Das Hospital im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit
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Das Hospital im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

  1. 46 Seiten
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Das Hospital im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit

Über dieses Buch

Im 13. und 14. Jahrhundert kam es zur Gründung vieler Hospitäler, die als Vorläufer für die heutigen Krankenhäuser und Altersheime gelten. In diesem Buch werden die verschiedenen Funktionen dieser Hospitäler ebenso wie ihre Verwaltung und wirtschaftliche Bedeutung geschildert. Auch die Hospitalstatuten; die den Alltag in einem Hospital regelten, werden erläutert und das sogenannte Pfrundwesen, durch das sich reichere Bürger eine Versorgung in den Hospitälern kaufen konnten, wird thematisiert.

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Information

Jahr
2020
Auflage
1
eBook-ISBN:
9783752686425

1. Das Hospital und seine Funktionen

1.1. Die Aufgaben des mittelalterlichen

Spitals

Der Begriff „Hospital“ stammt ursprünglich von dem mittelalterlichen „hospitale“ und ist eigentlich eine Bezeichnung für jedes öffentliche Gasthaus. Im Mittelalter verstand man jedoch den Begriff „Hospital“, oder verkürzt auch „Spital“, bereits „als eine öffentliche gutthätige Anstalt, in welcher alte betagte, kranke oder verarmte Personen, oder Findelkinder und Waisen, oder auch reisende Personen, ihren Aufenthalt, Wartung und nothdürftigen Unterhalt haben.“1Ernährung, Seelsorge und, wenn auch weitaus weniger bedeutend als die ersten beiden Aspekte, medizinische Versorgung, waren die wichtigsten Leistungen, die in den Hospitälern erbracht wurden. Oft versorgten Hospitäler nicht nur die eigenen Insassen, sondern auch Hausarme in der Umgebung durch Naturalienspenden. Zum Beispiel versorgte das Bürgerhospital der Stadt Trier neben Pfründern und Findelkindern auch Hausarme.
„Die Hospitäler fungierten nicht nur als ’Verwahrungsorte’ der geschlossenen Armenfürsorge, sondern – vergleichbar den Klöstern – auch als Almosenausteilungsplätze. Neben Friedhöfen und Kirchen besaßen Spitäler in organisatorischer Hinsicht besondere Vorteile: Öffentlichkeit, Weiträumigkeit und überregionale Bekanntheit.“2
Neben ihrer Hauptaufgabe, Bedürftige zu versorgen, sicherten Spitäler zudem das Ansehen und Andenken ihrer Stifter.
Im 13. und 14. Jahrhundert existierte in ganz Europa ein dichtes Netzwerk aus Hospitälern. Das Spital wurde zu einer unverzichtbaren städtischen Einrichtung und zum Symbol für städtische Armenfürsorge, aber auch für Barmherzigkeit und für den Reichtum der Bürger. Wenn in einer Stadt beispielsweise kein Hospital existierte, so konnte dies einerseits darauf hinweisen, dass sich die Stadt aufgrund von wirtschaftlicher Schwäche nicht aus eigenen Mitteln ein Spital finanzieren konnte und auch die Bürger selbst nicht imstande waren, ein Hospital zu stiften, und andererseits, dass in der Stadt womöglich andere soziale Einrichtungen existierten, die die Errichtung eines Spitals nicht unbedingt erforderten.
In den meisten größeren Orten gab es im 14. Jahrhundert bereits sogar zwei Spitäler, wobei das eine innerhalb der Stadtmauern war und Arme und Kranke aufnahm, und das andere außerhalb der Mauern lag und nur Lepraerkrankte beherbergte. In den Ordensspitälern übernahmen die Mitglieder der Bruderschaft die Krankenpflege, während der Hospitalmeister, dessen Familie und diverse Pfleger diese Aufgabe in kommunalen Spitälern übernahmen. Trotz der stark ansteigenden Zahl an Hospitalgründungen in der Frühen Neuzeit hatten allerdings bei weitem nicht alle Armen und Kranken die Möglichkeit in einer Fürsorgeinstitution unterzukommen, denn die Zahl der aufgenommenen Personen wurde meist ziemlich gering gehalten. Während in den Reichstädten große Spitäler zwischen 80 und 100 Personen beherbergten, lebten in den Bürgerspitälern der Kleinstädte in der Regel lediglich zwischen sechs und zwölf Personen.

1.2. Arten von Spitälern

Man unterscheidet verschiedene Typen von Spitälern. Die meisten protestantischen Spitäler waren dem Hl. Geist geweiht, wurden deshalb als Hl. Geist Spitäler bezeichnet und stellten in erster Linie Fürsorgeeinrichtungen für Arme und Kranke dar. Diese Hl. Geist Spitäler wurden auch als Universalspitäler bezeichnet. Im 14. Jahrhundert entstanden auch die Bürgerspitäler, in denen reiche Bürger, wenn sie alt und gebrechlich waren, versorgt wurden. Andererseits gab es die sogenannten „Sondersiechenhäuser“ – Anstalten für Leprakranke oder auch für Pestkranke, was allerdings viel seltener der Fall war. Zwischen dem Bürgerspital und dem Sondersiechenhaus bildete sich eine gewisse Hierarchie heraus, da in dem einen angesehene Bürger und in dem anderen Kranke, am Rande der Gesellschaft lebende Menschen versorgt wurden. Im Mittelalter dienten Sondersiechenhäuser lediglich zur Isolierung der Kranken, um eine Ansteckungsgefahr zu vermeiden, in der Frühen Neuzeit jedoch kam zunehmend die Tendenz auf, kranke Personen dort zu behandeln und nach ihrer Genesung wieder zu entlassen.
Allein in Deutschland gab es mehr als 1000 Leprosenhäuser, die durch die Isolierung der Kranken vor den Stadtmauern dazu beitrugen, dass die Leprakrankheit im 14. und 15. Jahrhundert abnahm und im 16. Jahrhundert endgültig als Seuche verschwand.
In den Leprosorien herrschte grundlegend die Norm, dass Gesunde und Kranke nicht miteinander in Kontakt treten sollten. Die Speisen wurden in getrennten Räumen eingenommen und auch die Kleidung wurde nicht miteinander gewaschen. „Die gesunden Schwestern sollten mit den Kranken weder trinken noch essen noch Schlafgemächer teilen.“3
Ende des 15. Jahrhunderts brach in Europa durch das Einschleppen der Syphilis aus Amerika eine bis dahin unbekannte Krankheit aus, die als „Franzosenkrankheit“ oder auch als „Blatterkrankheit“ bezeichnet wurde. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden in mehreren deutschen Städten heilungsorientierte Hospitäler für Franzosenkranke errichtet, die im Unterschied zu den mittelalterlichen Leprosenhäusern nicht lediglich die Funktion erfüllen sollten, die Kranken von den Gesunden abzuschotten, sondern auch versuchten, durch einen Krankenhausaufenthalt der betroffenen Personen Heilung zu erzielen. Man kann diese Blatterhäuser also als Vorläufer der heutigen Krankenhäuser bezeichnen.
Ab dem 14. Jahrhundert wurden auch sogenannte Elendenherbergen gegründet, die armen Pilgern und Durchreisenden Unterschlupf und Verpflegung gewährleisten sollten. Elendenherbergen erfüllten grundsätzlich die Funktion, fremde Arme und Reisende von den Ortsangehörigen abzugrenzen und die eigenen Armen und Kranken, die zu einem sittlichen Leben angehalten wurden, vor Kontakt mit etwaigem Gesindel und Vaganten zu bewahren.
„Einzelne Elendenherbergen erließen genaue Bestimmungen zur Ausgrenzung unerwünschter Gäste, so etwa St. Gallen, das 1511 Kesselflickern, Landstreichern und Leuten mit Hunden die Aufnahme verweigerte.“4
Überdies gab es noch „Waisen-“ oder „Findelhäuser“, die sich entweder aus den mittelalterlichen Hospitälern oder im 16. Jahrhu...

Inhaltsverzeichnis

  1. Titelseite
  2. Inhaltsverzeichnis
  3. Einleitung
  4. 1. Das Hospital und seine Funktionen
  5. 2. Verbürgerlichung des Spitals
  6. 3. Das Leben im Spital
  7. Resümee
  8. Literaturverzeichnis
  9. Impressum

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