Konkrete Umsetzungstipps
In diesem Teil, dem zweiten Teil des Buches, geht es darum, wie Sie einen plastikfreien oder plastikfreieren Alltag konkret umsetzen können. Zunächst werden die fünf Rs „Rethink, Reduce, Reuse, Repair und Recycle“ vorgestellt, die die Grundpfeiler eines nachhaltigen Lebens und Umgang mit Dingen darstellen. Diese werden Ihnen im Alltag helfen und irgendwann haben Sie die fünf Rs ganz automatisch im Kopf. Da der Anfang oft schwer ist und man leicht den Überblick verlieren kann, wird Ihnen im Kapitel „Anfangen“ anhand von vier Schritten gezeigt, wie Sie konkret starten können. Mit diesen vier Schritten als Anleitung können Sie das Thema Plastikfrei in Angriff nehmen und umsetzen. In einzelnen Kapiteln werden verschiedene Bereiche wie Badezimmer, Küche und Haushalt, Einkaufen, Unterwegs sein, Kleidung und Textilien, Geschenke und Feste sowie Plastikfrei mit Kindern vorgestellt. Sie werden darauf aufmerksam gemacht, wo sich überall Plastik versteckt und bekommen dann konkrete Tipps, wie sich Sachen direkt umsetzen lassen und Sie Gewohnheiten ändern können.
DIE FÜNF RS
Wer sich mit Zero Waste beschäftigt, wird immer über die drei R-Wörter „Reduce, Reuse, Recycle“ stolpern. Es sind die Grundsteine für ein nachhaltigeres Leben. Da diese doch recht allgemein sind, wurden sie inzwischen von vielen Menschen und Organisationen durch weitere Rs erweitert. In diesem Buch werden die fünf Rs „Rethink, Reduce, Reuse, Repair und Recycle“ vorgestellt, die für den Start in einen plastikfreieren Alltag am hilfreichsten sind. Diese im Kopf zu haben, hilft beim Entscheiden, Handeln und Umsetzen. Gerne können Sie sich die fünf Rs auch auf ein Plakat aufschreiben und in Ihre Wohnung hängen. So haben Sie auch immer bildlich etwas vor Augen.
Was sind also nun genau diese fünf Rs und wie funktionieren sie?
1. Rethink
Der erste Schritt für eine Veränderung fängt im Kopf an. Dadurch, dass wir uns mit etwas beschäftigen, bekommen wir einen neuen Blick und manchmal auch eine neue Sichtweise auf Dinge und Probleme. Das verändert Gedanken, Prozesse und Verhaltensweisen in uns. Die Einstellung ändert sich und wir bekommen vielleicht das Gefühl, etwas ändern zu müssen. Indem Sie sich im Kopf mit etwas beschäftigen, kommen Sie schließlich auch zum Handeln.
2. Reduce
Wir haben alle so viele Dinge zu Hause, die wir eigentlich gar nicht brauchen. Fehlkäufe, Geschenke, die uns nicht gefallen, oder Sachen, die für uns nutzlos geworden sind, sammeln sich an und werden aber nicht mehr benutzt. Für all das wurden Ressourcen und Energie gebraucht. Indem Sie sich von diesen Dingen trennen, bringen Sie sie auch wieder in Umlauf. Vielleicht braucht Ihr Nachbar genau diese Schüssel, die Ihnen noch nie gefallen hat. Oder Ihre Freundin trägt das Kleid, das bei Ihnen seit zwei Jahren unbenutzt im Schrank hängt. Dadurch, dass all dies nicht neu produziert werden muss, werden Ressourcen gespart. Weniger ist eigentlich am Ende immer mehr. Wer weniger besitzt, überlegt sich bei einem Neukauf viel eher, ob es benötigt wird und geht sorgsamer mit dem um, was er hat. Das Verhältnis und die Einstellung zu den Dingen, die wir haben, verändern sich.
3. Reuse
Hier heißt es wiederverwenden, statt einfach nur wegzuwerfen! Über Einwegprodukte freut sich eigentlich nur die Industrie, denn die verdient daran. Ob der Stoffbeutel, der immer wieder zum Einkaufen verwendet wird, der Thermosbecher statt dem Einwegbecher oder die aus altem Geschenkpapier eingebundenen Schulbücher der Kinder – über den Punkt wiederverwenden werden Sie immer wieder in diesem Buch stolpern. Denn am Ende sind es immer die wiederverwendbaren Dinge, die den Alltag plastikfrei und nachhaltiger machen.
4. Repair
Vieles landet heute einfach im Müll. Vieles ist so produziert, dass es schnell kaputt geht und vieles wird gar nicht erst repariert, weil es am Ende noch günstiger ist, es neu zu kaufen. Dabei ist das Reparieren von Sachen das Nachhaltigste, was es gibt. Nämlich Dingen ein zweites Leben zu schenken und wieder zu benutzen. Oft haben wir es verlernt oder gar nicht erst gelernt, Sachen zu flicken oder zu reparieren. Dabei ist es gar nicht so schwer. Vieles kann man sich selbst beibringen, das Internet und YouTube bietet mittlerweile zu allem Hilfestellungen und wer gar nicht mehr weiter weiß, findet Unterstützung in einem Repair Café. Wenn Sie anfangen, sich um Ihre Sachen zu kümmern und diese zu reparieren, werden Sie bei einem Neukauf das nächste Mal darauf achten, ob es auch wirklich aus langlebigen Materialien hergestellt ist. Ihr Bewusstsein wird größer und aufmerksamer, ob die Neuanschaffung etwas ist, was Ihnen lange hält oder doch schnell im Mülleimer landen wird.
5. Recycle
Natürlich kann man vieles reduzieren, ablehnen oder wiederverwenden, aber Müll fällt in der Regel doch irgendwann an. Wichtig ist dann, dass dieser Müll es dann zumindest in den Recyclingkreislauf schafft. Über die Problematik des Recycelns wurde ja bereits im ersten Teil dieses Buches gesprochen, dennoch spart es am Ende Ressourcen, wenn zumindest ein Teil recycelt werden kann. Informieren Sie sich, wie Ihre Gemeinde oder die Stadt den Müll entsorgt und wie dieser getrennt werden muss. Wenn Sie sich nicht sicher sind, werfen Sie es nicht einfach in die Restmülltonne, sondern fragen Sie nach. Vieles kann auf Wertstoff- und Recyclinghöfen abgegeben werden.
Diese fünf Rs im Hinterkopf zu haben, wird Ihnen bei Ihrem plastikfreien Alltag helfen. Denn wenn Sie plastikfreier leben, werden Sie schnell merken, dass Sie auch in anderen Bereichen auf Verpackung und Müll verzichten werden beziehungsweise bestimmte Dinge gar nicht mehr brauchen oder ersetzen.
Natürlich gibt es noch weitere Rs. Die fünf ausgewählten geben eine Hilfestellung für den Start in den plastikfreien Alltag. Nach einiger Zeit merken Sie vielleicht, dass Ihnen etwas fehlt, dass Sie etwas ergänzen möchten. Machen Sie das! Ändern oder ergänzen Sie die Liste mit eigenen Aspekten und Ideen. Jeder Mensch, jeder Alltag, jedes Leben ist anders. Passen Sie es so für sich an, wie Sie es brauchen!
ANFANGEN
Wer ganz am Anfang von einem plastikfreien oder plastikfreieren Alltag steht, ist schnell erschlagen. Das Sprichwort „Vor lauter Wald die Bäume nicht mehr sehen“ trifft es an dieser Stelle sehr gut. Denn befassen wir uns einmal so richtig mit dem Thema Plastik und gehen aufmerksam durch unsere Wohnung, dann stellen wir schnell fest, wie stark und wie viel Plastik eigentlich in unserem Alltag verankert ist. Vieles benutzen und konsumieren wir beiläufig, ohne dass wir darüber nachdenken. Das ist auch völlig in Ordnung. Wichtig ist, dies zu erkennen und Schritt für Schritt ins Umdenken und Ändern zu kommen. Den ersten und wichtigsten Schritt haben Sie bereits getan: Sie lesen dieses Buch. Das heißt, Sie befassen sich mit der Problematik und möchten etwas ändern. Das ist ganz wunderbar. Sie sind schon auf dem richtigen Weg. Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht alles auf einmal verändern müssen und auch nicht können. Und vor ...