Wahrheit und Beziehung: Korrespondenz zwischen Bereichen
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Wahrheit und Beziehung: Korrespondenz zwischen Bereichen

Eine natürliche Philosophie der Wahrheit

  1. 48 Seiten
  2. German
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Wahrheit und Beziehung: Korrespondenz zwischen Bereichen

Eine natürliche Philosophie der Wahrheit

Über dieses Buch

Wahrheit scheint eine Beziehung zu sein, eine Beziehung der Übereinstimmung, eine Relation, obwohl das Wort "wahr" kein Beziehungswort ist, sondern als Prädikat oder attributiv gebraucht wird. Die Übereinstimmungsbeziehung der Wahrheit besteht ontologisch interpretiert zwischen zwei Gegebenheiten aus unterschiedlichen Bereichen. Wahrheit kann in bestimmter Hinsicht auf Sprache oder logische Form reduziert werden, in allgemeiner Hinsicht jedoch, kann schließlich überall, in jedem Bereich und zu jeder Zeit, nach Wahrheit gefragt werden. Der Autor verallgemeinert die von Tarski beschriebene Korrespondenzbeziehung, die zwischen Sprachbereichen besteht, ontologisch auf beliebige Seins- bzw. Erkenntnisbereiche. Ein allgemeines Kriterium der Wahrheit jedoch, ohne Bezug zum Inhalt der Erkenntnisse und ohne Bezug zum relevanten Bereich, kann es nicht geben; schließlich ist die Übereinstimmungsbeziehung der Wahrheit bereits bereichsabhängig. Das Buch ist ein Versuch für eine natürliche Philosophie der Wahrheit.[...] Gobrecht geht den Weg von Tarski zurück zu Platon und seine Philosophie der Wahrheit hebt daher die Warheitskonzeption Tarskis von der logischen Ebene auf die ontologische Ebene zurück. Für Philosophen, die sich mit dem Thema Wahrheit befassen, kann Gobrechts neue Untersuchung zur Wahrheit interessant sein. [...] mehr auf www.literaturmarkt.info

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1 Einleitung
In der empirischen Welt kann man die Idee der Wahrheit, in der Verwirklichung durch ihre Vielheit, nach den Platonikern, als Übereinstimmung mit etwas anderem verstehen. Mit anderen Worten: Der Kern der Wahrheit kann verstanden werden als eine Art Übereinstimmung bzw. Korrespondenz. Diese Vorstellung ist so alt wie die Philosophie selber. Bereits bei Platon findet man diese Auffassung1 und auch bei Plotin.2
Eine Namensdefinition der Wahrheit kann die Wahrheit somit als eine Beziehung der Übereinstimmung definieren. Die entscheidende Frage ist: Was soll übereinstimmen? Aristoteles bestimmt die Wahrheit konkreter als Platon durch eine Übereinstimmungsbeziehung zwischen Rede und Sein, wenn er in seiner Metaphysik sinngemäß schreibt: Zu sagen das Seiende sei und das Nicht-Seiende sei nicht, ist wahr.3 Anselm von Canterbury versteht unter Wahrheit ebenfalls eine Beziehung der Übereinstimmung zwischen Rede und Sein bzw. zwischen Rede und Ursache dieser Rede.4 Thomas von Aquin benennt auch eine Übereinstimmungsbeziehung am Anfang seines Buches „Von der Wahrheit“. Er schreibt: Es scheint, als sei Wahres ganz dasselbe wie Seiendes.5 Bei Kant besteht die Übereinstimmungsbeziehung zwischen der Erkenntnis mit ihrem Gegenstand.6 Tarski definiert Wahrheit, indem er eine Korrespondenz zwischen zwei Sprachebenen festlegt, nämlich zwischen einem formallogischen objektsprachlichen Bereich einerseits und einem geeigneten metasprachlichen Bereich andererseits.7 Für die formale Logik ist eine solche Korrespondenz zwischen Sprachbereichen zu fixieren, denn eine formale Logik benötigt ein beschränktes Alphabet einer Objektsprache.
Tarski betont im zitierten Anhang auch, dass es nicht Aufgabe der Logik ist, zu ermitteln, was tatsächlich der Fall ist. Die Feststellung der Wahrheit obliegt somit nicht dem Logiker, sondern dem Einzelwissenschaftler, dem Experten des jeweiligen Bereiches. Der Logiker ist für den Umgang mit der Wahrheit, d. h. z. B. für die formallogischen Gesetze des Wahrheitstransfers zuständig, die dann vom Einzelwissenschaftler angewendet werden können.
Eine natürliche Philosophie der Wahrheit geht jedoch über die Logik und Sprache hinaus und verlangt nach einer allgemeineren Korrespondenz. Wenn man Wahrheit als Übereinstimmung mit etwas anderem versteht, wie die Platoniker, muss man zurück zu Platon. Denn die Wahrheit in ihrer Vielheit, wie wir sie in der empirischen Welt erkennen können, zeigt sich immer wieder anders und in einem anderen: Als Eigenschaft von Aussagen, Urteilen, Erkenntnissen und Theorien, aber auch Handlungen, Charaktere und sogar Dinge können Wahrheit anzeigen. In ihrer Einheit ist die Wahrheit als Wahrsein immer dieselbe, eine Beziehung, zwischen einer Norm, einem Idealmaß, einem Musterbild einerseits, und einem Gemessenen andererseits. Stimmen Maß und Gemessenes in bestimmter Hinsicht überein, bewertet man diese Übereinstimmung durch den Wahrheitswert „wahr“.
Die Bereiche des Seins und der Erkenntnis sind vielfältig, immer kann jedoch nach der Wahrheit gefragt werden, in jedem Bereich, zu jeder Zeit und zu jedem Zweck; die Wahrheit ist in ihrem Kern unerschütterlich immer dieselbe, wie bereits Parmenides feststellte.8 Eine natürliche Philosophie der Wahrheit hebt daher die Warheitskonzeption Tarskis von der logischen Ebene auf die ontologische Ebene zurück. Die Wahrheitskonzeption Tarskis wird dadurch dahingehend verallgemeinert, dass sie auf alle Seinsbereiche und Erkenntnisbereiche zutreffen kann, denn überall kann ja nach der Wahrheit gefragt werden. Das soll in dem Sinne erfolgen, dass nicht nur Übereinstimmung zwischen Objekt- und Metasprache bestehen soll, sondern allgemeiner ontologisch zwischen einer Gegebenheit einer Objektebene und einer Gegebenheit einer Bestimmungsebene. Dabei liefert die Bestimmungsebene das Idealmaß und die Objektebene das Gemessene.
Mit einer natürlichen Philosophie der Wahrheit kommt man somit wieder zurück zu Platon. In der empirischen Welt kann man Wahrheit verstehen als Übereinstimmung mit etwas anderem. Jede Konkretisierung dieser Übereinstimmungsbeziehung bringt eine Reduktion von Wahrheit mit sich, wie einige der historischen Beispiele zeigen. In bestimmter Hinsicht ist dies von Vorteil, wenn man z. B. auf die Sprache oder logische Form Wert legt. In einer anderen Hinsicht, wenn man die Wahrheitsbeziehung vorschnell auf sprachliche oder formallogische Form reduziert, grenzt man dadurch anderes aus. Wenn man z. B. nach einem wahren Charakter fragt oder nach einem wahren Versprechen, dann muss man dieses beides mit Taten messen und nicht mit Worten.
Eine natürliche Philosophie der Wahrheit geht davon aus, dass Wahrheit eine Beziehung ist, und zwar eine zweistellige Relation, zwischen einem Maß und einem Gemessenen, obwohl das nicht sofort auf der Hand liegt, denn das Wort „wahr“ ist kein Beziehungswort. Das Wort „wahr“ ist einerseits ein Eigenschaftswort, ein Prädikat, andererseits wird es attributiv gebraucht, wenn man etwa an „wahre Freundschaft“ oder „wahres Glück“ denkt. Unser Geist misst alles und ist weder an den Bereich des Maßes noch an den Bereich des Gemessenen gebunden, er kann von den Dingen und Bereichen abstrahieren.9
Eine natürlich...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. 1. Einleitung
  3. 2. Vergleich mit Bekanntem
  4. 3. Wahrheit als Übereinstimmung
  5. 4. Übereinstimmung zwischen Objektebene und Bestimmungsebene
  6. 5. Ideen der Gleichheit und Wahrheit
  7. 6. Ontologische Erweiterung der Wahrheitskonzeption Tarskis
  8. 7. Wesen der Übereinstimmungsbeziehung bei der Wahrheit
  9. 8. Genaue Bereichsbenennung
  10. 9. Unmöglichkeit eines globalen Wahrheitskriteriums
  11. 10. Charakteristisches von Objekt- und Bestimmungsebene
  12. 11. Abhängigkeiten des Wahrseins
  13. 12. Sprachabhängigkeiten
  14. 13. Literatur
  15. Über das Buch
  16. Impressum