Schwindelköpfe,  Schwätzer und Schmarotzer
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Schwindelköpfe, Schwätzer und Schmarotzer

Schmähinserate im alten München. Mit 50 Abbildungen

  1. 264 Seiten
  2. German
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Schwindelköpfe, Schwätzer und Schmarotzer

Schmähinserate im alten München. Mit 50 Abbildungen

Über dieses Buch

Im Revolutionsjahr 1848 wurde in Bayern die Vorzensur der Presse aufgehoben, was die Neugründung vieler Zeitungen, insbesondere in der königlichen Haupt- und Residenzstadt München, zur Folge hatte. Jetzt konnten die Bürger in Kleinanzeigen auch vermehrt Ehrverletzungen sowie vermeintliche bzw. tatsächliche Missstände öffentlich anprangern. Überliefert haben sie damit zugleich einen hochinteressanten Einblick in ihr Alltagsleben. In dieser Publikation sind nun über 300 solch kernig-deftiger Schmähinserate vereint, hauptsächlich aus dem Massenblatt Neueste Nachrichten. Zu lesen ist dort etwa von einem Lalli im Schlafzimmer, einer Megäre mit Muskete oder einem Lästermaul in Schwabing. Es ist die Rede von Wahrheitsverdrehern, Wüterichen, Lustdirnen, Lüstlingen, Lümmelfürsten, moralischen Ungeheuern, ausgejagten Ehefrauen, ausschweifenden Frauenzimmern, langohrigen Quadrupeden, sonderbaren Heiligen, Ohrenbläsern, Generalgrobianen, Pflastertretern, Spitzbuben, Speichelleckern und Erzwüstlingen oder von niederträchtiger Verleumdung, teuflischer Bosheit, natterzünglicher Sippschaft bzw. einem Geträtsche giftschwangerer Charaktere. Gepfefferte Kritik richtete sich dabei nicht nur an Münchner, sondern auch an Leute aus dem oberbayerischen Umland, wie etwa den wackeren Waginger, die Wirtin von Ebenhausen, den Benefiziaten von Haag i. OB, die Ehestörerin von Erding, den Pfarrer von Weyarn oder den Posthalter von Tegernsee.

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Information

Schmähinserate 1 – 197

1a. Schlag ins Gesicht

  • Karlstraße: Die Straße in der Maxvorstadt wurde bereits 1808 nach dem jüngeren Bruder des späteren Königs Ludwig I., nach Prinz Karl Theodor von Bayern (1795–1875), benannt. Dieser hatte die aufgebrachten Münchner beruhigt, die bei der Märzrevolution 1848 das städtische Zeughaus plünderten. Prinz Karl ist als Generalfeldmarschall auch Oberbefehlshaber der bayerischen Armee im sogenannten »Deutschen Krieg« gewesen, als letztmals Deutsche gegen Deutsche kämpften. 1866 unterlag Bayern in der Schlacht von Königgrätz aufseiten Österreichs Preußen und seinen Allierten.
Karlsplatz: In einem zeitgenössischen Handbuch zu München ist 1845 zu lesen: »Die Hälfte dieses Platzes vor der protestantischen Kirche wird als Holzmarkt benützt; zur Meßzeit befi nden sich dort die Töpferwaaren und die Schaubuden. Den Karlsplatz umschließen, außer der protestantischen Kirche, dem Karlsthore mit dem Rondelle, dem k. Kadettenkorps-Gebäude und eines Theiles des botanischen Gartens, lauter Privatgebäude.« (VINZENZ MÜLLER, S. 26) Karlsplatz und Karlstor hießen ursprünglich »Neuhauser Tor« und »Neuhauser-Tor-Platz« und wurden Ende des 18. Jahrhunderts zu Ehren des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor (1724–1799) umbenannt. Der Karlsplatz wird heute noch gemeinhin »Stachus« genannt, angeblich nach einem Wirt, der den Vulgonamen »Eustach« hatte und den an der Stelle des heutigen »Kaufhofs« befi ndlichen Gasthof »Stachusgarten« (einst am Karlsplatz 24) führte. Die Stachus-Rondellbauten wurden 1802 errichtet und 19o2 von Gabriel von Seidl (1848–1913) erweitert. Der »Alte Botanische Garten« musste 1891 dem Justizpalast weichen.
Abb. 5: Das Karlstor im Jahre 1857
Abb. 5: Das Karlstor-Rondell im Jahre 1885

1b. Unverschämte Lüge

»Auf die in Nr. 19 der neuesten Nachrichten unter Donnerstag den 27. April S. 108 erschienene Bekanntmachung, als habe der Studirende und Rechtscandidat W. T. Kaminkehrersmeisterssohn in der Karlstraße, einen beim Gastwirth Lichtenauer vor dem Karlsthore am 25. d. M. anwesenden Gast ohne allen vorhandenen Grund mit der Faust und dem Knopfe seines Stockes in das Gesicht geschlagen, erwiedern [sic] die am fraglichen Abende beim besagten Gastwirthe anwesenden Gäste der Wahrheit gemäß, daß das dem Rechtscandidaten W. T. in diesem Artikel zu Grunde gelegte gemeine und rohe Benehmen eine boshafte Verläumdung und unverschämte Lüge von einem frechen Betrüger ist, indem dieser nichtswürdige Bube sowohl diesen als seinen übrigen lügenhaften Aeußerungen die Unterschrift der anwesenden Gäste unterschiebt, welchen, obwohl immerwährend anwesend, nicht das geringste von einem solchen Vorfalle bekannt ist.
  • Möchte der Unverschämte doch mit offener Stirne auftreten, um ihn zur geeigneten Rechenschaft ziehen zu können.
Zur Ehre des Studirenden W. T. müssen die Unterfertigten vielmehr bekennen und bezeugen, daß sich derselbe nicht blos im besagten Gasthause immer, sondern in jeder Gesellschaft durch ein solides und anständiges Benehmen die Achtung und Liebe der ihn Umgebenden stets erwarb und sich derselben auch jetzt noch zu erfreuen hat, was in Wahrheit bestätigen die am fraglichen Abende anwesenden Gäste und viele seiner Commilitonen, im Namen aller:
M. G
  • Commilitonen = Kommilitonen (Studienkameraden)

1c. Einfältiges Geschwätz

»Der M. G. hat sich unter den Bekanntmachungen der neuesten Nachrichten vom Freitag den 28. April wegen des Studirenden W. T. Kaminkehrersmeisterssohn von der Karlstraße so stark plamoren, daß man glaubt, es müßte von den langen Ohren im Gedächtnißort bei ihm sich etwas aufgehalten haben, indem derselbe gar nicht bei der stattgehabten Excesse [sic] dabei war. – Warum?
Weil der M. G. dem Tanzen bei der Hochzeit zugeschaut hatte und erst nach verübter That des W. T. wieder vom 1. Stock in das Gastzimmer herunter kam. Was die geeignete Rechenschaft betrifft, so finden die Unterzeichneten es gar nicht der Mühe werth, solchen nichtswürdigen Burschen ein Gehör zu geben, indem man von den meisten Leuten verachtet würde, wenn man mit ihnen nur noch etwas zu thun hätte.
Sollte wieder auf dieses Inserat etwas in die Neuesten Nachrichten kommen, so erklären die Unterzeichneten, daß Ihnen der Gang der Sache zu gemein wäre, indem sie sich selbst noch plamiren, wenn sie ein so einfältiges Geschwätz nochmals erörtern würden.
Nur ersuchen wir den betroffenen Gast, sich öffentlich in den Neuesten Nachrichten auszusprechen, ob er bei Gericht die nöthigen Schritte wegen W. T. schon eingeleitet hat, damit man dem M. G. sein Maul, wegen Theilnahme an W. T., welcher von dem ganzen Vorfall gar nichts wußte, und daher seine Einrückung in den Neuesten Nachrichten von gestern für Null und Nichts erklären, gehörig stopfen kann.
C. A. G.
(Genau nach dem Manuscript. Die Red.)«
  • *plamoren = blamiert (von *plamiren = blamieren)

1d. Maul halten

»Der Kaminkehrermeisterssohn W. T. dürfte endlich doch einmal in dem Gasthause zum Oberpollinger sein voreiliges Maul halten, indem alles, was er über den Gast J. C. H. (welchen er bei dem Bierwirth Lichtenauer im vorigen Monate ins Gesicht schlug) sagt, welches einem alle Tage anzuhören ganz zum Eckel wird, lauter Lüge und Unsinn ist, und man es daher blos seinem Unverstande zurechnen kann, wenn er obigen Gast J. C. H. als ›er sey gar nichts‹ beschuldigt.
Unterzeichneter glaubt gerade dieses ›sey gar nichts‹ auf den W. T. anwenden zu müssen, indem er froh seyn dürfte, wenn er in der Stellung des J. C. H. schon wäre, damit er sich nicht jeden Kreuzer, welchen er verzehrt, von zu Hause holen muß; es scheint aber und man sieht es auch von Tag zu Tag, daß aus dem W. T., so lange er noch von zu Hause leben kann, gar nichts mehr werden wird.
A. F. J.«
  • Oberpollinger: Dazu heißt es in dem besagten Handbuch zu München vom Jahre 1845: »Zum obern Pollinger, Neuhausergasse 42. Ein sehr starker Besuch, namentlich aus den Provinzialstädten Bayerns, ist von den Mittelständen in diesem Gasthause zu finden … Speisen und Getränke sind gut und billig.« (VINZENZ MÜLLER, S. 302). Der Name kommt von der Brauerfamilie Pollinger, die ursprünglich zwei Braustätten besaß: die eine beim Angerkloster (Sendlingergasse 5) = Zum Unterpollinger« und eine in der Neuhausergasse = Der Obere Pollinger. (s. SIEBERT, S. 32 und 34). Die Bezeichnung »Gasse« wurde dann spätestens 1875 / 76 fast ausnahmslos durch »Straße« ersetzt. (s. STAHLEDER, Haus, S. 28) So heißt es z. B. 1871 noch »Oberpollinger, Neuhausergasse« (AUER, S. xx [sic]) und bereits 1873 »Oberpollinger Neuhauser Str.« (BERLEPSCH, S. 2)
Bierwirt: s. Nr. 29.
Eckel = Ekel.
blos = bloß.

2. »Unterthänigste Bitte!

Herr Hauptmann R. ch..g.l wird höflichst gebeten, bei fernerer Gesellschaft in seinem Hause doch den Schneidergesellen, welcher auf der Stör dort arbeitet, in einem andern Zimmer zu beschäftigen.
Ein Hausfreund.«
  • auf der Stör sein: Dazu heißt es bei Schmeller: »Die Redensart … wird auf dem Lande von Näherinnen, Schneidern, Schuhmachern, Sattlern und dergl. Stubenarbeitern gebraucht, wenn sie in der Wohnung eines Bestellenden gegen Kost und Taglohn ihr Handwerk treiben.« (SCHMELLER, S. 779)

3. Unzeitgemäße Spaßmacher

»Ehrenerklärung. In den neuesten Nachrichten Nr. 34 vom 12. Mai ist Seite 230 ein Vorfall von muthwilligen Späßen und rohen Ausfällen, die sich am jüngst verflossenen Sonntag hiesige Bürgerssöhne gegen andere ruhige Gäste in Harlaching erlaubt haben, erzählt. Die muthwilligen unzeitgemäßen Spaßmacher sind hier namentlich aufgeführt, darunter auch der Schützbräusohn in der Sendlinger-Gasse.
Zum größten Bedauern wurden wir irrig berichtet, und fühlen uns berufen, hiemit [sic] öffentlich zu erklären, daß dieser dort benannte Schützbräusohn nicht unter den Excedenten war, und auch nicht in Harlaching sich befand.
Recht gerne legen wir solches Ehrenzeugniß ab, denn fremde Ehre muß jedem heilig sein. Wir müssen es um so mehr thun, da wir mittlererweile [sic] Gelegenheit hatten, den Sohn des Herrn Schützbräu als einen ruhigen und sehr ordentlichen Menschen kennen zu lernen.
Robert, Hefelmeier, Pickl, Mayr, Holzborg.«
  • Harlaching: Das Dorf wurde 1854 nach München eingemeindet und ist im heutigen Münchner Stadtbezirk 18, »Untergiesing-Harlaching«, aufgegangen. ...

Inhaltsverzeichnis

  1. Zum Inhalt
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Einleitung
  4. Schmähinserate 1 – 197
  5. Bibliographie
  6. Bildnachweis
  7. Weitere Informationen
  8. Impressum