Das Universum millionenfach in mir
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Das Universum millionenfach in mir

Meditation: 9000 Stunden Stille,10 Jahre, 15 Tagebücher, 1 Kissen und ich

  1. 216 Seiten
  2. German
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  4. Über iOS und Android verfügbar
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Das Universum millionenfach in mir

Meditation: 9000 Stunden Stille,10 Jahre, 15 Tagebücher, 1 Kissen und ich

Über dieses Buch

"Die innere Reise ist ein Experiment. Eine Reise, die den Mut braucht, seinen eigenen Weg zu achten und zu verfolgen. Die aber gleichzeitig angebotene Unterstützung annimmt und einfordert. Eine Reise ohne Rezept und ohne die Möglichkeit Erfahrungen zu wiederholen."Anna Berg lädt Sie ein, sie auf ihrem Weg der Stille zu begleiten und Sie auf Ihrem Weg der Stille zu begleiten. Über zehn Jahre hinweg nimmt sie an unzähligen Schweigeseminaren verschiedenster Art teil. Sie liegt mit Good Dharma in leeren Getreidespeichern, sitzt eisern bei Vipassana-Kursen, genießt die Stille des neuseeländischen Busches, schweigt vier Monate am Stück und trifft auf unzählige Lehrmeister der Meditation. Tauche ein in die persönlichen Lernerfahrungen einer inspirierenden Persönlichkeit, die ehrlich von den Höhen und Tiefen der Auseinandersetzung mit sich selbst und vielen anderen wundersamen Erlebnissen spricht.

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Information

Jahr
2020
ISBN drucken
9783751996488
eBook-ISBN:
9783752615821

TIEFE ERKENNTNISSE
IN ENGLAND

Wie entstehen die Dinge in der Welt? Was gibt es am Grunde unseres Daseins? Was hat es mit dem Tod und dem Leben auf sich?
Bereits zwei Wochen nach dem Goenka Retreat flog ich für zwei Monate wieder ins Meditation House nach England. Da meine Reisekasse inzwischen etwas erschöpft war, bat ich um einen Platz als „Work Yogi". Ich würde mir im ersten Monat meinen Aufenthalt mit fünf Stunden Dienst am Tag erarbeiten. Das folgende Monatsretreat im November hatte ich bei meinem letzten Aufenthalt als so besonders erlebt, dass ich in jenem zweiten Monat lieber keine Dienste erledigen wollte und mich als Teilnehmerin anmeldete. So zog ich auch in jenem Jahr mein Gepäck die kleine Rampe zum Haupthaus hinauf. Doch diesmal steuerte ich zielstrebig zum Pinnbrett, um meine Mappe in Empfang zu nehmen. Ruckzuck fand ich mein Zimmerchen. Es fühlte sich an, als ob ich eine alte Bekannte besuchte. So schön, wieder hier zu sein. So toll, dass alles geklappt hatte. Ich atmete tief ein, zog den typischen Meditation House-Duft in meine Lungen und schaute durch alle Informationen in der Mappe. Das meiste kannte ich, nur der Extrazettel für den „Work Yogi“ war neu. Ich würde meine fünf Stunden Dienst in der Küche absolvieren. Irgendwie schien mich die Küchenarbeit anzuziehen. Wahrscheinlich bin ich die geborene Hausfrau. Dennoch dachte ich mit leichter Anspannung an den jungen Mann, der im letzten Jahr mit einem Sackkarren riesige Mengen an Lebensmitteln in den Vorratsräumen verstaut und scheinbar immer viel zu tun gehabt hatte. Martin hatte im letzten Jahr verlauten lassen, dass dies der Job mit den meisten Aufgaben war. Ich beschloss, mir selbst ein Bild zu machen und räumte meine paar Besitztümer in die Schubladen. Dann nahm ich voller innerer Freude im Meditationsraum Platz und rührte mich nicht mehr, bis ich die Glocke für das Abendessen hörte. In mein Tagebuch schrieb ich: „Es ist ein Jahr vergangen und ich bin wieder im Meditation House. Hmh ... interessant, vieles ist gleich geblieben. Sogar einige bekannte Gesichter sind wieder oder noch hier. Schön, hier zu sein für zwei Monate Stille. Die Eingewöhnung ist wie immer seltsam. Doch das wird schon werden."
So, jetzt war ich also der „Kitchen Yogi“, der Küchenyogi. Die Koordinatoren der Küche wiesen mich in meine Tätigkeiten ein und gaben mir eine lange Liste von Dingen, die teilweise täglich, teilweise wöchentlich, monatlich oder auch nur einmal im halben Jahr gemacht werden mussten. Überall gab es etwas abzuhaken, teilweise war ich an bestimmte Zeiten gebunden. Beispielsweise würde ich nun vor dem Mittagessen schon einmal eine Runde spülen, damit der Spüldienst nach dem Mittagessen es schaffen konnte, in einer Stunde die Arbeit abzuschließen. Auch würde ich pünktlich das Frühstücksbuffet und auch das Abendbuffet decken. Zum Mittagessen wuchtete ich die schweren Töpfe - es wurde ja teilweise für über 100 Menschen gekocht - gemeinsam mit den Koordinatoren in den Essensbereich. Es galt alles sauber zu halten, alle Lieferungen in den Vorratsräumen zu verstauen, die Gefriertruhen abzutauen oder Etiketten von Marmeladengläsern zu kratzen. Während dieser letzten Arbeit fluchte ich auf alle und alles. Ich schickte bösartige Gedanken zu den Herstellern dieser Gläser und schimpfte auf die Einkäufer. Auch das Umrühren von Erdnussbutter mochte ich nicht. Jedes Mal befürchtete ich, dass mir bei dem Versuch das Öl unter die harte Erdnussmasse am Boden des großen Eimers zu rührender Arm abbrechen würde. Auch den Melassesirup umzufüllen war ein Thema für sich. Es war eine klebrige Angelegenheit, die viel Fingerspitzengefühl erforderte. Die schwarze Masse, die mich an heißen Teer erinnerte, floss einfach unkontrolliert und wollte oft nicht in die kleinen Öffnungen der Spender an den Teestationen. - So belastend das alles war, so hatte ich beim Meditieren dadurch genügend „Schwierigkeiten", mit denen ich mich auseinandersetzen konnte.
Vor allem beschäftigte es mich, dass eigenes Engagement außerhalb meines Aufgabenbereichs nicht gern gesehen war. Kochte ich Marmelade, wurde ich angewiesen, nur die Arbeiten auf der Liste zu tun. Wollte ich einen Milchreis bereiten, herrschte mich der Koordinator an, das bliebe dem Koch überlassen.
Einen Tag die Woche hatte ich frei, mein „sititng day", ein reiner Meditationstag ohne Arbeitsauftrag. Wir Work Yogis hatten einmal pro Woche ein Reflexionstreffen. Dabei saßen wir mit Bob Ruby zusammen und beleuchteten in der Gruppe, wie es jedem Einzelnen auch in Bezug auf die Arbeit ging. Es war sehr hilfreich, zu hören, was meine Mitmeditierenden gerade beschäftigte. So kam ich mit der Idee des „Sound of Silence" (Geräusch der Stille) in Kontakt. Im Prinzip hat jeder Mensch ein inneres Geräusch, das er immer hört. Es ist zumeist so leise und unbeachtet, dass man es nicht wahrnimmt. Lauscht man jedoch in einer völlig leisen Umgebung, nimmt man durchaus ein Geräusch wahr. Für mich war dies ein leises Rauschen, als ob ich in mir die Energie des Seins hören konnte.
So ähnlich wie man sich auf seine Atmung oder den Herzschlag konzentrieren konnte, um im Moment zu sein, konnte man dies mit dem Sound of Silence tun. Das Ganze nannte sich Nada Yoga (Sanskrit: Sound/Geräusch).
Das wöchentliche persönliche Interview besuchte ich oft ohne konkrete Frage. Es war auch einfach schön mit einem Lehrer zu plaudern. Ich konnte für mich beobachten, dass ich innere Ereignisse und Erkenntnisse sehr gut selbst halten konnte. Nichts brachte mich schnell aus der Fassung.
Ausatmen und Abwarten, denn selbst äußerst unangenehm empfundene Zustände würden sich ändern. Unser Leben war einfach konstant der Änderung unterworfen, deshalb brauchte ich nicht viel ändern, denn dies würde es sowieso tun. Dennoch war es manchmal schwer.
So schrieb ich nach zehn Tagen in mein Tagebuch: „Die Traurigkeit wandelt sich in Wut, was es damit auf sich hat, weiß ich noch nicht. Die Grundenergie von Wut. Oh Mann ... einfach ist das nicht. Gerade ist wieder mal so ein Moment, wo ich gerne woanders wäre - doch wäre dort das Gefühl genau gleich. Gute Erkenntnis!" Man konnte seinen Gefühlen schlecht entkommen, jedoch hatte ich im Alltag die Tendenz mich abzulenken. Hier war ich gezwungen, mit dem zu sein, was sich gerade zeigte. In der Bibliothek von Meditation House hatte ich mir einen großen Bildband über Tibet ausgeliehen und suchte jeden Tag ein Foto aus, dass meinen Gefühlen entsprach. Dann setzte ich mich vor das Bild und schaute, was sich in mir tat. Fühlte noch tiefer hinein, versuchte zu sehen, was sich auf zellulärer Ebene bei mir veränderte und ob es in mir Teile gab, die dieses Gefühl abwehrten und nicht fühlen wollten. Irgendwie verhinderte das gewählte Foto, dass meine Gedanken abschweiften.
Das Bild hielt mich im Moment. Ich schuf sozusagen eine Reflexion meines inneren Zustandes in der Welt, als hätte ich ein Bild gemalt. So waren meine Augen und Emotionen beschäftigt. Dies war für mich sehr hilfreich und ermöglichte mir meine Gefühle noch genauer kennenzulernen.
Im Anschluss versuchte ich die Gefühle loszulassen, also erstens kein großes Thema daraus zu machen und zweitens mich nicht mit ihnen zu identifizieren. Statt „Ich bin wütend und traurig“ versuchte ich zu denken „Ich spüre Wut und Traurigkeit“ oder auch „Wut und Traurigkeit sind zu Besuch“. Mehrere Tage beschäftigte mich in diesem Zusammenhang, was der Unterschied zwischen Loslassen und Aufgeben sein könnte. Gab es hier überhaupt einen Unterschied?
Die Lehrer sprachen oft davon, Emotionen und Gedanken, die mich zu viel beschäftigten, loszulassen. Viel Leid entstand aus ihrer Sicht, weil ihre Schüler bestimmten Gedanken verhaftet blieben oder sich mit ihren Gefühlen identifizierten. Für mich fühlte es sich dann oft so an, als ob ich bestimmte Gedanken nicht denken sollte, oder es falsch wäre, diese Gefühle wahrzunehmen. Wie sollte ich dieses Loslassen denn machen? War das dann nicht auch ein Aufgeben? Ich wollte doch an mir und mit meinen Themen arbeiten. Was meinten die Lehrer nur? Als ich dies besser verstand, notierte ich in mein Tagebuch: „Heute ist mir einiges etwas klarer geworden. „Loslassen" (letting go) ist nicht „Aufgeben" (giving up). Mit dem Loslassen ändert sich die Perspektive, d.h. das ICH oder EGO verlässt das Gefühl, doch die Erfahrung bleibt. Ich betrachte die Erfahrung aus der Beobachterperspektive und bin weniger persönlich involviert. Mit größerem Abstand lassen sich schwierige Wahrnehmungen besser beleuchten. Beim Aufgeben bleibt das Ich oder Ego in der Erfahrung verhaftet und die Emotion ändert sich zu der Erfahrung. Ich verändere also meine Einstellung zu der Erfahrung. Beispielsweise könnte mir die Erfahrung nicht mehr wichtig sein. Ich könnte nicht mehr daran denken. Allerdings befürchte ich, dass ich so eher etwas verdränge, weil ich es nicht zu Ende spüre."
Schlussendlich erkannte ich, dass das Loslassen eine Art Methode war, um sich mehr inneren Raum zu geben und etwas entspannter an bestimmten Thematiken zu arbeiten oder zu erkennen, dass diese unwichtig waren. Beispielsweise waren die Zurechtweisungen in der Küche so eine Sache. Ich fühlte mich be- und getroffen, da meine Persönlichkeit in das Thema verstrickt war. Ich hatte ein gewisses Selbstbild von mir selbst. Ich war jemand, der gute Ideen hatte, der anderen half, der Dankesworte für die aufgebrachte Zeit und die Mühe erwartete, der den Überblick hatte und gerne Abläufe beeinflusste. Jetzt erntete diese Persönlichkeit eine Kritik. Das zerschlug mein positives Selbstbild. Natürlich rebellierte alles in mir und war bereit entweder die Persönlichkeit meines Gegenübers anzugreifen oder zumindest mich zu rechtfertigen.
Zugegeben, es klingt so einfach, persönliche Anteile auszublenden: Das ist es aber leider nicht. Es ist vielmehr so, als ob jemand davon spräche, einfach seine Haut auszuziehen und über den nächsten Stuhl zu hängen. Wie sollte ich meine Haut herunterbekommen? Wo gab es den Reißverschluss? Oft fühlte ich mich von meinem Ego gefangen, wie im Verlies. In mein Tagebuch schrieb ich: „Es kommen wieder die Gefühle bzw. Bilder vom Eingemauertsein hoch und ich kratze mir die Hände blutig auf der Suche nach einem Ausgang. Da ist viel Angst loszulassen und immer wieder erscheint der Gedanke: Vielleicht probiere ich noch dies oder jenes. Dann taste ich bildlich gesprochen noch einmal an allen Fugen entlang, um einen Geheimgang zu entdecken. Doch im Grunde poliere ich nur die Mauern. Es gibt nichts zu tun, um aus dem Gefängnis zu gelangen. Keinerlei Vorbereitungen sind nötig." Ich wollte mein Ego loswerden und ablegen. Dann würde ich mit der Einheit des Seins verschmelzen - so meine Idee. All meine Bemühungen aber waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Wie konnte ich Wissen und Weisheiten erlangen? Wie konnte ich mehr über das Ego, aber auch über andere universelle Gesetzmäßigkeiten erfahren? Diese Frage begleitete mich für Tage. Ich suchte keine Antworten in Büchern, sondern versuchte meinen Geist so groß werden zu lassen, dass er die Antwort finden würde. In mir steckte das Potenzial eines allwissenden Seins, somit musste es mir doch möglich sein, Antworten auf jegliche Fragen zu finden.
Siri-ji hatte mir einmal gesagt, dass ich wissen konnte, wie groß und schwer ein Felsen war, auch wenn nur ein kleiner Bruchteil davon aus der Erde schaute. Damals hatte ich sie ungläubig angeschaut, doch nachdem mir mehrfach Antworten gleichsam aus dem Nichts zuteil wurden, glaubte ich, dass mehr möglich war, als man gewöhnlich dachte. Vielleicht war es auch einfach ein Irrglaube, dass das Wissen in unseren Köpfen gespeichert war. Eventuell waren wir viel größer als unsere Körper und vielleicht gab es Informationen im Raum, die man nur wahrnehmen und richtig entschlüsseln musste. Meine bisherige Erfahrung lehrte mich, dass ich über Themengebiete scannte und irgendwie spürte, wenn ich der Antwort näher kam. Es war ein bisschen wie Topfschlagen. Man suchte etwas, hatte die Augen aber verbunden und klopfte mal rechts, mal links. Hierbei achtete man auf die Ausrufe der Mitspieler, die einem mit „kälter“ und „wärmer“ den Weg wiesen. Schließlich schlug man mit dem Rührlöffel auf einen umgedrehten Kochtopf und der Ton sagte jedem, dass man an seinem Ziel angekommen war. Innerlich suchte ich in ähnlicher Form. Irgendetwas schien den Weg zu erspüren, das Kalte und Warme wahrzunehmen.
Vor Jahren hatte mir jemand von morphogenetischen Feldern erzählt und ich hatte diese Information als Spinnerei abgetan. Doch nun gewann dieser Ansatz für mich wieder an Aktualität. Das Konzept geht davon aus, dass eine Form von Energie alle Informationen, die es im Universum gibt, speichert. Somit können diese Informationen jederzeit abgerufen werden. Einzige Voraussetzung ist, sich auf das richtige Decodierungssystem einzustellen. Ich suchte also den richtigen Sender zu meiner Frage. Oft rauschte es durchgehend fürchterlich, doch schließlich empfing ich etwas. Wie akkurat ich die Antworten übersetzte, war wieder eine andere Sache, denn schließlich färbte meine Persönlichkeit alles ein. Doch ich vertraute an jenem Punkt meiner eigenen Einschätzung. Die Antworten, die ich innerlich oder im Raum des Universums erscannt hatte, brannten sich für immer in mein Sein. In den Worten meines Tagebuchs:
„Nur wenn ich mir erlaube, eine wissende Person zu sein, werde ich Wissen empfangen. Solange ich denke, dass ich ein Lernender bin, der nichts weiß und vor sich hin trottet, kann kein Wissen entstehen. Es ist ein einfaches, bescheidenes und demütiges Wissen, ein Eintauchen in die allwissenden Informationen zum Wohle aller. Aber solange ich in Oben (Lehrer) und Unten (Schüler) denke, solange ist kein „demütiges Wissen" möglich. Dieser Zugang zum Wissen macht uns alle gleich, jeder nutzt sein Potenzial, so gut er kann. Weiter noch: Solange ich feste Ansichten und Meinungen über etwas habe, wird mir kein Wissen in diesem Bereich zuteil, das heißt, solange ich die Vorstellung von einem „ICH" habe, gibt es kein Wissen in diesem Bereich. Wow - das ist eine tiefe Erkenntnis. Also mit Nichtwissen in unserem Verständnis entsteht Wissen. Solange ich eine Ansicht vertrete, kann kein frisches Wissen entstehen." Ich versuchte Ansichten loszulassen und dem Innen sowie dem Außen offen und vertrauend zu begegnen. Ich stellte mir vor, dass mein Geist dem eines Babys glich, so neu, frei und interessiert, ohne vorgefertigte Ideen.
Bald schon spürte ich die Auseinandersetzung mit dem Tod. Ich wollte mit der Vergänglichkeit in Kontakt treten und verbrachte viele Meditationsstunden auf der einzelnen Matte vor einem menschlichen Skeletts im Gehmeditationsraum. Immer wieder stellte ich mir vor, wie sich von meinem Körper die Haut abschälte, so dass nur noch das Fleisch sichtbar wäre. Auch versuchte ich mir auszumalen, wie dieses verrottete und wie Würmer es fressen würden, wenn ich einmal tot war. Ich entfernte gedanklich alle Adern, Muskeln, Sehnen und Organe bis ich mir gedanklich als Skelett gegenübersaß. Die Knochen würden am längsten von mir sichtbar sein. Aber waren diese dann ich? Wer oder was war ich und was machte mich aus? Ich erhoffte mir von dieser Übung in meinem Sein erschüttert zu werden. Es war ein Versuch, so weit zu gehen, dass innerlich etwas passierte. Wie Ramana Maharshi wollte ich so in das universelle Sein fallen. Anscheinend funktionierte dies bei anderen. Ich aber wartete vergebens. So sehr ich mir auch wünschte, vom Tod berührt zu werden, es erschütterte mich nicht. Entweder öffnete sich mein Herz der Vergänglichkeit nicht oder ich hielt das Thema eher im Kopf als im Bauch und somit etwas weiter von mir entfernt. Möglich war auch, dass ich durch die Erzählungen meiner Eltern über Krankheiten - meine Mutter war Krankenschwester - oder Leichen - mein Vater war Kriminalbeamter - zu sehr abgestumpft war. Konnte das sein? Ich wusste einfach nicht, wie ich dem Tod und der damit verbundenen Vergänglichkeit näherkommen sollte. Denn würde ich dies bis ins Mark erkennen, würde mir in jeder Zelle bewusst werden, dass nichts Beständigkeit hätte. Ich verstand das natürlich kognitiv, emotional fehlten mir tiefgreifende So gab ich auf. Die Auseinandersetzung mit dem Tod war anscheinend momentan nicht aktuell.
Ich bemerkte in Meditation House eine stärkere Autonomie in meiner inneren Suche. So konnte ich weder Bücher lesen, noch viel aus den Reden der Lehrer ziehen. Alles fühlte sich nach erlerntem Wissen an. Ich aber wollte die universellen Wahrheiten selbst entdecken, alles wissen und erfahren, doch dies sollte vom tiefsten Punkt meines Herzens und Seins geschehen. So beschloss ich, während des kommenden Novemberretreats keine Vorträge zu besuchen. Ich kann es nicht als Zufall ansehen, dass mich kurz darauf ein Koordinator fragte, ob ich die Vorträge der Lehrer während des Schweigeseminars aufzeichnen würde, ich würde in diesem Fall vorn auf dem Podest mit den Lehrern sitzen und die Technik bedienen. Mit dieser Aufgabe konnte ich nicht einen einzigen der Vorträge auslassen. Noch ehe ich nachdenken konnte, sagte ich dem Koordinator zu.
Schon öfter hatte ich mittlerweile erlebt, dass das Außen entweder meine inneren Entscheidungen unterstützte oder aber etwas passierte, so dass diese nicht umgesetzt werden konnten. Scheinbar hielt mich eine unbekannte, unsichtbare Kraft auf dem Weg meiner inneren Reise.
Immer wieder hatte ich den Satz „Go with the flow!" - Gehe mit dem Fluss! - gehört. Ich versuchte mich danach zu richten und Ereignisse oder Möglichkeiten, die scheinbar nicht ohne Grund vor meine Füße purzelten, anzunehmen und trotz innerer Ängste zu umarmen.
Das Novemberseminar in Meditation House ist etwas ganz Besonderes. Zum einen bleiben fast alle Meditierenden für vier Wochen, weshalb man als Gruppe in tiefere Bewusstseinsschichten und andere innere Erlebenswahrheiten vordringt. Dies mag auch daran liegen, dass sich zu diesem Retreat nur Meditierende anmelden können, die schon Erfahrung in der Meditation gesammelt haben. Zum anderen bekommt jeder ein Einzelzimmer und die Anzahl der Meditierenden ist somit sehr begrenzt. Ich zog in ein Doppelzimmer mit wunderschönem Blick auf die zwei großen Eichen vor dem Gebäude. Ich wuchtete eine der schweren Matratzen an die Seite des Raumes und baute mir das zweite Bett im Zimmer zur Meditationsplattform um. Es lag direkt vor dem Fenster und so konnte ich dort sitzen und auf die riesigen Bäume schauen. Einige Meditierende kannte ich bereits, sie schienen jedes Jahr zu kommen. Ein schönes Ritual, wie ich fand. Ich suchte mir einen Platz in der Meditationshalle. Dies tat ich nach meinem Bauchgefühl. Interessanterweise wollte ich diesmal recht weit vorne sitzen und legte mein Tuch auf ein Sitzkissen in der zweiten Reihe. Lächelnd dachte ich an mein erstes Retreat, bei welchem ich einen Platz weit hinten in der Nähe der Tür gewählt hatte. Ja, es hatte sich einiges verändert in den letzten Jahren. Ich freute mich auf den kommenden Monat ohne jegliche Verantwortung.
Da ich schon in der Stille angekommen war, ließen Erkenntnisse nicht lange auf sich warten. Bereits am dritten Tag schrieb ich in m...

Inhaltsverzeichnis

  1. Widmung
  2. Hinweise
  3. Inhaltsverzeichnis
  4. Vorwort
  5. Die Reise beginnt
  6. Das erste Schweigeseminar
  7. Buddhistische Mönche ums Eck
  8. Retreat in Deutschland
  9. Schweigen, Schweigen, Schweigen
  10. Am heiligsten Ort der Hindus
  11. Die spirituelle Seite von Rishikesh
  12. Radikale Wünsche
  13. Schicht um Schicht zur Mitte
  14. Familiäre Unterstützung
  15. Zeit der Stille
  16. Mama-Ji im Schlepptau
  17. Regale voller Bücher
  18. Schweigen mit der Sonne
  19. Im Exil des Dalai Lama
  20. Das Gute wiederholen
  21. Wo die Liebe hinfällt
  22. Meditation: Lehrer und Phasen
  23. Indien ruft
  24. Strenge Regeln, klare Strukturen
  25. Tiefe Erkenntnisse in England
  26. Am anderen Ende der Welt
  27. Meine kleine Familie
  28. Heute
  29. Unsere Erde, die mir am Herzen liegt
  30. Epilog
  31. Vier Jahre später
  32. Meine Herzensträume:
  33. Fotos
  34. Der Weg ist das ziel
  35. Anna Berg
  36. Impressum