Ein großer Schreck
Es war dunkel draußen, kalt, die Sterne standen bereits am Himmel. Wir hatten Besuch. Mein Vater trug mir auf, einen Renken Speck aus dem Nebengebäude zu holen. Dieser wurde in der Selchkammer aufbewahrt, hier hatte eine Maus keine Chance hinzukommen.
Ich machte mich auf den Weg, zog ein Paar Schuhe an, die im Vorhaus standen, eine Jacke von meinem älteren Bruder, nahm das kleine Brotkörberl und ein Messer, damit ich die Schnur abschneiden konnte. Auf dem Weg zum Nebengebäude, ein kurzer Weg, es schien der Mond, deshalb wirkte es etwas heller. Ich öffnete die Türe, betrat das Gebäude, drehte am Lichtschalter an der linken Seite, ging drei Schritte weiter. Über eine Stiege aus Holz ging ich hinauf, hier gab es eine weitere Türe. Ich öffnete sie, drehte das Licht an, wollte gerade die nächste Stiege raufsteigen – als sich eine Ratte erschreckte und in meinen kleinen Korb fiel.
Ich weiß nicht, wer sich mehr erschrocken hatte, jedenfalls sprang sie wieder heraus und verschwand, während ich laut schrie und zitterte. An den Speck verlor ich keinen weiteren Gedanken, wollte nur noch zurück. Schnell das Licht abdrehen, die Türe zuschließen und ab in die Stube.
Ich bemerke ein ungutes, mulmiges Gefühl in mir, sobald ich an diese Geschichte denke. Vor kurzer Zeit sah ich eine Ratte in unserer Stadt, sie lief ganz entspannt in der Nähe meiner Hausbank vorbei, wohl auf der Suche nach Futter. Sie wollte durch die offene Türe, in das Geldinstitut laufen, doch ein Mann kam gerade aus der Tür. Sie erschrak und verschwand in einem Busch.
Wieder dieselbe Wahrnehmung in meinem Körper, eine Unruhe entstand in mir, mein Magen zog sich zusammen, ich hatte ein sehr ungutes Gefühl.
In den Oberbauch, auf der linken Seite, hatte ich mir vor sehr langer Zeit eine Deichsel reingestoßen, es war lange sehr, sehr schmerzhaft. Diese Druckstelle war Jahre sicht- und spürbar, die harte Beule hatte sich in der Schwangerschaft zu meinem ersten Kind aufgelöst. Doch mein Körper hatte die Verletzung abgespeichert.
Diese kurze Geschichte mit der Ratte ist die letzte, die ich mir von der Seele geschrieben habe. Für diese kleine Episode hat sich das Schreiben der Kurzgeschichten gelohnt. Ich hatte mich lange davor gedrückt, doch jetzt hat sich etwas in mir gelöst.
„Ich bin ich, und ja, wie viele?“
Ich stelle mir einen inneren Dialog vor: Eine Stimme sagt, jetzt ist es besser, eine andere Stimme meint, du könntest dir eine Ratte als Haustier zulegen. Und schon ist eine andere Stimme da, jetzt übertreibst du aber. Die weise Frau in mir meint, es ist gut, wie es ist!
Beim Durchlesen ist mir aufgefallen, dass ich viele positive Geschichten aus meiner Kindheit in meinem Kopf habe. Sind wir im reiferen Alter klüger, werden wir gescheiter? Weil wir wissen, was es heißt, Verantwortung für sich zu übernehmen, eigene Kinder in die Welt zu setzen, sie ein Stück zu begleiten. Die Sicht der Dinge verändert sich oder hat die Seele oder der Geist entschieden, den anderen Teil kannst du vergessen, der ist nicht mehr wichtig.
Ich habe mir mein Leben ausgesucht, es erlebt, weil ich es erleben wollte, doch es ist vergangen. Ich habe es mir vorgenommen, ausgewählt. Ist das mein Lebensplan, oder ist mein Leben vorherbestimmt? Wie viel ist vorherbestimmt, was habe ich selbst in der Hand?
Mein Leben ist das, was ich denke, meine Kindheit, meine Erinnerungen sind das, was geblieben ist. Meine Welt hat sich verändert, ist größer geworden, damit auch die Möglichkeiten.
Habe ich etwas von Stärke, innerem Wissen abbekommen, weil ich in einem Elternhaus aufwuchs, wo wir eingebettet waren in Zutrauen und Vertrauen? Oder habe ich bereits Erfahrungen mitgebracht, es aus früheren Leben erworben?
Wir alle tragen die Verantwortung für unsere eigenen Gedanken, Gefühle und Taten. Selbstverantwortung bedeutet auch anzunehmen, was ich nicht beeinflussen oder ändern kann. Was hinter mir liegt, hat einen Sinn, der sich oft erst in einem Rückblick erkennen lässt. Aus dieser Erkenntnis glückt der Weg zu Versöhnlichkeit: gegenüber dem, was uns widerfahren ist, gegenüber anderen Menschen, nicht zuletzt uns selbst gegenüber mit unserer Biografie und all den erwünschten und unerwünschten Begleiterscheinungen. Selbstbewusstsein bedeutet Regieführen im eigenen Leben.
Natürlich passiert es allemal wieder, sich in einer Opferrolle zu finden, zu leiden, durch Erfahrung des Schmerzes. Doch nach der Zeit des Trauerns sammeln wir wieder Kräfte, um Schritt für Schritt auszusteigen und wieder Regisseur für das eigene Leben zu werden. Selbstbewusste Menschen sehen Probleme als Möglichkeiten und Chancen. Wir schaffen unsere eigene Wirklichkeit. Ich kann mir einen Himmel schaffen oder eine Hölle. Je nachdem, wohin ich die Energie lenke. Wir können das Glas halb voll oder eben auch halb leer sehen.
Hermes Trismegistos’ Schriften20 sind schon sehr alt. Sie stammen aus der Zeit um Christi Geburt, verschwanden und tauchten viel später wieder auf.
Eine kurze Zusammenfassung:
… Alles ist Geist, Gedanken steuern die Gefühle, eine Resonanz oder Schwingung entsteht. Das heißt, alles schwingt.
… Jede Ursache hat eine Wirkung. Es gibt keine Sünde, keine Schuld, kein Zufall und kein Glück. Nur Ursache und Wirkung.
… Das dritte Gesetz ist die Entsprechung: wie oben, so unten, wie innen, so außen, wie im Kleinen, so im Großen.
… Die Gedanken steuern die Gefühle in Wechselwirkung. Eine entsprechende Resonanz oder Schwingung entsteht.
… Das Sonnensystem ist sowohl in jedem Menschen als auch in jeder einzelnen Zelle vorhanden.
… Alles Polare besitzt ein Gegenteil, und so bedingen und bereichern sie sich gegenseitig: Mann/Frau, plus/minus bei Elektrizität, einatmen/ausatmen, Nordpol/Südpol.
… Alles ist einem Rhythmus unterworfen kommen/gehen, Ebbe und Flut, Sonnenaufgang/ Sonnenuntergang, Geburt/ Tod, Tag/ Nacht und so weiter.
… Jeder Ursache folgt eine Wirkung. Und jede Wirkung entsteht aus einer Ursache.
… In allem ist Geschlecht. Es braucht männliches und weibliches Zusammenwirken, um Materie zu erschaffen.
… Alles im Universum ist geordnet. Kosmos bedeutet Ordnung. Das einzig Sichere ist der Wandel. Diesem entkommen wir nicht.
Es ist ja nichts Neues, was ich hier niederschreibe; diese Erkenntnis, Wahrheit ist schon seit Tausenden von Jahren bekannt. Nur wurde es uns nie gelehrt!
Die Huna Lehre
Huna ist ein hawaiianisches Wort, etwas Verborgenes, verborgenes Wissen, welches mündlich weitergegeben wurde. In früherer Zeit waren die Mediziner Schamanen, die ihr Wissen und ihre Heilpraktiken an die nächste Generation weiter gaben. Hu bedeutet Bewegung, das männliche Prinzip. Na bedeutet die Ruhe, die Stille, das weibliche Prinzip.
Der amerikanische New-Age-Autor Max Freedom Long (1890–1971), der in den 1920er-Jahren auf Hawaii als Lehrer tätig war, gilt als Entdecker der Huna-Lehre. Er wollte die traditionelle Religion der hawaiischen Ureinwohner entdecken. Fasziniert von den für ihn eindrucksvollen Fähigkeiten der Kahunas (der Priester, Wissensträger und Heiler Polynesiens), denen er zutraute, über magische Kenntnisse zu verfügen, versuchte er, deren geheimes Wissen zu entschlüsseln.
Der Psychologe Serge Kahili King (Geburtsname Serge King) wurde seiner eigenen Angabe zufolge von Wana Kahili in dessen Familie aufgenommen – vergleichbar der Art und Weise, wie in Deutschland Lehrlinge traditionell in die Familie eines Meisters aufgenommen wurden – und dort über viele Jahre zum Kahuna ausgebildet. Er gründete 1973 eine eigene Gesellschaft zur Verbreitung und Lehre des Huna-Systems (Order of Huna International). Er schrieb eine Reihe von Büchern über Huna und erläuterte die Lehre in Vorträgen und Seminaren. Heute ist die Version der Lehre nach Serge Kahili King die am weitesten verbreitete.
Die sieben Prinzipien von Serge Kahili King21
• Ike, die Welt ist das, wofür Du sie hältst. Ein Regen kann (subjektiv) beispielsweise gut sein für die Ernte oder schlecht für ein Picknick. Das impliziert auch den Satz „Alles hat einen eigenen Traum“. Das Wort Traum wird im Deutschen am besten mit „innerer Film“ wiedergegeben. (Hawaiisch ‘ike heißt sehen, fühlen und wissen.)
… Kala, es gibt keine Grenzen. Alle Grenzen – auch Definitionen und Festlegungen – sind (subjektiv) willkürlich und können geändert oder überwunden werden, wenn man herausfindet, wie das geht. Beispielsweise war es vor Jahrhunderten völlig unmöglich, zum Mond zu fliegen oder eine Nachricht in einem Augenblick auf die andere Seite der Welt zu versenden. Heute ist das möglich, denn wir haben herausgefunden, wie das geht. Dieses Prinzip der Freiheit impliziert auch den schamanischen Satz, dass alles miteinander verbunden ist.
… (kala heißt frei und befreien, auch verzeihen.)
… Makia, die Energie fließt dahin, wo die Aufmerksamkeit ist. Umgekehrt fließt auch die Aufmerksamkeit dahin, wo Energie ist.
… (makia heißt Ziel oder Zweck.)
… Manawa, jetzt ist der Augenblick der Macht. Es gibt überhaupt (subjektiv) nur den jetzigen Augenblick. Die Vergangenheit ist vorbei und die Zukunft ist noch nicht da. Was von der Vergangenheit jetzt da ist, ist die Erinnerung daran und die Bedeutung, die ihr (subjekti...