Ein Förster wird vom geheimnisvollen "Samiel" niedergeschlagen. Er verdächtigt Hermann, weil der Förster diesem nicht erlaubt hat, seine Tochter Pauline zu heiraten. Nun versucht Hermann seine Unschuld zu beweisen."Der Samiel" ist eine Kurzgeschichte. Sie wurde bereits in "Aus dunklem Tann" (Band 43 der Gesammelten Werke) veröffentlicht.

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Der Samiel - Frühfassung
Erzählung aus "Aus dunklem Tann", Band 43 der Gesammelten Werke
- 27 Seiten
- German
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Über dieses Buch
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ClassiciDER SAMIEL
Diese Erzählung Karl Mays ist eine Vorstufe zur späteren Fassung, die der Dichter in seinen Roman Der Weg zum Glück einschaltete (Teil 2 von Band 68 GW, Der Wurzelsepp). Die Wiedergabe der Urform erfolgte in der Druckausgabe von Aus dunklem Tann als Faksimile der einzig bekannten Veröffentlichung, die in Das Buch für Alle – Illustrierte Zeitung zur Belehrung und Unterhaltung. Chronik der Gegenwart, 13. Jahrgang 1878, Heft 8, im Verlag von Hermann Schönlein, Stuttgart, herausgegeben wurde. Für die hiesige E-Book-Ausgabe wurde der Text – unter Beibehaltung der alten Rechtschreibung und aller orthografischen Eigenheiten des Erstdrucks – neu erfasst.
Sicherlich ist das Erscheinungsjahr 1878 nicht auch die Zeit der Entstehung. Die im selben Jahr anderswo veröffentlichten Erzgebirgischen Dorfgeschichten, zum Beispiel Der Teufelsbauer oder Der Herrgottsengel, ferner auch Reiseerzählungen, tragen Merkmale einer schriftstellerischen Fertigkeit, die hier noch fehlt.
Doch gerade darum ist der Samiel ein interessantes poetisches und psychologisches Dokument, das Einblick gibt in Mays Entwicklung. Die Art des Vortrags, das unbekümmerte Draufloserzählen, das warmherzige Gefühl, die schriftstellerische Unverdorbenheit, die manchmal rührende Naivität gegenüber dem Leben und der Umwelt, der unbestechlich klare Beobachterblick, die unverbrauchte Leidenschaft und der knappe, präzise Dialog, der ohne Umschweife das Wesentliche sagt: Das alles sind Merkmale eines in seiner Art genialen Naturtalents.
Der unveränderte Neudruck ermöglicht es, diese Erzählung innerhalb ihrer Zeit zu betrachten. Geschmack und Stil der Epoche äußern sich genauso wie die Schreibart vor der Rechtschreibungsreform, die in Karl Mays Heimat Sachsen 1899 verbindlich wurde. Insbesondere aber zeigt der Text Empfindungen und Hemmungen, Beziehungen zu Landschaft und Leben – er vermittelt einen Einblick in eine vergangene Zeit. Dies ist der Vorzug einer solchen Wiedergabe. Und nicht ohne Bewegung liest man diese Urform der Geschichte vom Samiel, dem geheimnisvollen Wilderer.
Der Herausgeber
Der „Samiel“.
Eine Erzählung aus dem Erzgebirge
von
Karl May.
1.
Der Blößenförster befand sich in einer fürchterlichen Aufregung. Gestern Abend mit der Büchse ausgegangen, war er erst jetzt am Spätnachmittage ohne dieselbe nach Hause gekommen, hatte das bereitstehende Mahl nicht angerührt und ging mit raschen, energischen Schritten, zornig gestikulierend und in kräftigen Ausdrücken seinem Grimme Luft machend, im Zimmer auf und ab.
„Nein, so etwas ist wahrhaftig unerhört, ist noch nimmer dagewesen, ist eigentlich reinweg unmöglich! Hier ist ja kein Mensch, kein Wild und keine Fliege mehr sicher; Alles putzt er weg, der verwünschte Wilderer, der ‚Samiel‘, wie sie ihn überall nennen, und ich kann mir die Füße ablaufen, mich Tag und Nacht auf die Lauer legen, – ich erwische ihn doch nicht, ja, ich bekomme ihn gar nicht einmal zu sehen!“
Die beiden Frauen, welche in der Fensternische saßen, beobachteten ein sorgfältiges Schweigen; sie wußten, daß jeder Versuch, ihn zu beruhigen, seinen Ärger nur steigern werde.
„Und was das Schlimmste ist,“ fuhr der Zornige fort, „ganz allein mein Revier wird von ihm heimgesucht; die Nachbarn verschont er ganz und gar, sie stehen an der Grenze, stecken die Hände in die Hosen und lachen mich aus über die Vorwürfe, welche ich fast Tag für Tag zu hören bekomme. Erst gestern war der Oberförster hier und meinte endlich, wenn das nicht anders werde, so müsse ein Mann her, der sich besser auf die Forstpolizei verstehe als ich. Ist das nicht gleich zum Närrischwerden? Schießt mir dieser Kerl noch so einen der seltenen Zwölfender weg, wie heute Nacht, so fahre ich aus der Haut!“
Er zog das blauleinene Sacktuch aus der Tasche und wischte sich die glühende Stirne.
„Da höre ich heut Nacht, während ich draußen umherspürte, einen Schuß; ich stürme so schnell durch die Büsche, daß mir die Äste das Gesicht wund schlagen, und sehe auf der freien Stelle am Waldwasser den schönsten Zwölfer liegen. Der Mond scheint hell vom Himmel, damit ich ja alles deutlich sehen und mich gehörig ärgern soll, aber den, der geschossen hat, den erblicke ich nicht. Plötzlich erhalte ich einen Schlag über den Kopf, daß mir die Sinne vergehen, und als ich wieder aufwache, bin ich an den Baum gebunden, der Zwölfer liegt noch an seinem Platze, aber meine Büchse ist fort. So eine Schande! Ich hätte mich selbst ohrfeigen können, wenn die Hände dazu frei gewesen wären. Rufen durfte ich nicht, sonst war ich ja blamiert für alle Zeit und Ewigkeit, und so blieb ich den ganzen Tag am Baume, bis es mir vorhin endlich gelang, mich loszureißen. Und als ich nachher in die Tasche greife, steckt ein Zettel darin mit der Quittung für die Büchse und der Bemerkung, daß mein Nachfolger sie zum Angebinde erhalten solle, sobald ich von der Stelle gejagt worden sei. Das muß man erleben, ohne vor Wuth gleich zu zerplatzen! Ich habe stets meine Pflicht gethan, jetzt thue ich fast noch mehr, fast über die Gebühr, und doch muß ich von der Stelle, wenn ich den Samiel nicht erwische, der...
Inhaltsverzeichnis
- Cover
- Titel
- Inhalt
- DER SAMIEL
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