II Die Analyse
Der erste Schritt beim Feng-Shui besteht darin, die Formen an einem Ort und ihre Wirkungen erkennen zu können und auf dieser Grundlage dann die Qualität dieses Ortes zutreffend beschreiben zu können. Neben diesen verstandesmäßigen, also analytischen Methoden gibt es jedoch auch noch einige direkte Möglichkeiten des Erkennens des Zustandes der Lebenskraft an einem Ort.
II 1. Die Beobachtungen in der Natur
Die Landschaft und ihre Elemente sowie die einfache Formen und auffällige Orte sind das Fundament der Betrachtungen im Feng-Shui.
II 1. a) Die Qualität von Orten
Zunächst einmal werden im Feng-Shui die generellen Qualitäten der Elemente der Landschaft betrachtet: Berge, Vulkane, Gebirge, Schluchten, Täler, Meere, Seen, Quellen, Flüsse, Ufer, Küsten, Sümpfe, Moore, Auen, Wälder, Wüsten, Brachland, Weiden, Felder, Gärten, Häuser, Städte, Straßen, Brücken, Eisenbahnlinien usw.
Der Charakter dieser Elemente der Landschaft kann im Wesentlichen einfach durch die Betrachtung des betreffenden Elements erkannt werden.
Die Kenntnis der Qualitäten dieser Elemente erleichtert bei der Betrachtung eines konkreten Ortes das Erkennen der Qualität und der Lebenskraft-Dynamik an diesem Ort.
Berg: Konzentration der Lebenskraft, Verbindung nach oben, Eigenständigkeit, Zusammenhalt der Lebenskraft im Inneren, Fortfließen der Lebenskraft an der Oberfläche, Kontakt zu den großen Bewegungen der Lebenskraft im Wind, Beschleunigung (am Hang), Begegnung von Erde und Luft, männlich
Vulkan: Feuer, Aufstieg der Lebenskraft, Kundalini, Konzentration, Umbruch, Verwandlung, große Kraft, Begegnung von Erde und Feuer
Gebirge: Barriere, Trennung, innere Spannungen, hohes Energieniveau, Verbindung nach oben, Ort der Quellen der großen Flüsse
Schlucht: Trennung, Tiefe, Sammlung, Durchbruch durch eine Bergreihe, Verborgenes wird sichtbar, Zugang, Eingang, Durchgang, Begegnung mit der Erde
Höhle: Innenraum, Verborgenes, Schutz, Geborgenheit, Dunkelheit, Begegnung mit der Erde, weiblich
Tal: Sammlung, Entspannung, Verlangsamung, Ruhe, Besinnung
Meer: Tiefe, Weite, Geheimnis, Trennendes, große Macht
Seen: Sammlung, Besinnung, Ruhe, in die Tiefe schauen, Meditation, Traumreise
Quelle: Ursprung, Zugang zur Unterwelt, Lebensspender
Fluß: Bewegung, Fließen, Trennung, Belebung
Ufer: Grenze, Innehalten, Trennung, Begegnung von Erde und Wasser
Prallhang (Außenkurve einer Flußbiegung, gegen die das fließende Wasser anströmt und dort das Ufer aushöhlt): Abgabe von Lebenskraft an das Ufer, Angriff
Gleithang (Innenkurve einer Flußbiegung, von der das Wasser fortfließt und dort Sand und Kies anschwemmt): Ablagerung, Aufnahme von Lebenskraft, Entspannung
Ablagerung (z.B. dort, wo ein Bergbach ins Tal kommt und halbkreisförmig den mitgeschwemmten Sand und Kies ablagert): die Knospenform zeigt, daß dort etwas von einem Bereich (Berg) in einen anderen Bereich (Talebene) gebracht worden ist – Bereicherung, Ernährung, Vermehrung
Mündung (Nebenfluß in Hauptfluß): Vermehrung, Vereinigung, erhöhte Konzentration
Delta (Flußmündung ins Meer): Hingabe, Auflösung, Verlangsamung, Verwandlung
Küste: Grenze, Trennung, Begegnung von Erde und Wasser, Verbindung zum Wind
Fjord: Trennung, Sammlung, Aushöhlung, Spaltung
Landzunge: unsicherer Ort, Verbindung zum Meer, Ausblick ins Meer, offen, Verbindung zum Wind
Insel: Abgrenzung, Eigenständigkeit, starke Verbindung zum Wasser bzw. zum Meer
Sumpf (aufgeweichte Erde, Morast): Verbindung von Erde und Wasser, Gefahr, Verborgenes, Auflösung
Moor (zugewachsener See): Verbindung von Erde und Wasser, Gefahr, Verborgenes, Auflösung, Tiefe, Unbekanntes
Aue: Grenzgebiet, Begegnung von Erde und Wasser, Fruchtbarkeit, Schwemmland, Passivität
Altarm (eines Flusses): Stagnation, Stille, Gedeihen, Verborgenes, Ablagerung
Wald: Lebendigkeit, Unbekanntes, Wildnis, Ungeformtes
Waldrand: Begegnung zwischen Natur und Kultur, zwischen offen und verborgen, zwischen hell und dunkel, zwischen Weite und Enge, daher eine große Dynamik und Vielfalt
Lichtung: Offenheit, Versammlung, Freiraum, Aufmerksamkeit
Steppe: wenig Lebenskraft, Begegnung von Erde und Wind, Wildnis
Heide: mittelmäßig viel Lebenskraft, Wildnis
Wüste: kaum Lebenskraft, Wildnis
Brachland: wenig Lebenskraft, verlassener Ort, Verwilderung
Mineralien: Prägung der grundlegenden Ausstrahlung eines Ortes => Prägung der Strukturen, die sich an einem Ort vorzugsweise bilden (z.B. Vulkangestein = viel Kraft; Schwemmland = Entspannung; Kalkgestein = konstruktive Strukturbildung)
Pflanzen: Prägung der sekundären Ausstrahlung eines Ortes (Pflanzen brauchen Mineralien und Wasser zum Leben) => Prägung der Haltungen, die sich an einem Ort vorzugsweise bilden
Tiere: Prägung der tertiären Ausstrahlung eines Ortes (Tiere brauchen Pflanzen zum leben) => Prägung der Dynamiken, die sich an einem Ort vorzugsweise bilden
Weide: geringe Lebenskraft, Verbindung mit Tieren, wenig gestaltet
Felder: vermehrte Lebenskraft, Verbindung mit Pflanzen, stärker gestaltet
Gärten: viel Lebenskraft, Verbindung mit Pflanzen, stark gestaltet
Haus: Schutz, Hülle, Wohnraum, Menschen, sehr stark gestaltet
Stadt: wenig Lebenskraft, sehr stark geprägt
Stadtmauer: Schutz, Trennung
Tempel/Kirche: Ort der Besinnung, Verbindung nach oben, Quelle der Lebenskraft und der Identität der Gemeinschaft
Geschäft/Markt: Austausch, Begegnung, Verteilung der Lebenskraft, Treffpunkt
Bahnhof: Aufbruch, Wandel, Bewegung
Burg: Schutz, Abwehr, Abgrenzung, Dominanz, Sammeln der Lebenskraft aus dem Umraum
Turm: Schutz, Weitsicht, Überlegenheit, manchmal eine Verbindung nach oben
Schloß: Herrschafts-Ort, Ausstrahlung, Lenkung, Dominanz
Hochhaus: Dominanz, Prägung
Kaserne: Macht, Herrschaft, Befehl
Friedhof: Ruhe, Ende, Besinnung, Verwandlung
Hauptstadt: Zentrum, Lenkung, Dominanz, Sammlung der Lebenskraft
Straße: Bewegung, Verbindung von Städten, gerade Bewegung, Trennung in der Natur
Kreuzung: Zentrum, Strukturierung, Wahlmöglichkeit, Starre
Verteilerkreis: Zentrum, Strukturierung, Wahlmöglichkeit, kreisende Bewegung
Straßengabelung: Wahlmöglichkeit, Druck auf das, was in der Straßengablung steht
Brücke: Verbindung, neue Fließmöglichkeit für die Lebenskraft
Eisenbahnlinie: Bewegung, Verbindung von Städten, Trennung in der Natur
Hochspannungsleitungen: Bewegung, hart geprägte Lebenskraft, Hauptschlagader der Zivilisation, Trennung in der Natur
II 1. b) Die Qualitäten einfacher Formen
Es gibt eine ganze Reihe von einfachen Formen wie Geraden, Bögen, Ecken, Brüchen, Spitzen, Kreisen usw., die an allen Stellen, wo sie auftreten, dieselben Qualitäten haben.
Gerade: Die Gerade beschleunigt und bündelt die Lebenskraft – sie entspricht einem Laserstrahl. Sie läßt die Lebenskraft hart und verletzend werden.
Deshalb werden im Feng-Shui längere gerade Linien möglichst vermieden.
Bogen: Er läßt die Lebenskraft schwingen und weich werden. Die Bögen geben der Lebenskraft einen Rhythmus.
Daher werden im Feng-Shui alle größeren Formen gebogen angelegt bzw. alle längeren geraden Formen wie z.B. Dachkanten mit einem Bogen beendet.
Ecke: Hier treffen zwei gerade Linien bzw. Flächen (die daher „hart“ sind) aufeinander – meist im rechten Winkel. Folglich sind Ecken ein besonders „harter“ Ort.
Daher werden Ecken gerne abgerundet oder an ihnen Säulen aufgestellt oder ein Baum vor ihnen gepflanzt, um die harte Lebenskraft an diesen Ecken abzufangen, zu zerstreuen oder sie wieder weicher und organischer werden zu lassen.
Spitze: Sie ist das Ende von einer oder mehreren geraden Flächen, die an einem Punkt enden. Die harte Lebenskraft der geraden Flächen kollidiert hier nicht wie an einer Ecke mit der harten Lebenskraft der anderen Seite, sondern sie wird an der Spitze gebündelt und ausgesandt.
Daher werden solche Spitzen im Feng-Shui möglichst vermieden, da man davon ausgeht, daß der Lebenskraft-Strahl, der von einer solchen Spitze ausgeht, eine verletzende Wirkung hat. Ein solcher Strahl ist so ähnlich, als wenn eine Mensch die ganze Zeit mit seinem Fing...