Tod im Leben - Leben im Tod
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Tod im Leben - Leben im Tod

Erläuterungen zum Kurs 12/II des Faches Katholische Religionslehre

  1. 72 Seiten
  2. German
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Tod im Leben - Leben im Tod

Erläuterungen zum Kurs 12/II des Faches Katholische Religionslehre

Über dieses Buch

Wie kann man verantwortet von dem reden, was am Ende auf uns zukommt, und welche Hoffnung dürfen wir haben? Der ehemalige Religionslehrer Axel Burghausen trägt in diesem Buch zusammen, was seine Schüler von ihm gelernt haben.

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783751999922
eBook-ISBN:
9783752652437

1 Der Tod als Grenze – und die Frage
über die Grenze hinaus

1.1 Tod und Leben - ein ungleiches Paar

Grundlage: unterschiedliche Medien
Der polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski sagte in einem Vortrag (in Bezug auf das Internet), dass wir heute in der Lage seien, immer mehr Wissen zu erwerben. Diese quantitative Zunahme führe aber dazu, dass wir immer weniger das reflektierten, worauf es im Leben ankäme. Dieses Entscheidende sei der Gedanke an den Tod.
Der Kupferstich von Matthäus Merian dem Älteren aus seinem Basler Totentanz aus dem Jahre 1744 (s. Titelblatt) zeigt einen vornehmen Mann mittleren Alters mit Bart und eleganter Kleidung. Dreht man das Blatt um, sieht man einen grinsenden Totenschädel. In derselben Gestalt sind Leben und Tod zu erkennen – eine Frage der Perspektive.
Eine ähnliche Botschaft vermittelt ein hölzerner Handtuchhalter aus dem 16. Jahrhundert. Auf der rechten Seite sieht man eine schöne junge Frau mit Krone, Perlenkette, eleganter Kleidung und geschminktem Gesicht. Dieselbe Gestalt setzt sich links als Skelett fort: Schönheit, Reichtum und Individualität sind verschwunden, nur noch eine Ruine ist übrig. Die Frau, die sich wäscht und schön macht, hat durch diesen Handtuchhalter den Tod immer vor Augen. Alles Lebendige ist vergänglich.
„Memento mori“, denke daran, dass du sterben musst, ist die Mahnung, die in beiden Abbildungen deutlich wird. Sie entspricht der Erfahrung der damaligen Menschen. Der Tod ist in diesen Jahrhunderten allgegenwärtig. Wohl jeder hat das Sterben Angehöriger erlebt und begleitet. Das Wissen, dass alles schnell und überraschend zu Ende sein kann, prägt das Denken und Fühlen der Menschen.
Eine andere Erfahrung vermittelt eine Karikatur von P. Gay. Vor einer Wohnungstür steht der in einen weiten Mantel gehüllte Tod. Man erkennt den Schädel und die Hände des Gerippes. In seiner rechten Hand hält er eine Sense. Eine einfach gekleidete Frau öffnet die Tür einen Spalt weit und sagt zum Tod: „Nein danke – Wir sterben nicht!“
Die Karikatur spielt ironisch mit dem Bild des Vertreters vor der Tür, der z.B. Zeitschriften oder andere Waren verkaufen will. In ähnlicher Weise wie dieser Vertreter wird hier der Tod energisch abgewiesen.
Wir sterben nicht, das ist heute die Alltagserfahrung vieler. Der Durchschnitt der Menschen wird bedeutend älter als früher, oft lebt man Jahrzehnte, ohne den Tod Verwandter zu erleben, und wenn jemand stirbt, geschieht es häufig verborgen und fast anonym. Man hört davon, dass Menschen sterben, aber es sind immer die anderen. Eine Begrenzung der eigenen Existenz kann man sich nur schlecht vorstellen. Das Leben dominiert, der Tod ist bescheiden geworden.
Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki sah den Tod dagegen in einem Interview (2012) als „übermächtigen Gegner“. Er vernichte im Alter immer mehr von uns, ohne dass wir uns wehren könnten, und lösche uns am Ende gänzlich aus. Der Tod sei sinnlos und vernichtend und er lasse am Ende auch das Leben sinnlos werden. Weder Religion noch Literatur könnten einen Trost bieten. Der 92-jährige, der im Jahr zuvor seine Frau verloren hat, sieht den Tod als überlegen an. Alles Leben wird schließlich zerstört.
In dem Roman „Intent!“ des ukrainischen Schriftstellers Ljubko Deresch (2008) erlebt der Ich-Erzähler Petro Pjatotschkin den Tod seiner Großmutter. Da sie Angst hat, bittet er sie, ihm in die Augen zu sehen. Als sie stirbt, nimmt er in ihren Augen einen Schatten, den Tod, wahr, der die Oma unter den Arm klemmt und sich entfernt, wobei er ihm noch einmal einen Blick über die Schulter zuwirft.
Petro glaubt, das wahre Geheimnis des Todes erkannt zu haben. Wie in einem Spiegelkabinett, in dem wir eine Realität zu sehen meinen, die es gar nicht gibt, spiegele uns der Tod das Leben vor. Am Ende aber würden die Spiegel entfernt, Was bleibe, sei das Einzige, das existiert: der Tod. Das Leben aber sei nur eine Illusion, mit der uns der Tod blendet.

1.2 Die Erfahrung des Todes zwischen
Trauma und Sinn

Grundlage: Carl Friedrich von Weizsäcker: Der Tod
Alle Gestalten unseres Kosmos existieren in der Zeit. Sie müssen vergänglich sein, denn sonst ist Neues, eine Entwicklung, nicht möglich. Der Tod dient also dem Leben, er ist seine Bedingung. Theologisch gesprochen könnte man sagen: Gott ist ein Freund der Mannigfaltigkeit. Er gibt sich mit dem Erreichten nicht zufrieden, seine Liebe will sich immer noch mehr verströmen.
Mit der Evolution ist der Tod aber mit steigender Schärfe entstanden. Weizsäcker zählt Selbstvermehrung des Organischen, Nutzen von Selektionsvorteilen und Stoffwechsel als wichtige Stationen dieser Entwicklung auf. Zunächst „lernt“ die biologische Art, sich möglichst effektiv zu erhalten, indem sich Eigenschaften und Verhaltensweisen durchsetzen, die diesem Erhalt dienen. Durch den Stoffwechsel wird es für die Spezies vorteilhaft, sich von anderen Organismen zu ernähren. Wenn aber z.B. ein Löwe eine Antilope verfolgt und diese zu fliehen versucht, wird das Element der Individualität deutlich. Der Antilope genügt es nicht, dass ihre Art weiterlebt, sie kämpft um ihr individuelles Wohlbefinden. Sie versucht, ihren Tod zu vermeiden, und erst dadurch wird er wirklich zum Tod.
Dieser Überlebenswille ist beim Tier triebgesteuert. Es reagiert im Augenblick der Gefahr instinktiv. Allein der Mensch weiß und reflektiert, dass er sterben muss, auch außerhalb der konkreten Gefahrensituation. Damit gewinnt der Tod aber noch einmal an Schärfe: Der Mensch lebt im Bewusstsein, dass seine Lebendigkeit im notwendigen Untergang enden wird.
Ich fühle mich an das Gedicht „Definition“ von Erich Fried erinnert: „Ein Hund / der stirbt / und der weiß / dass er stirbt / wie ein Hund / und der sagen kann / dass er weiß / dass er stirbt / wie ein Hund / ist ein Mensch.“
Da das Bewusstsein des Todes zum Menschsein gehört, plädiert Weitzsäcker dafür, den Sterbenden in der Regel nicht in Unkenntnis über seinen bevorstehenden Tod zu lassen. Die scheinbar mitleidige Geste, ihm etwas vorzugaukeln, um ihn zu beruhigen, hindere ihn daran, wichtige Dinge zu ordnen, sein Leben bewusst abzuschließen. Zudem spreche manches dafür, dass es eine unterbewusste Wahrnehmung des bevorstehenden eigenen Todes gebe. Natürlich ist es immer wichtig, im Einzelfall zu entscheiden und die Psyche des Kranken zu berücksichtigen, doch sollte man ihm in der Regel nicht zu wenig zutrauen.
In seinem Aufsatz „Den eigenen Tod annehmen“ sieht Eberhard Schockenhoff den Sterbeprozess als eine letzte Reifekrise, in der sich der Sinn des eigenen Lebens ein letztes Mal bewähren müsse. Der Sterbende müsse lernen, auf alles zu verzichten, was zu seiner aktiven Lebensgestaltung gehörte, er muss sich gleichsam fallen lassen. Wer schon vorher gelernt hat, „sich nicht verkrampft für sich selbst zu behalten, sondern sich wegzugeben für andere“, könne auch gelassen in den Tod gehen.

1.3 Der Tod als Lebenshilfe

Grundlage: Fernsehsendung: Sterben und Tod – das letzte Tabu?
Während das durchschnittliche Sterbealter im 17./18 Jahrhundert bei 30 Jahren lag, liegt heute der Durchschnitt bei 70-80 Jahren. Die Erfahrung des „sicheren Lebens“ bleibt aber eine Illusion. Einerseits kommt der Tod, bei den meisten nur etwas später, andererseits bietet die Statistik keine Sicherheit für den Einzelnen. Viele Menschen neigen dazu, diese Erkenntnis zu verdrängen und sich als „unsterblich“ zu fühlen. Die Praxis, den eigenen Körper nach dem Tode einfrieren zu lassen, um ihn später, nach einer Verbesserung der Medizin, wiederbeleben zu lassen, ist ein extremer Beleg für diese Tendenz. Alltäglicher ist der Versuch, Alterungsprozesse aufzuhalten. Wir wollen lange leben, aber nicht altern. Das Leben wird nur als attraktiv wahrgenommen, wenn es jung, gesund, schön und leistungsstark ist. Je verzweifelter aber ein älterer Mensch versucht, sich auf jung zu trimmen, um so deutlicher wird die unbewusste Todesangst, die er verdrängt.
Wer sich einbildet, unsterblich zu sein, gerät in die Gefahr, das wirkliche Leben zu versäumen. Leben bedeutet aber nicht Sicherheit, auch nicht Glück, sondern sich auf Erfahrungen einzulassen. Es bedeutet ständige Veränderung; Stillstand ist Tod. Die Fähigkeit, Altes und Bewährtes loslassen zu können, trägt zum Reifeprozess des Menschen bei. Sich berühren zu lassen – nicht nur durch Ersatzgestalten im Fernsehen – ist eine wichtige Voraussetzung von Entwicklung.
Ähnliche Gedanken entwickelt Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“:
… Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Wie es zur Abfassung dieses Buches kam
  3. 1. Der Tod als Grenze – und die Frage über die Grenze hinaus
  4. 2. Erlöst durch Jesus Christus
  5. 3. Die Vollendung im Blick – Bilder der Hoffnung
  6. Impressum

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