Zwangsarbeitende im Kreis Steinburg 1939-1945 - eine Spurensuche
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Zwangsarbeitende im Kreis Steinburg 1939-1945 - eine Spurensuche

Band 2 von Kiebitzreihe bis Wulfsmoor

  1. 262 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Zwangsarbeitende im Kreis Steinburg 1939-1945 - eine Spurensuche

Band 2 von Kiebitzreihe bis Wulfsmoor

Über dieses Buch

Der Begriff "Zwangsarbeit" wird benutzt, um den Kern der nationalsozialistischen Beschäftigungspolitik zu charakterisieren. Diese Politik setzte in verschiedenen Abstufungen Pressionen und in Millionen Fällen nackte Gewalt ein, um Arbeitskräfte aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten für die deutsche Kriegswirtschaft anzuwerben bzw. zu verpflichten. Insbesondere die Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion bekamen die Folgen der nationalsozialistischen Rassenideologie zu spüren. In Schleswig-Holstein sind Zwangsarbeiter im großen Umfang eingesetzt und ausgebeutet worden: in der Landwirtschaft, in der Industrie, in Handwerksbetrieben und in privaten Haushalten. Zwangsarbeiter oder Fremdarbeiter wurden gemäß der Rassenlehre der Nationalsozialisten klassifiziert: Am unteren Ende der Zwangsar-beiterhierarchie standen die Ostarbeiter. Sie waren russische, weißrussische oder aus der Ukraine stammende Arbeiter, stigmatisiert durch das Abzeichen "Ost", dadurch auch äußerlich gekennzeichnet und mussten in sehr primitiven Lagern leben, in Kellinghusen im ehemaligen Schweinestall des Bauern Gosau, das umgebende Gelände war mit Stacheldraht umzäunt.Die Verbrechen der Nazi-Barbarei wurden nach 1945 einfach vergessen, man leugnete sie. Berichte von Morden und Plünderun-gen dagegen, begangen von Polen und Sowjetrussen nach der Befreiung 1945, hielten sich zäh in Familien und Heimatschriften. Auch die Geschichtsschreibung passte sich an und klammerte unangenehme Themen aus. Gänzlich verdrängt wurde das Schicksal der "slawischen Untermenschen", denn Polen und Sowjetbürger standen weit unten in der Rassenhierarchie der nationalsozialistischen "Rassenwächter".

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783752604672
eBook-ISBN:
9783752652505
Auflage
1

Die Zwangsarbeitenden im Kreis Steinburg
von Kiebitzreihe bis Wulfsmoor

Kriegsgefangene – Russen

Zwangsarbeitende in Kiebitzreihe

Nordwestlich von Elmshorn liegt Kiebitzreihe mit den beiden Ortsteilen Wischreihe und Bekenreihe. Kiebitzreihe hat 2200 Einwohner.
In Kiebitzreihe ist lediglich bekannt, dass auf den einzelnen Höfen französische und polnische Kriegsgefangene arbeiteten und auch auf den Höfen untergebracht waren. So arbeitete auf dem Hof Winter ein Pole und auf dem Hof Gosau ein Franzose. Ein zentrales Lager gab es nicht. 3

Zwangsarbeitende in Kleve

Kleve liegt etwa 8 km westlich von Itzehoe. Im Jahre 1480 wurde die Gemeinde erstmals urkundlich erwähnt. Die Güter Krummendiek und Kleve liegen in der Gemeinde. Kleve hat 560 Einwohner.
Um 1940 gab es in Kleve noch 28 Landwirte im Neben- und Vollerwerb. In dem Dorf arbeiteten russische, französische und serbische Kriegsgefangene, aber auch polnische Mädchen und Frauen waren hier zwangsweise beschäftigt und untergebracht. Die Polin Maria Spazymiska arbeitete bei Anna Kohl in Kleve.
Arbeitskarte der Polin Maria Spazymiska
(Quelle: ITS Bad Arolsen, Signatur 10003889)
Auf Gut Krummendieck befand sich ein Lager für die französischen Kriegsgefangenen. Dieses Lager wurde später nach Huje verlegt. Auf Gut Kleve arbeiteten eine 16-jährige polnische Zwangsarbeiterin, sie war auch auf dem Gut untergebracht, ein französischer Kriegsgefangener und ein serbischer Kriegsgefangener. Das Lager für die serbischen Kriegsgefangen befand sich in Moorhusen bei dem Bauern Voß. 4
Auf dem elterlichen Hof, wusste Peter Hintz zu berichten, musste ein russischer Kriegsgefangener arbeiten, der auch auf dem Hof lebte.5

Kollmar

Kollmar liegt zwischen Glückstadt und Elmshorn, etwa 13 km westlich von Elmshorn, an der Elbe im Landschaftsschutzgebiet Kollmarer Marsch. Landwirtschaft und Elbe haben das Dorf geprägt.
In Kollmar gab es ein Kriegsgefangenenlager für Franzosen. Es lag in der dortigen Schulstraße und die Franzosen waren in einem Stallgebäude interniert. 6

Zwangsarbeitende in Kollmoor

Kollmoor liegt etwa drei Kilometer östlich von Itzehoe an der Stör und ist landwirtschaftlich geprägt. Kollmoor hat heute 33 Einwohner.
Um 1940 existierten in dem kleinen Dorf 10 landwirtschaftliche Vollerwerbsstellen. Auf den einzelnen Bauernhöfen wohnten und arbeiteten französische und sowjetische Kriegsgefangene. Ein zentrales Lager gab es in Kollmoor nicht. 7

Zwangsarbeitende in Krempdorf

Krempdorf ist ein typisches Reihendorf der holsteinischen Marsch, dessen Erscheinungsbild durch die Landwirtschaft geprägt ist. Das Gebiet der Gemeinde ist nahezu rechteckig und erstreckt sich südlich von Krempe entlang der Kremper Au. Bis heute ist die Besiedlungs- und Entwässerungsstruktur, wie sie im 12.Jahrhundert von holländischen Siedlern angelegt wurde, weitgehend erhalten.
In Krempdorf gab es kein zentrales Lager. Die Zwangsarbeiter und –arbeiterinnen wohnten und arbeiteten auf den einzelnen Höfen.8

Zwangsarbeitende in Krempe

Krempe liegt rund 50 Kilometer nordwestlich von Hamburg und zehn Kilometer südlich von Itzehoe in ländlicher Umgebung an der (ehemals schiffbaren) Krempau, einem Nebenarm der Stör. Mit rund 2300 Einwohnern ist Krempe nach Arnis die zweitkleinste Stadt Schleswig-Holsteins.
In Krempe existierten zwei Kriegsgefangenenkommandos. Französische Kriegsgefangene waren in der alten Turnhalle in der Nähe des Platzes „Auf dem Pferdemarkt“ untergebracht. Die 25 bis 30 französischen Gefangenen arbeiteten in einer Meierei, in den Kremper Lederwerken, bei der Reichsbahn und in der Landwirtschaft. In einem zweiten Lager waren in einer Baracke auf dem alten Sportplatz ebenfalls Franzosen interniert. 9
Im Ahsbahsstift (Krankenhaus) in Krempe waren insgesamt 20 Zwangsarbeiter*innen untergebracht - ein Patient belgischer Nationaltät, 19 Patient*innen polnischer Nationalität und ein Baby.
(Quelle: ITS Bad Arolsen, Signatur 9074500, Nr. 82428367)

Zwangsarbeitende in Krempermoor

Krempermoor liegt drei Kilometer südlich von Itzehoe in einem ausgedehnten Moorgebiet. Der Ort wurde 1271 erstmals erwähnt als „Cremper Mohr“ und hat 570 Einwohner. In Krempermoor befand sich kein Lager.

Zwangsarbeitende in Kremperheide

Kremperheide liegt südlich der Kreisstadt Itzehoe, hat 2500 Einwohner und grenzt als Geestgemeinde an die Krempermarsch. Im 30jährigen Krieg und im folgenden Schwedischen Krieg wurden in Kremperheide 24 Katen niedergebrannt. Trotzdem entwickelte sich die Siedlung in der Heide. Nach und nach ersetzten größere Bauten die kleinen Hütten. Bis 1900 entwickelte sich dann die „Kleine-Leute-Siedlung“ Kremperheide immer mehr zu einem Bauerndorf.
In Kremperheide existierte ein Lager mit kriegsgefangenen Franzosen. Es befand sich in der Gastwirtschaft Wilke. Die französischen Kriegsgefangenen wurden zu Tätigkeiten in der Landwirtschaft eingesetzt. In einem zweiten Lager waren 12 kriegsgefangene Sowjetrussen bei Wilhelm Jürgens in Herfart untergebracht worden. Sie mussten in der Formsandgrube von Fritz Deckmann arbeiten.

Zwangsarbeitende in Kronsmoor

Kronsmoor liegt etwa fünf Kilometer östlich von Itzehoe an der Stör. Der Ort ist überwiegend durch landwirtschaftliche Betriebe geprägt.
In Westermoor waren zwei zentrale Arbeitslager installiert worden. In den beiden Lagern waren 35 Franzosen und 15 Italiener untergebracht. Ein Teil dieser Zwangsarbeiter musste morgens zur Arbeit nach Kronsmoor marschieren, um dort Arbeiten in den landwirtschaftlichen Betrieben zu verrichten. 10 Kronsmoor ist nur wenige hundert Meter von Westermoor entfernt

Zwangsarbeitende in Krummendiek

Krummendiek liegt etwa 7 km westlich von Itzehoe und hat über 90 Einwohner. Im 13. Jahrhundert wurde ein befestigter Herrensitz an der Bekau, sie fließt durch die Gemeinde, errichtet. 1227 erhielt der damalige Besitzer des Gutes, Hartwig Busche de Crummendike, von Graf Adolf IV. von Holstein das umliegende Land samt der Siedlung zu Lehen.
Um 1940 existierten in Krummendiek fünf landwirtschaftliche Vollerwerbsstellen. In dem kleinen Dorf waren 20 französische und 20 serbische Kriegsgefangene interniert. Auf den Höfen lebten und arbeiteten sowjetische Zwangsarbeiterinnen. Gustav Dunker berichtete, dass auf dem elterlichen Hof eine russische Zwangsarbeiterin lebte, die ein Liebesverhältnis mit einem russischen Kriegsgefangenen aus Landrecht hatte, das nicht ohne Folgen blieb. Die schwangere Russin durfte ihr Kind auf dem Hof zur Welt bringen und großziehen.11
Weißrussische Zwangsarbeiterinnen auf dem Weg zu ihrem Arbeitseinsatzort

Zwangsarbeitende in Kudensee

Kudensee liegt etwa fünf Kilometer km nordöstlich von Brunsbüttel und wurde erstmals 1454 unter dem Namen „Uth dem Kudensee“ urkundlich erwähnt. Kudensee hat über 110 Einwohner.
In Kudensee befand sich ein Lager mit 10 Polen in der Zeit vom 14.04. 1945 bis zum 10. 05. 1945. Danach wurden die polnischen Kriegsgefangenen nach It...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Danksagung
  4. Die „Fremdarbeiterlager“ im Kreis Steinburg - 1947
  5. Zwangsarbeiterlager und Kriegsgefangenenkommandos in Städten und Dörfern des Kreises Steinburg während des Zweiten Weltkrieges
  6. Die Zwangsarbeitenden im Kreis Steinburg 1939 – 1945 Kiebitzreihe bis Wulfsmoor
  7. Das Thema „Nationalsozialismus“ im Unterricht
  8. Konstruktivistische Didaktik und Methodik am Beispiel Lernen an Stationen – Lernen in Projekten
  9. Projektunterricht –verschiedene Modelle
  10. Projektunterricht – Vorteile eines nachhaltigen Unterrichts
  11. Unterrichtseinheit: Lernen an Stationen – Lernen in Projekten zum Thema: „Zwangsarbeitende 1939 – 1945 am Beispiel des Kreises Steinburg: Hinweise für die Lehrkraft
  12. Lernen an Stationen – Lernen in Projekten
  13. Planung und Durchführung eines Projektes zum Thema: „Zwangsarbeitende im Kreis Steinburg“
  14. Anhang
  15. Impressum