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Jesus Christus
Eine etwas andere "Biographie" - auf der Basis des Johannes-Evangeliums
- 226 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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Über dieses Buch
Das Leben Jesu ist bekannt - meint man. Aber gerade heutige Menschen tun sich schwer mit dem Verständnis vieler Begebenheiten und Ereignisse, weil ihnen der Zeitbezug zu Jesu Lebenszeit vor 2000 Jahren fehlt. Dadurch entstehen Missverständnisse und Fehler, bleibt auch Wesentliches unverständlich. Dieses Buch soll diese Lücken schließen helfen und aus heutiger Sicht versuchen, Missverständnisse und Unkenntnis zu beseitigen. Dadurch entsteht eine etwas andere "Biographie", ein etwas anderer "Johanneskommentar". Dadurch erschließt sich Jesu Botschaft gerade für heutige Menschen leichter.
Häufig gestellte Fragen
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Information
Die Kreuzigung Teil 1
Kapitel 19 des Johannesevangeliums schildert nun den Ablauf einer römischen Kreuzigung, wie ihn viele Verbrecher vor und nach Jesus unter römischer Herrschaft erleiden mussten. Jesus war also hier keine Ausnahme. Oder doch? Jesus war unter den vielen Gekreuzigten der Einzige, der schuldfrei war. Er war der Einzige, der diese scheußliche Tötungsart freiwillig auf sich genommen hat.
Die Schuld, die hier am Kreuz gesühnt wurde, war kein Verbrechen, wie Menschen es vollbringen können und leider auch vollbringen. Die Schuld, die den Kreuzestod verdient hatte, war und ist unsere prinzipielle Schuld als sündige Menschen. Darüber ist nun nochmals zu sprechen. Insgesamt jedenfalls ist unter diesem Blickwinkel, der der einzig richtige ist, das Urteil des Pilatus damit völlig gerecht. Er wusste es zwar nicht, aber wir Heutige können und müssen das so erkennen. Siehe, was weiter oben über Sünde und Bestrafung steht.
Jeder Kreuzigung ging eine Geißelung voraus. Der Erstickungstod am Kreuz hängend ist extrem qualvoll; selbst für Römer galt eine Kreuzigung als schmachvoll. Ersticken als solches ist qualvoll, wie wir von lungenkranken Menschen wissen. Ihnen erleichtern wir einen unheilbaren Zustand durch Sedierung. Das ist barmherzig. So unverständlich sich das nun liest – auch die Römer kannten diese Tatsachen, und versuchten immerhin, den Erstickungstod durch zwei Maßnahmen „erträglicher“ zu machen, nämlich dadurch, dass sie den Delinquenten durch die Geißelung schon halb tot schlugen, und ihm dann mittels eines Betäubungsmittels – Myrrhe – das Bewusstsein eintrüben wollten. Die Geißelung hat Jesus erlebt, Myrrhe hat Er abgelehnt.
Die Geißelung war dabei von besonderer Härte im Vergleich zum üblichen – Jesus erhielt 3-mal soviele Geißelhiebe wie andere, wohl in der Hoffnung, dass ein halbtotgeschlagener Mensch für die Juden Sühne genug sei und die Kreuzigung nicht mehr hätte erfolgen müssen. Es gibt jedenfalls Hinweise für diese mögliche Annahme. Die Juden aber bestanden auf der Tötung.
Dass Jesus den Betäubungstrank ablehnte, könnte ein Hinweis darauf sein, dass Er Sein Sühnewerk für uns Menschen in vollem Bewusstsein durchführen wollte, evtl. ja auch musste, um alle bußwilligen Menschen zu erreichen.
Dass eine Soldateska ihren Spott mit einem Delinquenten trieb, war leider üblich, gerade bei einer Kreuzigung des Angehörigen eines besiegten Volkes. So ist die Dornenkrone zu verstehen. Jesus sollte ja erhöht werden – unter Schmerzen. So litt Er unter unserer menschlichen Überheblichkeit. Noch lebte Jesus und hätte weiter leben können, denn Pilatus unternahm tatsächlich noch einen Versuch, nach dieser Misshandlung Jesus freizulassen. Aber angefangen vom Hohepriester schrie der Mobb: Kreuzige ihn. Pilatus entgegnete ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn. Denn ich finde keine Schuld an ihm. Hier sagt Pilatus ganz klar die Wahrheit über Jesus. Darauf schrien sie, dass Jesus sterben müsse, weil er sich gesetzeswidrig zum Sohn Gottes gemacht habe. So also ist es nun raus: Die Begründung für das Todesurteil der Juden war ausgesprochen. Dass es von den Römern exekutiert werden musste, lag an der damaligen politischen Lage – der römischen Besetzung der Levante, also auch Jerusalems.
Sein oder Nichtsein – das ist die Gottesfrage
Wieso kam niemand auf die Idee, dass Jesus sich nicht zum Sohn Gottes gemacht hatte, sondern dass Er Gottes Sohn IST? Wie schon gesagt – alles wäre mit der Anerkennung dieser Tatsache als wahr anders geworden. Jedoch – wäre das in Jesu eigenem Interesse gewesen? Menschlich gedacht, könnte man das meinen. Wenn man allerdings den vorgeschilderten Ablauf und die freiwillige Gefangennahme Jesu rekapituliert, dann bleibt nur der Schluss, dass Jesu mit voller Absicht Seinen Tod plante (zu den möglichen Gründen siehe weiter vorn), sogar auch durch Kreuzigung, denn als schlimmste aller Tötungsarten war sie gerade ausreichend zur Sühne für die Missetaten und Sünden der Welt. Deshalb provoziert Er auch den prinzipiell immer noch zurückhaltenden Pilatus, indem Er auf die Frage, woher Er komme, schwieg. Sicher, Pilatus hätte mit der richtigen Information nicht viel anfangen können, aber wer weiß?
Jedenfalls wird Pilatus ärgerlich: weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, die zu kreuzigen? Jesus wusste es sehr wohl. So entgegnete Er: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat. Trotz dieser verbalen Konfrontation wollte Pilatus Jesus immer noch freilassen, schreibt Johannes. Die Juden lärmten wieder. Und nun gelingt es ihnen, Pilatus doch einen Schrecken einzujagen, indem sie ihm drohen, ihn beim Kaiser in Rom anzuschwärzen.
Interessant ist dabei Jesu Zurechtrückung der Schuldfrage. Klar, in römisch besetztem Gebiet hatte die Besatzungsmacht das exklusive Rechtsprivileg, also auch der Verhängung von Strafen hin bis zur Kreuzigung. Die besetzen Völker hatten dieses Recht verloren. Damit sagte Jesus mit Seiner Bemerkung, dass Er zwar durch römische Soldaten zu Tode gefoltert werden würde, aber lediglich als Handlung agents der eigentlichen Personen, die das Urteil über Ihn veranlasst hatten, nämlich der Führungselite des besetzten jüdischen Volkes. Die Verantwortlichen an Seinem Tod sind damit die Männer um den Hohepriester und dieser selbst. Wichtig hierbei – man darf nicht sagen: die Juden waren schuldig am Tod Jesu. Viele Juden waren nämlich zum Glauben an den Messias gekommen; schuldig war die Führung dieses Volkes nebst Claqueurs. Diese Differenzierung, die in späteren Jahrhunderten oft unterlassen worden ist, ist wichtig. Man kann die Verurteiler von Jesus namentlich benennen, also keine amorphe Masse.
Weiter - Angst ist ein probates Mittel, um Menschen unter Druck zu setzen, Dinge zu tun, die sie eigentlich gar nicht wollen; man nennt das Erpressung. Pilatus jedenfalls wollte Jesus nicht verurteilen. Der ganze Ablauf zeigt das. Aber als er dann persönlich! unter Druck gesetzt wird, wird er zum Spielball der Fanatiker. Wir Heutige verurteilen deshalb das Handeln des Pilatus. Aber ist das folgerichtig? Wir wissen, dass Erpressung, und darum handelt es sich hier, Menschen zu allem Möglichen zwingen kann, was sie ohne diese Erpressung nie freiwillig getan hätten. Pilatus also mildernde Umstände zuzubilligen, erscheint fair.
Dennoch muss man bedenken, dass er der Vertreter der Staatsmacht war. Damit hätte er durchaus gegen Fanatiker vorgehen können. Warum er sich dieser selbstbewussten Position nicht bediente? Wir wissen es nicht. Wir können nur vermuten, dass Pilatus Handlung in Gottes Heilsplan der Erlösungstag „eingepreist“ war. Warum sonst hätte Jesus Pilatus provozieren sollen, um seine Verurteilung zu erreichen – s.o.? Weiter – selbst diese Provokation hatte nicht ausgereicht, erst die Erpressung stimmte Pilatus um. Damit zeigt sich wieder, wie wir Menschen sind. Uns fehlt das Standing in solchen Situationen. Uns ist die Angst um unsere eigene Haut viel näher. Hier sind sich Pilatus und Petrus erstaunlich ähnlich. Angst hatten sei beide – um sich, weniger um Jesus, der zum eigentlichen Opfer ihrer Angst wird.
Sogar die Erpressung zeigt beim ersten Versuch bei Pilatus keine Wirkung: Er fragte die Juden: Euren König soll ich kreuzigen? Pilatus wollte offensichtlich nicht, aber er ging dann den Weg des geringeren Widerstands, und ließ Jesus doch hinrichten. Pilatus war schließlich nur ein Mensch und versagte, wie so viele Menschen damals und heute. Er konnte von seinem Standpunkt aus nicht erkennen, dass Jesus nicht nur Mensch und Delinquent war, sondern darüber hinaus auch noch Gottes Sohn in spezieller Mission der Erlösung der Menschheit.
Aber nochmals – Jesus betete in seiner Todesstunde: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Wenn man das durchdenkt, dann gehörte alles zu Gottes Heilsplan – alles, auch das Versagen von Petrus und Pilatus – und aller anderen, die sich völlig bedeckt hielten. Auch sie – aus Angst um sich selbst. Warum dachte keiner an Ps. 23: ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir?
Das ist nicht einmal christlich generiertes Gedankengut, das ist alt-jüdische Erkenntnis. Aber Menschen vergessen selbst solche Tatsachen, wenn es ihnen gefährlich wird. Jesus jedenfalls ging damals, als Er vom Mobb angegriffen werden sollte, einfach hindurch - ohne Schaden zu nehmen. Hier erkennen wir, wie groß der Abstand zwischen uns Menschen, und Jesus als Menscheninkarnation, ist. Wenn es uns gelingt, uns ganz eng an Jesus zu halten, dann haben wir die Chance, unsere Angst zu überwinden. Gelingt uns das?
Die Kreuzigung Teil 2
Interessant ist, dass das Johannesevangelium die Kreuzigung mit wenigen Wort berichtet – anders als die anderen Evangelien, die hier fast wie Gerichtsreporter berichten. Johannes erwähnt nur, dass Jesus das Kreuz – also den Querbalken – selbst trug. Vom Stürzen (das ist aber wohl erfolgt, denn die synoptischen Evangelien berichten es, das Turiner Grabtuch belegt eine entsprechende Nasenbeinfaktur) darunter erzählt er nichts. Auf Golgata erfolgt dann die Kreuzigung, zwischen zwei anderen. Dass das verurteilte Verbrecher gewesen sein sollen – Johannes lässt das unerwähnt.
Warum? Weil er damit andeuten will – die anderen, das sind wir, also die anderen hier als Stellvertreter für die sündige Menschheit? Denkbar wäre es. Die Anonymisierung und Verallgemeinerung der Mitverbrecher jedenfalls ist eine andere theologische Aussage als mit dem Finger auf zwei böse Menschen zu verweisen.
Pilatus lässt aber die Tatsache, dass er sich hat hinreißen lassen, den Befehl zu Jesu Tötung zu geben, nicht ganz kommentarlos vorübergehen. Er schreibt, entgegen den Wünschen der Juden: JNRI. (Jesus Narzarenus Rex Iudaeorum) Also Jesus IST König der Juden. Punkt. Als die Priester intervenieren, dass die Inschrift geändert werden solle, nämlich in eine Behauptung, weigert sich Pilatus endlich und gibt Jesus die „amtliche“ Bezeichnung als König der Juden. Hier kommt Pilatus der Wahrheit dann doch nahe, denn wir Heutige bezeichnen Jesus durchaus als Herrn und König. Wir beten dies in jeder Messe beim Kyrie (Kyrios = König)
Die Verteilung der Hinterlassenschaft Jesu war Brauch bei den Hinrichtungskommandos. Das ist nicht weiter erwähnenswert. Wichtig ist allein die Tatsache, dass selbst so etwas Römisches in der alten jüdischen Schrift, unserem AT, erwähnt, also vorausgesagt worden ist: Sie verteilen meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand.
Gott hat selbst eine solche Sache in sein Heilswerk einbezogen und selbst damit bezeugt, dass die Kreuzigung kein Geschichtsunfall war, sondern die von IHM selbst geplante und vorbereite Erlösungstat. Die damaligen Handelnden sind dadurch einerseits Metaphern für die sündige, erlösungsbedürftige Menschheit, andererseits aber auch letztlich Handling agents für Gottes Erlösungswerk. Denn damit Menschen diese Erlösungstat als für sich essentiell verstehen und verinnerlichen konnten, war es wegen unserer menschlichen Begrenztheit notwendig, dass wir das Geschehen exemplarisch „an Unseresgleichem“ erleben konnten: Schuld, Vergebung, Erlösung aus Liebe.
Schlussakt
Als letzte Handlung in Menschengestalt denkt Jesus noch im Todeskampf nicht allein an sich, sondern Er denkt besonders an zwei Menschen, die Ihn begleitet haben, die Ihn lieben. Es sind Maria, Seine irdische Mutter, und „der Jünger, den er liebte“. Wir dürfen davon ausgehen, dass Johannes hier sich selbst umschreibt, indem er sich namentlich zurücknimmt. Denn Jesus sagt: Frau, sieh, dein Sohn. Und zu dem Jünger: siehe deine Mutter.
Da Maria ihren leiblichen Sohn soeben verliert, erhält sie als irdischen Ersatz einen Mann nach Jesu Herzen. Wichtig ist dabei, dass Josef, der Maria seinerzeit vor dem Skandal als schwanger gewordene Ehebrecherin geschützt hatte, hier nicht erwähnt wird. Josef wird, außer in der Geburtsperikope von Jesus nicht erwähnt als handelnde Person – von kurzen Episoden abgesehen wie dem Suchen nach Jesus, als Er als Junge im Tempel zurückgeblieben war. Warum wird Josef nicht erwähnt? Vielleicht, weil Maria ihr soziales Netz als Frau von Josef behalten hat. Jesus hat hier die menschliche Dimension im Vordergrund, nicht die soziale, auch wenn damals ein Sohn zu dem Versorger der Eltern im Alter werden sollte. Gott hat bei Seinem Handeln wie immer einen anderen Gedanken, eine andere Absicht.
Nachdem Jesus nun für Seine irdische Mutter gesorgt hat, was in dieser Situation eine äußerst große Liebestat ist, weiß Er, dass Er alles vollbracht hatte. Deshalb fragt Er noch nach dem Essig – anstatt dem Wein, der das Symbol Seines Blutes werden wird – und spricht dann Seine letzten Worte: Es ist vollbracht. Johannes berichtet, weil er es selbst miterlebt hat: Und Er neigte Sein Haupt und übergab den Geist.
Fokus legen müssen wir auf den letzten Satz, eben weil er von Johannes überliefert ist, der dabei war. Jesus übergab den Geist. Ich lese das so, dass dieser Geist Gottes Gegenwart in der menschlichen Hülle des Jesus aus Nazaret war, der nun dieser menschlichen Hülle nicht mehr bedarf und dorthin zurückkehrt, wo Er schon immer war. Dieser Rückzug wird, wie sich zeigen wird, nur kurz dauern. Denn der Geist weht, wo Er will. Und Er will. Der Geist ist ja immanenter Aggregatzustand des ewigen, allmächtigen Gottes. So wird Er fulminant wiederkommen – und bleiben!. Aber das ist noch ein Vorgriff.
Die Hinrichtungsszene geht zunächst weiter. Weil ein Erstickungstod sich quälend lange hinziehen konnte, weil am Kreuz ein kleiner Schemel befestigt war, mit dem sich der Delinquent abstützen und so etwas - wenn auch zu wenig – Luft holen konnte, wodurch die Qual sich verlängerte; weil das also so war, aber am kommenden Sabbat keine Sterbenden bzw. Leichen am Kreuz hängen durften, sorgten die Soldaten durch Zerschlagung der Beine der Delinquenten dafür, dass sie sich nicht mehr abstützen konnten, so dass der Erstickungstod früher eintrat und die Körper abgenommen werden konnten. Jesus wurde aber nicht so traktiert – denn Er war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Warum ist das so wichtig zu erwähnen? Weil auch dieses Hinrichtungsdetail in der Schrift viele Jahrhunderte vor „Erfindung“ der Kreuzigungsmethode schon erwähnt wurde: „Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen.“ Einmal mehr ist das ein Hinweis Gottes auf Seinen durchdachten Heilsplan. Man muss „nur“ seine Augen öffnen - im Glauben.
Ein weiteres Wort steht in dieser alten jüdischen Tora-Geschichte: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“. Auch das ist ein früher Hinweis auf die für ein Hinrichtungskommando notwendige Überprüfung, ob der Verurteilte auch wirklich gestorben war. Wie das? Mit einer Lanze, über die jeder Fußsoldat verfügte, wurde einfach in die Lunge gestochen. An anderer Stelle, in den synoptischen Evangelien, wird berichtet, dass Blut und Wasser aus dieser Lanzenwunde strömten. Auch das ist bedeutsam – Blut: klar, wenn man eine Wunde verursacht, muss sie bluten. Aber Wasser? Nun, es war chemisch gesehen kein Wasser wie H2O. Es war vielmehr das, was man laienhaft als Lungenwasser bezeichnet. Medizinisch korrekt ist das eine seröse, wasserartige Flüssigkeit, nämlich angesammelt aufgrund eines Lungenödems, das beim Erstickungstod entsteht. Aber dieser Bericht des Lanzenstoßes ist mehr. Jesus gibt sich noch im Tod als Gabe an die Menschen. Er hat sich zu Lebzeiten als lebendiges Wasser bezeichnet, s.o.. Selbst im biologischen Tod fließt also Wasser aus Ihm, um sich den Menschen weiter zu geben. Erinnern wir uns an die H2O-Metapher für Gott.
Man muss deshalb diese kleinen, historisch im römischen Reich gut belegten Prozesse in ihrer theologischen Bedeutung annehmen. Die Vorhersage solcher relativen „Kleinigkeiten“ in einer von JHWH den Propheten Jahrhunderte vor Jesu menschlichem Erscheinen gegebenen Weissagung ist ein unzweifelhafter Beleg, dass Gott einen langen Atem hat, um Seine Heilsgeschichte den Menschen mitzuteilen. Wer das als Zufall bezweifeln möchte, sollte mal darüber nachdenken, was wir denken würden, hätte ein Römer vor 2000 Jahren die Entwicklung von Auto und Flugzeug vorhergesagt. Wir würden zurecht denken, dass das „nicht mit rechten Dingen“ zugegangen wäre. In den alten Schriften war die Wahrscheinlichkeit genauso scheinbar unmöglich. Aber den Juden sei Dank – sie haben die Worte ihres Gottes über die Jahrhunderte treu bewahrt – und dann selbst solche für sie damals nicht verständlichen Dinge in ihre Tora hineingeschrieben.
Wir haben den Ausdruck: „nicht mit rechten Dingen“. Damit meinen wir, dass es eine überirdische Macht erfordert, wenn etwas Unmögliches geschieht. Nun, hier wurde etwas in die Tat umgesetzt, was Jahrhunderte vorher ohne Kenntnis dieser Kreuzigungsmethode schon vorhergesagt und schriftlich nachlesbar festgehalten wurde. In der Tat – das ist ein Beleg der Handlung einer „überirdischen Macht“ – eben Gottes.
Jesus und die Frauen
Noch ein Detail der Szenerie soll beleuchtet werden. Berichtet wird nicht nur, dass Johannes unter dem Kreuz stand zusammen mit Maria, sondern dass noch weitere Frauen anwesend waren. Auch Maria aus Magdala. Also nur ein einziger Mann – ansonsten alles Frauen. Das hat für mich eine Bedeutung. Männer handeln oft aus Eigeninteresse, Frauen zeigen ihre menschliche Betroffenheit und ihre Anteilnahme. Für mich ist es nur folgerichtig, dass sich dann Jesus am Tag Seiner Auferstehung zuallererst diesen Frauen, die auch im Tod zu Ihm standen, offenbarte. Das geschah, BEVOR Petrus und Johannes später den Auferstandenen zu sehen bekamen. Wenn man diese Reihenfolge kritisch beurteilen will, dann werden hier Frauen, also Mitglieder der jüdischen Gesellschaft, die als zweitrangig galten, von Gott ganz klar...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis:
- Vorwort
- Prolog
- Gedanken zu Beginn
- Technische Überlegungen
- Alles beginnt mit Weihnachten.
- Alles beginnt mit Weihnachten
- Die Grundlage des Evangeliums ist das Buch Genesis
- Jesus und die Relativität der Zeit und andere Zusammenhänge
- Liebe
- Theologische Profis
- Menschliche Jünger
- Jesus ein Jude?
- Zeichen
- Anschauungsunterricht
- Juden?
- Gottessohn und Gerechtigkeit
- Die Botschaft
- Recht und Gesetz und die Liebe
- Das Manna Jesu
- Jesus der Seemann
- Brot des Lebens
- (Klein-)Glaube
- Brot des Lebens – und Sein Fleisch
- Dein Wille geschehe
- Kannibalismus?
- Jesu Opfer als Gott bzw. als Gottessohn
- Offensichtliches verborgen?
- Immer Christen, egal wie?
- Der Beginn der Passionsgeschichte
- Brüder
- Jesu Lehre verdeutlicht
- Theologische Hardliner
- Kennen - Erkennen
- Wasser des Lebens
- Entscheidungen – Entschiedenheit?
- Recht und Gesetz?
- Licht des Lebens
- Gottesaussage verstehen?
- Verlassen von Gott?
- Betrug oder Wahrheit?
- Christus medicus
- Licht – physikalisch, physiologisch, theologisch?
- Gott – Wort oder Programm?
- Darwinismus als Beweis gegen Gottes Existenz?
- Zurück zum Evangelium
- Vom Sehen ohne Augen
- Türöffnen
- Schafsköpfe und der Messias
- Erlöser
- Vorgeschmack auf die Auferstehung - Lazarus
- Auferstehungs-Zusage
- Nochmals zurück zu Lazarus
- Beginn der Passionszeit Jesu
- Die Zeit nach dem Beschluss des Rates
- Die Griechen
- Jesaja und Jesus
- Sündenbock oder Stellvertretertod?
- Noch ein Versuch, Glauben zu wecken
- Abschied und Reinheit
- Jesus ist Gott
- Jesus und Judas
- Wohnungsbauer
- Wahrheit zwischen Fake und Fakten
- Vater-Sohn-Verhältnis
- Jesu Abschiedsrede
- Abschiedsverständnis
- Der göttliche Hintergrund
- Gott – Gottes Sohn
- Liebe als Metapher für Gott
- Verherrlichung?
- Passionsdrama
- Der „Ich bin es“ liefert sich aus
- Das Böse
- Die Festnahme Jesu
- Petrus und der Hahn
- Römische Macht
- Die Kreuzigung Teil 1
- Sein oder Nichtsein – das ist die Gottesfrage
- Die Kreuzigung Teil 2
- Schlussakt
- Jesus und die Frauen
- Das Begräbnis - schiefgegangen
- Eine Tatsache – mehrere Geschichten
- Schlussfolgerung
- Ausgießung des Hl. Geistes
- Glauben oder Sehen?
- Fisch im See
- Dreifache Frage
- Schicksal des Lieblingsjüngers
- Nachwort
- Texthinweise
- Literaturhinweise
- Impressum