Staatliche Maßnahmen in der Wirtschaftskrise
Welche Maßnahmen ergreifen Staaten, um die Wucht der Auswirkungen einer Krise abzumildern und die Bürger vor einem Fiasko zu schützen? Vor, während und nach Corona sind die möglichen Maßnahmen im Wesentlichen immer die gleichen. Vieles regeln die Staaten über Zentralbanken, die die Geldpolitik festlegen und umsetzen. Zentralbanken gewährleisten den Wert der Währung und damit Preisstabilität und greifen in Krisenzeiten mit schützenden Maßnahmen ein, zum Teil massiv. Bei uns gibt es die Europäische Zentralbank (EZB), in den USA das Federal Reserve System (FED). Was tun Zentralbanken in einer Krise?
Zinsniveau senken
Zentralbanken können zum Beispiel das Zinsniveau senken. Das tun sie in der Hoffnung, dadurch den Ländern, den Unternehmen, den Menschen mehr Geld zur Verfügung zu stellen und so den Konsum anzukurbeln. Dadurch soll die Wirtschaft weiterwachsen, mit Wachstumsraten von 1 bis 2 Prozent. Diese Zinsniveaumaßnahmen scheiden allerdings aktuell als Möglichkeit aus, denn die Zentralbanken nutzen sie schon seit 10 bis 15 Jahren massiv. Von vormals 8 bis 10 Prozent Zinsen vor 30 bis 40 Jahren sind wir heute bei ungefähr 0 Prozent Zinsen angekommen.
Zinsen senken? Das ist heute keine Option mehr.
Anleihen kaufen
Eine weitere Maßnahme, die Zentralbanken ergreifen können, ist das Kaufen von Anleihen. In der EU gibt es einzelne Länder, die vergleichsweise schwach aufgestellt sind. Das heißt, sie können keine Anleihe mehr auflegen, die an den internationalen Finanzmärkten Abnehmer findet. Sie bekommen also auch kein Geld mehr. Italien, Spanien, Griechenland, Portugal und Irland waren zum Beispiel schon einmal in dieser prekären Lage. Seit der Finanzkrise 2008 kauft die EZB ununterbrochen jeden Monat mit Milliardenbeträgen die Anleihen dieser Länder auf, damit diese sich überhaupt noch refinanzieren können, weil sonst kein Käufer da wäre und die Länder pleitegehen würden.
Aktien kaufen und systemrelevante Unternehmen verstaatlichen
Des Weiteren kann eine Zentralbank oder ein Staat Aktien kaufen, also direkt in Unternehmen investieren. Systemrelevante Unternehmen können ganz aufgekauft und damit verstaatlicht werden, um ihr Zusammenbrechen zu verhindern. Systemrelevant sind alle Unternehmen, die etwas für den täglichen Bedarf anbieten, zum Beispiel Lebensmittel, Wasser, Energie, Transport, Gesundheit und Chemie. Der Begriff »systemrelevant« ist nicht nur während der Coronakrise im Zusammenhang mit systemrelevanten Berufen in aller Munde, sondern er ist auch mit Blick auf meine Empfehlungen für deine Investments sehr interessant. Dazu später mehr.
In der Finanzkrise 2008 etwa hat die Bundesregierung massiv Anteile der Commerzbank gekauft und ist noch heute deren größter Aktionär. Aktuell hat der Staat neben vielen anderen Maßnahmen entschieden, der Lufthansa zu helfen, damit das deutsche Flugsystem nicht zusammenbricht. Dem Staat ist bewusst: Wenn die Lufthansas, die Walmarts oder die Coca-Colas dieser Welt pleitegehen, dann haben wir zum einen Millionen von Arbeitslosen, zum anderen würden die Produkte und Dienstleistungen aus dem Bereich des täglichen Bedarfs knapp werden oder wegfallen. Dann ist das Problem größer, als wenn jetzt mit Geld geholfen wird.
Wir erinnern uns alle: Zu Beginn der Coronakrise haben die Menschen Lebensmittel, Klopapier und Desinfektionsmittel gehortet. Die Regale waren dann tatsächlich leer bzw. die Fotos leerer Regale kursierten in den sozialen Medien. Bald war ab...