Das Corona Beben
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Das Corona Beben

Hintergründe und Folgen einer ungewöhnlichen Wirtschaftskrise

  1. 144 Seiten
  2. German
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Das Corona Beben

Hintergründe und Folgen einer ungewöhnlichen Wirtschaftskrise

Über dieses Buch

Die Corona-Krise ist nicht nur die größte Wirtschaftskrise seit dem zweiten Weltkrieg, sondern unterscheidet sich auch in vielen Aspekten von den anderen Wirtschafts- und Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte. Sie hat andere Ursachen, einen anderen Verlauf, andere Einflussgrößen und andere Folgen als die Krisen, mit denen wir es bisher zu tun hatten.Dieses Buch beschäftigt sich im Schwerpunkt mit den Besonderheiten dieser einzigartigen Krise und deren ökonomischen Auswirkungen. Im Fokus stehen dabei unter anderem die psychologischen Effekte, die den Verlauf der Corona-Krise wesentlich bestimmt haben und noch bestimmen werden, sowie die komplexen Wirkungsgeflechte der unterschiedlichen Einflussgrößen und die wirtschaftspolitischen Möglichkeiten, um auf diese Krise zu reagieren.

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Information

Anatomie eines Niedergangs

Eine Krise zeichnet sich ab

Wenn man Wirtschaftskrisen analysieren will, macht man das gewöhnlich entlang einer Reihe von Fragen, mit denen man herauszufinden versucht, was die Ursachen für eine Krise waren, wie sie verlaufen ist oder welche Folgen sich daraus ergeben werden.
Bei der gegenwärtigen Krise scheint ein Teil der Antworten auf diese Fragen auf der Hand zu liegen. Ein anderer Teil der Fragen ist aber auch bei dieser Krise recht schwierig zu beantworten und wird sicher noch einige Jahre nach der Pandemie für Diskussionsstoff sorgen.
Am einfachsten ist bei der aktuellen Krise die Frage nach der Ursache zu beantworten. Banal gesprochen könnte man dazu sagen, dass der Erreger einer Lungenkrankheit die Krise ausgelöst hat. Das hilft aber nicht viel weiter, da Erreger und Krankheitsverläufe keine ökonomischen Größen sind und es auch nicht die direkten Folgen der Epidemie waren, die zu einer der größten Wirtschaftskrisen der jüngsten Geschichte geführt haben. Schließlich ist die Wirtschaft in Deutschland, Italien oder Frankreich nicht zusammengebrochen, weil so viele Menschen erkrankt und dadurch als Arbeitnehmer oder Konsumenten ausgefallen sind, sondern wegen der Maßnahmen, die von den Regierungen im März, April und Mai 2020 getroffen wurden, um die Ausbreitung der Pandemie zu verlangsamen und schließlich einzudämmen. Was zumindest in Europa bisher auch recht gut gelungen ist. Und das selbst vor dem Hintergrund der zurzeit erhöhten Infektionszahlen.
Allerdings waren diese Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie nicht der absolute Startpunkt dieser Wirtschaftskrise, sondern bereits der zweite Akt. Der eigentliche Beginn der Krise war schon vorher. Denn die ersten Schwierigkeiten ergaben sich bereits durch die Ereignisse in Asien, wo die dortigen Regierungen ganze Gebiete unter Quarantäne stellten, Häfen schlossen und Fabriken still legten. Was schon im Januar und Februar 2020 erste Lieferketten unterbrochen hat.
Hätte man in Asien diese Maßnahmen regional immer mehr ausgeweitet und hätte diese Situation länger gedauert, hätte allein das schon ausgereicht, um in Europa und in den USA zu ernsthaften wirtschaftlichen Problemen zu führen. Probleme in einer Dimension, die schnell die Größenordnung einer leichten konjunkturellen Delle überstiegen hätten und schnell zu einer ausgewachsenen Wirtschaftskrise geführt hätten. Denn ein Europa, das über Monate massiv vom Güter- und Warenaustausch mit Asien abgeschnitten ist, hätte nicht nur einige kleinere Probleme, sondern würde sich schnell dem ökonomischen Abgrund nähern. Just-in-time Fertigung ohne eigene Lagerhaltung und die weltweite Vernetzung der Güter- und Warenproduktion haben dazu geführt, dass das wirtschaftliche Gesamtsystem selbst auf kleinere Störungen enorm empfindlich reagiert. Schon der Ausfall einiger Fabriken in China, Taiwan oder Indien kann schnell dazu führen, dass ganze Produktionsstraßen in Mülhausen, Ingolstadt oder Martorell stillstehen. Der Grundsatz, dass jede Kette nur so stark ist, wie ihr schwächstes Glied, gilt auch hier uneingeschränkt.
Also selbst, wenn das Virus sich in seiner Ausbreitung auf China und Asien beschränkt hätte, wäre Europa wirtschaftlich davon erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Das war nur eine Frage der Größe, der in Asien betroffenen Gebiete und der Dauer der dortigen Maßnahmen zur Eindämmung des Erregers.
Aber so weit kam es erst gar nicht. Bevor sich die Schließungen von Transportwegen und Produktionsstädten in Asien auf die Wirtschaftsprozesse in Europa und den USA so stark auswirken konnten, dass man auch hier von einer Wirtschaftskrise hätte sprechen können, erreichte das Virus selbst bereits die westlichen Industrieländer. Das zwang die Regierungen zunächst in Europa, dann auch in den USA, ebenfalls dazu, Maßnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des Virus im eignen Land einzudämmen. Was sich sehr schnell in Ausgangsbeschränkungen, Kontaktverboten und der Schließung von Restaurants, Geschäften und Fabriken manifestierte. Dabei griffen die Regierungen der industriellen Kernländer Europas so stark in das Wirtschaftsgesehen ihrer Länder ein, dass dieses in vielen Branchen zum Erliegen kam oder zumindest stark eingeschränkt war.
Ob es dazu eine Alternative gegeben hätte, werden die Historiker und Virologen erst in einigen Jahren sicher wissen. Weisheit im Rückblick nutzt aber wenig, wenn man im Hier und Jetzt entscheiden muss. Und aus damaliger und heutiger Sicht, gab es jedenfalls gute Gründe, in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben so massiv einzugreifen, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein früheres Handeln, z.B. in dem man schon im Februar Großveranstaltungen abgesagt, Wahlen verschoben und Einreisen aus bestimmten Ländern untersagt hätte, angeraten gewesen wäre. Unter Umständen wären dadurch die späteren Maßnahmen weniger restriktiv und kürzer ausgefallen.
Für die gegenwärtige Krise ist es aber müßig darüber nachzudenken, ob man 2020 rechtzeitig oder zu spät gehandelt hat. Hier sind die Entscheidungen gefallen und beginnen langsam Geschichte zu werden. Allerdings wird die Corona-Pandemie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht die letzte Epidemie sein, die uns im 21. Jahrhundert heimsuchen wird. Und einen ökonomischen Shutdown, wie wir ihn gerade erlebt haben, können wir uns nicht alle paar Jahre leisten. Insofern ist es also durchaus sinnvoll, darüber nachzudenken, wie ein Krisenmanagement in derartigen Fällen optimiert werden könnte und wie man eine Epidemie am besten bekämpft.
Aber viel wichtiger, als die Frage, was uns frühere Maßnahmen zur Epidemiebekämpfung gebracht hätten, ist jetzt die Frage, wie lange man einen Shutdown aufrechterhalten darf und wie früh man ins Risiko gehen und die Beschränkungen der Wirtschaft wieder aufheben muss. Das ergibt sich schon daraus, dass die meisten Unternehmen einen Shutdown mit dem damit verbundenen Verdienstausfall über drei bis vier Wochen gut aushalten können, aber danach die Liquiditätsdecke schnell dünner wird. Als Konsequenz steigt dann die Wahrscheinlichkeit von Entlassungen und Insolvenzen jeden Tag. Überschreitet die Anzahl von Insolvenzen aber eine gewisse Schwelle, setzt ein selbstverstärkender Effekt ein, der eine Volkswirtschaft schnell in den Abgrund reißen kann.
In einer solchen Abwärtsspirale bringt jede Insolvenz auch Zulieferer und Vermieter in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die zu weiteren Insolvenzen führen können. Außerdem verringert jede Insolvenz das Einkommen der betroffenen Beschäftigten und somit auch die Kaufkraft und die Nachfrage, was wiederum andere Anbieter und Händler in Schieflage bringt. Hinzu kommt, dass Insolvenzen auch regelmäßig zu Kreditausfällen führen und so auch die Banken ab einer bestimmten Größenordnung der Insolvenzwelle in Schwierigkeiten geraten können. Das alles in Verbindung mit der nachlassenden Nachfrage aus anderen Ländern, die in so einer Situation von ähnlichen Maßnahmen betroffen sind, und mit den negativen Wirkungen der Unterbrechung von Lieferketten, kann schnell zu einem ökonomisch tödlichen Giftcocktail werden, wenn restriktive Maßnahmen der Epidemiebekämpfung zu lange aufrecht erhalten werden. Andererseits kann ein zu frühes Lockern von Hygiene- und Abstandsregeln zu einem Wiederaufleben der Epidemie führen und dann zu weiteren Maßnahmen oder einem neuen Shutdown zwingen. Was sicher der schlechteste aller Fälle wäre.
Die besondere Problematik, wie lange die Maßnahmen eines Shutdowns aus Gründen der Seuchenbekämpfung aufrecht erhalten und wie schnell sie aus ökonomischen Gründen wieder gelockert werden müssen, ist hier die zentrale gesundheits-, gesellschafts- und wirtschaftspolitische Frage. Eine Frage, die genauso schwerwiegend, wie schwierig zu beantworten ist.
An diesem Dilemma ändert auch nichts, dass man in vielen Ländern sehr schnell staatliche Hilfsmaßnahmen aufgelegt hat, um Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren oder die Kaufkraft der Konsumenten zu erhalten. Denn auch diese Maßnahmen können nur einen Teil der Schäden abfedern und werden immer teurer, je länger die Krise dauert. Sie kosten Geld, das der Staat eigentlich nicht hat und das uns in Zukunft noch viele Sorgen bereiten kann.

Ökonomische Schockwellen

Wirtschaftskrisen werden in der Theorie häufig auf sogenannte Schocks zurückgeführt. Im Allgemeinen versteht man unter so einem Schock eine von außen kommende (exogene), unerwartete, starke und schnelle Veränderung von ökonomischen Größen, die zu einer erheblichen Störung des Wirtschaftsprozesses führt. Theoretisch könnte es sich bei so einem schockauslösenden Faktor um jede wirtschaftliche Größe, wie die Geldmenge, den Zinssatz oder die Nachfrage handeln. Üblicherweise verwendet man den Begriff des Schocks in den Wirtschaftswissenschaften aber meistens nur im Zusammenhang mit den beiden ökonomischen Größen Angebot und Nachfrage.
Folglich spricht man von einem Angebotsschock, wenn sich das Angebot am Markt schnell ändert oder von einem Nachfrageschock, wenn sich die Nachfrage plötzlich verändert. Wobei man hier oft noch zwischen positiven und negativen Schocks unterscheidet. Bei einem positiven Schock erhöht sich das Angebot oder die Nachfrage sprunghaft, bei einem negativen Schock verringern sich die entsprechenden Größen. Ein positiver Nachfrageschock entsteht z.B. wenn die Zentralbanken die Geldmenge zu schnell und zu intensiv erhöhen, was zu Inflation und zur Bildung von Spekulationsblasen führen kann. Ein negativer Nachfrageschock entsteht, wenn die Kaufkraft überraschend einbricht und dadurch die Nachfrage merklich und schnell abnimmt.
Mathematisch kann man das durch eine Verschiebung der Kurven der Angebots- und Nachfragefunktion darstellen, die dann jeweils ein neues Marktgleichgewicht (Schnittpunkt beider Kurven) bilden.
Diagramm eines negativen Angebotsschocks
Aber das ist mehr von theoretischem Interesse und nicht so sehr von praktischer Relevanz. Für die Beurteilung einer Krise ist es viel interessanter zu untersuchen, wie diese Schockwellen in der realen Welt entstehen, wie sie sich entwickeln, wen sie betreffen und wie sie sich auswirken.
Die meisten der jüngsten Wirtschaftskrisen wurden durch einen Nachfrageschock ausgelöst. Wenn z.B. beim Platzen einer Spekulationsblase die Aktienkurse ins Bodenlose fallen, vernichtet das Vermögen und Einkommen. Das führt dann sowohl bei den Konsum-, als auch bei den Anlagegütern zu einer plötzlichen und sprunghaften Abnahme der aggregierten Nachfrage und einem Sinken der Preise. Als Folge davon verkaufen Anbieter trotz gesunkener Preise weniger Güter und Dienstleistungen, schränken die Produktion ein und verringern die Beschäftigung, was wiederum die Kaufkraft und damit auch die Nachfrage verringert. Passiert dies flächendeckend, bewegt sich die ganze Volkswirtschaft schnell in Richtung Deflation oder Rezession.
Vor einigen Jahrhunderten, als die Geld- und Bankwirtschaft noch eine geringere Rolle spielte, wurden die typischen Wirtschaftskrisen beinahe immer von sogenannten negativen Angebotsschocks ausgelöst. Diese ergaben sich in früheren Zeiten vor allem daraus, dass sich das Angebot an Gütern in Folge von Missernten, Naturkatastrophen, Seuchen oder Kriegen deutlich reduzierte. Dadurch wurden diese Güter knapp und verteuerten sich entsprechend. Folglich wurden sie für viele Menschen unerschwinglich und die Situation wurde für die breite Bevölkerung zur echten Versorgungskrise.
Die letzte bedeutende Krise in Folge eines negativen Angebotsschocks war die Ölkrise in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Genau genommen die erste Ölkrise 1973, die allgemein als gravierender eingeschätzt wird, als die folgende Ölkrise 78/80. Bei dieser ersten Ölkrise wurde das Angebot an Rohöl von den OPEC Staaten durch die Kürzung der Fördermenge bewusst reduziert, um auf die westlichen Staaten, die im Jom-Kippur-Krieg Israel unterstützen, Druck auszuüben.
Bei der hohen Preiselastizität des Ölmarktes reichte damals eine Förderkürzung von 5 % aus, um den Ölpreis zunächst zu verdoppeln und dann innerhalb eines Jahres zu vervierfachen. Das hat genügt, um in den westlichen Industrieländern massive Wirtschaftskrisen zu erzeugen.

Angebotsschock – einmal anders

Neben den unterbrochenen Lieferketten, waren es bei dieser Krise vor allem der Shutdown und die Auflagen für die betrieblichen Abläufe, die es vielen wirtschaftlichen Akteuren praktisch unmöglich machten, ihr Leistung zu erbringen oder sie zumindest in der Leistungserbringung stark einschränkte. Was faktisch einer plötzlichen und dramatischen Reduzierung des Angebots entspricht.
Gemäß der Theorie wirkt sich eine derartige sprunghafte Verringerung des Angebots (negativer Angebotsschocks) auf funktionierenden Märkten in erster Linie in einem massiven Preisanstieg der betroffenen Güter aus. So wie wir es bei der Ölkrise 1973/74 gesehen haben.
In der aktuellen Krise verlief aber alles anders. Da diesmal niemand sonst in der Lage war, die ausgefallene Leistung zu erbringen, und sie zum Teil auch gar nicht nachgefragt werden konnte, kam es zu keinen massiven Preissteigerungen, wie es die Theorie sonst vorsieht. Stattdessen kamen die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten, wie Produktion, Handel, Gastronomie oder Reisen einfach zum Erliegen. Weshalb man hier durchaus von einem Angebotsschock der besonderen Art sprechen kann oder von einem kombinierten Angebots- und Nachfrageschock. Etwas, was die reine Theorie sonst eher selten oder gar nicht thematisiert.
Im Übrigen haben wir es in dieser Krise auch nicht mit einem einzigen Schock zu tun, sondern mit einem recht komplexen Muster von verschieden Angebots- und Nachfrageschocks, die zum Teil aufeinander folgten, aber sich auch gegenseitig bedingt und überlappt haben.
Zunächst war da einmal der Angebotsschock, der sich aus der Unterbrechung oder Beeinträchtigung der Lieferketten ergab. So standen schon bevor irgendwelche Corona-Maßnahmen in Deutschland die Produktion einschränkten viele weiterverarbeitende Betriebe still oder konnten nur noch eingeschränkt produzieren, weil ihnen die Zulieferteile fehlten. Genau dies ist auch in anderen europäischen Ländern und in den USA passiert, als in Asien die ersten Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus getroffen wurden. Damit kam es zunächst einmal zu einer Verringerung des Angebots bei Zulieferteilen und Halbzeugen. Aber im Gegensatz zu den typischen Angebotsschocks konnte der Markt auf so eine Verringerung des Angebots hier nicht mit Preissteigerungen reagieren, weil der Markt für Zulieferteile nicht kurzfristig reagieren kann. Die Teile blieben einfach aus und waren für die weiteren Schritte in der Wertschöpfungskette vorerst nicht verfügbar. Das hätte sich auch nicht geändert, wenn man einen höheren Preis dafür geboten hätte. Die Teile gab es einfach nicht oder sie hingen in irgendeinem Hafen fest.
Trotzdem führten diese ersten Unterbrechungen der Lieferketten zwar zu Problemen in einigen Branchen oder Betrieben, aber nicht zu einer ernsthaften Wirtschaftskrise. Die Ökonomen rechneten daher am Beginn der Corona-Krise noch mit einer sogenannten V-Kurve der wirtschaftlichen Entwicklung. Also einem scharfen Einbruch mit direkt folgendem steilen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivitäten.
Der V-förmige Verlauf einer Krise
Das war zunächst auch gar nicht so abwegig, da sich in der Vergangenheit oft gezeigt hat, dass die Wirtschaft im Falle von Naturkatstrophen oder Epidemien oft sehr schnell und stark einbricht, sich aber danach auch wieder zügig erholt. Was als Graph dann eben wie das berühmte V aussieht. In der Regel fällt die Erholung nach so einem Absturz auch sehr kräftig aus, da unterlassener Konsum oder unterlassene Investitionen schnell nachgeholt werden. Außerdem fließt nach so einer Krise oft staatliches Geld, um den Wiederaufbau oder die Erholung der Wirtschaft zu unterstützen. Was sich ebenfalls intensivierend und beschleunigend auf die wirtschaftliche Erholung auswirkt.
Wäre alles so gekommen, wäre die Corona-Krise schon wieder so gut wie vergessen. Denn die Erfahrung hat zeigt, dass bei solchen kurzen V-förmigen Schwankungen der Wirtschaftsleistung, die Verluste im Jahresverlauf größtenteils oder sogar vollständig ausgeglichen werden können.
Allerdings war die Annahme, dass die Corona-Krise in dieses Schema passen würde, falsch. Noch im Februar 2020 wurden daher die wirklichen Auswirkungen dieser Krise selbst von führenden Wirtschaftswissenschaftlern völlig unterschätzt. Vielleicht sah man damals einfach zu viel auf die theoretischen Modelle oder man ließ sich zu sehr von den Erfahrungen mit kleineren Epidemien, die ziemlich schnell überwunden waren, leiten. Vielleicht hatte man aber auch einfach zu wenig Phantasie, um sich vorstellen zu können, welche Brisanz diese Pandemie noch entfalten wird.
Als das Virus dan...

Inhaltsverzeichnis

  1. Über den Autor
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. VORWORT
  4. Die Krise aus dem Nichts
  5. Anatomie eines Niedergangs
  6. Die Wirtschaft in der Krise
  7. Krisenmechanismen
  8. Globalisierung
  9. Die Zeit nach der Krise
  10. Szenarien
  11. Hilfen vom Staat
  12. Europa in der Krise
  13. Fazit
  14. Impressum