ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen
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ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen

Ein Praxisbuch fĂŒr Therapeuten und Betroffene

Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy, Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy

  1. 204 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfĂŒgbar
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ADHS bei Erwachsenen - ein Leben in Extremen

Ein Praxisbuch fĂŒr Therapeuten und Betroffene

Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy, Martin D. Ohlmeier, Mandy Roy

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Über dieses Buch

Attention deficit hyperactivity disorder (ADHD) is now also a recognized disorder in adult psychiatry. Treatment for the condition in adults requires a therapeutic approach different from that in children and adolescents. This book presents important new research findings, on the basis of which both basic knowledge about ADHD and special aspects, such as comorbidities with addictive disorders and autism spectrum disorders, are described. In addition to treatment strategies, frequently accompanying phenomena such as creativity and delinquency are addressed. This second edition provides a comprehensive overview of the current state of knowledge around ADHD.

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Information

Grundlagen der ADHS

1 Vom »Zappelphilipp« und »Hanns Guck-in-die-Luft« – Die Geschichte der ADHS

Klaus-Henning Krause

1.1 Erste Beschreibungen

Als der Arzt Heinrich Hoffmann seinem dreijĂ€hrigem Sohn Karl zum Weihnachtsfest 1844 ein Schreibheft mit 14 einseitig beschriebenen und mit aquarellierten Zeichnungen versehenen Seiten schenkte, konnte er nicht ahnen, dass er damit ein Werk geschaffen hatte, das ihn weltberĂŒhmt machen wĂŒrde und das in fast jedem Fortbildungsvortrag zur Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung (ADHS) erwĂ€hnt wird; diese Urschrift wird im Germanischen Nationalmuseum NĂŒrnberg aufbewahrt. Die erste gedruckte Version erschien 1845 unter dem Titel »Lustige Geschichten und drollige Bilder mit 15 schön kolorierten Tafeln fĂŒr Kinder von 3 bis 6 Jahren«, als Autorenname wĂ€hlte der Verfasser ein Pseudonym (»Reimerich Kinderlieb«). Die Figur des Struwwelpeter stand am Schluss des Buches, »Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug« sowie »Die Geschichte vom Zappelphilipp« waren noch nicht enthalten und kamen erst 1846 in der 2. Auflage hinzu; jetzt hieß das Buch »Struwwelpeter«, der Autor »Heinrich Kinderlieb«. Mit der 5. Auflage 1847 gab sich Heinrich Hoffmann dann mit seinem richtigen Namen zu erkennen und fĂŒgte »Die Geschichte vom fliegenden Robert« und »Die Geschichte vom Hanns Guck-in-die-Luft« ein (Hoffmann 1847). Dass so viele Facetten der ADHS in diesem Bilderbuch eindrĂŒcklich beschrieben wurden, ist der genauen Beobachtungsgabe von Heinrich Hoffmann zu verdanken, der diese ZĂŒge in seiner Familie durchaus beobachten konnte; auch in seiner eigenen Biographie finden sich viele Hinweise auf eine ADHS (Krause und Krause 1998). Aber auch seine Patienten, die er zusammen mit sechs jungen Frankfurter Kollegen in der 1834 gegrĂŒndeten »Armenklinik« behandelte, regten ihn wohl zu seiner Beschreibung an: Wie Hoffmann in seinen Lebenserinnerungen schreibt, habe er schreiende, weinende und brĂŒllende kranke Kinder oft dadurch beruhigt, dass er aus seinem Notizbuch ein Blatt herausgerissen, einen kleinen Buben mit dem Bleistift schnell hingezeichnet und erzĂ€hlt habe, wie sich der Schlingel die Haare und die NĂ€gel nicht schneiden lasse. Damit habe er die Kinder zum ruhigen Zuhören gebracht und nebenbei körperlich untersuchen können (Hoffmann 1985).
Der Zappelphilipp wurde namensgebend fĂŒr die ADHS (»Zappelphilipp-Syndrom«), wobei der mit Hoffmann befreundete Maler Heinrich von Rustige 1838 in seinem Bild »Unterbrochene Mahlzeit« eine ganz Ă€hnliche Szene dargestellt hatte (s. a. das Titelbild des Deutschen Ärzteblattes vom 30.01.2004). Es sollten aber noch viele Jahrzehnte vergehen, bis der Krankheitswert der von Hoffmann beschriebenen VerhaltensauffĂ€lligkeiten erkannt und konzeptualisiert wurde. Als erste fachliche Beschreibung der ADHS gilt allgemein die 1902 im »Lancet« erschienene Arbeit von George Frederick Still; Symptome der ADHS wurden aber lange Zeit vor Heinrich Hoffmann und George Frederick Still bereits in zwei medizinischen LehrbĂŒchern 1775 von Melchior Adam Weikard und 1798 von Alexander Crichton recht ausfĂŒhrlich beschrieben (Barkley und Peters, in press). Still stellte in seinen Vorlesungen im Royal College of Physicians die Fallgeschichten von 20 Kindern dar, die ZĂŒge der HyperaktivitĂ€t zeigten. Er beschrieb extreme motorische Unruhe und nahezu choreiforme Bewegungen und als gemeinsames weiteres Merkmal eine abnorme UnfĂ€higkeit, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Nach seinen Angaben war die Störung hĂ€ufiger bei Jungen als bei MĂ€dchen anzutreffen, begann bereits in den ersten Schuljahren und fĂŒhrte zu Leistungsversagen in der Schule trotz normaler Intelligenz. Viele der Kinder werden als boshaft, zerstörerisch und gewalttĂ€tig bezeichnet (Still 1902). Der Autor vermutete, dass das in seiner Arbeit dargestellte hyperaktive Verhalten auf einem angeborenen oder perinatal erworbenen biologischen Defekt der moralischen Kontrolle beruhe. Dieses Konzept einer organischen SchĂ€digung als Ursache von VerhaltensauffĂ€lligkeiten wurde im vorigen Jahrhundert lange favorisiert und fĂŒhrte zu Bezeichnungen wie minimale HirnschĂ€digung als Diagnose bei Kindern mit Symptomen einer ADHS. Eine genauere Beschreibung des Krankheitsbildes findet sich 1932 in der Arbeit Â»Ăœber eine hyperkinetische Erkrankung des Kindesalters« von Kramer und Pollnow. Die Autoren beschrieben hier ein Syndrom mit Symptomen von extremer Unruhe, Ablenkbarkeit und Sprachentwicklungsstörung. Interessant ist, dass bereits einige Jahre zuvor in Italien Kinder mit Ă€hnlichen Symptomen von Sanctis (1925) beschrieben wurden.

1.2 Geschichte der Nomenklatur

WĂ€hrend in den USA im 20. Jahrhundert lange Zeit das Bild der ADHS keinen Eingang in die kinderpsychiatrische Literatur fand (z. B. wurde es in dem Lehrbuch von Kanner 1957 nicht erwĂ€hnt), finden sich in europĂ€ischen LehrbĂŒchern durchaus entsprechende ErwĂ€hnungen, so im Lehrbuch des Wiener Psychiaters Hans Hoff von 1956, der in seiner kinderpsychiatrischen Vorlesung die »hyperkinetische Erkrankung« explizit besprach. Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die Bezeichnung der »minimalen HirnschĂ€digung« durch die Begriffe »minimale cerebrale Dysfunktion (MCD)« bzw. »minimal brain dysfunction (MBD)« ersetzt, nachdem Zweifel am Konzept einer pathologisch-anatomisch fassbaren HirnschĂ€digung als Ursache der motorischen Unruhe und Aufmerksamkeitsstörung aufgekommen waren.
Erst Ende der 1980er Jahre wurde der Begriff der minimalen zerebralen Dysfunktion als Bezeichnung fĂŒr das Krankheitsbild der ADHS verlassen (in der Schweiz ist heute noch der Begriff »psychoorganisches Syndrom (POS)« fĂŒr diese Diagnose gebrĂ€uchlich) und in der ICD-9 (World Health Organization 1978) bzw. im DSM-III (American Psychiatric Association 1980) die Störung als eigenstĂ€ndiges Krankheitsbild abgegrenzt:
‱ In der ICD-9 wird der Begriff des hyperkinetischen Syndroms des Kindesalters mit Störung von Aufmerksamkeit und Konzentration (314.0) eingefĂŒhrt, das möglicherweise verbunden ist mit EntwicklungsrĂŒckstand (314.1) oder einer Störung des Sozialverhaltens (314.2).
‱ Das DSM-III benutzt den Begriff »Attention Deficit Disorder« (ADD), wobei eine hĂ€ufige Kombination mit HyperaktivitĂ€t vorliegt (ADD-H), die aber nicht obligat fĂŒr die Diagnose ist.
‱ Mit der Frage, ob es sich beim Vorliegen einer entsprechenden Symptomkonstellation um ein Syndrom oder um eine eigenstĂ€ndige Störung handelt, haben sich Rothenberger und NeumĂ€rker (2005) auseinandergesetzt; sie kommen zum Schluss, dass nach dem heutigen Stand der Wissenschaft ĂŒberzeugende evidenzbasierte Hinweise bestehen, wonach alle Kriterien fĂŒr eine valide psychiatrische Störung erfĂŒllt sind.
WĂ€hrend in der ICD-9 das hyperkinetische Syndrom noch als reine Erkrankung des Kindesalters beschrieben wurde, fĂŒhrte das DSM-III ein Persistieren von Symptomen bis ins Erwachsenenalter als spezielle Kategorie auf und bezeichnete dies als »ADD Residual Type«. In der revidierten Version (DSM-III-R) wurde die Unterscheidung in ADD und ADD-H mit der BegrĂŒndung fallengelassen, dass Aufmerksamkeitsstörungen in der Regel mit HyperaktivitĂ€t vergesellschaftet seien, und es wurde der Begriff »Attention Deficit/Hyperactivity Disorder« (ADHD) eingefĂŒhrt (American Psychiatric Association 1987). BezĂŒglich der Manifestation bei Erwachsenen wird im DSM-III-R wie im DSM-III festgehalten, dass die Diagnose einer ADHS im Erwachsenenalter dann zu stellen ist, wenn Symptome nach Kindheit und Adoleszenz persistieren – ohne dass auf spezifische Symptome im Erwachsenenalter eingegangen wird. Das DSM-IV (American Psychiatric Association 1994, deutsche Version 1996) ĂŒbernimmt nicht mehr das Konzept mit obligater HyperaktivitĂ€t bei Aufmerksamkeitsstörungen, sondern differenziert drei Untergruppen:
‱ Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung, Mischtypus: Dieser Typ liegt vor, wenn jeweils mindestens sechs von neun Symptomen der Aufmerksamkeitsstörung und der HyperaktivitĂ€t/ImpulsivitĂ€t ĂŒber mindestens sechs Monate persistieren. AusdrĂŒcklich wird im DSM-IV vermerkt, dass nicht bekannt ist, ob diese Kriterien auch im Erwachsenenalter gelten.
‱ Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung, vorwiegend unaufmerksamer Typus: Mindestens sechs Symptome des Aufmerksamkeitsdefizits, aber weniger als sechs Symptome der HyperaktivitĂ€t/ImpulsivitĂ€t haben mindestens sechs Monate bestanden.
‱ Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung, vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typus: In den letzten sechs Monaten traten mindestens sechs Symptome von HyperaktivitĂ€t/ImpulsivitĂ€t, aber weniger als sechs Symptome von Unaufmerksamkeit auf.
Spezielle AusfĂŒhrungen bezĂŒglich des Vorliegens im Erwachsenenalter werden im Vergleich zum DSM-III-R nicht gemacht. Es wird jedoch ein spezieller Codierhinweis eingefĂŒhrt: »Bei Personen (besonders Jugendlichen und Erwachsenen), die zum gegenwĂ€rtigen Zeitpunkt Symptome zeigen, aber nicht mehr alle Kriterien erfĂŒllen, wird teilremittiert spezifiziert« (American Psychiatric Association 1996, S. 123).
Entsprechend dem DSM-III und DSM-IV rĂŒckt die ICD-10 (World Health Organization 1990) von der Eingrenzung der Diagnose auf das Kindesalter ab und beschreibt unter F 90 Hyperkinetische Störungen mit in Bezug auf das Alter und den Entwicklungsstand nachweisbarer AbnormitĂ€t von Aufmerksamkeit und AktivitĂ€t (F 90.0), eventuell mit Störung des Sozialverhaltens kombiniert (F 90.1). Ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne HyperaktivitĂ€t wird separat unter der Codierung F 98.8 aufgefĂŒhrt. In der deutschen Ausgabe der ICD-10 werden im systematischen Verzeichnis der Krankheiten die Störungen von F 90 bis F 98 betitelt mit »Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend« (Deutsches Institut fĂŒr medizinische Dokumentation und Information 1994). Dies weist darauf hin, dass auch hier zumindest indirekt eine Persistenz im Erwachsenenalter zugelassen wird.
In der revidierten Fassung des DSM-IV (DSM-IV-TR; American Psychiatric Association 2000) finden sich keine Änderungen bezĂŒglich der ADHS.
In den Kriterien des DSM-5 werden neun Symptome der Aufmerksamkeitsstörung und neun Symptome der HyperaktivitĂ€t und ImpulsivitĂ€t aufgefĂŒhrt (American Psychiatric Association 2013), wobei erstmals speziell das Erwachsenenalter betreffende Symptome aufgelistet sind. Voraussetzung fĂŒr die Diagnosestellung im Erwachsenenalter ist das Vorhandensein von jeweils mindestens fĂŒnf der neun Symptome aus einem oder beiden Symptomclustern. Vorausgesetzt wird weiterhin, dass die Symptome bereits vor dem 12. Lebensjahr vorlagen und in mindestens zwei Lebensbereichen (z. B. Arbeitsplatz, Familie) zu deutlichen FunktionsbeeintrĂ€chtigungen fĂŒhren und nicht plausibler durch eine andere psychische Störung, eine sonstige organische Erkrankung oder durch die Einnahme psychotroper Substanzen erklĂ€rt werden können. Patienten, bei denen wĂ€hrend der Kindheit und Jugend eine ADHS vorlag, die aktuell aber nicht mehr den vollen Kriterienkatalog erfĂŒllen, können in die diagnostische Kategorie »partielle Remission« eingeordnet werden. In AbhĂ€ngigkeit von der aktuellen AusprĂ€gung der individuellen BeeintrĂ€chtigung können gemĂ€ĂŸ DSM-5 leichte, mĂ€ĂŸige oder schwere Störungsbilder differenziert werden.
Entsprechend der vorliegenden Symptomkonstellation werden unverÀndert im Vergleich zum DSM-IV drei klinische Subtypen unterschieden.
Die PrĂ€valenz bei Erwachsenen wird mit 1–6 % veranschlagt (Wender et al. 2001). Das Magazin »Time« widmete 1994 dieser Störung eine Titelgeschichte und stellte als wahrscheinlich betroffene Erwachsene u. a. Benjamin Franklin, Winston Churchill, Albert Einstein und Bill Clinton heraus (Wallis et al. 2004). Wender publizierte 1995 die erste Monographie ĂŒber die ADHS im Erwachsenenalter (Wender 1995); im gleichen Jahr veröffentlichte Nadeau eine ausfĂŒhrliche Darstellung des Krankheitsbildes (Nadeau 1995). In verschiedenen amerikanischen LehrbĂŒchern setzt man sich seitdem eingehend mit der ADHS auch im Erwachsenenalter auseinander (z. B. Accardo et al. 2000; Barkley 1998; Brown 2000; Goldstein 1997; Goldstein und Teeter Ellison 2002; Triolo 1999; Weiss et al. 1999).
Die erste ausfĂŒhrliche Darstellung des Krankheitsbildes bei Erwachsenen im deutschsprachigen Raum erfolgte 1998 (Krause et al. 1998). Im gleichen Jahr wurde die ADHS mit dem Erscheinen des amerikanischen Bestsellers »Driven to Distraction« von Hallowell und Ratey (1994) in deutscher Übersetzung unter dem Titel »Zwanghaft zerstreut« einem breiten Kreis von Laien in Deutschland bekannt (Hallowell und Ratey 1998).
Ein Meilenstein war die Entwicklung einer deutschen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der ADHS im Erwachsenenalter, die 2003 publiziert wurde (Ebert et al. 2003). Im gleichen Jahr erschien die erste deutsche Monographie zur ADHS im Erwachsenenalter (Krause und Krause 2003). 2017 wurde eine aktuelle Leitlinie zur ADHS publiziert, in der auch das Erwachsenenalter berĂŒcksichtigt wird (Banaschewski et al. 2017). Inzwischen ist die adulte ADHS auch im Bereich der deutschen universitĂ€ren Erwachsenenpsychiatrie akzeptiert.

1.3 Historisches zu Ursachen und Behandlung der ADHS

Charles Bradley beschrieb bereits 1937 den zunÀchst paradox anmutenden positiven Effekt von Benzedrin, einem racemischen Gemisch aus D- und L-Isomeren von Amphetaminsulfat, auf die...

Inhaltsverzeichnis

  1. Deckblatt
  2. Titelseite
  3. Impressum
  4. Verzeichnis der Autorinnen und Autoren
  5. Inhalt
  6. Vorwort
  7. Grundlagen der ADHS
  8. Spezielle Aspekte der ADHS
  9. Abschlussworte
  10. Stichwortverzeichnis