Was geht ab in
„Palärmo“
Seinen Namen verdankt Sizilien vermutlich den Sikelern, die um 1500 v. Chr. von Italien auf die Insel einwanderten. Um 1000 v. Chr. ließen sich die Phönizier auf Sizilien nieder. So entstand das heutige Palermo als Stützpunkt für den Handel mit Afrika, Asien und der Iberischen Halbinsel.
Die Geschichte Siziliens ist geprägt durch Einwanderung und Eroberungskämpfe. Phönizier, Griechen, Römer, Byzantiner, Araber und Normannen bemühten sich um die Macht, hinterließen ihre kulturellen Spuren und sorgten für religiöse Abwechslung. Nach 200 Jahren muslimischer Prägung strömten im 12. Jahrhundert unter normannischer Herrschaft weitere Religionen nach Sizilien. Byzantiner, Muslime, Juden und Katholiken praktizieren ihren Glauben relativ ungestört nebeneinander. Mit der religiösen Vielfalt ist es Ende des 12. Jahrhunderts vorbei.
Auf Initiative einiger Fürsten beginnen die Schikanen von Muslimen. Entgegen seiner eigentlichen Einstellung treibt Friedrich II. die Christianisierung Siziliens aus strategischen Gründen voran. Ende des 15. Jahrhunderts werden unter mittlerweile spanischer Herrschaft die letzten Juden und Muslime vertrieben.
Alle Herrscher und Eroberungskriege hier aufzuzählen, wäre zu umfangreich. Es waren viele. Sizilien war durch seine geographische Lage für alle Großmächte im Mittelmeerraum ein Objekt der Begierde. Die verschiedenen kulturellen Einflüsse haben die Insel bereichert.
Aber auch die Ausbeutung der Bewohner und der Raubbau an früher reichlich vorhandenen Rohstoffen haben bis heute ihre Folgen. Von den ursprünglichen Wäldern ist nicht mehr viel übrig geblieben. Sie sind der Landwirtschaft und dem Schiffbau zum Opfer gefallen. Dadurch sind die Böden ausgelaugt. Die schlechten Erfahrungen und Misstrauen gegenüber den Herrschenden werden als begünstigende Faktoren für die Entstehung der Mafia angesehen. Anhand der Geschichte kann man nachvollziehen, warum Sizilien sich vom Rest Italiens in seiner wirtschaftlichen Entwicklung unterscheidet und immer noch von Armut geprägt ist.
Wichtigster Wirtschaftsfaktor Siziliens ist trotz der ausgelaugten Böden nach wie vor die Landwirtschaft. Der größte Teil der Agrarflächen ist im Besitz weniger Großgrundbesitzer. Der zweitgrößte Wirtschaftszweig ist die Fischerei, die wegen der kleiner werdenden Fischbestände keine rosige Zukunft hat. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt gleichbleibend bei über 20 Prozent, es gibt Vermutungen, dass sie sogar noch höher ist. Nicht erfasst sind dabei die vielen illegalen Einwanderer, ebenso wie beim Bruttosozialprodukt, welches unter der Hälfte von Norditalien liegt.
Palermo ist die Hauptstadt der Autonomen Region Sizilien und unterscheidet sich als solche mit ihren Problemen nicht vom Rest der größten Insel Italiens. Malerisch liegt sie in einem Tal an der Bucht des Golfo di Palermo von hohen Bergen umgeben. Dicht gedrängt stehen die historischen Gebäude in der Altstadt, welche im zweiten Weltkrieg beschädigt wurde. So schadhaft war sie lange nicht der Lebensmittelpunkt der Palermitaner und wurde erst durch Neuankömmlinge wiederbelebt. Es ist wohl auch dem immer noch schlechten Zustand der Gebäude zu verdanken, dass sich hier die Gentrifizierung noch in Grenzen hält. Bunte, belebte Stadtzentren sind schließlich überall eine Seltenheit geworden. In einigen Quartieren sind die Straßenbeschriftungen in Italienisch, Arabisch und Hebräisch zu finden.
Da wir gerade beim Thema Sprachen sind, muss ich Sie darauf hinweisen, dass Sie in Palermo vielleicht etwas unglücklich über Ihre Italienischkenntnisse sein werden, die Sie sich so mühevoll angeeignet haben. Man spricht Sizilianisch. Sizilianisch wird teilweise sogar als Einzelsprache und nicht als Dialekt bezeichnet. Die Einwanderer haben die Sprache mitgestaltet. Sie enthält Elemente von Griechisch, Arabisch, Französisch/Normannisch, Spanisch… .
Wie überall in der Welt gebietet es die Höflichkeit, ein paar Brocken der Sprache der Einheimischen zu beherrschen. Ich spreche kein Italienisch und habe die Erfahrung gemacht, dass Verständigung kein Problem ist. Die Sizilianer sind offen und unkompliziert in der Kommunikation. Man ist es gewohnt, dass verschiedene Sprachen gesprochen werden. Man kann sich irgendwie verständlich machen und wird nicht schräg angeschaut, wenn man kein Italienisch spricht. Ein paar Brocken Französisch und Spanisch können hilfreicher sein als Englisch, da diese Sprachen dem Italienischen näher sind. Aber wie gesagt, keine Angst vor Sprachschwierigkeiten! Man ist gewillt, mit Ihnen zu kommunizieren.
Um die Orientierung in Palermo nicht zu verlieren, orientiert man sich am besten am Straßenkreuz aus Via Maqueda und Corso Emmanuele. Wo sich die beiden Straßen treffen, sind die Quattro Canti. Alle vier Hausecken der Kreuzung sind mit unzähligen Skulpturen verziert. Man kann sagen, die Quattro Canti sind das Zentrum oder Herz der Altstadt. Darum herum kann man sämtliche Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen. Seit 2014 sind die Via Maqueda und die Via Roma, zum Ärger der einheimischen Autofahrer, verkehrsberuhigte Zonen.
Wie chaotisch es in diesen Straßen wäre, würde zwischen den Scharen von Touristen noch der Verkehr wüten, mag man sich nicht vorstellen. So ist es sogar möglich, hier mit dem Fahrrad zu fahren, wovon ich an den befahrenen Hauptstraßen dringend abraten würde. Fahrräder sieht man generell selten. Außerhalb der Stadt sind Fahrradfahrer aus sportlichen Gründen unterwegs, aber als Fortbewegungsmittel sind Fahrräder eher eine Seltenheit. Aber Palermo ist voller Überraschungen und eine kleine Gasse scheint Treffpunkt der Fahrradfreaks zu sein. Nur hier findet man Fahrradläden und Reparaturwerkstätten, gleich mehrere aneinander - ein fast exotischer Anblick auf Sizilien.
Als Tourist werden Sie hauptsächlich in der Altstadt unterwegs sein. Die Quartiere jenseits der Altstadt sind weniger ein Augenschmaus, lohnen aber dennoch einen Besuch, will man Palermo als Ganzes verstehen und einen Eindruck vom Alltag außerhalb des Zentrums erhaschen.
Möchte man dem Großstadtgewühl etwas entfliehen, ist der Besuch der Vororte Mondello und Sferracavallo zu empfehlen. Hier kann man das Ambiente von Badeort und Fischerstädtchen genießen. Wenn Sie Fisch essen wollen, gibt es keine bessere Gelegenheit dafür außer hier. In den kleinen Restaurants bekommen Sie frischen Fisch zu guten Preisen. Vom frühen Morgen bis in den Vormittag kann man die Fischerboote beobachten, wie sie an Land kommen und ihren Fang kundigen Käufern präsentieren. Da ich eine Grillmöglichkeit hatte, war das für mich natürlich auch interessant. Sich selber einen Fisch zuzubereiten wäre eine schöne Option gewesen. Leider konnte ich unter den Fischen nichts ausmachen, was sich für den Grill eignet. Mir war alles unbekannt, mein Italienisch zu schlecht und der Stand zu gut besucht, um Rezepte zu erfragen. Der Weg ins Restaurant war also notwendig und absolut lohnenswert.
Unbedingt wenigstens von außen ansch...