
- 204 Seiten
- German
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Über dieses Buch
Wie alle Bibeltexte ist auch das Lukas-Evangelium nicht als historischer Bericht zu verstehen. Man verfehlt seinen Sinn, wenn man es so liest, als würde es über etwas berichten, das in ferner Vergangenheit geschah. Nährender und heilsamer sind seine Erzählungen, wenn wir sie als Sinnbilder auf unsere Seele einwirken lassen. Ihre Bedeutung liegt nicht in der geschichtlichen Zeit, sondern in einer Realität, die mit der historischen Zeit mitschwingt. Epen sind wogende, rhythmisch gefasste Heldengesänge. Dieser Satz ist ein Vers, genauer gesagt ein epischer, antiker Hexameter. Sobald man eine Erzählung in solchen Versen gliedert, wandelt sich nicht nur die Form, sondern auch die Schwingung des Gesagten. Werden die Verse laut gelesen, spürt man ihre harmonisierende Wirkung auf den Organismus. Auch bei allem, was wir tun, sagen, fühlen oder denken schwingen unablässig Rhythmen mit, die Körperrhythmen der Atmung und des Pulses. Sie sind wie Abbilder der Ewigkeit in unserem zeitlichen Dasein. So hebt auch der rhythmisch gefasste Heldengesang das Erzählte aus der geschichtlichen Zeit heraus und lässt es zu etwas werden, das im Jetzt mitschwingt. Der Held wird zu einer Realität, die uns unmittelbar angeht.
Häufig gestellte Fragen
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Information
JERUSALEM
Ewig der Tempel des einen Gottes der jüdischen Stämme!
Ewig Jerusalem, einstmals erbaut als Heimstatt der Wahrheit,
aufgeschichtet die Steine zu Ehren des himmlischen Vaters,
leuchtende Hochburg des Glaubens, Ausdruck von Ehrfurcht und Liebe.
Dies ist der Ort, an dem Hiram Abif, der Bauherr aus Tyros,
Salomos Tempel nach heiligen Längenmaßen erbaute.
Dies ist der Ort, an dem einstmals die Bundeslade der Väter
hunderte Jahre hindurch gehütet und aufbewahrt wurde.
nunmehr jedoch verkommenen Stadt voller Heuchler und Lügner,
weiß, weil er sieht, wie lebendig er war, der Glaube der Menschen,
weiß, dass die Priester des Tempels damals noch eingeweiht waren,
eingeweiht in die uralten Kulte ewiger Weisheit.
Tief ist das Geistesleben seit Salomos Tagen gesunken.
Nun ist gekommen die Zeit, durch den tiefsten Tiefpunkt zu schreiten,
heimzuführen die Kinder des Vaters, ihr Dunkel zu lichten,
einzupflanzen in wartende Erde die Saat seines Geistes,
sichtbar für alle, Todes bedrückende Vormacht zu brechen.
haben Meister und Jünger den Ölberg erreicht und bestiegen.
Still steht sie da, die Gruppe der Pilger, den Blick auf den Tempel.
Heilandes Anhänger ahnen des Augenblickes Bedeutung.
Jeder von ihnen kann spüren, dass etwas Großes bevorsteht,
nicht nur die Zwölf, die schließlich schon lange den Heiland begleiten.
Auch all die anderen Schüler werden vom Anblick ergriffen,
fühlen sich unruhig, seltsam erregt, verstehen den Grund nicht.
„Geht in das Dorf, ihr findet dort angebunden ein Füllen,
gleich am Eingang der Siedlung, zur Linken des dortigen Hofes.
Das ist ein Esel, der bislang nie einen Menschen getragen.
Bindet es los, dieses Fohlen, bringt es behutsam herüber!
Fragt man euch, was ihr da macht mit dem Esel, was ihr denn vorhabt,
sagt, dass der Herr dieses Tieres bedarf, denn das wird genügen.“
finden sie alles so vor, wie der Herr es ihnen erklärt hat,
gehen zum Fohlen, schicken sich an, seine Leine zu lösen.
Schon kommt herbei der Besitzer, eher verwundert als böse,
kommt auf sie zu und sagt genau das, was der Herr prophezeit hat,
wörtlich dasselbe, im gleichen Tonfall sogar noch gesprochen.
all ihre Schritte und Worte Teil eines himmlischen Plans sind.
Staunend erfahren sie nun des Augenblicks innere Seite,
sehen, als würden sie träumen, wie sich die Handlung entfaltet,
ausfaltet wie eine Blüte, welche erstaunlicherweise
immer schon da war, geborgen im tiefsten Wesen des Samens.
diesem einen Moment, in dem alles so ist, wie es sein soll,
antworten Wort für Wort das, was der Heiland ihnen geraten.
Schweigend, als hätte er darauf gewartet, nickt der Besitzer,
lässt sie das Fohlen davonführen, zeigt sich friedlich und willig.
kündigt den Wartenden an, dass er nun hineinreiten werde,
einziehen möchte auf diesem Tier in die Stadt seines Vaters.
Einer der Jünger entblößt seine Schultern, wirft seinen Umhang
ohne zu zögern, anstatt einer Decke über das Fohlen.
Andere heben den Heiland sodann auf den Rücken des Esels.
förmlich von Freude ergriffen, werfen die Hände nach oben,
taumeln zurück, sind vom Anblick des Rabbis völlig benommen.
Reiner als jemals zuvor erblicken sie hier auf dem Ölberg
Christi Erhabenheit, seine Würde als König des Geistes.
nimmt es und breitet es aus, den Weg dieses Herrschers zu schmücken.
Aufgeregt gehen die Ersten voraus um feierlich Christi
sehnlich erwarteten Einzug in Davids Stadt zu verkünden.
Aus ihren Herzen ergießt sich ein Strom begeisterter Worte.
Gottes Gesandter ist angekommen, das Volk zu erlösen!
Öffne das Tor, bereite dich vor, deinen Herrn zu empfangen!
Weine nicht mehr um verlorene Größe, Reinheit und Strahlkraft!
Heute, erst heute erfüllt sich wahrhaftig deine Bestimmung.“
Jene, die blind waren, machte er sehend kraft seines Geistes.
Ausgetrieben hat er eine Vielzahl gemeiner Dämonen.
Aussatz, Geschwüre und Schmerzen ließ er für immer verschwinden.
Ja, selbst die Toten erweckte unser Erlöser zum Leben.“
Hört, wie die Engelsscharen beim Anblick des Sohnes sich freuen!
Seht, wie der Himmel verharrt, gefesselt vom Sinn dieser Stunde.
Tretet hervor und begrüßt den Messias, singt ihm zu Ehren!
Sorgt euch nicht länger, und legt eure Tagesarbeit beiseite!“
Abrahams Herr hat sein auserkorenes Volk nicht vergessen.
Was die Propheten verhießen, unseren Vätern versprachen, –
heute erfüllt es sich, heute werden wir Zeugen der Gnade,
Zeugen der großen Barmherzigkeit Gottes, Zeugen des Wunders.“
Zahlreiche Menschen säumen Jerusalems Straßen und Gassen.
Wochen bereits war die frohe Kunde zu hören gewesen.
Jesus aus Nazareth, hieß es, plane die Stadt zu besuchen,
sei auf dem Weg nach Jerusalem, werde bald schon vor Ort sein.
Neugierig haben die Einwohner Jesu Ankunft erwartet,
kannten doch alle die vielfach erzählten Wundergeschichten.
voller Empörung den festlich fröhlichen Einzug des Heilands.
Volkes Gesänge und Jubelgeschrei sind ihnen zuwider.
Wie kann ein einfacher Sohn Galiläas, murren die Männer,
wie kann er’s gutheißen, dieser ach so besondere Rabbi,
dass ihn die muntere Meute wie einem Gottkönig huldigt,
einholt mit höchster Bewunderung, Ehrerbietung und Demut?
treten die Hüter der Schriften heran, ermahnen den Rabbi,
endlich und deutlich zurechtzuweisen die jubelnde Menge:
„Gotteslästerlich, Meister, ist solch eine Menschenverehrung.
Lasst es nicht zu, dass alle hier wie einen Gott Euch bewundern!
Euch, Rabbi, stünde es gut zu Gesicht, bescheiden zu bleiben.“
„Keiner“, erwidert er ruhig, „bringt diese Scharen zum Schweigen.
Würde man diesen Menschen das Singen und Jubeln verbieten,
glaubt mir, stattdessen begännen sogar die Steine zu jauchzen.
Sucht, Pharisäer, sucht des Geschehens Bedeutung zu fassen,
öffnet die Augen und seht, was sich hier gerade entfaltet!
Seher und Künder vergangener Zeiten, haben’s geweissagt.
Eure Urenkel werden des heutigen Tages gedenken.
Ihr aber, die ihr dabei seid, schlaft und verkennt die Verheißung.“
sieht er im Geiste mit plötzlicher Wucht Jerusalems Schicksal,
sieht, wie brutale Gewalt die wehrlosen Einwohner heimsucht.
Überall lodern die Flammen, Felsbrocken regnen vom Himmel,
Eisen trifft Eisen, Blut fließt in Bächen, Dachbalken splittern.
Überall schreiende Mütter, weinende Kinder und Wirrnis.
dass er ins Schwanken gerät, der fröhlich gefeierte Seher.
Rasch stürzen einige Jünger herbei, den Heiland zu halten,
aufzuhalten den seitlich sich neigenden Leib ihres Meisters.
Fassungslos sehen die Männer sodann, wie sehr er bewegt ist,
sehen die Tränen des sonst immer ausgeglichenen Rabbis.
Die, die sein Weinen bemerken, meinen, gerührt sei der Heiland,
angerührt von der Freude, die ihm hier beim Einzug begegnet.
Doch die Vertrauten des Meisters erahnen andere Gründe.
Fragenden Auges betrachten sie Jesus, machen sich Sorgen.
„findet sich wieder im Dunkeln, bedrängt von Räubern und Mördern.
Wer sie verleugnet, die Wahrheit des Geistes, lebt in der Lüge.
Wer seinen Bruder betrügt und erniedrigt, macht sich nur Feinde,
sieht sich genötigt, steinerne Mauern der Macht zu errichten,
sieht sich umgeben von Hass, der doch immer einzig in ihm ist.
Wer sich verteidigt, wird Angriff stets zu gewärtigen haben.
Festungen schreien danach, von Feinden belagert zu werden.
Sicher ist keiner, außer allein in der Obhut des Vaters.“
neigt dann das Haupt, als ertrage er diesen Anblick nicht länger.
Eindringlich redet er weiter, ermahnt und warnt seine Schüler:
„Wisset, das geistige Herz dieser Stadt ist hart und verschlossen.
Die, die berufen sind, Volkes Gedeihen liebend zu dienen,
rauben es aus, belügen, verführen es, drücken es nieder.
Stark sind die Mächte des Dunkels, fordern gewisse Tribute.
Bleibt in der Liebe, verleiht keine Macht den Helfern des Bösen!“
Schwungvoll steigt Jesus vom Esel, geht durch den Vorhof des Tempels.
Eiligen Schrittes folgen die Jünger verdutzt ihrem Meister.
Dann hält er inne, der Herr, die funkelnden Augen geweitet.
Überall sieht er entsetzt, wie schamlose Händler und Huren
hier im geheiligten Haus seines Vaters werben und feilschen,
anbieten unter Missachtung des Geistes Waren und Dienste.
„fügsam zu sein wie ein Lamm und alles geschehen zu lassen.
Liebe heißt auch nicht, zu schweigen dort, wo die Lüge das Wort führt,
feige bloß wegzuschauen, wenn Geistes Bedeutung verkannt wird.
Glaubt mir, das Knurren des Wolfs ist ma...
Inhaltsverzeichnis
- Das Buch
- Der Autor
- Inhaltsverzeichnis
- Der Bote
- Die Magd
- Die Mütter
- Der Priester
- Die Geburt
- Im Tempel
- Der Zwölfjährige
- Der Rufer am Fluss
- Die Taufe des Königs
- Die 75 Geschlechter
- Die Versuchung
- Predigt in Nazareth
- Kapernaum
- Fischer
- Der Aussätzige
- Vergebung
- Zöllner
- Sabbat
- Berg und Berufung
- Der Hauptmann
- Naïn
- Der Täufer
- Die Hure
- Frauen
- Gleichnisse
- Im Sturm
- Legion
- Kraft deines Glaubens
- Die Zwölf
- Der, der ich bin
- Wer folgt mir nach?
- Aufbruch
- Die Zweiundsiebzig
- Sei barmherzig
- Zwei Schwestern
- Beten
- Dämonen und Zeichen
- Liebe und Lüge
- Sei ohne Furcht oder Sorgen!
- Bereite dich vor!
- Lebe gewaltlos!
- Heilung am Sabbat
- Eine enge Pforte
- Warnung
- Erneute Heilung am Sabbat
- Nahe im Geiste
- Folge mir nach!
- Der verlorene Sohn
- Schuld und Vergebung
- Versuchung
- Glaube
- Die Neun und der Eine
- Das Reich ist da
- Das Schwert
- Die Witwe
- Verschließt euch nicht
- Von Kindern lernen
- Geht unbeschwert!
- Das Los des Lammes
- Jericho
- Bewährungsprobe
- Jerusalem
- Macht und Vollmacht
- Der Weinberg
- Kein falsches Wort
- Des Sehers Gesicht
- Das Abendmahl
- Gethsemane
- Der Hohe Rat
- Pontius Pilatus
- Herodes Antipas
- Das Urteil
- Golgatha
- Grablegung
- Auferstehung
- Der Weg zur Quelle
- Ich bin
- Geistes Heimat
- Danksagung
- Impressum