Über ARTverwandtes et cetera Band 7
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Über ARTverwandtes et cetera Band 7

Gesammelte Texte 1985 - 2017

  1. 112 Seiten
  2. German
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Über ARTverwandtes et cetera Band 7

Gesammelte Texte 1985 - 2017

Über dieses Buch

Die promovierte Kunsthistorikerin Wibke von Bonin hat sich neben ihrer Tätigkeit beim Fernsehen in zahlreichen Veröffentlichungen zum kulturellen Geschehen geäußert - auf ihre einfühlsame, amüsante und sachdienliche Art: in Zeitschriften, Büchern und Kunstkatalogen, bei Ausstellungseröffnungen, Laudationen und in Interviews. Sie alle sind in dieser 7 Bände umfassenden Anthologie zusammengeführt, die chronologisch die Kunstszene der letzten 50 Jahre in Deutschland beleuchtet und in kurzweiligen Betrachtungen am Leser vorbeiziehen läßt.

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Information

Jahr
2019
ISBN drucken
9783749469215
eBook-ISBN:
9783750464766
Auflage
1
Thema
Kunst

Natalia Nikitin KUNSTZEITUNG 2006

Katalogtext Neue Galerie Graz 2007

KUNST-ORTE
Zu den Fotografien von Natalia Nikitin
„Im zwanzigsten Jahrhundert ist die Kunst mobil geworden, und die vollkommenen, beständigen Orte anderer Jahrhunderte, wie etwa Kirchen, sind der Avantgarde-Kunst nicht mehr zugänglich, weil die Kunst sich verändert hat, experimentell geworden ist und nun selbst Beweglichkeit und Nervosität besitzt. Seit dem zwanzigsten Jahrhundert sind die Museen der ,Ort' für Kunst. Die Frage aber ist, ob die Museen bisher auch fähig waren, diese Aufgabe und diesen Anspruch zu erfüllen."1
Als Beispiel dafür, dass bestimmte zeitgenössische Kunst sich als solche nur durch den Ort definieren lasse, an dem sie gezeigt wird, werden gern Warhols Brillo-Kartons und Suppendosen herangezogen. Das Museum als Ort der Nobilitierung von Alltagsgegenständen, einst von Marcel Duchamp ironisch genutzt, hat mittlerweile Härtetests aller Art bestehen müssen. Die Institution ist dadurch nicht infrage gestellt worden, der Kunstbegriff wurde vielmehr großzügig erweitert. Die Anführungsstriche sind gefallen, und als Kunst gilt heute längst das, was ein Künstler dazu erklärt. Beziehungsweise die Kunstkritik im Verein mit Kunsthandel und Kunstkäufern, einer eventgierigen Kunstszene, die an immer neue Orte gelockt wird, um Kunst zu erleben – und Wirtschaft zu beleben. Der Boom der so instrumentalisierten Museumsarchitektur gipfelte im Guggenheim Museum Bilbao. Wo Museen nicht neu erbaut werden, finden sich alte Industriehallen, die umfunktioniert werden, um die Flut neuer Kunst aufzunehmen, leer stehende Gotteshäuser, ungenutzte Areale, die zu temporären Kunst-Orten bestimmt werden, weil auf ihnen Kunst stattfindet. Die Kunst verleiht dem Ort seine besondere Bedeutung.
In diesem Sinne nennt Natalia Nikitin Ausstellungsorte und Begegnungsstätten, die sie mit Künstlern und Kritikern aufgesucht hat, „Kunst-Orte" und hält das Zusammenwirken von Kunst und Ort in ihren Fotografien fest. Die Orte, die die Bilder der Grazer Schau zeigen, sind relativ jung in ihrer Funktion, doch sind sie keineswegs immer spektakulär. Die Fotografien zeigen Natalia Nikitins ganz eigenen Blick auf die von ihr erlebten Orte. Sie reist mit leichtem Gepäck, erkennt mit sicherem Auge die Situation, ergreift mit Entschlossenheit die Gelegenheit, Bauten und Gegenstände zu fixieren. Sie dokumentiert schnell und nimmt sich nicht die Zeit, etwa auf den vielleicht günstigeren Lichteinfall zu warten oder gar Stativ und Kunstlicht aufzubauen. Sie nimmt auf, was in ihren Blick fällt. Sie wählt später aus der Serie, was ihrer Intention entspricht und zur Ausstellung taugt.
Die Zeche Zollverein, 1986 nach vierundfünfzig Jahren als weltmodernste Förderanlage für Ruhrkohle stillgelegt, bis 1999 beispielhaft saniert und zu einem Zentrum für Kultur- und Designwirtschaft umstrukturiert, nennt sich selbst „Ikone der Industriekultur" und wurde als solche 2001 von der UNESCO mit dem Titel Weltkulturerbe honoriert. Die alles überragenden rotbraunen Förderanlagen dominieren das weite Areal. In ihrer nutzlos gewordenen Designschönheit wirken sie wie Riesenspielzeug. In den alten Zechengebäuden sind diverse Institutionen und Werkstätten sowie Museen angesiedelt worden. So in der ehemaligen Kokerei die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur.
Zu ihrer Sammlung gehört seit dem Herbst 2001 ein monumentales Werk von llya und Emilia Kabakov, der Palast der Projekte. Von innen hell erleuchtet, steht die spiralförmige Architektur aus einer mit Plastikmaterial bespannten Holzkonstruktion in der fast dunklen Halle.
Der Künstler, der das Werk am Ende der 1990er Jahre realisierte und in London, Manchester, Madrid und New York ausstellte, bevor es hier eine feste Heimstatt fand, betont die Wichtigkeit dieser leuchtenden Wände, die eine festliche Stimmung verbreiten und die Besucher anlocken sollen, das Innere des „Museums der Träume", wie er es auch nennt, aufzusuchen. Im Inneren sollen fünfundsechzig Modelle von Projekten den Betrachter zu eigener Kreativität anregen.
Kabakovs hier beispielhaft vorgestelltes Kunstkonzept wurde prägend auch für Natalia Nikitin. War er es doch schließlich, der sie ermutigte, ihre Fotografien an die Öffentlichkeit zu bringen. Seit Jahrzehnten umgeben von einer Gruppe meist russischer Künstler und Kritiker, hatte sie als Journalistin und Kunstkritikerin gearbeitet und regelmäßig ihre Kamera bei Begegnungen mit den befreundeten Künstlern und auf Reisen eingesetzt. Seit 2000 stellt sie nun auf Anregung Kabakovs ihre Arbeiten aus. Der Freund und Mentor könnte zu ihr Ähnliches gesagt haben, wie er in seinen Erläuterungen zu dem Palast der Projekte schreibt, mit dem er das Künstlertum in jedem einzelnen Menschen zu wecken sucht: „Man nimmt an, ein ,Projekt' zu haben, sei eher die Sache irgendwelcher anderer, besonderer Menschen, die deshalb als ,kreativ' bezeichnet werden, oder es handle sich um einen extremen Zustand, der außergewöhnliche Charaktereigenschaften voraussetzt. Unsere Überzeugung dagegen ist es – und wir werden dies in unserer Installation zeigen – dass eben dies, ein eigenes Projekt zu haben, es zu entwerfen und zu verwirklichen, die einzig mögliche Art, der einzige Weg ist, ein erfülltes Leben zu führen. Jeder Mensch kann, jeder Mensch sollte sein eigenes Projekt haben und realisieren, gerade darin verkörpert sich der Sinn des Lebens, nur dadurch kann er demonstrieren, ,wer er ist', wozu er in der Lage ist, ,sich einen Namen zu machen'."2
Hatte das leuchtende Schneckenhaus auf Zollverein ihre Aufmerksamkeit mehr als die historischen Zechenbauten in Anspruch genommen, so gönnte die Fotografin bei einer anderen Begegnung mit einer Installation der Kabakovs der faszinierenden Umgebung mehr Aufmerksamkeit. Im Sommer 2002 erlebte sie die Chinati Foundation in Marfa, Texas, als einen Kunst-Ort par excellence.
Der Enge der Wolkenkratzerstadt New York überdrüssig, hatte der amerikanische Bildhauer, Architekt und Kunstkritiker Donald Judd Ende der 1970er Jahre einen Ort gesucht, „an dem man der Kunst im Kontext ihrer architektonischen und natürlichen Umgebung begegnet und nicht isoliert wie sonst in einer museologischen Anthologie." Er fand schließlich diesen Ort fern aller Zivilisation und erwarb in der Umgebung der texanischen Kleinstadt Marfa das Gelände des ehemaligen Fort D.A. Russell, das bis auf wenige Grundmauern brachlag und wo zuletzt 1946 ein Lager für deutsche Kriegsgefangene aufgelöst worden war. Er baute dort nach eigenen Plänen Hallen und Räume nicht nur für seine eigene Kunst, sondern er lud auch befreundete Künstler ein, ihre Werke dort großzügig zu installieren. Er erwarb zudem einige Gebäude in der Stadt und konnte schließlich 1986 dort eine Stiftung gründen, der er den Namen der umgebenden Berglandschaft gab. Er schuf damit eine besondere Situation für kulturelle Veranstaltungen, für Kunstwerke und Künstler am vollkommen ungewohnten Ort. Er realisierte hier eine Vorstellung, die auch die Land Artists mit ihren Arbeiten in der unbewohnten Weite des amerikanischen Westens realisierten. „Chinati steht außerdem für die Idee, dass Installation und Ausstellung von Kunstwerken vom Künstler selbst überwacht werden müssen, vom Künstler, dem anderswo allzu oft die Kontrolle über seine Arbeit abhanden kommt."3 Das überdimensionierte Hufeisen von Claes Oldenburg ist weithin sichtbar. Und verstecken kann sich auch nicht das Kunstwerk, dem die Aufmerksamkeit Natalia Nikitins besonders galt, als sie aus Anlass einer Ausstellung der Kinderbücher llya Kabakovs in Marfa weilte.
Fremd und grau steht zwischen den Metall glänzenden neuen Gebäuden des Donald Judd die russisch-sozialistische Schule Nr. 6 von Kabakov.
Natalia Nikitin zeigt sie zwar nur von außen, doch könnte die Diskrepanz zwischen der Installation des Russen und der strahlenden Hitze des texanischen Umlandes nicht größer sein. Kabakovs Intention ist es hier, wie in so vielen der nach seiner Emigration entstandenen Werken, dem sich schnell wandelnden und verschwindenden Leben seiner Heimat ein liebevollrealistisches Denkmal zu setzen.
Es ist ein Abbild des Niedergangs, erläutert er seine Installation, das mit Schule Nr. 6 mumifiziert wird: Eine ursprünglich gut besuchte Schule für die Kinder der Arbeiter einer in der Ortsmitte angesiedelten Fabrik wird nach deren Auflassung und Verfall wegen des Wegzugs der Familien geschlossen. Sie beherbergt nun nur noch die zufällig liegen gelassenen Reste des Schulalltags. „Leere und Vergessen, wo gestern noch Leben und Lachen waren", schreibt Kabakov zusammenfassend.4
Als die Gruppe um Kabakov die Chinati-Foundation besuchte, lebte deren Gründer nicht mehr. Von seinem Schaffen zeugen in dieser Foto-Ausstellung nicht nur seine Bauten – die zwei großen Artilleriehallen und das „Arena" genannte Gebäude haben Natalia Nikitin besonders beeindruckt – sondern auch Beispiele aus der Menge seiner in den verschiedenen Hallen nach seinen Plänen zur Schau gestellten Werke. Die Fotografin führt den Betrachter in die Mitte des jeweiligen Raums, man ist umgeben von der Formenvielfalt der vorwiegend rot gefassten Arbeiten im einen und dem im Gegenlicht gleißenden Metall im anderen. Der Blick geht durch die Glasfront in die Weite der texanischen Landschaft.
Herrscht bei Donald Judd die geometrische Ruhe des Minimalisten, so ist quirliges Chaos die Devise der jungen Szene, die sich im Moskauer Kulturzentrum Art-Strelka zusammenfindet. Auf dem Gelände der aufgelassenen Schokoladenfabrik Krasny Octjabr (Roter Oktober), wurde seit Herbst 2004 ein Übergangsprojekt, benannt nach der Moskwa-Insel Strelka, von privater Hand finanziert und offiziell unterstützt. Die Gebäude, in denen Natalia Nikitin 2005 ihre Ausstellung Hommage pour Arman einrichten konnte, sollten 2006 bereits abgerissen werden und dem Neubauprojekt „Goldene Insel" mit Hotels, Vergnügungs- und Businesskomplexen weichen, doch vorläufig scheinen sie weiterhin der Kunst dienen zu können. Open Air Festivals, Performances, Graffiti- und Videokunst finden dort statt, aber auch kühne Ausstellungen, zu denen man z.B. komplizierten Zugang über einen Eisschrankberg gewinnen konnte, wie die Fotografin dokumentiert. Gerade hier bewährt sich der beiläufige und sehr persönliche Blickwinkel Natalia Nikitins. Der Betrachter der Fotos bewegt sich als neugieriger Tourist mitten durch das Geschehen, sieht die Kunst, sieht aber auch den Ort, die einst schöne Brückenkonstruktion, die schäbigen Ausstellungsschuppen, den provozierenden Zugang zur Ausstellung.
Sommerhitze auf der Strelka, Schnee und Kälte an dem ebenfalls temporären Kunst-Ort, der Künstlern anlässlich der Ersten Moskauer Biennale für Gegenwartskunst im Winter 2005 von Mäzenen auf einem Privatgelände außerhalb der Stadt zur Verfügung gestellt wurde. Die Minidatscha sowie die von Flämmchen umstellte kyrillische Buchstabenfolge für „HEISS" sprechen in ihrer eigenen, humorvollen Sprache zu den frierenden Besuchern.
Außergewöhnliche Kunst-Orte fand Natalia Nikitin auch in Rumänien, das sie 2004 mit einer Gruppe von Freunden anlässlich eines Symposiums besuchte.
Der moderne Teil der Hauptstadt Bukarest wird von Ceausescus protzigem „Haus des Volkes" dominiert, das renoviert und demokratischen Zwecken zugeführt wurde. Heute heißt das riesige Gebäude offiziell „Palatul Parlamentului", Parlamentspalast; im rückwärtigen Teil ist inzwischen ein Museum für Gegenwartskunst eingerichtet, von dessen Entstehung die Aufnahmen der Fotografin zeugen. Eine neue Nutzung des Ortes, die, so praktisch sie ist, wegen der Erinnerung an den verhassten Diktator gemischte Gefühle bei Künstlern und Besuchern hinterlässt.
Umwidmung auch in Cluj-Napoca. Das frühere Klausenburg der deutschstämmigen Siebenbürger ist die drittgrößte Stadt Rumäniens und in seiner stark durch den ungarischen und deutschen Bevölkerungsanteil geprägten Geschichte immer schon kulturell sehr rege gewesen. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung ist auf 0,06% zurückgegangen. So hat die jüdische Gemeinde ihre Synagoge für Kunstausstellungen zur Verfügung gestellt, behält sich aber ein Mitspracherecht vor. Das vor allem bei dem „Relocation Project" von 2003, einer teilweisen Restaurierung der Synagoge, bei welcher Gelegenheit der Künstler Cosmin Pop die Fassade in zwölf starkfarbige Flächen aufteilte, die alten Reliefs aber unberührt ließ. Der Kontrast zwischen der weithin sichtbaren Front und dem traurigen Anblick eines Obdachlosen auf dem Hof um die Ecke konnte der realistischen Kamera Nikitins nicht entgehen.
Sonnenuntergang im äußersten Westen Europas. Eine Tagung brachte 2005 Kunstphilosophen aus den USA und Europa im wildromantischen Burren College of Art in Ballyvaughan an der irischen Atlantikküste zusammen. Die mittelalterliche Burgruine Newton Castle wurde 1993 von einer privaten Stiftung restauriert und mit modernen Nebengebäuden als Ort für Studien, Symposien und Kunstausstellungen eingerichtet. Sichtlich fasziniert vom Tagungsort, begab sich die Städterin in die Natur. Die ist geprägt von dem zerklüfteten, karstigen Kalkgestein, das in weiten Terrassen zum Meer hin eine eigenartige Mondlandschaft bildet. Das vom Gälischen hergeleitete „Burren" bedeutet so viel wie steiniger Ort. Vorzeitliche Steindenkmale, Grabanlagen, Reste von Forts aus der Bronzezeit und mittelalterliche Kastelle haben hier immer wieder Dichter und Künstler inspiriert. Ein Kunst-Ort, von dessen karger Schönheit sich auch der moderne Kunst-Nomade seltsam angezogen fühlt. Die Fotografien, die Natalia Nikitin hier gemacht hat, unterscheiden sich durch eine feine Ehrfurcht vor ihrem Objekt von den anderen Bildern dieser Serie.
Fragte Rudi Fuchs vor fünfzehn Jahren, ob die Museen die Ansprüche der modernen Kunst erfüllen können, so möchte man heute – gerade vor diesem zeitdurchwehten Ort – darauf hinweisen, dass auch Orte Ansprüche an die Kunst stellen können.
1. Rudi Fuchs in: Donald Judd, Architektur, Katalog, MAK Wien 1991
2. Ilya Kabakov, Installationen 1983–2000. Werkverzeichnis, Hg.Toni Stooss, Kunstmuseum Bern 2003
3. Donald Judd, Architektur, Katalog MAK, Wien, 1991
4. Kabakov, a.a.O.

Künstlerporträts aus Israel Wilfred H.G. Neuse 2010

TRUE FACES II
Auf wenigen Gebieten unseres Lebens wird die Verlässlichkeit einer Aussage mit größerer Selbstverständlichkeit vorausgesetzt als in der Wissenschaft. Das Ethos, auf das ein Wissenschaftler sich verpflichtet, verlangt volles Vertrauen in der Kommunikation über Fakten, egal in welcher Weise sie behauptet werden. Wenn also z.B. ein in klinischem Rahmen hergestelltes Foto von einem Phänomen als Illustration einer These einem Text beigegeben ist, so kann man von der Echtheit dieses Bildes ausgehen.
Visuelle Kommunikation als Studienfach kann geradlinig zu einer beruflichen Betätigung auf diesem Feld führen, kann jedoch auch mit dem Schwerpunkt auf Werbung in eine Richtung weisen, die diesem Ethos der Wahrhaftigkeit entgegengesetzt ist. Das geht so weit, dass heute prinzipiell davon ausgegangen werden muss, dass Werbebilder gefälschte, das heißt bearbeitete Bilder sind. In welchem Grad und mit welchen Mitteln, ist jeweils zu untersuchen.
Die Photographie ist ein technisches Medium, das in beiden Bereichen zur Anwendung kommt. Und so kann man annehmen, dass die vollkommenste Aus- und Weiterbildung auf allen ihren Gebieten die ideale Voraussetzung ist, wenn WHG Neuse, der unter der Aegide der Professoren Gerd Plewig und Thomas Ruzicka eine weltweit anerkannte dermatologische Fotoabteilung aufgebaut hat, die Aufgabe in der Dermatologie des Univeritätsklinikums der Düsseldorfer Heinrich-Heine- Universität folgendermaßen umfasst: „Patienten-Dokumentation (nach höchstmöglichen, internationalen Standards); digitale Bilderfassung und Bildbearbeitung; analoge und digitale Fotoarchivierung (das Archiv umfasst z. Zt. mehr als 50.000 Bilder) analog und digital; Entwurfs- und Publikationsgestaltung für Fortbildung, Lehre und Forschung." Dass e...

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  1. Inhaltsverzeichnis
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