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Barbarische Weisheiten oder: Wie man auf einem untergehenden Schiff Spaß hat
- 300 Seiten
- German
- ePUB (handyfreundlich)
- Über iOS und Android verfügbar
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Barbarische Weisheiten oder: Wie man auf einem untergehenden Schiff Spaß hat
Über dieses Buch
Dieses Buch enthält eine Ansammlung barbarischer Ratschläge und Kommentare, die unsere Zivilisation als tödliche Falle entlarven und das einfache und naturnahe Leben preisen. Humorvoll, philosophisch, kurios, anekdotisch, gerissen oder dämlich bieten die Barbarischen Weisheiten dem Leser das, was er nicht braucht und wonach er nie zu fragen wagte.Verhandelt werden u.a. Themen wie: Geruchsbelästigung beim Geschlechtsverkehr, Zahnhygiene, das Liebesleben des Anglerfischs, der Bau der Endzeitpyramide, Reiztechnologien, der Verfall der Westlichen Zivilisation, demographische und demokratische Paradoxien, die Erfindung des Nagelklippers und natürlich die weltbewegende Frage, ob und wie viele Spinnen man im Schlaf verschluckt.
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Information
Wahrheit und Wirklichkeit
Wahrheit ist einfach
So sage ich mir vor, wenn der Kopf schwer und die Gedanken trübe werden: Alle Wahrheit ist einfach und selbstgenügsam und robust. Mit der Klinge des Mönchs kann man Brot und Stein gleichermaßen schneiden.
Dekonstruktion
Wenn uns etwas überaus Komplexes begegnet, haben wir es entweder mit einem aus Steinen errichteten Haus oder einem Luftschloss zu tun. Ein Hammer hilft bei der Prüfung; der Barbar hat ihn stets zur Hand.
Evola
Julius Evola war ein Schlaukopf und unzeitiger Spaziergänger. Er schreibt am Anfang des ersten Kapitels seines Buches Revolt Against The Modern World:
„In order to understand both the spirit of Tradition and its antithesis, modern civilization, it is necessary to begin with the fundamental doctrine of the two natures. According to this doctrine there is a physical order of things and a metaphysical one; there is a mortal nature and an immortal one; there is the superior realm of ´being´ and the inferior realm of ´becoming.´ Generally speaking, there is a visible and tangible dimension and, prior to and beyond it, an invisible and intangible dimension that is the support, the source, and true life of the former.”
Einen Blickwinkel einnehmen
Wenn wir etwas nicht verstehen, weil es uns zu komplex scheint, müssen wir nur zurücktreten, bis wir einen Blick auf das Ganze erhaschen können. Das Wissen um das Allgemeine einer Sache erlaubt die sinnreiche Betrachtung ihrer Einzelteile. Man stelle sich vor, man wird mit verbundenen Augen an einen Ort geführt. Sobald die Binde entfernt ist, sieht man nur die komplexe und chaotische Maserung irgendeines Materials. Man könnte nun Mutmaßungen anstellen, was das sei: Eine Landschaft vielleicht aus großer Höhe betrachtet oder die Haut eines Elefanten aus unmittelbarer Nähe oder was auch immer. Tritt man zurück, erkennt man, es handelt sich um einen Stein. Tritt man weiter zurück findet man, der Stein ist Teil einer Mauer, die Mauer ist Teil eines Gebäudes und jenes ist Teil einer Stadt usw.
Wirklichkeit...
...wird vom Menschen für wahr-genommen oder auch nicht. Es liegt in ihm, jedoch nicht an ihm. Die Fähigkeit, Wirklichkeit nicht als unabänderliches Faktum anzunehmen (wie ein Tier), sondern als etwas Wandelbares, erlaubt dem Menschen, gestalterisch auf eben diese Wirklichkeit einzuwirken, ja sie ex nihilo zu konstruieren. Weil wir etwa vom konkreten Jetzt-Bestand einer Sache abstrahieren können, sind wir in der Lage, sie geistig auf ihr Noch-Nicht hin zu entwickeln – wir wirken entsprechend auf sie ein und verwirklichen sie so für uns.
Der Einwirkung auf die Wirklichkeit voraus geht, wie gesagt, deren Wahr-Nahme. Doch Wahrheit ist ebenso wandelbar wie die Wirklichkeit, die aus ihr erwächst. „Was ist Wahrheit?“ fragt Pilatus, der große Philosoph des Neuen Testaments, und erhält vom Gottessohn natürlich keine Antwort. Wahrheit ist etwas, was nicht ist und daher auch nicht gefunden werden kann, sondern etwas, was man macht oder sich erwählt.
Wirklichkeit wird demzufolge auch nicht gefunden, sondern erzeugt und vermittelt. Durch Sprache, durch Sozialisation, durch Erfahrung. Dem Erleben geht der Glaube voraus, dem Fakt die Spekulation. Eine Zivilisation setzt eine gleichgeschaltete Trägerschaft voraus, die an eben die Wirklichkeit dieser Zivilisation glaubt und sie durch diesen Glauben konstituiert. Das ist ein wenig so wie mit dem Papiergeld. Allein der Glaube, wertloses Papier gegen Güter eintauschen zu können, konstituiert den Wert des Geldes innerhalb eines wirtschaftlichen Raums. Wenn die Menschen den Glauben an ihr Geld verlieren, verliert dieses allen Wert. Mit eiserner Hand sorgt deshalb der Staat als Wächter der Zivilisation dafür, dass solche Häresien, solche Abfälle vom rechten Glauben, nicht geschehen und die je geglaubte Wirklichkeit sich permanent im Plebs reproduziert.
Götter und Weihrauch
Die liebste Speise der Götter ist Weihrauch. Er entspricht ihrem Geschmack, weil er ihrem Wesen entspricht.
Gewebe der Wirklichkeiten
Das Gewebe der Wirklichkeit hat zwei Lagen: Das, was nach den Regeln des Glaubens für wahr genommen wird (Orthodoxie), und das, was dem Glauben zugrunde liegt (Mystizismus).
Das Für-Wahr-Genommene ist das Sichtbare. Es wird mittels einer Hoch-Sprache kommuniziert, deren Ausdruckspotential derart abgeflacht ist, dass sie allgemein in einem Artifiziellen Raum verstanden werden kann.
Das Grundlegende, Unsichtbare, Eigentliche ist das, was der Mensch als Leibwesen erfährt und erlebt. Es bildet das dunkle, formlose Material seiner Innerlichkeit. Alle Weltanschauung, die er als Gegenstand seines Bewusstseins besitzt, ist nichts als Abstraktion und Interpretation jener finsteren Formlosigkeit auf dem Grund seiner Seele.
Artifizieller und Archaischer Raum und ihre Wirklichkeiten
Allein für die Betrachtung und das Studium derselben ist es hilfreich, die ins Auge zu fassenden Daseinsbereiche menschlicher Existenz in Räume aufzuteilen. Ich habe bereits weiter oben mehrfach den Artifiziellen Raum genannt, weil dieser Begriff tiefsprachlich unmittelbar verstanden wird. Er beschwört Bilder von Betonwüsten, von Hochhäusern, in denen Menschen wie Vieh gelagert sind, aber auch von Hoch- und Reiztechnologien, die den Alltag der Zivilisation bestimmen. Neben dem Artifiziellen unterscheiden wir den Archaischen oder Primordialen Raum. Platt ausgedrückt könnten wir auch von Siedlung und Wildnis sprechen.
Der Artifizielle Raum erzeugt ein künstliches Da, einen Existenz-Ort, an welchem eine Person gemäß dieses Da´s ist. Der Zivilist definiert seine Existenz durch den Ort oder die Orte, die er im Artifiziellen Raum einnimmt. Zur Veranschaulichung kann das Bild eines Hauses mit seinen verschiedenen Räumlichkeiten als Vergleich herangezogen werden. In einem Wohnhaus finden wir Schlafzimmer, Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche, Keller usw., also Räume, in denen die Bewohner bestimmte Dinge tun. Diese Räume sind ausgestattet, diese Tätigkeiten zu ermöglichen und zu unterstützen. Ein Schlafzimmer wird durch das Vorhandensein einer Schlafstelle definiert, das Bad durch eine Badewanne und einen Wasseranschluss usw. Der Artifizielle Raum einer Zivilisation gleicht einer Stadt, in denen viele verschiedene Häuser in vielen verschiedenen Vierteln stehen. Diese Viertel könnte wir Kulturkreise nennen, die Häuser Nationen oder Vaterländer. Die Räume in diesen Häusern sind Subsysteme, Milieus, in denen sich die Zivilisten aufhalten. Unsere schöne Stadt ist in stetem Wandel begriffen. Wir haben es mit einem sich permanent veränderndem sozial-kulturellem Konstrukt zu tun, das bei aller Künstlichkeit doch nicht die organisch-chaotische Handschrift seines Künstlers verleugnen kann: Dass ist der Mensch mit seiner Doppelnatur von Zivilist und Leibwesen. Er ist Geschöpf und Schöpfer dieses künstlichen Raums, sein Bewohner und Gefangener. Alles, was den Kunstraum der Zivilisation zusammenhält, ist der Glaube seiner Bewohner an dessen Existenz, welcher in der Folge ein Verhalten hervorruft, das eben diesen Glauben entstehen lässt und ihn erhält. Dieser Glaube bezieht sich wie jeder Glaube auf eine bestimmte, konsensuelle Art, die Dinge zu deuten und so eine universale und kommunizierbare Wirklichkeit zu erzeugen. Ich fasse zusammen: Der Artifizielle Raum ist Ursache und Ziel des zivilen Daseins.
Der Primordiale Raum ist besser vergleichbar mit einer Wildnis, in die hinein geworfen sich der Mensch als Leibwesen in einem Kampf ums Überleben wiederfindet. Im Gegensatz zum Artifiziellen Raum, der berechenbar ist und sich den Bedürfnissen seiner Bewohner anträgt, gleichwie er jene reproduziert, zwingt der wilde Raum den Menschen dazu, ihn entweder zu bändigen oder unterzugehen. Der Mensch verliert diesen Kampf mit der Wildnis immer! Es ist sein Schicksal und der Grund, warum er den Artifiziellen Raum als Gegenwelt erschaffen muss. Es ist ein schlimmer Aberglaube, ein katastrophales Missverständnis davon auszugehen, Zivilisation entstehe durch die Umformung einer ungeordneten in eine geordnete Umwelt, so als wäre das primordiale Chaos je überwunden worden. Tatsächlich ist der Artifizielle Raum nur ein Refugium. Er stellt die Gegenwelt zur Wildnis vor, in der der Mensch nicht existieren kann.
Der Archaische Raum ist ohne feste Wirklichkeitsstrukturen, was ihn unverfügbar macht. Die Wahrnehmung vollzieht sich dort im Medium des Gefühls, des Instinkts und findet Ausdruck in Lied, Gedicht, Mythos. Im Archaischen Raum ist der Mensch gänzlich auf sich als Leibwesen zurückgeworfen. Seine Fragilität und Ohnmacht sind ihm voll und schmerzhaft bewusst. Er gewahrt, er ist schwaches Fleisch und dünnes Blut, aber begehrlicher Wille und grenzenloses Sehnen. Er ist dort nicht Gedanke oder Abstraktion.
Die Zeit des Archaischen Raums ist Fluss ohne Anfang und Ende, ein ununterbrochener Augenblick. Die Zeit des Artifiziellen Raums ist Maß und Takt in Stunde, Tag, Jahr usw.
Ein Letztes: Archaischer und Artifizieller Raum und die Wirklichkeiten, die sie in ihren Bewohnern begründen, sind keine strikt getrennten Dimensionen, die in strikter Weise ineinander übergehen oder in irgendeinem fixen Verhältnis zueinander existieren, obwohl ich dies aus Mangel an einer Sprache, die hinreichte, das Paradox und das Undenkbare irgend sinnvoll auszudrücken, so auszudrücken gezwungen bin. Diese Sphären zu trennen wäre so, als würde man versuchen, seinen Schatten loszuwerden. Der Artifizielle Raum, um in diesem Bild zu bleiben, ist der Schatten, den der Mensch unter der Sonne des Archaischen Raums wirft und in den hinein er beständig vor dem sengenden und allgegenwärtigen Licht zu fliehen sucht.
Das künstliche Paradies
Der Artifizielle ist eine Gegenwelt zum Primordialen Raum. Das bedeutet indes nicht, dass er eine grundsätzlich verschiedene Wirklichkeit generiert. Wie der Schatten eines Dinges dessen Umrisse wiedergibt, so stellt der Artifizielle Raum tatsächlich Elemente des Primordialen Raums vor, nur dass diese Elemente gemäß den Regeln der Zivilisation so modifiziert sind, dass der Mensch als fragiles Leibwesen relativ gefahrlos seine Bedürfnisse befriedigen kann.
Einige Beispiele: Die Höhle erscheint als Haus, der Baum als Plantage, der Fluss als Leitungswasser, der Pfad als Straße usw. Auch archaische Verhaltensweisen werden in den Artifiziellen Raum hinein übersetzt: Das Jugendfest erscheint als Diskobesuch, Jagen und Sammeln finden im Kaufhaus und Supermarkt statt, der Kindergarten ersetzt die gemeinsame Kinderpflege durch die Stammesgemeinschaft oder Großfamilie. Selbst strenge und tiefe soziale Hierarchien, wie sie im Archaischen Raum notwendig herrschen, finden in Anreden wie Herr, Sir oder Begriffen wie Master Bedroom, King Size Bed usw. ihr Echo. Gedächtnis und mündliche Tradierung erscheinen als Gedrucktes und geistiges Eigentum.
So gesehen abstrahiert der Artifizielle Raum lediglich das, was im Primordialen Raum vorgefunden wird gemäß den Bedürfnissen des Menschen.
Abstraktion ist ein wesentliches Werkzeug der Ausgestaltung des Artifiziellen Raums. Sie geschieht durch den rechnenden und analytischen Anteil des menschlichen Intellekts. Abstrahiert wird, wie gesagt, zunächst von der primordialen Welt, um eine dem Menschen freundlichere Gegenwelt zu erschaffen. Die Abstraktionsarbeit hört indes nicht auf, sondern geht immer weiter. Dieses Fortschreiten kennen wir unter dem Begriff des „Fortschritts“. Es handelt sich hier, wie die tiefsprachliche Deutung des Wortes sofort offenbart, nicht um eine Bewegung einem Ziele zu, sondern um eine wachsende Entfernung vom primordialen Grundbestand durch weitere Abstrahierung. Wir schreiten von unseren Ursprüngen fort. Fortschritt geschieht, wenn der Artifizielle Raum beginnt von der in ihm herrschenden Wirklichkeit weiter zu abstrahieren. Nehmen wir als Beispiel das Haus und bilden eine Abstraktionskette: Das Haus ist die künstliche Höhle. Das Haus beherbergt seine Bewohner. Das Haus enthält Personen. Ein Karton erhält Gegenstände. Haus und Karton sind Aufbewahrungsmittel. Aufeinander gestapelte Kartons gleicher Größe enthalten eine Vielzahl von Gegenständen auf geringem Raum. Ein Hochhaus (aufeinandergestapelte Wohneinheiten standardisierten Zuschnitts) kann eine Vielzahl von Personen auf engem Raum enthalten.
Der Fortschritt des Artifiziellen Raums entfremdet den Menschen von seiner Urnatur als Leibwesen, weswegen Zivis oft an existentieller Leere, Depression, einem Gefühl von Heimatlosigkeit (Ortlosigkeit, Dasein ohne „Da“) leidet, von dem er sich mit primitivem Hedomismus, Konsum und Reiztechnologie abzulenken sucht.
Logik und Lüge
Logik und Lüge sind semantische Werkzeuge des Artifiziellen Raums. Die archaische Wirklichkeit kennt sie nicht.
Schicksal und Verhängnis
Der Artifizielle Raum ist Schicksal und Verhängnis des Menschen. Sich aus dem Stand der Natürlichkeit heraus in die sterile Sicherheit der Zivilisation zu begeben ist ihm...natürliches und notwendiges Bedürfnis. Der periodische Rückfall in einen archaischen Zustand ist Balsam für die geschundene Seele, und Gift für den Artifiziellen Raum.
Herrschaftssprache
Wer die Sprache beherrscht, wer also vermag, Worten gewisse Bedeutungen beizumengen, die erwünschte Resonanzen bewirken, kontrolliert die Wirklichkeit jener, die gezwungen sind, sich dieser Sprache zu bedienen. Der Artifizielle Raum kreiert die Wirklichkeit seiner Träger durch Sprache, gleich wie sie ihn mittels Benutzung dieser Sprache konstituieren. Orwell´s Meisterstück „1984“ ist in diesem Sinn als Gebrauchsanweisung für den modernen Barbaren zu sehen, um sich (1.) vor Indoktrination zu schützen und (2.) die Herrschaftssprache mit ihren eigenen Mitteln auszuhebeln, wenn ihm der Sinn danach steht.
Lüge
Kierkegaard sagt: Jeder Ausdruck der Masse ist per se Lüge.
Nietzsche sagt: Alle Sprache ist Lüge.
Die Lüge entsteht aus der Differenz zwischen Oberflächen-Sprache (Was gesagt wird) und Tief-Sprache (Was die Sprache, nicht der Sprechende, wirklich meint ). Mehr als eine Abstraktion von einem Sachverhalt gründet die Lüge in einer Abstraktion von dem, was Sprache eigentlich bedeutet. So ist die Lüge das semantische Fleisch der artifiziellen Wirklichkeit.
Tiefsprache
Tiefsprache zu lernen ist denkbar einfach und obwohl dicke, sehr komplizierte Bücher darüber geschrieben wurden, will ich mir herausnehmen, die Sache ganz barbarisch auf ein paar mutige Sätze herunterzubrechen. Der Grundgedanke ist, dass Sprache immer gleichzeitig auf zwei Ebenen verstanden wird: Oberfläche und Tiefe. Die Oberfläche ist definiert durch den sozialen Gemeinsinn. Oberflächen-Sprache wird im sozialen Verband gelehrt. Sprachtiefe dagegen findet man im Grundgehalt der Wortbedeutung, die sich vor(!) der Etablierung eines höher entwickelten Artifiziellen Raums im primordialen Existenzzustand konstituiert hat und welche immer unbewusst mitverstanden wird. Wir haben oben mit dem Wort „Fortschritt“ bereits ein Beispiel dafür gegeben, wie die moderne von der eigentlichen und erstaunlicherweise auch immer noch zutreffenden Bedeutung abweichen kann. Fortschritt meint im Artifiziellen Raum moderner Prägung immer etwas grundsätzlich Positives, nämlich die weitere Abstrahierung vom bestehendem, während das Wort in seiner Tiefe einfach nur das Verlassen von etwas bezeichnet. Der Artifizielle Raum höherer Ordnung impliziert weiterhin, dass der Fortschritt sich nach irgendeinem höheren Ziel ausrichtet, das er im Letzten selbst vorstellt. Dies alles sind Implikationen, die das Wort in seiner eigentlichen Bedeutung nicht besitzt. Der urtümliche Mangel an modernen Implikationen und positiver Deutung führt nun zu einem gewissen Unbehagen, das den Begriff begleitet. Der Mensch ist ein häusliches Wesen, das, einmal räumlich oder ideologisch verpflanzt, nur ungern von seinem Ort fort schreitet.
Die Divergenz der Sprache, die Schlucht zwischen moderner und urtümlicher Bedeutung, bildet die einzige valide Basis, um Kritik am Artifiziellen Raum zu formulieren, obwohl sie paradoxerweise auch die Bedingung der Möglichkeit seiner Existenz ist.
Ist dieses Grundprinzip der Tiefsprache verstanden, kann man Texte oder Reden neu interpretieren. Eine Welt hinter der Welt wird sich bald offenbaren und der Vorhang, der die leere, dem Himmel zu geöffnete Kammer des Allerheiligsten verbirgt, zerreißen. Man könnte mit diesem Buch anfangen. Ein Tipp: Der Schlüssel zu seinem Geheimnis steckt im Titel.
Ein Meister der Tiefsprache ist der Meister aus D...
Inhaltsverzeichnis
- Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Menschliches, Barbarisches
- Macht und Ohnmacht
- Wahrheit und Wirklichkeit
- Vorbilder und Abbilder
- Leben und Überleben
- Schlaf
- Anmerkungen über Menschen, die dicke (oder viele oder überhaupt) Bücher geschrieben haben
- Zivilisation
- Moralische Winkelzüge
- Kunst und Künstler
- Haus und Hof
- Glaubensfragen
- Barbarische Lebenspraxis
- Reiztechnologie
- Dumme Nachträge
- Weitere Informationen
- Impressum