Kapitel 1 – die Schöpfung / 1. Mose 1,1-2,4
Liebe gewollte und geplante Geschöpfe Gottes,
Um Gottes Plan für die Menschheit und die Welt zu erkennen, müssen wir ganz am Anfangen beginnen. Ich möchte deshalb ohne große Umschweife mitten in den ersten Text der Bibel mit euch vorstoßen.
Denn dieser Text hat es in sich! Was er behauptet, ist so gewaltig, so unfassbar, so wundervoll, dass man es nicht besser ausdrücken kann. Es ist ein radikaler, frischer, emotionaler, revolutionärer Text, der das Potential hat, die Welt zu erschüttern – wenn er ernst genommen wird!
Wenn ihr die Möglichkeit habt, dann hört auch mal die Vertonung dieses Textes von Ben Becker an! Gänsehaut garantiert!
„Am Anfang schuf Gott…“
Was für eine Aussage! Nur ein paar Worte ganz zu Beginn des Heiligen Buches, das wir Bibel nennen. Aber was für Worte!
„Am Anfang schuf Gott…“ Dieser Satz, gesprochen in eine ungläubige, gefallene Welt voller falscher Götter und weltlicher Ideologien, ist imstande, emotionale Schockwellen auszulösen.
Die Welt hasst diesen Satz! Sie will nicht, dass am Anfang Gott schuf. Sie will sich selbst erschaffen haben.
Im Englischen kommt dieser Satz sogar noch gewaltiger daher: „In the beginning God …“ Also: Im Anfang Gott! Erst dann der Akt der Schöpfung.
Meine Lieben, es gibt großartige Wahrheiten, die es sich zu erzählen lohnt.
Die großartigste Wahrheit aber, die alle anderen Wahrheiten übertrifft und in den Schatten stellt, lautet: Es gibt einen Gott! Im Anfang Gott!
Wir sind nicht allein! Da draußen, dort droben, da hinten ist Einer, der grösser und mächtiger und erhabener und schöner und vollkommener ist, als wir uns das jemals ausmalen könnten.
Es gibt einen Gott. Das ist die erste Grundbotschaft, die uns die Bibel ganz am Anfang mitteilt.
Eine ewige, unveränderliche, absolute Wahrheit lautet demnach auch: „Im Anfang schuf Gott…“ Nicht der Zufall, nicht die Logik, nicht eine Ideenwelt schuf, was wir sehen und berühren können, was wir schmecken und riechen und wahrnehmen. Gott schuf! Er ist die Realität hinter unserer sichtbaren Wirklichkeit.
Aber im ersten Satz der Bibel steckt noch eine andere, radikale Wahrheit. „Im Anfang schuf Gott…“ heißt auch:
Gott allein schuf die Welt! Niemand sonst.
Und Er schuf die Welt allein!
Wie Welt wurde nicht durch zwei, nicht durch drei und auch nicht durch mehrere, vielleicht sogar unzählige Götter geschaffen.
Gott schuf sie aus eigenem Antrieb und aus eigener Kraft allein!
Dieser kurze Satz war für die damalige Zeit, als die biblischen Schriften entstanden, hochexplosiv. Und er ist es heute noch genauso.
Er behauptet: Es gibt nur einen Gott, und zwar diesen einen Gott, der im Anfang schuf. All die anderen Götter, die damals und heute angebetet werden, sind in Wahrheit gar keine Götter.
Dieser Gott, von dem die Bibel spricht, schuf am Anfang alles, was es gibt – Licht und Finsternis, Himmel und Erde usw. Alles! Nichts, das geschaffen ist, ist ohne Ihn geschaffen worden.
In der Zeit, in der die ersten Bücher der Bibel niedergeschrieben wurden, da standen diese Aussagen völlig quer im Raum.
Damals, vor knapp 3000 Jahren hatte jedes Volk zur Entstehung der Welt einen eigenen Mythos entwickelt. Bei den einen entstand die Welt aus einem gewaltigen, blutigen, teilweise verheerenden Kampf der Götter.
Andere erzählten, dass es so etwas wie eine Urgottheit gegeben habe, die sowohl kleinere Götter als auch die Elemente der Natur hervorbrachte. Oft waren die Götter sogar selbst nichts anderes als die Elemente der Welt oder so etwas wie Grundprinzipien in der Welt.
All den Mythen gemeinsam war, dass immer, wirklich immer, die Götter selbst irgendwo und irgendwie Teil dieser Welt waren. Nur die Bibel erzählt von einem Gott, der außerhalb der Schöpfung existiert und der deshalb auch ganz anders als alles Geschaffene ist.
Um zu begreifen, wie radikal und kontrovers die Schöpfungserzählung der Bibel ist, bitte ich euch daher kurz, euch 3000 Jahre in die Vergangenheit zurückzuversetzen und euch etwas vor Augen zu führen.
Da gibt es diese großen und mächtigen Nationen im Nahen Osten und in Nordafrika (Babylon, Persien, Assyrien, Ägypten…). Und zwischen diesen Nationen lebt ein kleines Volk, Israel.
Dieses Volk behauptete nichts weniger, als dass es vom einzig wahren Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit und ins Land Kanaan geführt worden sei. Dabei habe sich Gott gerade ihm in besonderer Weise offenbart und ihm Weisheit, Erkenntnis und Wegweisungen geschenkt.
Es sagte weiter, dass all die Götter der großen Nationen in Wahrheit nichts seien.
Man bedenke: Diese Nationen, denen das ehemalige Sklavenvolk so etwas aufs Auge drückt, sind hochentwickelt. Sie verfügen über starke Heere, mächtige Könige und effiziente Staatsapparate. Es existiert in ihnen eine gebildete Elite, die in den großen Städten eifersüchtig über Religions- und Weltanschauungsfragen wacht.
Israel hingegen wirkt mickrig. Das Land Kanaan ist flächenmäßig überschaubar und ressourcenarm. Die militärische Macht Israels ist begrenzt. Bildung ist in weiten Teilen noch ein Fremdwort. Das Land lebt von Bauern und der Landbevölkerung.
Die Nachbarvölker schauen also sehr geringschätzig auf die Hebräer herab. Für viele ist dieses kleine Völkchen nur ein Fliegendreck auf der Landkarte des Nahen Ostens. Manche würden es am Liebsten einfach wegwischen.
In diese Lage hinein schreibt unser Autor im Auftrag Gottes und inspiriert von Seinem Geist etwas nieder, was für die damaligen religiösen Führer der Nachbarvölker ein Schlag ins Gesicht war.
Der Autor sagte, wie ich bereits oben erwähnte: „Gott ist nicht Teil der Welt. Er ist außerhalb der Welt. Er steht über dieser Welt und hält sie in Seiner Hand. Er ist mächtiger als all eure Lokal-Gottheiten.“
Ja, mehr noch: Er sagt, dass es nur einen Gott gibt und dass damit die Götter der Babylonier, der Ägypter, der Assyrer und wie sie noch heißen mögen, alle gar nicht existieren. Sie sind nur Schall und Rauch, während der Gott der Hebräer, JHWH, real ist.
Die Bibel nennt sie deshalb „Götzen“ oder „Nichtse“.
Damit macht der Autor all den Mythen der mächtigen Völker einen Strich durch die Rechnung. Er erklärt sie alle für Unsinn und schmettert ihnen ein entschiedenes „Nein!“ entgegen.
Nein! Die Welt entstand nicht als Nebenprodukt eines Kampfes der Götter.
Nein! Die Welt entstand nicht aus einer Über-Gottheit, die irgendwie noch in der Welt als Prinzip tätig war.
Nein! Die Welt war nicht schon immer da, wie es die Philosophen zuweilen behaupteten.
Nein! Gott hatte kein Ur-Material für die Schöpfung zur Verfügung. Das hatte Er gar nicht nötig. Er schuf aus dem Nichts! Und Er schuf es ganz allein, ohne Hilfe von anderen Göttern, ohne vorherigen Kampf, weil es nämlich gar keine anderen Götter neben Ihm gibt!
In diesem Nein zu allen gängigen Mythen findet sich jedoch auch Gottes großes Ja.
Ja! Die Welt wurde bewusst und gewollt ins Leben gerufen, indem der Allmächtige sprach!
Ja! Die Welt und das Leben an sich haben einen Ursprung und einen Sinn!
Ja! Es steckt ein Plan und ein Ziel in der Schöpfung!
Ja! Er schuf sogar allein durch Sein Wort! Er sprach und es wurde! So mächtig ist Er!
Das war ein Frontal-Angriff auf alle anderen Götter, eine Herausforderung, eine Kampfansage, eine Provokation, die nach einer Reaktion verlangt – und das schon im allerersten Satz der Bibel: „Zeigt mir einen Gott, der so mächtig ist wie der HERR. Zeigt mir einen Gott, der allein durch Sein Wort die Monde und Sterne schafft! Jene Monde und Sterne, die ihr gemeinhin als Gottheiten anbetet und denen ihr opfert, obwohl sie nur Lichter am Firmament sind.“
So ist der erste Satz der Bibel ein wahres Pulverfass im Kampf der Weltanschauungen – bis heute!
Aber eine andere Aussage, die mir besonders wichtig ist, war für die Zeitgenossen des Autors vielleicht noch schwerer zu schlucken als der jüdische Monotheismus.
Sechs Mal wird nämlich im Hinblick der Schöpfung der Satz wiederholt: „Und Gott sah, dass es gut war!“
Es ist wie ein Trommelschlag, ein unnachahmlicher Rhythmus, eine Musik, zu der wir tanzen und über die wir Lieder anstimmen. „Und Gott sah, dass es gut war! Und Gott sah, dass es gut war!“
Wenn du diesen Brief hier liest, zeigt das, dass du über Geld verfügst. Zumindest hast du genug Geld, um dir ein Buch wie dieses zu kaufen. Vermutlich bist du also materiell abgesichert und hast ein Dach über dem Kopf. Vermutlich bist du es gewohnt, dass es jeden Tag zwei bis drei Mahlzeiten gibt und dass der Kühlschrank immer etwas für dich bereithält. Vielleicht kannst du deshalb auch in die Welt schauen und irgendwie sagen, „dass es gut ist.“
Aber in vielen Teilen der Welt können die Menschen das nicht sagen. Sie leiden Hunger und Durst, leben in Kriegsgebieten, sind Vertriebene und Unterdrückte, werden schon in jungen Jahren krank und sterben.
Zu jener Zeit, als die ersten Worte der Bibel verfasst wurden, war es jedenfalls so wie heute in den ärmeren Regionen der Welt. Wenn die Menschen ihre Umwelt betrachteten, sahen sie oft nur, dass das Leben hart, schwer und voller Entbehrungen war.
Sie erlebten Jahre der Dürre und der Missernten. Sie wurden von schrecklichen Tyrannen unterdrückt und ausgebeutet. Die Welt war voller Gefahren, voller wilder Tiere und angsteinflößender Naturphänomene. Die Nächte waren dunkel und man wagte sich in der Finsternis nicht gerne aus dem Haus oder aus dem Zelt.
Für solche Menschen waren die Aussagen der ersten Schöpfungserzählung fast ein Schlag ins Gesicht. In ihrer Logik und Weltsicht war klar, dass die Welt ein Kriegsgebiet oder bestenfalls ein Gefangenenlager war. Viele dachten, dass die Menschen als Sklaven der Götter geschaffen wurden.
Hier auf der Erde war für die Menschen eben gar nichts gut und das war immer schon so gewesen. Ihre Mythen haben das so ausgedrückt und erklärt.
Aber da kam dieses kleine Völkchen ehemaliger Sklaven, geleitet und inspiriert vom Heiligen Geist, und hat gesagt „und Gott sah, dass es gut war.“
Dass es Licht und Finsternis gibt – das ist gut so.
Dass es Tag und Nacht gibt – das ist gut so.
Dass es Himmel und Erde gibt – das ist gut so.
Dass Vögel im Himmel fliegen und Fische im Wasser schwimmen – das ist gut so.
Dass Tiere und Menschen gemeinsam die Erde bevölkern – das ist gut so.
Als Gott am Ende auch noch den Menschen schuf, als alles seinen Platz eingenommen und seine Ordnung hatte, da war alles sogar „sehr gut“.
Kannst du dir vorstellen, wie ungeheuerlich diese Aussagen waren?
Viele fanden das damals sicherlich lächerlich und anstößig. So sahen die meisten Menschen die Welt nicht. Und so wollten sie sie oft auch gar nicht sehen. Vielleicht ist das heute bei vielen Menschen ähnlich. Sie wollen oder können die Welt nicht mehr als guten Ort sehen.
Apropos Mensch: Ist dir schon aufgefallen, wie in dieser Erzählung vom Menschen gesprochen wird?
In einer Bibelübersetzungen klingt das so:
Dann sprac...