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- German
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eBook - ePub
Über dieses Buch
- Geschichte Bernaus in sieben Jahrhunderten - - Die erste Stadtbesiedlung - - Die Kalandsbrüder - - Die Hussiten - - Die Reformationszeit - - Der 30jährige Krieg - - Dem Zeitalter des alten Fritz - - Der Freiheitskriege -- Die Eisenbahn -- Die Marienkirche -- Die Stadtbefestigung -- Bernau als Bierstadt -- Eine Stadtführung -- und vieles mehr -- mit vielen Bildern und Darstellungen, sowie einem historischen Stadtplan -
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Information
Die Rüstkammer der Stadt Bernau
(Hussitenmuseum.)
Außer Bernau besitzen in Deutschland nur wenige Orte städtische Rüstkammern. Die Sammlung der Stadt Emden mit über 2000 Waffen ist die weitaus bedeutendste und von einzigartigem Werte. Reicht auch der Wehrbesitz Bernaus, nicht an diese umfangreiche Sammlung heran, so bietet die Bernauer Rüstkammer doch in der Geschlossenheit und Vollständigkeit eines bestimmten Ausschnittes mittelalterlicher Bewaffnung ein Bild, das weder von einem deutschen, noch von einem außerdeutschen Zeughause übertroffen wird. Dazu kommt, daß die Rüstungen an dem denkbar günstigen Platze Aufstellung gefunden haben, nämlich in den Räumen des altehrwürdigen Königstores, die einen durchaus passenden Rahmen für die schöne Sammlung bieten. Denn aus den Fenstern, die das starke Mauerwerk des Turmes durchbrechen, schaute ehemals scharfen Auges die Torwache auf die Landstraße hinaus.

a. Die Geschichte der Bernauer Rüstkammer.
Wohl die ersten gedruckten Nachrichten, über die Bestände der Bernauer Rüstkammer finden sich in den „Historischen politischgeographisch-statistisch- und militärischen Beiträgen“ aus dem Jahre 1781 von Fischbach. Es heißt dort: „Im Rathause kommt man auch zu einem Behältnisse, worin die den Hussiten abgenommenen Waffen liegen, von denen Herr Nicolai in seiner Beschreibung der Städte Berlin und Potsdam mit Recht wünschet, daß sie, als merkwürdige Altertümer, besser geordnet, vom Schmutze gereinigt und von dem unnützen Gerümpel abgesondert werden möchten. Wir haben von den Waffen folgendes Verzeichnis erhalten: 6 alte Kürasse, 30 Bruststücke, 5 ganze Kürasse, 16 Kragen zu Kürassen, 8 Sturmhauben, 3 Kettenpanzer, oder Panzerhemden, 5 alte eiserne Sättel, 3 Harnische für die Köpfe der Pferde, 16 Panzerhandschuhe.“ Dann werden noch einige Merkwürdigkeiten minderen Wertes aufgeführt. Leider ist zu dieser Zeit und noch viele Jahrzehnte später nichts geschehen, diese wertvollen Waffenstücke in ihrem Bestande vollständig zu erhalten und vor dem Verderben zu bewahren. Ja, manches Stück ist im Laufe der Jahre vom Magistrat verkauft worden; und wie vieles mag als „Andenken“ mitgenommen worden sein!
Auch verschenkt ist aus dem ansehnlichen Waffenvorrat manche Rüstung. So erhielt der Berliner Maler Franz Meyerheim eine der seltenen Halbrüstungen für seine Bemühungen um die Ordnung und Ausstellung dieser ehernen Zeugen der Bernauer Stadtgeschichte. In seinem berühmten Gemälde „Die Atelier-Ecke“ ist sie der Mittelpunkt des Bildes. Man mag die Schenkung bedauern. Wenn man aber beachtet, daß Meyerheim und seine Freunde, zu denen auch der bekannte Bildhauer Erdmann Encke gehörte, die Sammlung durch ihre durchaus sachverständige Behandlung, vor gänzlicher Vernichtung gerettet haben, dann ist der bezahlte Preis nicht zu hoch. Auch dem Prinzen Karl von Preußen, der einer der bedeutendsten Waffensammler seiner Zeit war, wurden zwei dieser Rüstungen geschenkweise überlassen. Diese Rüstungen bilden heute eine Zierde des Berliner Zeughauses.
Von ihnen schreibt Herr Prof. Post in dem aufschlußreichen „Amtlichen Führer des Zeughauses“ (Berlin 1929) Seite 49: „Die vollständigste Vorstellung von der durchschnittlichen Panzerung des gemeinen Fußmanns und Landknechts in maximilianischer Zeit gewähren die beiden schlichten Harnische links und rechts vom Roßharnisch, beide aus altem Besitz der Stadt Bernau bei Berlin, vermutlich dort um 1510, von der Bürgerwehr, der Stadtmiliz, getragen. Lehrreich ist besonders die primitive Armbeschienung mit Schlitzgeschübe, die sich aus Gründen der Sparsamkeit auf die im Kampf mit Spieß, Helmbarte und Armbrust vorgestreckte Linke beschränkt.“

Harnischbrust. 1510.
Auch dem Märkischen Museum wurden einige Sachen überwiesen. Aber schon bei dieser Gelegenheit erfährt der damalige Dezernent dieses Berliner Museums, der bekannte Geheimrat Friedel, einen abgelehnten Bescheid; auch scheuen sich die Bernauer verständlicherweise nicht, auch weiteren Wünschen des Zeughauses entgegenzutreten. Hatte doch der Major v. Ilsing, der Vorstand des Artillerie-Depots, wie das Zeughaus damals noch hieß, mit staunenswert sicherem Blick die Seltenheiten in unserer Sammlung erkannt. Noch immer befand sich die Sammlung des Rathausgebäudes in einem Raume, der Rüstkammer, oder Hussitenkammer genannt wurde, welche Namen beide in den amtlichen Schriftstücken vorkommen. Aus verschiedenen Gründen ist der erste Name zutreffender und dürfte auch in Zukunft die beste Bezeichnung des Sammlungsraumes sein. Im Jahre 1873 baten Altertumsfreunde, die Sammlung in den Räumen des Königstores zur Aufstellung bringen zu dürfen. An der Kostenfrage aber scheiterte die Übersiedlung, bis endlich 1881, also kurz vor der 450jährigen Feier des Hussitenfestes, die Räume im Königstore in durchaus geschmackvoller Weise instand gesetzt wurden und die Waffen dort Unterkunft fanden in zwar mehr malerischer als historischer Gruppierung, wie es eben dem Geschmack der damaligen Zeit entsprach. Bei unvoreingenommener Untersuchung der Gegenstände wäre man auch zu dem überraschenden Ergebnis gekommen, daß aus der Hussitenzeit fast nichts vorhanden ist. Mit Ausnahme der der Pfeile muß fast alles etwa einhundert Jahre später angesetzt werden, was aber durchaus keine Minderung der hohen Wertschätzung bedeutet. Mögen sich die damaligen Altertumsfreunde geirrt haben, oder war die Waffengeschichte noch von romantischem Nebel umhüllt, die Dankbarkeit gebietet doch, die Namen dieser für Bernau begeisterten Herren aufzuführen: Maler Franz Meyerheim, Bildhauer Erdmann Encke, Schriftsteller Dr. Jakobsen, sämtlich aus Berlin: dazu aus Bernau Apotheker Böhme und Kaufmann Borchert. Auch für die stilgerechte Ausmalung des mit einem gotischen Kreuzgewölbe abgeschlossenen Raumes, trug diese Kommission Sorge. Als die Begeisterung des großen Hussitenfestes im Jahre 1882 verrauscht war, wurde vom Magistrat verständigerweise der Beschluß gefaßt, den sogenannten Festausschuß, als Kuratorium der Rüstkammer weiter bestehen und walten zu lassen. Eine der ersten Taten dieses Ausschusses war, die prachtvollen, von dem bekannten Bildhauer Professor Lessing geschaffenen Hussitenköpfe, zu erwerben, die die Eisenbahnverwaltung als Schmuck für Obelisken auf dem Vorplatze des hiesigen Bahnhofs hatte anfertigen lassen. Die Köpfe, wozu auch der Kopf des opfermutigen Bernauer Schäfers gehörte, wurden der Stadt um ein Geringes überlassen. Noch heute zieren sie in Original und in Abgüssen unser Tor, innen und außen. Ein Wächter führte die Fremden gegen ein Eintrittsgeld durch das Museum. Besonders hoch war die Besucherziffer jedoch nicht. Im Laufe der Zeit waren die Berliner Mitglieder des Kuratoriums durch Tod ausgeschieden, und seit dem Jahre 1897 betreute Herr Kantor Schelck die Sammlung. Seinem unausgesetzten Wirken ist es zu verdanken, daß die Geschlossenheit dieser einzigartigen Sammlung bewahrt blieb und sachgemäß behandelt wurde; und um manches wertvolle Stück wurde sie auch vermehrt, namentlich aus den Kreisen der Innungen und Gewerke unserer Stadt.
Einige von den, durch den hiesigen Photographen Teichmann hergestellte Ansichtspostkarten, kamen durch Zufall in die Hände von Waffensammlern, die auf Grund dieser Bilder im Jahre 1925 nach Bernau kamen, um die Gegenstände selbst in Augenschein zu nehmen. Herr Geschichtsmaler Prof. G. Adolf Gloß aus Berlin war der verdienstvolle Anreger dieser Ereignisreichen Studienfahrt gewesen. Die Herren vom Verein für historische Waffenkunde erkannten, daß sie es hier mit einem ganz bedeutenden Funde zu tun hatten, der allerdings einer geordneteren Ausstellung und gründlichen Reinigung bedürfte; dann aber würde er für die junge Waffenwissenschaft ein außerordentlich wertvolles Studienmaterial darstellen, wie es kaum eine andere deutsche Stadt besitzen dürfte. Die einsichtige Zeughausverwaltung schloß sich diesem Urteile an, und nach kurzen Verhandlungen mit dem Magistrat der Stadt Bernau wurden die Bestände einer eingehenden Durchsicht in der Zeughauswerkstatt unterzogen. Herr Waffenmeister Rohde übernahm die notwendigen Arbeiten, und unter seiner erfahrenen Leitung wurden die Waffen gereinigt, neu beledert, sachgemäß zusammengefügt. Alter und Herkunft wurden genau bestimmt. Blieb auch von der ehemaligen Tradition – alles stamme aus der Hussitenzeit – nicht viel übrig, so wurde ein ganz neues Ergebnis gewonnen, nämlich daß in unserer Rüstkammer die Bewaffnung des mittelalterlichen Fußsoldaten in so einzigartiger Weise und solcher Vollständigkeit erhalten ist, wie nirgends sonst! Mit dem Zeughaus wurden einige der doppelt und mehrfach vorhandenen Stücke ausgetauscht gegen eine ganze Sammlung von Partisanen und anderen wertvollen Waffen. Außerdem wurde der Stadt Bernau eine Reihe von Gewehren gestiftet, die die Entwicklung der Schießwaffe vom Beginn des Soldatengewehrs, bis zum Ende des Weltkrieges fast lückenlos zeigt. Die Sammlung hat für Schulen besonderes Interesse. Nicht übermäßig zahlreich in seinen Einzelstücken werden die Kinder in kurzer Zeit eingeführt in die Geschichte der Waffe, vom Mittelalter bis zur Neuzeit, und das in anschaulicher Form vor Gegenständen, die wirklich aus dieser Zeit stammen, dazu tatsächlich echt und historisch beglaubigt, mithin historische Quelle und Urkunde sind. Die Aufstellung in dem Raume, der im übrigen ganz unverändert bleiben konnte, geschah nach modernen musealen Grundsätzen, und die Beschriftung, die erst später erfolgte, nach den letzten Erfahrungen: goldene Schrift auf schwarzem Grunde. Während die sonst vielfach übliche Museumsbeschriftung aus dem Raume „herausknallt“, fügt sich diese Schrift wunderbar in den Raum ein, ist gut leserlich. Die Schriftmalerei von dem leider kürzlich so jung verstorbenen Bernauer Schriftzeichner Fritz Hinze hat viel Beifall gefunden.
b. Die Waffensammlung.
Der Aufstellung du Anordnung der Waffen lieg der Gedanke, daß wir eine Wachtstube vor uns haben, zu Grunde. Sieben vollständige Rüstungen stehen aufrecht an den Wänden des quadratischen Raumes, als ob in Eisen gepanzerte Kriegsknechte auf Wache stehen. Den Kopf bedeckt eine Sturmhaube aus lichtem Eisen. Die verschiedensten Formen sind vertreten, von den altdeutschen Schallern“ (von „Schale“, oder Salade, ital.: celata), bis zur Form der orientalischen „Zischägge“, die bei berittenen und unberittenen Truppen vor der Zeit des dreißigjährigen Krieges auftritt. Unsere Zischägge hat einen mehrfach geschobenen Nackenschirm, wie ihn bis in unserer Zeit hinein die Kürassierhelme besaßen. Zum Schutze von Stirn und Nase konnte ein sogenanntes Naseneisen heruntergelassen und durch eine Schraube in bestimmter Höhe festgehalten werden. Beachtenswert ist, daß auch die in eine Wand eingelassene Steinfigur eines Hussitenkopfes denselben Stirn- und Nasenschutz zeigt: durch die Hutkrempe ist ein kurzes, pfeilähnliches Gebilde gesteckt. Brust und Rücken sind durch einen Harnisch geschützt. Dieser besteht aus einem kugeligen Bruststück mit starkem, umgelegtem Oberrande und mehrfach geschobenen Bauchreifen und Beintaschen, zum Schutze von Magen und Oberschenkel. Diese Geschübe sind teils genietet, teils mit Lederriemen befestigt. Zum Schutze des Schultergelenkes und des Oberarmes dienten sogenannte „Spangröls“.
Folgten auch die Moden nicht so schnell aufeinander, wie zu unserer Zeit, so lassen sich doch an dem Wandel der Harnischformen die Moderichtungen der einzelnen Jahrzehnte ablesen. Die Kugelbrust wird mit einem Mittelgrat versehen, der von unten nach oben geht; eine spätere Sonderform ist die sogenannte „Tapulbrust“, bei der der verlängerte Grat in eine scharfe, tiefsitzende Spitze ausläuft. Eine dieser Tapulbrüste trägt auf der linken Brustseite ein eingeätztes Kruzifix, das als Talisman seinen Träger vor Unfall behüten sollte. An Schmuckmotiven finden wir auf einer Rüstung einen schönen achtstrahligen Stern, auf einer anderen zwei paarweise sich kreuzende vertiefte Kehlungen, die vielleicht starken Lederriemen einen sicheren Halt bieten sollten. Es ist jedoch auch nicht unwahrscheinlich, daß diese Verzierung nur eine Nachahmung der bürgerlichen Tracht dieser Zeit darstellt. Wohlmodellierte Nietköpfe aus Messing begleiten häufig den Rand der Rüstungen und geben der harten Linienführung der Eisenharnische und der Sturmhauben ein gefälligeres Aussehen.
Die Landknechte, die augenblicklich dienstfrei sind, haben sich der schweren und unbequemen Waffenstücke entledigt und sie an die Wandflächen gehängt. Dort hängt auch manches Beutestück und manches, das ausbesserungsbedürftig ist, oder vergangener Zeit angehört. Reste von Kragen, Brust- und Rückenharnischen, Umgänge, Oberarmröhren, eiserne Handschuhe, Ellbogenkacheln zum Schutze der „Mäusel“, Oberschenkeldecken, Beintaschen, Kettenhemden usw. Eine reiche Sammlung! Das merkwürdigste ist eine Reihe von Armzeugen zum Schutze für den Ober- und Unterarm, und zwar sind alle vorhandenen nur für den linken Arm bestimmt. Wahrscheinlich war dieser seltsame Armschutz für die Armbrustschützen gedacht, denn im Kampfe mußten sie zum Zielen die linke Hand, vorn an den Säulenschaft ihrer Waffe legen; bei dieser Haltung war die Gefahr für die linke Hand und den linken Arm am größten. Die Linke war auch die vordere, die „Führungshand“ für die Lanze, wohingegen die Rechte als „Stoßhand“, als hintere, besser geschützt war. Der rechte Arm dagegen behielt seine volle Beweglichkeit. Nicht nur einzelne Teile von mittelalterlichen Armbrüsten sind vorhanden, sondern auch eine völlig erhaltene Wall-, oder Mauerarmbrust ist da, bei der mit einer starken Winde, der kräftige Bogen gespannt werden muß. Zu diesem Zweck trat der Fuß in einen Bügel, und beide Hände drehten die Winde, bis die Sehne durch eine „Nuß“ festgehalten wurde. Durch einen Hebel wurde die Nuß gedreht, und die Schnellkraft des Bogens schleuderte das Wurfgeschoß in die Weite. Von den Kriegsbolzen schmückt eine größere Anzahl die Ostwand.

Roßstirne, 1510.
Im Mittelalter hüllte sich nicht nur der Ritter in einen Harnisch, sondern auch das Streitroß war gepanzert. Von diesen Roßharnischen besitzt die Bernauer Rüstkammer drei interessante Roßstirnen, von denen die eine als Schmuck eine scharfe Spitze, die andere leichte Kanelierungen zeigt. Die Art der Arbeit läßt auf das zweite Jahrzehnt des sechzehnten Jahrhunderts schließen. Auf das dasselbe Jahrzehnt dürfte auch der Harnisch- oder Kürißsattel anzusetzen sein. Die krippenförmigen Hinterbogen des Sattels werden noch durch kreuzförmige Eisenstäbe gestützt. Ein Trag-, oder Marketendersattel, der wahrscheinlich um die Wende von 1700 entstanden ist, hat starke Haken zum Aufhängen von Lasten.

Küriß-Sattel, 1510.
Geradezu ein Riese unter den Schwertern ist der Zweihänder, oder Bidenhänder, der durch einen doppelbesoldeten Kriegsknecht von außerordentlich hohem Wuchse dem Heerhaufen vorangetragen wurde, um dem Gegner Angst einzuflößen und ihn mutlos und verzagt zu machen. Auf dem Marsche wurde dieses Schwert ohne Scheide auf der Schulter getragen, darum war auch die Angel mit Leder bezogen; und an der Angel sitzen zwei breitausladende, abwärtsgebogene Parierstangen mit schneckenförmig gebogenen Enden. Zwei Reiterschwerter aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Faustschutzbügeln und gut durchgebildetem Gefäß vervollständigen die Waffensammlung im unteren Raum.
Mächtige zinnerne Humpen auf einem rohgezimmerten Tische in einer Fensternische bezeugen, daß die Torwache einem frischen Trunke des guten Bernauer Bieres nicht abgeneigt war. Oftmals mögen die beinernen Würfel aus dem Knobelbecher auf den Tisch gerollt sein, bis die Tasche des Landsknechtes ebenso leer war, wie die alte Truhe mit dem überaus kunstvollen, nach fünf Seiten spielenden Schloß, es heute leider ist.
An dem Schlußstein des gotischen Gewölbes schaukelt an eisernen Ketten ein uraltes holzgeschnitztes Leuchterweibchen, das in seinen Händen das Bernauer Stadtwappen hält, und an dessen Rückseite ein mächtiges Hirschgeweih, mit eingebohrten Löschern zum Hineinstecken der Wachslichte versehen, befestigt ist.
Nachdem sich hinter uns die schwere, eisenbeschlagene Tür geschlossen hat, begeben wir uns in den oberen Raum des Turmes. Der obere Raum ist im wesentlichen der neueren Zeit gewidmet. Ein uraltes Faustrohr, über einen Dorn geschmiedet, hinten mit einem Keil verschlossen und mit einem starken hölzernen Stiele versehen, bildet den Übergang vom schweren Geschütz, zur leichteren Waffe des Fußvolkes. Wahrscheinlich entzündete man das Pulver der Pfanne durch einen glühenden Eisenstab. Erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts verwandte man dann Feuerschwamm, oder eine Lunte dazu. Daneben erzählen einige Gießformen von der Herstellung der Kugeln für Wall- und Hakenbüchsen. Morgensterne, eine gefürchtete Schlagwaffe der Zeit, sind in mehreren Formen vorhanden. Aus dem Morgenstern entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte der Marschallstab. Stangenwaffen sind in ihren Hauptformen vertreten: Streitaxt, Helmbarte, Roßschinder, Partisane und Spieß. Als Trabantenwaffe findet die Partisane noch heute bei festlichen Aufzügen Verwendung, z. B. in der Schweizergarde des Papstes. In den Kämpfen früherer Zeiten hat der Roßschinder, oder die italienische Gläve eine bedeutsame Rolle gespielt, weil die Fußknechte mit dem scharfen Haken, oder Rückenstachel, die gepanzerten Ritter von den Pferden zogen, oder mit der sensenförmigen Klinge in die Sehnen der Pferde einhieben und so Roß und Reiter beim Angriff zu Fall brachten. In einer Fensternische steht eine kleine Bronzekanone auf einer Standlafette.
Die große Zahl der Ha...
Inhaltsverzeichnis
- Hinweise
- Inhaltsverzeichnis
- Geleitwort
- Zueignung
- Bernau in sieben Jahrhunderten
- Die alte Stadtsiedlung
- Die alte Verwaltung, die Gilden
- Die Kalandsbrüder
- Landbesitz, Brauerei, Befestigung
- Die Hussiten vor Bernau
- Blütezeit im 15. Jahrhundert
- Der 30jährige Krieg
- Die Refugiés
- Der Chronist Tobias Seiler
- Zeitalter des alten Fritz
- Bernau um 1800, Städteverordnung
- Die Zeit der Freiheitskriege
- Die Eisenbahn
- Bernau von 1850 – 1900
- Die Marienkirche
- Die Baugeschichte der Marienkirche
- Die Stadtbefestigung vor Bernau
- Die Rüstkammer (Hussitenmuseum)
- Die katholische Kirche
- Bernau im heutigen Kultur- u. Wirtschaftsleben
- Bernau als Bierstadt
- Rundgang durch die Stadt
- Ausflüge in die Umgebung
- Bildanhänge aus der 3. Auflage (bis auf Stadtplan)
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