Über Kunst und Künstler Band 6
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Über Kunst und Künstler Band 6

Gesammelte Texte 2008 - 2019

  1. 96 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Über Kunst und Künstler Band 6

Gesammelte Texte 2008 - 2019

Über dieses Buch

Die promovierte Kunsthistorikerin Wibke von Bonin hat sich neben ihrer Tätigkeit beim Fernsehen in zahlreichen Veröffentlichungen zum kulturellen Geschehen geäußert - auf ihre einfühlsame, amüsante und sachdienliche Art: in Zeitschriften, Büchern und Kunstkatalogen, bei Ausstellungseröffnungen, Laudationen und in Interviews. Sie alle sind in dieser 7 Bände umfassenden Anthologie zusammengeführt, die chronologisch die Kunstszene der letzten 50 Jahre in Deutschland beleuchtet und in kurzweiligen Betrachtungen am Leser vorbeiziehen läßt.

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783750417328
eBook-ISBN:
9783750464551
Auflage
1
Thema
Kunst
Kunstvermittlung im Fernsehen? Kulturkreis Mosbach 2015
Zu Beginn der 70er Jahre änderte sich Vieles. Das politische Klima hatte sich geändert. Die „ Hierarchen“ schauten genauer hin. Dass die Dritten sich als Programme für qualifizierte, interessierte Minderheiten verstanden, durfte bald schon nicht mehr laut gesagt werden. Denn arrogant und unsichtbar waren wir in den ersten Jahren gewesen, das stellte man fest, als man durch Publikums-Befragungen herausfand, dass die Zuschauer uns entweder mit ihren Antennen gar nicht empfangen konnten oder kaum Interesse an unseren Spezialitäten zeigten.
Die Devise lautete jetzt „Hinaus aus dem Bildungsghetto“. Das Dritte wurde Vollprogramm, die alte Devise vom Lernen durch Femsehen geriet in Vergessenheit, schwierige Programme galten als elitär, der Programmchef wurde ausgewechselt. Das gab natürlich Bewegung in den Redaktionen, die schönen festen Sendeplätze verschwanden, die Sendungen waren schwer zu finden, und oft kamen sie zu später Stunde, denn regionale und Unterhaltungssendungen rückten in den Vordergrund, und der Etat für Kultur- und Kunstsendungen stieg um keinen Pfennig.
Einen Vorteil barg diese Strukturreform, die Zusammenlegung der Redaktionen von Erstem und Drittem Ende der 70er Jahre : Wir Redakteure des Dritten durften ein paar Mal im Jahr besonders gelungene Sendungen ins Erste einbringen (so z.B. die Kunstredaktion : Picasso zum 100. Geburtstag, Filme über Joseph Beuys, Andy Warhol, Konrad Klapheck etc.).
In der Situation des permanent knappen Geldes hatte ich begonnen, sobald ich über einen festen Jahres-Etat verfügen konnte, vorwiegend mit Auftragsproduzenten zu arbeiten, die sich für Kunst interessierten und für ihre Filme ein internationales Netzwerk von Abnehmern geschaffen hatten. Sie verkauften dann dem WDR an dem jeweiligen Werk nur die Ausstrahlungsrechte für eine bestimmte Zeit und konnten dadurch die Sendungen in anderen Ländern zu ähnlichen Bedingungen anbieten.
Einer dieser freien Produzenten war Dr. Reiner Moritz mit Sitz in München und London und einer guten Vernetzung nach Frankreich und den USA. Er hatte sich auf Programme zu Themen aus der Musik und Bildenden Kunst spezialisiert.
Wir hatten bereits einige Dokumentationen zusammen gemacht, als er sich 1979 mit dem Kulturchef von BBC 2 und dem Romancier und Filmautor Edwin Mullins eine Serie von Kurzfilmen ausdachte, die 10 Minuten lang waren und jeweils ein Kunstwerk querdurch die Kunstgeschichte behandelten. Mullins hatte die Werke ausgewählt, teilweise selbst kommentiert, während Kunsthistoriker seiner Wahl die anderen erläuterten und nach guter englischer Gewohnheit dabei im Bild erschienen.
Die 100 kurzen Sendungen waren nach Themen zusammengestellt und wurden an den 5 Werktagen von 20 Wochen im Jahr 1980 ziemlich spurlos auf BBC Two versendet.
Moritz bot mir die fertigen Sendungen an, und mir gefielen sie grundsätzlich, weil sie liebevoll auf die Bilder und deren Hintergründe eingingen, aber ich hatte natürlich keinen Sendeplatz für dieses Format. Zudem mussten die Filme gründlich in Bild und Ton bearbeitet werden, denn die englischen Präsentatoren wollte ich keinesfalls im Bild haben. Ich beratschlagte also mit meinen Vorgesetzten, wo man die kunsthistorisch-didaktischen Schätzchen eventuell platzieren könnte. Der Programmchef Kultur stellte sie sich als „Gute Nacht-Schmankeri“ am Sendeschluss des Dritten Programms vor, kurz vor Mitternacht. (Wir sendeten ja noch lange nicht rund um die Uhr!) Dafür waren sie aber zu teuer und zudem zu arbeitsintensiv, fand ich und machte einen Vorstoß bei dem Fernseh-Programmdirektor. Das war als Nachfolger von Werner Höfer der stille und musisch interessierte Heinz-Werner Hübner, der einen Platz im Ersten Programm vorschlug. Ich jubelte, und der Programmchef Kultur sagte „Nur über meine Leiche“. Mit diesem Kompetenzstreit hatte ich weiter nichts zu tun, konnte nur feststellen, dass bald der Posten eines Programmchefs des Kabelpilotprojekts Dortmund für meinen Kontrahenten geschaffen war.
Und die ursprünglich englischen „Great Paintings’ bekamen als „100 Meisterwerke aus den Großen Museen der Welt“ einen Super Sendeplatz im Ersten Programm. Sie bekamen von mir den neuen Titel, von Wilhelm-Dieter Siebert eine wunderbare Eingangsmusik und dazu ein Titelbild vom Louvre-Aufgang mit der Nike von Samotrake. Daran waren sie zu erkennen - und so ist es noch heute. Die Bilder standen für sich allein, brauchten keine zeigenden Hände und durch Museen schlendernden Interpretatoren, und der ausgezeichnete Sprecher Rudolf Jürgen Bartsch sprach die neuen deutschen Texte (von allen Folgen bis 1995 !).
Die erste Sendung lief Weihnachten 1981, und bis Neujahr hatten Millionen das neue Format begeistert gesehen und willkommen geheißen.
Das ließ sich aus den Einschaltquoten ablesen, die der erstaunte WDR natürlich für bare Münze nahm und das Experiment mit gleichem Ergebnis zu Ostern 1982 wiederholte : 15,19, 22, % der ARD-Zuschauer hatten die Meisterwerke gesehen und 10% sahen auch noch einen Picasso zu Pfingsten. Ein Prozent Zuschauer waren damals 460.000 Menschen in Fernsehhaushalten. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen! Das Geheimnis lag in der Sendezeit: Die 10 Minuten-Stückchen waren geschickt in den Ablauf des Sonnbzw. Feiertagsprogramms eingefügt, nämlich nach der ersten Sendung nach den Abendnachrichten - d.h. kurz nach 21 oder 22 Uhr - da folgte dann oft noch ein Krimi oder etwas sonst wie Spannendes.
Was Wohlmeinende „Mitnahmeeffekt“ nannten, bezeichnete später ein auf eher seichte Unterhaltung spezialisierter Programmdirektor als „ Programmstopper“ und verschob die Schätzchen aus den großen Museen der Welt auf andere Wochentage, andere Sendezeiten; sie wurden hin und hergeschubst, aber es gab fast jede Woche eins, und die Fans fanden sie. An ihrer Beliebtheit konnte nun nicht mehr gezweifelt werden - die Quote lag selten unter 15%, und die Redaktion bekam viele freundliche Zuschriften. So etwas war ich aus dem Dritten Programm nicht gewohnt - und erst recht nicht, dass die Programmzeitschrift HÖRZU mir für diese „Schule des Sehens“ eine „Goldene Kamera“ zusprach.
Da gab es dann auch keinen Grund, die Serie nach der 100. Sendung einschlafen zu lassen - im Gegenteil: ich erbat die Zustimmung meiner Vorgesetzten, sie auf eigene Faust mit Produzent Moritz und ohne Autor Mullins fortzusetzen und ergänzte den Titel zum Zeichen der neuen Ära durch eine schlichte Null. Die Presse frohlockte / feixte „Wibke macht die Tausend voll“. Das hat sie leider nie geschafft. Aber wie ein guter alter Volkswagen läuft und läuft die Serie bis heute, zwar unregelmäßig und gut versteckt - aber sie läuft. Und oft genug kommt es vor, dass Menschen, wenn sie meinen Namen sehen oder hören , ins Grübeln geraten... da war doch was ... mit Kunstwerken im Fernsehen... Viele längst Erwachsene erzählen mir, dass sie als Jugendliche von den Eltern vor den Apparat geholt wurden, sobald die markante Melodie ertönte, damit sie auch ja die „Schule des Sehens“ nicht versäumten.
Als ich die Federführung übernahm, änderte ich die Auswahlkriterien. Da die ersten 100 Meisterwerke meiner Ansicht nach nicht genügend deutsche Museen und zu wenig moderne Malerei berücksichtigt hatten, legte ich den Schwerpunkt zunächst auf diese beiden Aspekte. Um jedoch wichtige Lücken zu füllen, nahm ich mir vor, dass kein Maler in die nächsten Hundert aufgenommen werden sollte, der bereits in den ersten vertreten gewesen war. Ich stellte weiterhin Fünfergruppen zusammen, die waren jedoch nicht nach Themen, sondern nach Museen geordnet. Die ausgewählten Werke sollten zugleich repräsentativ für die jeweilige Kunstsammlung sein.
Auch technisch änderte sich Wesentliches. Waren die ersten Hundert der BBC auf 16mm Umkehr-Film (dem Material für die aktuelle Berichterstattung ) gedreht worden, was eine gewisse Beweglichkeit des Teams ermöglichte, den interpretierenden Kunsthistorikern zu folgen, so entschieden wir uns für den schwerfälligeren, aber qualitativ weitaus höherwertigen 35mm Film - (auf dem auch Spielfilme gedreht werden.) Wir brauchten ja nur Bilder abzufilmen, die still hielten. Mullins und die BBC hatten die Reihe der Great Paintings wie Eintagsfliegen geplant und behandelt, während Moritz nun den Erfolg sah und die kommerzielle Verwertung mitplante. Die Zeit gab ihm Recht - er verkaufte die Rechte an den 100 Meisterwerken nach und nach in viele Länder rund um den Globus. Man musste dort nur den Ton bearbeiten. Zudem ließen sich die qualitätvollen 35mm Filme digitalisieren, als es so weit war - und so konnte der Produzent ab Beginn des neuen Jahrtausends von noch weiteren Verwertungswegen wie DVDs profitieren.
Was macht nun eigentlich den Erfolg der Serie 100o Meisterwerke aus? Die etablierten Formen von Fernsehsendungen zur Bildenden Kunst sind meistens 30 - 60 Minuten lang und haben zum Thema das Werk, oft das Lebenswerk eines Künstlers, oder aber einen Überblick über eine Epoche, wenn es sich nicht um sogenannte Features handelt, die ein Problem behandeln. Da bleibt zur Betrachtung des einzelnen Kunstwerks relativ wenig Zeit.
Im Museum gelingt es dem normalen Besucher auch nicht immer, ein Bild erschöpfend zu betrachten. Wer ist nicht von Besucherströmen ständig gestört, wer lässt sich nicht durch die Kommentare der Mitbesucher aus der Ruhe bringen? Und wer ist schließlich genügend ausgerüstet mit kunsthistorischen Kenntnissen, um sich ein Bild an Ort und Stelle zu erarbeiten, um es ganz genießen zu können? Das kann im Film relativ leicht vermittelt werden: Ruhe, genaues Hinsehen, Erläuterungen zu Inhalt und Form und zu bildtechnischen Verfahren. Der Regisseur eines solchen Films kann zusammen mit seinem Autor eine Dramaturgie der Bildbetrachtung entwickeln, die sich als exemplarisch gültig erweist und dann auch wieder in der Begegnung mit vergleichbaren Bildern angewendet werden kann. Die Meisterwerke werden einzeln knapp 10 Minuten lang betrachtet, in einen Kontext gestellt zum Werk des Künstlers sowie zur Zeit und der Gattung.
Zehn Minuten können lang sein, wenn man wenig zu zeigen hat, kurzweilig bei erzählenden Darstellungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aufmerksamkeit des Zuschauers sich gerade 10 Minuten lang gut auf ein Thema richten kann. Wie lange er ein Bild betrachtet, liegt in der Entscheidung des Betrachters. Das „aha“-Erlebnis des Benennens reicht vielen eiligen Ausstellungsbesuchern schon aus. Die Kamera aber hat die Möglichkeit, das Tempo zugunsten der Erkenntnis zu reduzieren. Verweilende Standaufnahmen, langsame Fahrten, vergrößernde Hervorhebungen , die Blende von einer Bildvorlage oder Zeichnung ins endgültige Gemälde. All das sind Mittel, das Vergnügen am Geschauten, das Verständnis des Gehörten zu erhöhen. Bilder erschließen sich beim längeren Hinsehen, denn sie haben verschiedene Schichten, die denkend erforscht und sehend wahrgenommen werden können. Die ganze Schönheit des Bildes, seine Problematik teilt sich dem denkend Schauenden mit.
Die Texte der Sendungen sind, je nach dem Temperament der Autoren - die oft in den Museen zuständig für diese Gemälde sind - mit freundlicher Zurückhaltung oder warmem Engagement, mit kühler Gelehrsamkeit oder didaktischer Hinwendung zum Fernsehzuschauer geschrieben. Auch wenn die Interpretierenden im Bild nicht erscheinen und ihre Stimme durch die des Sprechers ersetzt ist, bleibt durch die Dramaturgie der Bildauflösung der individuelle Charakter der verschiedenen Experten erhalten.
Leider habe ich die 1000 nicht vollmachen können. Wir haben knapp die 300 erreicht. Als ich die Redaktion 1996 verließ, hatte ich in den letzten Jahren schon hart um die Genehmigung kämpfen müssen, ab und zu ein neues Museum in die Reihe aufnehmen zu können. Das Interesse war bei dem Sender erlahmt, er gestattete anderen Dritten Programmen, die Sendungen zu wiederholen, und so lief schließlich eines Tages 2004 die Lizenz des WDR aus.
Reiner Moritz machte seine Geschäfte mit allen möglichen Sendern, von denen ich nichts weiß, weil ich mich nicht darum kümmerte und im Ausland lebte, und als ich wieder nach Deutschland kam und mich 2002 oder 2003 umsah, was aus meinen Sendungen geworden war, erfuhr ich, dass Moritz das gesamte Material an eine große Kino-Firma verkauft hatte, Art House, die meine Schätzchen digitalisierte, mit einer neuen Titel-Aufnahme des Louvre-Aufgangs versah und dann an das ZDF verkaufte, wo sie in 3Sat heute noch zu sehen sind. Sonntag morgens um 09:05. Frühstücksfernsehen der anderen Art... Die Lizenz läuft Ende 2017 aus - es gibt also für alle Interessierten die Chance, die Sendungen alle noch einmal im Femsehen an sich vorbeiziehen zu lassen, und zwar nicht nur auf 3Sat, sondern auch nach Mittenacht auf ZDF Kultur.
Ich habe mal geschaut, was für Sendetermine in den nächsten Wochen zu erwarten sind. Es wird an den Sonntagen 26. Juli, 2. und 9. August um 09:15 je ein Bild auf 3Sat zu betrachten sein, dann aber in der Nacht des Freitag 14. August von 0:35 bis 01:15 gleich 4 Sendungen am Stück auf ZDF Kultur.
***
Die Fernsehlandschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten so radikal verändert, ist so total kommerzialisiert, dass Kultur und Kunst völlig marginalisiert und in Spartenkanäle abgedrängt worden sind, wo sie ein Eigenleben führen. Unter den bekanntesten nenne ich neben 3Sat, ZDF Kultur und ARTE, ARD Alpha, Eins Festival, Eins Plus, und Phoenix. Im Hauptprogramm der ARD hat meines Wissens nur TTT, Titel, Thesen, Temperamente überlebt, ein Format, das mittlerweile gut 50 Jahre alt ist.
Wer braucht heute noch Kultur im Fernsehen? Der einstmals staatlich verordnete Bildungs-Auftrag scheint in Vergessenheit geraten. Wo ist der „Kulturauftrag“ des Fernsehens geblieben? In aktuellen Magazinsendungen verbröselt! Was einmal als elitäre Angelegenheit gebrandmarkt worden war, ist heute ins Belieben jedes Einzelnen gestellt. Ein Angebot ist durchaus noch da - das Internet bietet Elite für alle. Man bekommt sie nur nicht mehr auf dem silbernen Teller zur festen Sendezeit serviert.
Für alle, die nicht selbst suchen mögen, gibt es inzwischen einen wunderbar fleißigen Dienst, der - primär wohl für Lehrer und speziell Kunsterzieher gedacht - monatlich zusammenstellt, was mit Bildender Kunst im weitesten Sinne zu jeder Tag- und Nachtzeit auf allen möglichen Sendern zu finden ist. Ich habe ihn vor ein paar Jahren per Zufall im Internet gefunden und abonniert. Ich empfehle ihn gerne weiter:
Kunstlinks, Fernsehtipps, alle 4 Wochen frisch recherchiert und zusammengestellt von Hermann Ludwig, Kunstlehrer am Viscardi Gymnasium Fürstenfeldbruck.
Damit bin ich zum Anfang meiner Ausführungen zurückgekommen.
Als Couch Potatoe, der sich vom „Menü aus dem Funkhaus“ bedienen lässt, kommt der Kunstliebhaber heute kaum noch zu seinem Recht. Wenn er aber nach Plan zappt und bereit ist, seinen Timer zur Aufzeichnung von Sendungen zu nachtschlafender Zeit einzustellen, dann kann er sich ohne Extrakosten ein abwechslungsreiches Kunstvergnügen zusammenstellen.
Wenn einer seine 100 Meisterwerke besitzen und unabhängig von Sendeterminen ansehen will, dann kauft er sie sich im Fünferpack zu ca. 3 Euro das Stück im Museumsshop oder in seiner Kunstbuchhandlung — oder: (das sollte ich nicht laut sagen), er lässt sie sich von Amazon ins Haus schicken.
Martin Drolling Auktionskatalog Grisebach 2018
Ob er wirklich liest? Hauptsache, der Junge sitzt still, denn der Vater will eine sehr genaue Zeichnung herstellen. Stillsitzen als Modell für den Vater wird der hier etwa zehn- bis zwölfjährige Michel-Martin schon geübt haben. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester Louise-Adéone erscheint er auf verschiedenen Bildern, so etwa im Jahr 1800 in Öl gemalt als „Malerei und Musik“, heute im LACMA (Los Angeles County Museum of Art). Mit Lockenkopf und Stupsnäschen wie auf unserer Zeichnung lehnt er dort mit Geige, Bogen und Notenbuch auf einer mit einem Puttenrelief geschmückten Fensterbank, während die Schwester im Hintergrund auf einem Tasteninstrument zu spielen scheint. Ein Werk, dem man ansieht, dass Martin Drolling bei Jean-Baptiste Greuze in die Schule gegangen Ist. Die berühmte Madame Vigée Le Brun hatte ihn dorthin vermittelt. Beiden hatte der Unbekannte aus dem Elsass gezeigt, wo seine Stärke lag: Er liebte Genreszenen und Portraits.
Drollings eigene Kinder lernten die Malkunst beim Vater. Die Tochter wurde als Madame Joubert berühmt, und der Ruhm von Sohn Michel-Martin sollte den des Vaters bei Weitem übertreffen.
Der Ruhm des Jungen sollte den seines Vaters weit übertreffen.
Es heißt, der ältere Drolling habe Zeit seines Lebens am Hungertuch genagt. Dass von ihm nur so wenige Werke bekannt sind, ist darauf zurückzuführen, dass er sein Talent von 1802 bis 1813 als Porzellanmaler in den Dienst der Manufaktur von Sèvres stellte. Just ein paar Tage, bevor 1817 der Salon eröffnete und das Publikum sich vor seinen Bildern drängte, ist er gestorben. Nur 64 Jahre alt ist er geworden, seine beiden Frauen waren ihm vorausgegangen.
Alle auf die Genauigkeit der Details gerichtete Sorgfalt Drollings spricht aus diesem Albumblatt, das sich lange im...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Stations
  3. Werner Heidt
  4. Üer den um Eckard Alker
  5. Eckard Alker
  6. Harry Meyer
  7. Kein Grund zum Jammern
  8. Wanda Richter-Forgàch
  9. Ole Fischer
  10. Irene Ludwig
  11. Monika von Starck
  12. Auf der Suche nach Baargeld
  13. Familienbilder
  14. Edda Grossman
  15. Werner Koch
  16. Mary Bauermeister
  17. Die Farbe der Schatten
  18. Mein erstes Kunsterlebnis
  19. Edda Grossman
  20. Günther Kempf
  21. Edda Grossman
  22. Graham Foster
  23. Kunstvermittlung im Fernsehen?
  24. Martin Drolling
  25. Proust (bzw. Marcel) vor Bildern
  26. Robert Motherwell
  27. Impressum