Weite und Zuversicht
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Weite und Zuversicht

Leben leben im Bewusstsein der Vergänglichkeit

  1. 118 Seiten
  2. German
  3. ePUB (handyfreundlich)
  4. Über iOS und Android verfügbar
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Weite und Zuversicht

Leben leben im Bewusstsein der Vergänglichkeit

Über dieses Buch

Lesendes Schauen - betrachtendes VerweilenDies ist eine Einladung, sich dem Leben auf eine Art und Weise zuzuwenden, die sich bewusst mit der Perspektive der Vergänglichkeit auseinandersetzt. Weite und Zuversicht als innerer Anker, Trauer als ein allgegenwärtiges Lebensthema, die Bedeutung von Spiritualität im Zusammenhang mit der Sinnfrage sind einige Aspekte, die zur Sprache kommen. Um den individuellen wie gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen, braucht es aber auch ein Heraustreten aus dem allein Rationalen, ein übergängliches Denken und es braucht dazu eine neue Form der Kommunikation, die auf Achtsamkeit, Dialogfähigkeit und einer Form vertieften Zuhörens basiert.

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1. Leben ist Wandel –
Leben ist Vergänglichkeit
Gedankenassoziationen zum Umgang mit
Sterben und Tod

Einordnung
Die folgenden Gedanken dienten der Einstimmung in das Thema zu Beginn eines Befähigungskurses für ehrenamtliche Mitarbeit in der Sterbebegleitung. Sie sollten zum einen den Blick auf das Leben als Ganzes öffnen, auf den Prozess von Geburt – Wachsen/Entwickeln/Reife – Sterben und Tod. Zum anderen sollten sie der angstbesetzten Fixierung begegnen, die das „unausweichliche Ende“ und die Konfrontation mit Vergänglichkeit in den meisten Menschen hervorruft.
Dieser andere Blick auf das Leben – seine Einbettung in einen natürlichen Kreislauf von Kommen – Dasein – Vergehen – kann etwas Tröstliches im eigenen Empfinden aufscheinen lassen und den Mut stärken, sich auf die Vergänglichkeit des Daseins einzulassen.
Leben ist Wandel
fortwährende Entwicklung,
im Inneren wie im Äußeren,
dauerhafte Chance zu wachsen, sich zu ändern.
Leben ist Bewegung und Begegnung.
Leben ist Lebendigkeit sich einlassen, sich loslassen...
Leben ist eine ständige Begegnung mit dem Wechsel von Gestern - Heute - Morgen, mit einem Zeitgefühl von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Leben ist die ständige Begegnung mit dem Wechsel von Rhythmen, von Kommen und Gehen und Wiederkehren: Tageszeiten, Jahreszeiten, Sonne-Mond,…
Leben bzw. das, was wir als solches definiert haben, beginnt mit der Geburt und wechselt über verschiedene Lebensphasen hin zum Sterben und Tod.
Leben als Gattungswesen Mensch braucht Begegnungen mit anderen als Existenzgrundlage, ohne die keine menschliche Entwicklung möglich wäre. Auch hier ein Wechselspiel von engen und nahen Beziehungen sowie von flüchtigen Bekanntschaften.
Leben in allen seinen Bezügen lebt von der Veränderung, von dem Neubeginn, vom Wachsen, vom Altern und schließlich vom Absterben. Veränderung bedeutet Abschied und Trennung und Übergang in eine neue Phase, Schmerz um Verlust und Aufbruch in vorher ungeahnte Möglichkeiten.
Überall begegnen wir dem Wechsel, um Wachstum und Entwicklung zu garantieren.
Leben ist Bewegung, mal in festen Formen, mal in gasförmigen Formen. Leben ist Energie, deren Ausmaß und Dimension sich zu zeigen wir noch nicht gänzlich mit unseren derzeitigen Wahrnehmungsfähigkeiten und unserem momentanen Geistesdenken erfassen können.
Wir erleben uns in diesem Prozess in unterschiedlichen „Rollen“ mit unterschiedlichen Einflussmöglichkeiten:
  • In der Rolle von Subjekten: unser Leben gestaltend, Einstellungen, Haltungen, Handlungsfähigkeiten entwickelnd, aus einem eigenen Willen und Wollen handelnd, ein autonomes Ich sein
  • in der Rolle von Objekten: unseren Einflussmöglichkeiten sind enge Grenzen gesetzt bis hin zu keinerlei Einflussmöglichkeiten, weil wir u.a. umfassenderen Existenzgesetzen unterworfen sind: Geburt, Leben, Sterben oder Jahreszeiten oder Mond-Zyklen
  • in der Rolle von aktiven Objekten, die sich einpassen müssen in die „Gesetze“ des maschinellen und digitalen Zeitalters, sich in ihnen aber auch als handlungs- und einflussfähig erleben.
Eingebunden in diese „Rollen“, die wir uns als Menschen im Zeitalter der Moderne selbst zugewiesen haben, empfinden wir uns als mehr oder weniger sinnstiftend (wieder).
Unsere kulturbedingte Haltung bedingt allerdings eine gravierende Schwierigkeit, wenn wir uns bewusst werden Teil eines größeren Ganzen zu sein und darin unseren Platz und unsere Einflussmöglichkeiten zu finden. Hier macht sich Widerstand, Ablehnung bis hin zur Leugnung breit.
Wir als Krone der Schöpfung können es nicht ertragen, nicht HERRscher über das Leben an sich zu sein und wir kämpfen gegen das, was ist, statt uns einzulassen und im Darin-Leben Ruhe und Aufgehobenheit zu finden.
Unsere Lebenshaltungen sind so stark von den Denkweisen westlicher Kulturen geprägt, dass wir unser Bewusstsein, Teil eines Ganzen zu sein, übergeordneten Kreisläufen unterworfen zu sein, nur schwer als lebensbestimmend wahrnehmen können.
Wir sind seit der Aufklärung mit einer Denkweise verwachsen, die sich v.a. charakterisiert durch folgende drei Prinzipien:
  • Androzentrismus - der Mensch steht im Mittelpunkt des Lebens - eine ähnliche Fehldeutung wie die Annahme unserer Vorfahren, dass sich die Sonne um die Erde dreht
  • Hierarchie und Bewertungsordnungen von Besser/Schlechter, Erste/Letzte, Höher-/ Minderwertige
  • Dualismus: wir denken in Entweder-Oder-Kategorien, in Wenn-Dann-Beziehungen, kategorisieren in Widersprüche statt Ergänzungen und legen alles auf einer linearen Skala mit sich ausschließenden Polen fest. (Gesundheit - Krankheit, Mann - Frau, weiß -schwarz, Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod, vorher und nachher ist nicht im Blickfeld).
Hieraus resultieren Strukturen wie Individuen, die Abgrenzung, Intoleranz, Egoismus zur Ausbildung und zur Stabilisierung einer Ich-Identität brauchen.2
Anders ausgedrückt: Unsere westliche Kultur hat sich in einer Sichtweise des Getrennt-Seins „verirrt“. Wir machen uns ein Konzept von Leben, eine NORMalität. Wir bewegen uns oftmals durch das Leben als wäre es ein Event: Das Leben gilt als das Ereignis von Bedeutung, was uns ausmacht. Es soll Erlebnis, Besonderheiten, Außergewöhnliches bringen.
Manche Sterbende hadern mit dem Tod, weil sie meinen, doch noch gar nicht richtig gelebt zu haben oder genug vom Leben bekommen zu haben. Manche hadern mit dem Leben, dass es ihnen nicht genug Gutes bringt, dass sie auf der Schattenseite des Lebens stehen usw.
Als sei das Leben ein Geschäft, wo jeder Mensch etwas einkaufen oder sich aussuchen oder sich nach Bedarf aneignen kann. Als sei das Leben einem etwas schuldig.
Das Leben ist nicht(s) außerhalb von uns.
Das Leben spielt sich nicht getrennt von uns ab und schon gar nicht wird irgendetwas nach Gutdünken von irgendwoher verteilt wie gute Lebenschancen, schlechte Erfahrungen, zu kurze Lebensdauer, ungerechte Krankheiten, usw.
WIR leben! Das Leben ist jede und jeder von uns, für sich und in seinen Beziehungen zu anderen.
Leben ist also beständiger Wandel und Veränderung und Leben ist Vergänglichkeit. Was verbindet diese drei?
Unter dem Wandel und der Veränderung liegt das Vergängliche, im Tod findet es seinen letzten Ausdruck.
Wandel und Veränderung haben mit Abschied nehmen, loslassen und sich trennen zu tun. Damit Neues entstehen kann, muss manches Liebgewonnene/Gewohnte aufgegeben werden. Wir kennen diese Situation alle. Wir kennen das Älter-Werden, spüren es im Körper, beobachten seine Veränderungen an der Haut/am Aussehen, an seiner Leistungsfähigkeit… an seiner Geformtheit… und v.a. wissen wir, dass sich etwas ändert.
Was den Tod von allen diesen Wandlungsprozessen unterscheidet, ist die endgültige Auflösung der Form: das Bewusstsein/unser „Ich“/unsere Lebenskraft/unsere Seele - der Ausdrücke sind viele - zieht sich aus dem Körper zurück und dieser verfällt in seinen „natürlichen“ Prozess der Auflösung.
Durch die Geburt kommen wir sozusagen „in die Form“/wir sind In-Form-ation, bauen diese zu unserer „Person“ auf. Wandlungs- und Veränderungsprozesse ändern an dieser Form nicht grundlegend etwas, die Geformtheiten spiegeln die Entwicklung wieder. Wir bleiben diese Person, so wie ein Baum im Winter „ruht“, ohne Blätter da steht, mal einen Ast verliert, seine ihm eingeborene Form z.B. der Aufrechten aber bleibt, um im nächsten Frühjahr wieder zu erblühen.
Im Sterben löst sich diese Form endgültig auf. Das ist ein unaufhaltsamer Prozess für jede/n, sein letztlicher Zeitpunkt ist ungewiss. Er wohnt dem Mensch-Sein inne und verbindet uns damit auch in diesem Gemeinsamen.
Vergänglichkeit macht es so möglich, Verbundenheit zu sehen: wir gehen alle denselben Weg.
So führt uns die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod zu den tiefsten Grundbedingungen von Leben, in denen wir alle gleich sind.
Aus der Ungewissheit des Endpunktes lässt sich eine weitere wichtige Erkenntnis ableiten:
Leben heißt JETZT sein, da sein in der Gegenwart, jetzt spielt sich das Leben ab. Gestern ist Erinnerung in Gedanken, Morgen ist Vision in Gedanken, beides besitzt nur über die Gedankenform so etwas wie Gegenwärtigkeit. Vergangenheitsbewältigung, Visionssuche sind Akte in der Gegenwart und damit auch immer Leben im JETZT, von diesem Standpunkt aus, in diesem Moment.
Bei den meisten von uns ist jedoch Realität, dass die Gegenwart überladen ist von den Emotionen und Urteilen der Vergangenheit und Zukunft. Wir sind befasst zu planen, Konzepte zu erdenken, uns Rollen anzueignen, wie wir sein und wirken wollen, zielstrebig zu sein, möglichst perfekt. Ein denkender und kontrollierender Geist hat die Überhand und konzeptioniert Leben.
Was über diese Art zu leben produziert wird, ist ein Mangelgefühl und die Unfähigkeit, im Jetzt da zu sein, unbelastet vom Gestern und Morgen wahrzunehmen und anzunehmen, was einem begegnet. Aus diesem Mangel speisen sich Gefühle wie Angst, Ohnmacht, Leugnung, die aus Vergangenheitsbezogenheit entstehen, oder dem Mangel wird begegnet mit dem Gefühl der Hoffnung, die zukunftsbezogen ausgerichtet ist.
Demgegenüber gibt es das Gefühl der Zuversicht als Haltung der Gegenwart - einer Haltung, die annimmt, was mir im Leben begegnet - und als Ergebnis daraus, aus Verantwortung für das Leben zu schaffen und zu gestalten. Zuversicht bietet so die Chance, dem Mangel entgegenzuwirken.
Zuversicht allerdings braucht als Basis Vertrauen, ein Vertrauen, dass ich es wert bin zu leben, dass es Sinn macht zu leben.3
Leben ist Lebendigkeit im Jetzt.
Nun ist es damit gerade im Westen nicht sehr weit her. Aufgrund von Leistungs- und Fortschrittswahn und beeinflusst von religiösen Dogmen wie der Schuldh...

Inhaltsverzeichnis

  1. Inhaltsverzeichnis
  2. Motto
  3. Einführung
  4. 1. Leben ist Wandel, Leben mit Vergänglichkeit
  5. 2. Sich neu ausrichten – grundlegende Haltungen
  6. 3. Essentielle Aspekte aus der Begleitung Sterbender
  7. 4. Trauer – ein Lebensthema für jeden Menschen
  8. 5. Übergängliches Denken
  9. Was noch bleibt – Dankbar leben
  10. Impressum