Wissenschaftlich wird es dafür sicher eine sinnvolle Begründung geben. Nestinstinkt, notwendige Hormone, die in der Steinzeit dafür sorgen sollten, dass das Kind geborgen aufwächst und sicher gegen Gefahren von außen geschützt wird, und so weiter. Das Ergebnis ist jedenfalls, dass ein Teil des weiblichen Gehirns besonders aktiv wird, das normalerweise eher wenig benutzt wird. Jetzt aber wird es mit Blut und Hormonen so richtig aufgepumpt. Und mit reichlich Sauerstoff versorgt. Einfach mit allem, was es irgendwie aktiv macht. Dummerweise war ich selbst nicht schwanger und keine Gehirnregion wurde besonders gut versorgt. Ich hielt nur schlicht mein normales Level. Meine Frau meint, ich hielt nur mein schlichtes Level.
Also machte ich eine Liste der „Argumente gegen Kinder“. Die war gut. Sehr gut sogar. Es gab mindestens 10 gute Argumente gegen die Umstellung vom Singledasein auf eine Familie. Sicher gab es auch eine Liste der Gründe für eine Familie. Aber die war klein. Die andere Seite der Liste war lang und groß. Und gut.
Aber sie war ein Nichts gegen eine hormonelle Schwangerschafts-störung. Also gab es Stress. Ohne Ende. Oder besser: mit Ende. Das Ende war genau dann, als wir den ersten gemeinsamen Termin bei der Frauenärztin hatten. Mein Vorsatz: „Das mach‘ ich noch mit und dann ist aber auch Ende.“
Und was passiert? Die Ärztin machte eine Ultraschalluntersuchung und sagt dabei (ganz nebenbei): „Ja, das hier links ist Euer Baby, seht Ihr den Punkt? Und das da, rechts, das ist der Zwilling!“
Und von dem Moment an war es dann so, als sei ICH schwanger. Vielleicht haben wir Männer ja auch irgendeine Region des Gehirns, die normalerweise brachliegt (okay, einige Frauen würden sogar darauf schwören).
ZWEI Jungs? Das ist doch wohl ein Zeichen, oder? Ich weiß nicht mehr, wie und warum, aber innerhalb von einer Sekunde auf die andere änderte ich meine Meinung. Zwei Jungs sofort mit einem Schlag? Das „muss man doch mitnehmen“....
Dummerweise war meine Frau da plötzlich ganz anderer Meinung. Das P (für Panik) auf ihrer Stirn breitete sich genauso schnell aus, wie sich die Schwangerschaftsregion im Gehirn sofort blutleer pumpte und alle Hormone kurzzeitig einen Tiefststand erreichten. ZWEI Kinder? Um Gottes Willen!
Es dauerte einige Tage, bis sich das P auf Brittas Stirn gelegt hatte. Ich habe nicht viel dafür tun müssen. Wir hatten uns nach langen (und ziemlich ergebnislosen) Diskussionen dazu entschlossen, das Schicksal entscheiden zu lassen. So hatten wir uns den nächsten Frauenarzttermin als endgültigen Entscheidungstermin gelegt. Man muss dazu wissen, dass im frühen Zwillingsstadium ein Zwilling noch relativ oft „verloren“ geht. Dies war (Gott sei Dank) bei uns nicht der Fall. Und als uns die Ärztin auch beim nächsten gemeinsamen Termin beide Punkte (also beide Zwillinge) gezeigt hatte, war unsere Entscheidung nun eine gemeinsame: Wenn beide Kinder sich so durchsetzen, dann schaffen wir das auch.
Die Namensgebung
Vielleicht haben Sie schon bemerkt, dass ich bereits oben weit vor der Geburt von „den Jungs“ gesprochen habe. Das sollte ich an dieser Stelle kurz erklären:
Ich war von Anfang an davon überzeugt, dass es zwei Jungs werden würden. Ich wusste es einfach. Dafür muss ich mir zwar heute immer noch ab und an anhören, was ich doch für ein Chauvinist bin, aber dafür hatte ich immerhin Recht.
Zudem hatte ich auch keine große Lust, über Mädchennamen nachzudenken. Ein Problem dabei ist, so höre ich von anderen Vätern, dass Väter, die einen Mädchennamen vorschlagen, von ihrer Frau dann schnell Rückfragen erhalten nach dem Motto „Wieso denn jetzt Brigitte? Wer ist Brigitte?“
Um sicher zu gehen, muss man also Namen vorschlagen, die auf keinen Fall in irgendeiner Beziehung zu Ihnen gestanden haben oder aktuell noch stehen. Es fallen alle Namen von Ex-Freundinnen raus, alle Arbeitskolleginnen, natürlich alle Frauen Ihrer gemeinsamen Bekanntschaft („Ach, stehst Du etwa auf Carolina?“). Letztlich bleiben Ihnen (je nach Vorleben) vielleicht nur noch Namensvorschläge, wie Brunhilde, New York oder Maria (der Name meiner Mutter).
Mir schwebte also hier von Anfang an ein „genialer Kompromiss“ in Sachen Namensfindung vor. Ich wollte nämlich, dass meine Söhne - zumindest als Zweitnamen - meinen Vornamen haben sollten (Siegmar). Meine Frau wollte das nicht. Sie mochte meinen Namen wohl doch nicht so, wie ich bis dahin immer gedacht hatte. Und wohl auch den meines Vaters nicht, der auch Siegmar hieß. Vielleicht mag sie auch einfach keine Familientraditionen.
Na ja, also dachte ich dran, dass meine Frau die Namen für Mädchen und ich die für Söhne aussuchen würde. Ein genialer Kompromiss, wie ich damals meinte. So würde es keinen Ärger geben und bei Mädchennamen dachte ich eh, dass Britta die bessere Wahl treffen würde. Und ich natürlich die bessere, wenn’s Jungens werden.
Meine Frau war eher davon überzeugt, dass es Mädchen würden. Oder ein Pärchen. (Typischer Satz dazu: „Na, ist uns eigentlich auch egal, wir freuen uns über alles, was kommt ...“)
Mein Plan hat letztlich auch fast geklappt: Meine Söhne heißen heute Jan und Mark. Ohne jeden Zweitnamen. Und natürlich, weil „ich es so wollte“...
Okay, schnell die Gedanken weg von dieser Niederlage in Sachen Namensgebung. Andererseits vielleicht ein guter Zeitpunkt, um Sie - als werdenden Vater - darauf aufmerksam zu machen, dass dies nur die erste von vielen Niederlagen im Laufe der Zeit sein wird. Vielleicht auch ein erster guter Tipp: Lassen Sie Ihre Frau die Namen aussuchen und stimmen Sie einfach zu. Eine Niederlage weniger. Andererseits lohnt es sich vielleicht dennoch, zu kämpfen. Man müsste einen Weg finden, der Frau die Namen, die man selbst gerne hätte, über einen anderen Weg einzuimpfen.
Vielleicht über deren beste Freundin oder eine Auswahlliste, in denen sonst nur schwer peinliche Namen stehen. Wahrscheinlich würde Sie aus der Liste „Balduin, Bartholomäus, Groberich, Karl-Otto und Siegmar“ dann doch Siegmar nehmen, oder? Oder vielleicht auch nicht. Wenn Sie es hinbekommen, schreiben Sie mir einfach. Ich werde die Tipps dann in der nächsten Auflage dieses Buches veröffentlichen.
Der Nestinstinkt
Nun, wie Sie sehen, hat mir niemand geschrieben mit einer genialen Idee in Sachen Namensgebung, denn hier steht nichts Neues – und es ist die nächste Auflage des Buchs. Dafür habe ich allerdings zwischenzeitlich gelernt, dass die Idee „einfach zuzustimmen“ die ist, die sich in meinem Leben als Zwillingsvater als gute Überlebensstrategie erwiesen hat. Beim nächsten Thema „Nestinstinkt“ versuche ich dennoch weiterhin, Sie in eine gute Ausgangslage zu bringen:
Nachdem sich also das P auf Brittas Stirn etwas gelegt hatte und sie sich nun auch mit Zwillingen abgefunden hatte, hatten die Hormone nun wieder alle Freiheiten. Rechtlich ist es so, dass schwangere Frauen nur als „vermindert geschäftsfähig“ gelten. Und das muss man als Mann nicht erst nachlesen. Das bekommt man direkt zu spüren. Wenn Sie also jetzt ein Haus bauen wollen, aber kein Geld dafür haben, wäre dies der geeignete Zeitpunkt, um Ihre Frau den Vertrag unterschreiben zu lassen..., dummerweise ist es auch eine der blödesten Ideen überhaupt, jetzt ein Haus zu bauen, obwohl dies vielleicht genau das ist, was Ihre Frau nun möchte. Aber dazu kommen wir später noch ausführlich. Die Hormone sind also nun wieder aktiv. Und damit gehen die Probleme erst los.
Das erste, was Sie als werdender Vater wissen müssen, ist, dass werdende Mütter sehr schnell einen starken Nestinstinkt entwickeln. Das heißt, ihr Gehirn beginnt zu rattern (immer zwischen den starken Hormonfluten) und überlegt, welche grundlegenden Veränderungen in der Wohnung unbedingt notwendig sind, um es den Kindern möglichst schön zu machen.
Gut, wir Männer denken da einfach an ein Kinderzimmer. Damit kann sich die Frau ja dann auch schön beschäftigen, also Bettchen reinstellen, alles andere rausräumen, schöne, kindgerechte Vorhänge ans Fenster, Bilder aus der Sesamstrasse oder von Janosch, usw.
Frauen sind da anders. Sie überlegen, dass das von Ihnen angedachte Kinderzimmer aus irgendeinem Grund nicht das richtige Zimmer ist. Es ist zu klein oder es ist zu groß oder es hat einfach zu genau die richtige Größe. Es liegt auf der falschen Seite der Wohnung. Da es nach vorne liegt, könnten die Verkehrsgeräusche die Kleinen im Tiefschlaf stören. Da es nach hinten raus liegt, könnte das morgendliche Vogelge-zwitscher sie zu früh aufwachen lassen. Jedenfalls ist es das exakt falsche Zimmer für zwei Babys. Und das wird uns nun ausführlich erklärt.
Und jetzt heißt es „Aufgepasst und keinen Fehler machen“! (Ich überlege noch, ob ich diese „Aufgepasst-und-keine-Fehler-machen- Rubriken“ extra kennzeichnen sollte, aber das wird dann der Verlag wohl entscheiden, zumal Sie fortwährend Fehler machen können und dann das ganze Buch vielleicht grau markiert sein könnte).
Nachfolgend finden Sie zwei Dialoge, wie sie in solchen Fällen üblich sind. Um es vorab zu sagen: Im ersten Dialog macht der Mann alles falsch.
Dialog 1: (falsch!)
Sie: „Das Ankleidezimmer können wir nicht für die Kinder nehmen.“
Er: „Natürlich geht das. Passt doch gut.“
Sie: „Du verstehst das nicht. Wenn die Kinder in der Nacht schreien, höre ich sie vielleicht nicht, weil das Schlafzimmer oben zu weit weg ist. Es geht also nicht.“
Er: „Wir haben dann ein Babyphone und werden die beiden schon hören.“
Sie: „Das Babyphone kann kaputt gehen und außerdem ist das Zimmer eh zu klein. Da passen jetzt schon meine zwei Kleiderschränke und der Pater Noster für die Schuhe kaum rein.“
Er: „Das können wir ja alles rausräumen. Die 20 Quadratmeter werden dann schon reichen für zwei Kinderbetten und das Spielzeug. Wir lassen dann zudem die Türen auf und dann hören wir auch, wenn die Kinder schreien. (Sagen Sie bloß nicht, „wenn das Babyphone mal kaputt ist!“ Das führt nämlich nur zu einem viel zu teuren Babyphone).
Sie: „Werden wir nicht. Ich will das anders: Wir sollten unser Schlafzimmer ausräumen. Dann machen wir daraus das Kinderzimmer. Den Einbauschrank reißen wir raus und das große Bett brauchen wir auch nicht mehr. Dann können wir i...