
- 120 Seiten
- German
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eBook - ePub
Entdeckungen in der Einsamkeit
Über dieses Buch
Gehört ein Leben mit Christus in eine fromme Märchenwelt oder ist es eine erfahrbare Wirklichkeit? Gibt es ein überfließendes Leben durch Jesus oder handelt es sich dabei um eine theologische Aussage, die praktisch keine Auswirkungen hat? Mit solchen Fragen setzte sich Peter Strauch auseinander, als er nach Herzbeschwerden und schlaflosen Nächten in der Einsamkeit der holländischen Küste endlich zur Stille fand. In diesem Buch gibt er in Tagebuchform weiter, was er während dieser Zeit der Krise mit Gott entdeckt hat. Das letzte Kapitel entstand 15 Jahre später - mit einer persönlichen Bilanz.
Häufig gestellte Fragen
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Information
1. Tag
Wie es begann
Die Gedanken und Erfahrungen, von denen hier die Rede ist, waren zunächst nur für mich bestimmt. Wenigstens war das mein Eindruck, als ich vor einem Jahr an der holländischen Küste erlebte, wie Gott zu mir sprach.
Es begann an einem kalten, aber sonnigen Wintertag. Das heißt, eigentlich begann es früher. Aber darüber werde ich später berichten. An jenem Tag im Februar stand ich am Strand und sah auf die schäumenden Wellen der Nordsee. Über mir war ein klarer, tiefblauer Himmel. Kein Mensch war zu sehen. Nur Wasser, Sand und die Gräser der Dünen. Angesichts dieser Schöpfung kam ich mir sehr klein vor. Ich empfand etwas von der alles überragenden Größe Gottes.
Aber plötzlich schob sich ein anderer Gedanke in den Vordergrund. Ich hatte meinen Fotoapparat zu Hause gelassen. Da ich zu den Menschen gehöre, die angesichts einer faszinierenden Natur sehr schnell überlegen, wie sie diesen Eindruck auf einem Film festhalten können, beeinträchtigte das meine Freude erheblich. Doch dann machte mir Gott etwas klar. Ich sollte den Anblick seiner Schöpfung nur für mich haben. Es ging diesmal nicht um Dias für Tonbildserien und ähnliche Dinge, es ging um mich. Gott wollte zu mir persönlich sprechen. Ich verstand schnell, dass sich das nicht nur auf die Landschaft bezog. Schon lange schlug ich mich mit dem Problem herum, Bibeltexte und Predigten nur für andere Menschen zu hören. Beim Lesen eines Textes dachte ich daran, wie ich ihn am besten weitergeben könne, und beim Hören einer Predigt fragte ich mich, wie ich wohl darüber spräche. Ich ließ dem Geist Gottes kaum Zeit, mich persönlich zu treffen. Das sollte nun anders werden.
Und es wurde anders. Die Zeit in Holland wurde für mich zu einer intensiven Erfahrung mit Jesus. Ich lernte, mit eigenen Augen zu sehen und mit eigenen Ohren zu hören. Die Schöpfung Gottes, die Stille und vor allem die Bibel, das alles verband sich zu einer großen und klaren Predigt Gottes für mein persönliches Leben. Und wie sehr war ich darauf angewiesen!
Hinter mir lagen bedrückende Tage und Wochen. Angefangen hatte es mit Herzschmerzen und Schlaflosigkeit. Der Arzt verschrieb mir beruhigende und entspannende Mittel, aber ich schlief immer schlechter. Sorgen wuchsen während der nächtlichen Stille ins Unermessliche.
Was sollte ich tun? Ich unternahm weite Spaziergänge und las viel. Meine Frau schirmte mich nach allen Seiten ab. Aber ich konnte mich nicht entspannen. Wichtige Aufgaben machten mich nervös, obwohl meine Mitarbeiterin während dieser Zeit nichts aus dem Büro in meine Wohnung dringen ließ. Termine beschäftigten meine Gedanken, obwohl alle Betroffenen mit sehr viel Verständnis auf Absagen reagierten. (Keine Frage: Es ging gut ohne mich. Das zeigten diese Wochen sehr deutlich.)
Hinzu kamen die Selbstvorwürfe. Machte ich nicht alles unglaubwürdig? Nicht nur mich, sondern auch Jesus? Zu wie vielen Menschen hatte ich von der Macht und Freude Gottes gepredigt?! Schlug mein Zustand nicht dieser Verkündigung ins Gesicht? Vor wenigen Wochen war mein Buch »Unterwegs erlebt« erschienen. Entsprachen die Erlebnisse darin angesichts meiner Situation noch der Wahrheit? Das waren nur einige der Fragen und Gedanken, die durch meinen Kopf jagten.
Durch verschiedene Hinweise stieß ich dann auf Holland. Mir wurde klar, dass ein Aufenthalt an der Küste eine geeignete Möglichkeit wäre, sich körperlich und geistlich zu erholen. Ich besprach die Sache mit meiner Frau und fuhr los. Wir hatten erkannt, dass dies Gottes Weg für mich sei. Und so kam es zu jenem Erlebnis am Strand und zu dieser geistlich so bedeutsamen Zeit für mich. Ich wohnte direkt an der Küste und verbrachte den Tag meist mit dem Lesen der Bibel und weiten Spaziergängen, auf denen ich viel mit Jesus und meinem Vater im Himmel sprach.
Weshalb ich nun doch über diese persönlichen Erfahrungen berichte? Zunächst einmal bin ich davon überzeugt, dass Gott seine Kinder sehr konkret führt. Im Blick auf dieses Buch meine ich, eine solche Führung zu erkennen. Jetzt, nach etwa einem Jahr, habe ich den Eindruck, Erfahrungen und Erkenntnisse aus jener Zeit aufschreiben und veröffentlichen zu sollen. Im Blick auf die mündliche Weitergabe ging mir das bereits im vergangenen Sommer so. In einer Bibelarbeitsreihe auf einer missionarischen Singfreizeit habe ich vieles von dem erzählt, was ich damals mit Gott erlebte.
Aber abgesehen davon wurde mir in den letzten Wochen und Monaten immer deutlicher, wie aktuell meine Erfahrungen aus jener Zeit sind. Viele Christen bewegen sich heute zwischen zwei Polen. Der eine Pol wird von solchen Menschen gebildet, bei denen die theologische Kenntnis zwar vorhanden ist, aber die geistliche Kraft fehlt. Das sind meist unzufriedene Menschen. Sie leben und verkündigen einen Glauben, den sie selbst nicht erfahren haben. Theorie und Praxis klaffen weit auseinander. Die Folge ist eine große Enttäuschung, nicht nur bei ihnen, sondern auch bei anderen. Das gilt besonders für Kinder, die den bloß theoretischen Glauben ihrer Eltern schnell durchschauen. Entweder ziehen sie sich dann enttäuscht zurück, oder aber sie gehen denen auf den Leim, die den biblischen Glauben zu einer humanistischen Philosophie umformen. Da ist dann viel vom Handeln des Menschen die Rede und wenig von der Kraft Gottes. Der andere Pol ist dadurch gekennzeichnet, dass die geistliche Wirklichkeit verzerrt und überzogen wird. Hier verlieren sich Menschen in Schwärmerei. Heiligung wird zum scheinfrommen Perfektionismus. Wer diesem Weg folgt, wird entweder zum Heuchler oder aber zu einem unglücklichen und beklagenswerten Versager.
Bleibt uns angesichts dieser Situation nur der Mittelweg, der fälschlicherweise oft »golden« genannt wird? Bedeutet das, dass sich Christsein zwischen Heiligung und Verweltlichung zu bewegen hat? Geht es also darum, nicht zu weltlich, aber auch nicht zu heilig zu sein? Nein, das hätte keinen Sinn. Wäre ein Christ ein solches »Weder-Noch-Geschöpf«, dann lohnte es sich nicht, mit Christus zu beginnen. Jesus Christus selbst verurteilt ja gerade ein solches Leben (Offenbarung 3,15f). Er hat immer zur kompromisslosen Nachfolge gerufen. Das ist auch heute nicht anders.
Dann stehen wir vor folgenden Fragen: Lässt sich ein solches Christsein realisieren? Ist es wahr, dass Jesus das Leben in Fülle gibt (Johannes 10,10)? Stimmt es, dass Menschen, die sich ihm anvertrauen, ein überfließendes Leben haben (Johannes 7,38)? Oder handelt es sich bei alledem um theologische Aussagen, die zwar wahr sind, die aber mit Ausnahme unseres Denkens in unserer Existenz keinen Niederschlag finden? Viele Nichtchristen und manchmal auch Christen fragen so. Das ist der Punkt, der oft junge Leute aus frommen Häusern abhält, ein Leben mit Jesus Christus zu beginnen. Realisierbar oder nicht? Fromme Märchenwelt oder geistliche Wirklichkeit? Mit diesem Entweder-Oder haben wir es zu tun. Keiner sage jetzt, die Wahrheit läge in der Mitte. Solche Halbwahrheiten kennt die Bibel nicht. Wahrheit im biblischen Sinn ist Wirklichkeit. Sie übertrifft sogar noch die Wirklichkeit unserer sichtbaren und berechenbaren Welt (2. Korinther 4,18). Aber wie erfahre ich das? Wie realisiere ich geistliches Leben auf Dauer? Wie kann ich es verhindern, dass Christus zur religiösen Ideologie wird, die zwar mit geistlichem Vokabular arbeitet, aber im Grunde mit anderen Ideologien austauschbar ist? Das waren die Fragen, die mich in Holland beschäftigten. Durch meine körperliche und seelische Krise geriet ich an diese zentralen und existenziellen Probleme des Christseins überhaupt.
Darüber möchte ich nun in diesem Buch sprechen. Schritt für Schritt will ich aufzeigen, wie Jesus Christus die wunden Stellen bei mir aufdeckte und heilte. Mag sein, dass ich mir damit den Vorwurf einhandle, solche Dinge seien zu persönlich und nichts für die breite Öffentlichkeit. Aber was macht das schon? Die breite Öffentlichkeit wird dieses Buch ohnehin nicht lesen. Vielleicht wird es zu einer geistlichen Hilfe für Christen und Mitarbeiter in einer ähnlichen Situation, wie ich sie damals erlebte. Vielleicht hilft es auch solchen, die mit dem Christsein noch gar nicht begonnen haben, weil sie meinen, damit ihren Realismus aufgeben zu müssen. Ich denke auch an die, die zwar mit Jesus Christus unterwegs sind, denen geistliches Leben jedoch eher Quälerei als Freude zu sein scheint. Wenn bei alledem viel von mir die Rede ist, dann nur deshalb, weil ich überzeugt bin, dass ein exemplarischer und zeugnishafter Bericht vielen eher hilft als eine allgemeine Darstellung geistlicher Wahrheiten. Schließlich gibt auch die Bibel das Evangelium an vielen Stellen in persönlicher Form weiter. Wichtig ist nur, in allem einen Hinweis auf Jesus zu sehen. Denn nur er ist der Anfänger und Vollender unseres und auch meines Glaubens. Von ihm und seinem Handeln soll in diesem Buch die Rede sein.
Übrigens: Niemand stoße sich an dem Du der Anrede. Ich habe es gewählt, weil ich gerne in ein persönliches Gespräch mit dem Leser eintreten möchte. Damit dies nicht allzu einseitig wird, folgen nach jedem Kapitel einige Fragen, die sich eventuell auch zu Gruppenfragen erweitern lassen.
Die eingestreuten Liedtexte gehören nicht unmittelbar zum Text, aber sie entstanden fast alle in der Zeit, von der dieses Buch spricht. Die Fotos wurden später aufgenommen. Sie sollen den Leser anregen, hin und wieder das Lesen zu unterbrechen, ein Bild zu betrachten und mit Gott zu sprechen.
Lasst uns nun dafür beten, dass der Geist Gottes das Buch gebraucht, um uns zu solchen Christen zu machen, die das leben, was sie glauben.
Persönliche Fragen
1. Höre ich noch auf das, was Gott zu mir sagt, oder höre ich nur für andere (in Gottesdiensten, Bibelkreisen, beim persönlichen Bibellesen usw.)?
2. Was ist der Inhalt meines Glaubens? Welche Erfahrungen mache ich mit ihm im alltäglichen Leben?
Bibeltext:Johannes 7,37-39
2. Tag
Geöffnete Augen
Jesus in Jericho. Menschenmassen säumten die Straßen. Alles war auf den Beinen. Jeder wollte ihn sehen, auch Bartimäus. Aber er konnte nicht. Er war blind. Vermutlich hatte er einiges über Jesus gehört. Man hatte ihm erzählt, dass Jesus Kranke heilte. Aber mit den Erzählungen gab er sich nicht zufrieden. Er wollte die Heilungskraft Gottes am eigenen Leib erfahren. Und als Jesus in seine Nähe kam, schrie er aus Leibeskräften um Hilfe: »Jesus, du Sohn Davids, erbarm dich über mich!« Doch sein Geschrei löste Empörung aus. Es entsprach nicht dem Protokoll. »Ruhe«, zischte seine Umgebung. »Du kannst doch hier nicht solch einen Lärm machen. Was soll der Rabbi denken?!« Aber der Blinde ließ sich nicht den Mund stopfen. Er schrie noch lauter: »Sohn Davids, erbarm dich über mich!«
Dieser Bericht ging mir nicht aus dem Kopf. Bei einem Strandspaziergang fiel er mir ein. Ich versuchte, mich in die Situation des Blinden zu versetzen. Er gab sich nicht mit den Erzählungen anderer zufrieden. Er kannte die Schönheit der Natur nur vom Hörensagen. Aber er wollte sie mit eigenen Augen sehen. Deshalb schrie er zu Jesus.
Nun bin ich gegen eine vorschnelle Vergeistlichung der Heilungswunder Jesu. Sie tragen nicht nur symbolischen Charakter. Es handelt sich bei ihnen um sichtbare Wirkungen der Kraft Gottes. Wenn Jesus Menschen von ihren körperlichen Krankheiten heilte, dann haben wir darin nicht nur ein Bild für die Heilung von der Sünde zu sehen, sondern das machtvolle Wirken Gottes an körperlich kranken Menschen. Das, was hier an Einzelnen geschieht, ist ein Hinweis auf die neue Welt Gottes, in der es keine Krankheiten und auch keinen Tod mehr geben wird.
Aber selbst die Bibel gebraucht das Blindsein als Bild für geistliche Wirklichkeiten. Es ist mehr als ein Bild. Da ist von der Blindheit des Volkes Israel die Rede oder von den blinden Menschen, die in der Dunkelheit ohne Gott leben. Auch die Pharisäer werden von Jesus blinde Blindenführer genannt. Es sind also Leute, die sehr wohl Augen im Kopf haben, aber die Wahrheit Gottes trotzdem nicht in den Blick bekommen.
Keine Frage, das leuchtet vielen von uns ein. Aber vermutlich ist weniger bekannt, dass es auch blinde Christen gibt. Mit Christen meine ich Menschen, die den Tod und die Auferweckung Jesu für sich persönlich in Anspruch genommen haben und Jesus Christus nachfolgen. Von solchen Leuten spricht Paulus, wenn er im ersten Kapitel des Epheserbriefes schreibt: »Ich denke an euch in meinem Gebet und bitte, dass der Gott unsres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung gebe, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr seht, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, welcher Reichtum an Herrlichkeit den Heiligen zuteil wird und wie überschwänglich groß sich seine Kraft an uns erweist, die wir glauben«« (Epheser 1,16-19).
»Er erleuchte die Augen eures Herzens …«, schreibt Paulus. Zweifellos spricht er damit die Gemeinde an. Das war das zweite, was mir am Strand einfiel; erst der Blinde von Jericho, dann Epheser 1. Und da ich der Zusage Jesu vertraue, dass uns sein Geist an sein Wort erinnert (Johannes 14,26), nahm ich das als einen Hinweis von ihm.
Tatsächlich, das war genau das, was ich brauchte: offene Augen für die geistliche Wirklichkeit. Damit plädiere ich keinesfalls für ein zweistufiges Christsein, bei dem nach der Wiedergeburt, sozusagen als höhere Stufe, die besondere Erleuchtung erfolgt. Aber ich bin überzeugt davon, dass viele Christen ohne ein wirkliches Bewusstsein für die unsichtbare Wirklichkeit Gottes leben. Eberhard Busch berichtet in seinem Buch über Karl Barth von einem Telefongespräch, das dieser am Vorabend seines Todes mit seinem Freund Eduard Thurneysen hatte. Die beiden alten Männer sprachen ausgiebig über die dunkle und bedrohliche Weltlage. Schließlich sagte Karl Barth zu seinem Freund: »Aber nur ja nicht die Ohren hängen lassen! Nie! Denn – es wird regiert!«
Ist dir das bewusst? Ich meine, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch? Mit welchen Augen lesen wir die Zeitung? Wie sehen wir die Tagesschau? Wissen und glauben wir wirklich, dass Kommunalpolitik und Weltpolitik in der Hand Gottes liegen? Wie sieht es in deinem persönlichen Leben aus? Rechnest du damit, dass Gott es in seinen Händen hält? Ich warne vor einer schnellen Pauschalbeantwortung. Das Ernst nehmen der geistlichen Wirklichkeit lässt sich am besten am Detail ablesen. Jesus sagt: »Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung« (Matthäus 6,25)? Anschließend folgt der Hinweis auf die Vögel, für die der Vater im Himmel sorgt.
Nimmst du das ernst? Vielleicht warnst du mich jetzt vor einer leichtfertigen Auslegung dieser Bibelstelle. Ich weiß auch, dass Jesus in diesem Text noch mehr sagt als das, was ich zitiert habe. Trotzdem behaupte ich, dass dies nicht unser eigentliches Problem ist. Für uns ist der Vater im Himmel mit seiner Fürsorge nicht so real wie eine gefüllte Geldbörse und ein voller Kühlschrank. Das ist unser Problem. Wir unterscheiden zwischen irdischen und geistlichen Wirklichkeiten nicht in der Art, dass das eine dem Bereich der vergänglichen Welt angehört und das andere geistlicher Natur ist, sondern uns erscheint Irdisches relativ sicher und Geistliches eher vage. Viele von uns werden theoretisch etwas anderes behaupten. Aber ich frage nach der Praxis unseres alltäglichen Lebens. Die geistliche Wirklichkeit ist keine realitätsfremde Wahrheit, die irgendwo außerhalb unserer alltäglichen Existenz ihren Platz hat. Sie durchdringt unseren Alltag und trägt und gestaltet ihn. Wenn das nicht geschieht, zeigt das, wie materialistisch wir selbst als Christen denken und wie blind wir für die geistliche Wirklichkeit sind.
Als Francis Schaeffer 1947 von seiner ersten Europareise nach Nordamerika zurückflog, setzten irgendwo über dem Atlantik plötzlich zwei Triebwerke des Flugzeugs aus. Es war Nacht. Die alte DC-4 begann unaufhörlich zu sinken. Die Passagiere wurden gebeten, die Schwimmwesten überzuziehen. Der Funker sendete sofort einen Notruf. Eine amerikanische Rundfunkstation, die ihn empfing, gab die Notlage des Flugzeugs unmittelbar danach in ihrem Radioprogramm bekannt. Dadurch hörte auch die Familie von Francis Schaeffer davon, und in kürzester Zeit wurde für die Rettung und Bewahrung jener Menschen intensiv gebetet. Als die Maschine schon so viel an Höhe verloren hatte, dass die Passagiere an Bord trotz der Nacht das Wasser des Atlantiks erkennen konnten, sprangen die Motoren plötzlich wieder an. Das Flugzeug gewann schnell an Höhe und landete nach einigen Stunden sicher auf dem amerikanischen Kontinent.
Francis Schaeffer ging zu dem Piloten und erkundigte sich nach der Ursache des Defekts. Aber der Pilot hatte keine Erklärung dafür. Er sagte: »Es kommt sehr selten vor, dass zwei Motoren am selben Flügel aussetzen. Aber wenn es geschieht, ist es fast sicher, dass sie sich nicht mehr starten lassen. Wir verstehen das nicht.«
Darauf erklärte Francis Schaeffer, er wisse, wieso das geschehen sei. Und als der Pilot gespannt auf eine technische Erklärung wartete, sagte er weiter. »Mein Vater im Himmel hat sie gestartet, weil ich gebetet habe.« Hilflos wandte sich der Pilot ab.
Gibt es diese Hilflosigkeit nicht auch in unseren eigenen Reihen? Grenzen wir das Wirken Gottes nicht oft auf besondere Bereiche ein? Wenn es um geistlichen Segen geht, ist Gott zuständig. Geht es aber um technische und wissenschaftliche Dinge, dann verlassen wir uns lieber auf den Geist und Intellekt des Menschen.
Bitte, versteh mich jetzt nicht falsch! Ich plädiere sogar dafür, dass wir unser Denken und alle weiteren Gaben Gottes gebrauchen und ausschöpfen. Aber es sollte in dem Bewusstsein geschehen, dass der Geber dieser Gaben keine Grenzen kennt. Es gibt kein Tabu für Gott und sein kraftvolles Handeln. Er ist in meiner alltäglichen Welt so real wie der Tisch, an dem ich jetzt sitze und schreibe. Jede mathematische Formel geht letztlich auf ihn zurück. Er hat unbegrenzt alles in seiner Hand.
»Es wird regiert!« Nur wer diesen Satz in seinem praktischen Bewusstsein verankert hat, hat etwas von der geistlichen Wirklichkeit Gottes begriffen. Deshalb beginnt der Missionsbefehl Jesu mit dem Hinweis auf seine uneingeschränkte Macht. Sie gilt nicht nur im Himmel, sondern auch auf der Erde (Matthäus 28,18). Erst aufgrund dieser Zusage sendet Jesus seine Jünger in die Welt. Wer in diesem Bewusstsein lebt, lebt und handelt wirklich im Glauben und kann entkrampft für Jesus Christus arbeiten.
Wie oft hatte ich darüber gepredigt. Aber lebte ich dementsprechend? Warum verkrampfte ic...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Um was es geht
- 1. Tag – Wie es begann
- 2. Tag – Geöffnete Augen
- 3. Tag – Ein neuer Eigentümer
- 4. Tag – Die Hände im Schoß
- 5. Tag – Aktive Passivität
- 6. Tag – Feinde in uns
- 7. Tag – Helle Fenster
- 8. Tag – Verborgene Fesseln
- 9. Tag – Gott besser kennenlernen
- 10. Tag – … und deinen Nächsten wie dich selbst
- 11. Tag – In Amt und Würden
- 12. Tag – Sollte Gott gesagt haben …
- 13. Tag – Unter der Leitung des Heiligen Geistes
- Meine Zeit steht in deinen Händen
- Rückblick und Bilanz